Roman Salyutov hat eine besondere Ausstellung nach Bergisch Gadbach geholt und trotz aller Corona-Beschränkungen eröffnet: 15 Zeichnungen des Österreichers Manfred Bockelmann mit Porträts von Kindern und Jugendlichen, die in Auschwitz ermordet wurden, werden (zunächst) in den Schulen der Stadt gezeigt.

Zum Gedenktag an die Reichspogromnacht wurde am Montag eine besondere Ausstellung in der Integrierten Gesamtschule Paffrath eröffnet. „Zeichnen gegen das Vergessen” – so heißt eine Reihe von über 100 Zeichnungen des österreichischen Künstlers Manfred Bockelmann, von der nun 15 Exemplare präsentiert wurden.

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Bockelmann zeichntete anhand verschiedener Achivmaterialien, vor allem Lagerfotos, Kinder und Jugendliche, die ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort größtenteils ermordet wurden. Er möchte, so der Künstler, zumindest einigen Namen und Nummern, Gesichter geben und sie aus der Anonymität herausheben.

Der Initiator der Austellung, der Pianist und Dirigent Roman Salyutov wurde auf diese Zeichnungen durch eine Auschwitz-Überlebende, die er 2019 auf einer Konzertreise seines deutsch-israelischen Yachad Chamber Orchestra in Krakau kennenlernte, aufmerksam gemacht.

Die Frau, die als kleines Mädchen auf Schindlers lebensrettender Liste stand und dadurch ihrem Tod in der Gaskammer im letzten Moment entkam, bat Salyutov darum, sich dafür einzusetzen, dass diese Ausstellung möglichst mehr Leute in Deutschland erreicht. Manfred Bockelmanns Anliegen dabei war, dass auch möglichst viele junge Menschen auf diese Weise an dieses Thema herangeführt werden.

Nun ist die Ausstellung in Bergisch Gladbach angekommen und wird erstmal als schulinternes Bildungsprojekt wöchentlich in verschiedenen Schulen der Stadt und Umgebung gezeigt. In der letzten Januar-Woche – anlässlich des Tages der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 1945 – wird sie ihre letzte Station im Albertus Magnus Gymnasium erreichen und in diesem Rahmen auch für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Zur Eröffnungsveranstaltung kamen die Schulleiterin der IGP Paffrath Angelika Wollny und stellvertretender Schulleiter Andreas Bremm, Lehrer:innen, wie auch eine Oberstufenklasse. Die Schüler:innen lasen Beiträge zur Pogromnacht 1938 vor, sowie zu antisemitischen Angriffen in der jüngsten Vergangenheit.

Roman Salyutov warnte in seiner Rede davor, die Pflege der Erinnerungskultur zu einer Rountineaufgabe verkommen zu lassen. „Es ist eine große moralische Verantwortung”, betonte er. „Wenn man wegschaut, sich weigert oder für nicht zuständig erklärt, gegen jegliche Erscheinungen von Hass gegen die Juden und den Jüdischen Staat die Stimme zu erheben, verkommen Gedenkveranstaltungen zu rituellen Gesten mit leeren Worten”.

„Wer vom heute weit verbreiteten Antisemitismus und Israelhass, egal unter welchem Deckmantel er verpackt ist, nichts mitbekommen wolle, sich nicht bilden und aufklären lasse, zählt zur schweigenden Masse“, sagte Salyutov.

Den Zivilisationsbruch der Shoah habe aber damals eine schweigende Masse möglich gemacht. „Die Pflege der Erinnerungskultur muss eine ständige Mahnung und Motivation für täglich entschlossenes Handeln sein. Wer das nicht versteht, ist dieser Aufgabe nicht würdig. Worte haben wir genug“, sagte Salyutov. 

Er versuchte, den Schüler:innen begreiflich zu machen, dass ihre jüdischen Gleichaltrigen in Deutschland 75 Jahre nach dem Ende der Shoah noch immer kein unbeschwertes Schulleben wie sie genießen können – jede jüdische Schule des Landes steht wegen immer präsenter Bedrohung unter Polizeischutz.

Auch in nicht-jüdischen Schulen kommt es zu Beleidigungen und Übergriffen auf jüdische Kinder. „Ich appeliere an euch – bleibt euch bitte der großen Verantwortung bewusst”, bat Salyutov die Schüler:innen. „Von eurer Bildung und eurer entschlossenen Haltung gegen jede Form von Juden- und Israelhass hängt ab, wie die Zukunft dieses Landes aussehen wird.”

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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2 Kommentare

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  1. Ich hoffe, dass allen Leser*innen bewusst ist, dass Roman das alles ehrenamtliche und ohne Unterstützung der Stadtverwaltung macht. Ich finde es schon erstaunlich, dass nach all den Jahren, in denen er Bildungs-, Aufklärungs- und Kulturarbeit im künstlerischen, politischen, historischen und städtepartnerschaftlichen Bereich geleistet hat, niemand auf die Idee kommt, dass es ein Unding ist, dass er das in seiner Freizeit machen oder selbstorganisiert durch Spenden und Vereine finanzieren muss. Warum kann man dieses offensichtliche Talent, die offensichtliche Leidenschaft, die internationale Vernetzung und die Tatkraft nicht anerkennen und entsprechend in die städtischen Strukturen und Budgets integrieren?

  2. Was für ein großes Geschenk, dass wir in Bergisch Gladbach einen/”unseren” Roman Salyutov haben !!!