Tim Eschbach, Maja Koepke und Sascha Marohl berichten über die Arbeit im Krankenhaus in Zeiten von Corona. Fotos: Thomas Merkenich

Mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgen die Krankenhäuser in der Region den Anstieg der Corona-Zahlen. Zwar sind die Mediziner gut vorbereitet, sie wissen viel mehr über das Virus und wie man damit umgeht. Aber ein mulmiges Gefühl bleibt. Wir haben uns im Marien-Krankenhaus umgehört.

„Wir wissen nicht, was auf uns zukommt – aber wir sind vorbereitet.“ Auf diesen vorsichtig zuversichtlichen Nenner bringt Tim Eschbach, Leitender Arzt in der zentralen Notfallambulanz, die aktuelle Situation im Marien-Krankenhaus.

Noch ist die Lage in den vier Krankenhäusern im Kreis ruhig, aber mit den Corona-Infektionen zieht auch die Zahl der stationär behandelten Patienten wieder an. Zuletzt hatte das Gesundheitsamt insgesamt sieben Fälle gemeldet.

Im Frühjahr hatten die Krankenhäuser unter dem Eindruck der dramatischen Bilder aus Italien Kapazitäten freigeräumt und neue geschaffen: die Zahl der Intensivbetten war alleine im MKH von zehn auf 16 erhöht worden. Zusammen mit dem Vinzenz-Pallotti-Hospital, das ebenfalls zu den GFO-Kliniken Rhein-Berg gehört, und dem Evangelischen Krankenhaus standen rund 50 Intensivbetten zur Verfügung.

Auch der Schockraum in der Zentralen Notfallambulanz des MKH ist mit einem Beatmungsgerät ausgestattet.

Das war mehr als ausreichend; insgesamt sind im MKH bislang 23 Corona-Patienten behandelt worden, davon vier auf der Intensivstation, einer ist gestorben.

Die zusätzlichen Intensiv-Betten im MKH sind zwar abgeräumt worden – können aber sehr schnell wieder eingerichtet werden und alle mit mobilen Beatmungsgeräten ausgestattet werden, sagt Sascha Marohl, Leitender Oberarzt der Anästhesiologie und Intensivmedizin der GFO Kliniken Rhein-Berg.

Insgesamt haben die vier Kliniken im Kreis – dazu zählt auch das Krankenhaus Wermelskirchen – derzeit 52 Intensivbetten im DIVI-Intensivregister gemeldet. Davon werden 38 als belegt ausgewiesen; drei Betten werden für Corona-Patienten genutzt, die alle invasiv beatmet werden.

„Keine italienischen Verhähltnisse“. Dr. Sascha Marohl im Gespräch

„Wir wissen sehr viel mehr”

Im Vergleich zur Lage vor einem halben Jahr fühlen sich die Mediziner deutlich gründlicher vorbereitet. „Wir haben die Pläne in der Schublade, können flexibel reagieren – und wir wissen sehr viel mehr als im Frühjahr“, berichtet Marohl.

„Wie erkennen jetzt viel besser, wann die rote Ampel angeht“, ergänzt Eschbach. Schon im Rettungswagen und in der Notaufnahme werden die Corona-Verdachtsfälle isoliert und unter Schutzmaßnahmen empfangen, bereits im Schockraum der Notaufnahme steht ein Beatmungsgerät.

Von Anfang an werden Corona-Verdachtsfälle separiert

Für die Beschäftigen in der Klinik, räumt Marohl ein, sei die Behandlung von Corona-Patienten noch immer schwieriger als bei anderen Erkrankten; dazu trage schon die Arbeit in der Schutzkleidung bei. Und trotz aller Hygiene-Regeln und Routinen bleibe der Rest eines mulmigen Gefühls.

„Ich habe keine Sorge, mich bei der Arbeit mit Corona zu infizieren“, sagt Maja Koepke, Krankenpflegerin in der Notfallambulanz. Aber sie höre von Kolleg:innen, die Angst hätten, das Virus aus der Klinik mitzunehmen und womöglich Angehörige anzustecken. Eine irrationale Sorge, aber sie zeigt, dass Corona mit vielen Unsicherheiten verbunden ist.

„Die alten Menschen weiter gut schützen”

Wie sich die Zahl der stationären Corona-Patienten in den nächsten Wochen entwickelt kann niemand vorhersagen. Das hänge auch vom Verhalten aller ab, vor allem mit Blick auf die größte Risikogruppe, sagt der Anästhesiologie Marohl: „Wenn wir es schaffen, weiterhin die alten Menschen gut zu schützen, dann werden wir niemals italienische Verhältnisse bekommen.”

Dabei komme es auch auf die Jüngeren an, betont Chefarzt Stefan Machtens. Sie selbst seien zwar in der Regel nur von milden Verläufen betroffen, aber dennoch Virusträger und damit eine Gefahr für Risikopatienten. „Das fällt Jugendlichen manchmal schwer zu akzeptieren – aber auch sie stehen in der Verantwortung“, sagt Machtens.

Auch Pflegerin Maja Koepke beobachtet, dass die Disziplin nachlässt. Selbst im Wartezimmer der Notaufnahme müsse sie immer wieder Leute ermahnen, den Mund-Naseschutz richtig zu tragen.

Corona-Regeln helfen auch gegen die Grippe

Für die Masken-Debatte hat das Klinikpersonal kein Verständnis. Masken seien – ebenso wie das Einhalten der Abstands- und Hygieneregeln – wichtig und notwendig. „Wir wissen doch inzwischen, dass Corona vor allem über Tröpfencheninfektionen übertragen wird. Der Mund-Nase-Schutz ist ganz entscheidend“, betont Eschbach.

Dr. Tim Eschbach, Leitender Arzt in der zentralen Notfallambulanz des MKH

Wer das beachte verhindere auch, dass sich andere Infektionskrankheiten schnell ausbreiten. Zwar müsse man im Herbst und Winter mit Husten, Schnupfen und Grippe rechnen – aber wer Abstand halte, sich häufig die Hände wasche und in kritischen Situationen einen Mund und Nasen-Schutz nutze, trage viel dazu bei, dass auch die Grippe zurückgedrängt werde. Von Corona ganz zu schweigen.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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