Husten, Schnupfen oder leichte Temperatur sind in der Erkältungszeit bei vielen Kindern an der Tagesordnung. Was früher kaum der Rede wert war, wird in Zeiten von Corona zur Belastungsprobe. Das Schulministerium hat zwar eine Anweisung herausgegeben, wie Eltern und Lehrer mit diesem Symptomen umgehen sollen – aber die trifft auf Widerspruch.

Für das neue Schuljahr hat das Schulministerium eine Handlungsanweisung an Lehrer und Eltern herausgegeben. Sie soll die Ausbreitung von Corona-Infektionen verhindern, schafft aber neue Herausforderungen für Eltern und Lehrer. Während Familien die Regelung unterschiedlich beurteilen, kritisiert die GEW im Kreis das Procedere mit deutlichen Worten.

Denn laut Handlungsempfehlung des Schulministeriums sollen Kinder schon bei Schnupfen zur Beobachtung zu Hause bleiben:

Quelle: Schulministerium NRW

Tritt keine Besserung ein, geht es zum Kinderarzt, und anschließend eventuell mit einer Überweisung zum Corona-Test. Die Teststationen befinden sich nach Informationen des Bürgerportals in Köln oder Leverkusen. Anschließend heißt es: Warten auf das Testergebnis. Erst dann kann das Kind – ein negatives Ergebnis vorausgesetzt – wieder in die Schule zurückkehren.

Belastung für Eltern

Das Procedere kann gut und gerne fünf Tage in Anspruch nehmen. Damit werden aus harmlosen Erkältungssymptomen schnell Herausforderungen für berufstätige Eltern. Sie müssen ad-hoc Home-Office, Kinderbetreuung sowie Termine bei Arzt und Abstrichstelle unter einen Hut bringen müssen. Das steigert Fehlzeiten und Betreuungsaufwand.

Das Bürgerportal hat sich umgehört: Eltern bewerten die Regelungen unterschiedlich. Manche sind für die Handlungsempfehlung dankbar, „das schafft Klarheit” heißt es. Sie bekommen das Procedere zusammen mit Home Office gut organisiert, profitieren von flexiblen Arbeitgebern.

Andere Eltern stoßen wieder an ihre Grenzen. Wer z.B. im Handel arbeitet, kann nicht immer eine Betreuung für seine kranken Kinder organisieren, sobald die Nase trieft.

Werden die Schulen durch die aktuellen Corona-Regeln des Schulministeriums wieder leerer?

Schwierig wird es zusätzlich dadurch, dass die Bereitstellung der Testergebnisse über die Corona-App nicht immer reibungslos funktioniert. Während manche Eltern ihr Ergebnis in 24 Stunden auf dem Smartphone-Schirm hatten, warteten andere vier Tage vergebens und telefonierten letztlich dem Befund hinterher.

Wenig „Realitätssinn” im Ministerium

Wie sieht es für Lehrer und Erzieher aus? Beate Lattenkamp und Mirko Komenda, Kreisvertreter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), finden harsche Worte: Man habe eine Handlungsempfehlungen schon zu Beginn der Pandemie benötigt, die aktuell vorliegende zeuge von wenig Realitätsinn im Schulministerium.

„Eltern schicken ihre Kinder auch mit Schnupfennasen in die Schule, weil das zur Jahreszeit gehört. Außerdem haben inzwischen viele Eltern kein Verständnis mehr für Quarantänemaßnahmen”, machen die Kreisvertreter klar.

Nach ihren Informationen sorgt die Handlungsempfehlung für größere Lücken in den Klassenräumen: “Es fehlen täglich Kinder, weil Eltern und Schule angehalten sind, Kinder mit Erkältungserscheinungen zu Hause zu lassen. So fehlen die Schüler nun länger, bisher bis zu einer Woche, wenn unter anderen Umständen das Kind gar nicht oder nur 1-2 Tage fehlen würde.”

Beate Lattenkamp und Mirko Komenda von der GEW werfen dem Schulministerium wenig Realitätssinn bei der Ausgestaltung der Corona-Regeln für Schüler vor (Fotos: GEW)

Das störe nicht nur den aktuellen Lehrplan, sondern erschwere auch das Nachholen des versäumten Unterrichtsstoffes: So werde es noch schwieriger den verlorenen gegangenen Stoff des vergangenen Schulhalbjahres aufzuholen.

Unterrichtstempo langsamer als vor Pandemie

Die Folge: Unterrichtsformen wie Partner- und Gruppenarbeiten, Werkstätten und Projekte, Musikunterricht, Religion, Sport seien nur sehr eingeschränkt möglich. Besonders im Grundschulbereich und in Förderschulen seien variierende Arbeitsformen nötig, machen Lattenkamp und Komenda deutlich. Man komme langsamer voran als vor der Pandemie.

Die GEW-Vertreter kritisieren die Planungsvorgaben aus Düsseldorf: “Wir zollen den Schulleitungen Respekt, die i.d.R. erst nach den Pressemitteilungen von neuen Vorgaben erfahren und dann im Eilverfahren diese umsetzen müssen, da Eltern schon Infos verlangen, bevor sie in der Schule angekommen sind.” Zudem lobe man den Einsatz der Kolleg:innen, die fachfremd Englisch, Sport, etc. unterrichten, um personalintensive Hygienekonzepte umzusetzen.

Wie läuft Ihr Alltag?

Welche Erfahrungen machen Sie als Lehrer oder Eltern mit schulpflichtigen Kindern? Helfen die neuen Regelungen? Oder bringen sie den Alltag wieder durcheinander? Ist der Schulalltag schwer zu organisieren? KÖnnen Sie ad-hoc ins Home Office wenn die Kinder krank werden?

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Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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2 Kommentare

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  1. Das ist für alle Beteiligten eine sehr schwere Situation. Aber wir haben letzte Woche Montag vormittags einen Test machen lassen müssen und bereits Dienstag morgen 6 Uhr ein Ergebnis gehabt. Das Testzentrum in Leverkusen war hier nahezu unschlagbar schnell – und für uns alle sehr beruhigend.

  2. Meine Töchter sind 13 und 15 und sehr selbständig. Die Problematik der Notwendigkeit der intensiven Betreuung stellt sich mir daher zum Glück nicht mehr.
    Allerdings musste auch meine Tochter schon wegen eines harmlosen Infektes eine ganze Woche zu Hause bleiben, obwohl sie spätestens nach drei Tagen wieder fit genug für die Schule war. In der Oberstufe verpasst man da schon eine ganze Menge, was man dann zusätzlich zum Normalpensum noch nacharbeiten muss.
    Und der Druck, die Bildungsversäumnisse des letzten Halbjahres nachzuholen, ist enorm.
    Am Schlimmsten finde ich allerdings die Unsicherheit auf allen Ebenen und die unklaren Vorgaben.
    Solange die Maskenpflicht im Unterricht galt, war das m. E. besser. Nun beruht das auf Freiwilligkeit und egal wie man sich individuell entscheidet, falsch ist es bestimmt in den Augen der jeweils anders Entscheidenden.
    Die Schulleitungen werden da aus meiner Sicht ziemlich alleingelassen und versuchen, das Beste aus der Notsituation zu machen. Ein Drahtseilakt…