Statt einer Mahnwache fand in diesem Jahr nur ein stilles Gedenken statt. Rechts mit dem Transparent Walborg Schröder

Seit 30 Jahren organisiert Walborg Schröder die Mahnwache „Gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus, für Toleranz und soziale Gerechtigkeit“ in Bergisch Gladbach. In diesem Jahr verhinderte Corona eine öffentliche Veranstaltung, daher dokumentieren wir eine Botschaft von Walborg Schröder.

„Erinnern und Handeln! Die Mahnwache „9. November – Gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus, für Toleranz und soziale Gerechtigkeit“ fand in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie, nicht wie seit nunmehr 30 Jahren an der 1990 in Bergisch Gladbach angebrachten Gedenktafel statt, deren Text lautet:

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„Auf dem Gelände des ehemaligen Stella-Werkes wurden 1933 durch die SA Kommunisten gefangen gehalten und misshandelt. Jüdische Bürger wurden 1941 hier zwangsinterniert und anschließend in Konzentrationslager deportiert.“

Unser Dank an Magda Gatter und Wolfgang Kondruß, Bergisch Gladbach, den Initiatoren  dieser Gedenktafel. Die Mahnwache wird traditionell in Kooperation von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN-BdA), und vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Rhein-Berg organisiert.

Ich möchte in meinem Beitrag an die tapferen Frauen und Männer aus Bergisch Gladbach erinnern, die von den Nazis in Gefängnisse gesperrt, hingerichtet und in die Emigration getrieben wurden. Wir gedenken ihrer und aller Opfer der Nazigewaltherrschaft. Ihr Kampf darf nicht umsonst gewesen sein.

In dem 1979 von Karl Heinz Schröder herausgegebenen Buch „Antifaschisten aus Bergisch Gladbach berichten“ schildern sie, die die Nazibarbarei überlebt haben, ihre schrecklichen immer mit Lebensgefahr verbundenen Erlebnisse in Gefängnissen, Konzentrationslagern und in der Emigration, wie der jüdische Journalist Ismar Heilborn, die Kommunisten Hans Kroll, Carl Schlieper und viele andere.

Wir erinnern an den Sozialdemokraten Peter Walterscheidt, der von den Nazis durch die Stadt getrieben wurde, an Trautchen Hamacher, die im Gefängnis hinter dem Rathaus in Dunkelhaft eingesperrt war, weil sie gegen die Nazis kämpfte und z.B. im Kinderwagen illegale Flugblätter transportiert hatte. Das hat Heinrich Böll in einem Interview mit ihr dokumentiert.

In unserer Stadt  gibt es viele Stolpersteine, die an unsere ermordeten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger erinnern. Halten Sie inne, wenn Sie an einem Stolperstein vorbeikommen. Sprechen Sie über die barbarische Judenvernichtung mit ihren Kindern und Enkeln und lassen Sie nicht zu, dass in unserem Lande wieder gegen Juden gehetzt und ihnen nach dem Leben getrachtet wird.

Ich bin 87 Jahre alt und habe am eigenen Leib erfahren, was Krieg und Faschismus bedeutet. Mein Vater war Lehrer und wurde 1933 von den Nazis aus dem Schuldienst entlassen, weil er in der SPD war und als jüdisch-bolschewistisch Kreatur in der Nazipresse dargestellt.

Diesen Presseausschnitt habe ich noch. Das alles hat mich in meiner Lebenseinstellung: „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg! Für Völkerverständigung!“ geprägt. Gemeinsam gegen Nazis.

Bleiben Sie gesund. Wir sehen uns bei der nächsten Mahnwache im Jahr 2021 wieder.“

Walborg Schröder, VVN-BdA, Bergisch Gladbach, Mitorganisatorin der Mahnwache seit 1990

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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