Marcus Otto, Geschäftsführer des Handelsverbands NRW -Rheinland

Mit großer Enttäuschung reagiert Marcus Otto, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands NRW-Rheinland, auf die Entscheidung der Richter, die verkaufsoffenen Sonntage im Corona-Advent zu kippen. Das könne einzelnen Geschäften den Todesstoß versetzen, ganze Innenstädte drohten zu veröden.

Für den Einzelhandel ist der Advent die umsatzstärkste Zeit des Jahres – und in 2020 nach der Schließung im Frühjahr und dem partiellen Lockdown im Spätherbst überlebenswichtig, sagt Marcus Otto als Vertreter der Händler. Sein Verband habe die negative Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster zwar befürchtet, sei aber dennoch sehr enttäuscht: „Das ist ein echter Schlag in die Magengrube.“

Das OVG gab einer Klage der Gewerkschaft Verdi statt und untersagte die im Rahmen der Coronaschutzverordnung in NRW vorgesehenen bis zu fünf verkaufsoffenen Sonntage vor und nach Weihnachten. Ziel der Landesregierung war es, durch die Öffnung am Sonntag den unterstellten Andrang am Samstag in den Geschäften zu entzerren. Einen solchen Andrang hält das Gericht vor allem in kleineren Städten für unwahrscheinlich, in größeren Städten könne an den Sonntagen ein zusätzlicher Andrang entstehen. Daher sei die Öffnung im Sinne des Infektionsschutzes nicht gerechtfertigt.

„Verdi schadet den eigenen Mitgliedern“

Die Landesregierung habe die Sorgen und Nöte der Händler erkannt, das OVG und Verdi hätten jedoch einen Strich durch diese Rechnung gemacht, urteilt Otto. Damit schade die Gewerkschaft aber auch den eigenen Mitgliedern – denn Beschäftigung gebe es nur dort, wo Umsatz gemacht werden. „Genau das hat das Gericht jetzt untersagt“, so Otto. Der fehlende finale Verkaufstag am Adventssonntag werde „einigen Händlern wirklich den Todesstoß versetzen“.

Nach einem schlechten bis sehr schlechten Jahr für die einzelnen Handelsbranche sein der „Niedergang des stationären Einzelhandels insbesondere in den großen Zentren nicht mehr von der Hand zu weisen“, sagt der Hauptgeschäftsführer.

„Ganze Stadtteile veröden“

Überall werde darum gekämpft, dass die Innenstädte lebendig bleiben – nun habe er die Sorge, „ganz große Sorge, dass Innenstädte wirklich wegbrechen können und ganze Stadtteile veröden“, warnt Otto. Dieser Weg lasse sich nur aufhalten, „indem man die Innenstädte attraktiv gestaltet und das Verkaufen zulässt. Genau das hat das OVG gerade verhindert.“

Der Handel werde nicht aufhören, Ideen zu haben, sagt Otto. „Aber jetzt muss man wirklich überlegen, wie es weitergeht.“

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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5 Kommentare

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  1. Ein völlig rückwärts gewandtes Urteil. Verdi bedroht damit die Arbeitsplätze der eigenen Mitglieder. Die Menschen werden mehr und mehr im Internethandel kaufen. Die politischen Bemühungen die Innenstädte wieder attraktiver zu machen, in dem die Aufenthaltsqualität erhöht wird, werden damit unterminiert.

  2. Dreist und rücksichtlos!

    Die COVID-19-Pandemie trifft uns alle. Allerdings nicht alle gleich gerecht und fair. Während bestimmte Branchen von Einschränkungen oder Schließungen verschont bleiben, geraten manche an den Rand des Ruins. Auch wenn es für die einige Maßnahmen nachvollziehbare sachliche Gründe gibt, fehlt für die willkürliche Ungleichbehandlung eine wissenschaftliche Basis.

    Mindestens 30% aller Gastronomie- und Hotelbetriebe sind konkret von Insolvenz und damit von endgültigen Betriebsschließungen bedroht. Damit stehen allein in NRW 130.000 Arbeitsplätze zu Disposition. Auch Künstler, Theater, Weihnachtsmärkte, Kosmetik- und Sportstudios schauen in einer ungewisse Zukunft.

    Die getroffenen Maßnahmen und willkürlichen Schließungsanordnungen hatten in den letzten Wochen kaum Wirkung gezeigt, denn an anderer Stelle wurden keine Schutzmaßnahmen ergriffen.

    Gleichzeitig bleiben Schulen geöffnet und der überfüllte ÖPNV sind wohl einer der größten Ansteckungsgefahren. In vielen Unternehmen gibt es fast keine Hygienemaßnahmen und Auflagen.

    Die CDU/FDP Landesregierung NRW versuchte es mit einem Trick – und wollte die verkaufsoffenen Sonntage selbst zu einem Argument für angeblich mehr Infektionsschutz machen und sie damit ausdrücklich erlauben. Davon ist jetzt keine Rede mehr und es geht nur noch um Verkaufszahlen, statt um die Gesundheit, wie man an der heftigen Reaktion der Einzelhandelslobby ablesen kann. Offenbar ging es auch der Landesregierung nicht um den Gesundheitsschutz.

    Die letzten verkaufsoffenen Sonntage in NRW haben zu einer weiteren Ausbreitung der Pandemie beigetragen. Es ist richtig, dass diese zusätzlichen Hotspots durch das Gericht verboten wurden.

    Die aktuell selektive Auswahl der Schutzmaßnahmen scheint fast wirkungslos und nur sehr langsam wirksam. Das trägt zu einer eine Verlängerung des „Lockdowns“ und weiteren Todesfällen bei und belegt, das bestimmte Branchen unbegründet zu Sündenböcken gemacht wurden.
    In dieser Situation ist es nicht nur völlig unverständlich, sondern auch dreist, dass die Lobby des Einzelhandels weiterhin verkaufsoffene Sonntage und damit neue Corona-Hotspots fordert.

    Tatsächlich sollte man auch dort die Hygienemaßnahmen deutlich verschärfen und auch besser kontrollieren, denn in vielen Einzelhandelsbetrieben wird keine Rücksicht auf die AHA+L Regeln genommen. An manchen Stellen macht man einfach weiter als würde es keine Pandemie und als würde es keine Corona-Toten geben.

    Der „Niedergang des stationären Einzelhandels insbesondere in den großen Zentren“ wird nicht durch COVID-19 verursacht, sondern hat viele Ursachen, die auch durch die neoliberale Kommunalpolitik der letzten Jahre verursacht wurden. Jetzt so zu tun. als wäre COVID-19 der Todesstoß für den Einzelhandels, um damit in Corona-Zeiten verkaufsoffene Sonntage durchzusetzen, die tatsächlich die Infektionszahlen und Todesfälle weiter steigern würden, ist nicht nur dreist, sondern auch unreflektiert, unsozial und rücksichtslos.

    Der Einzelhandel sollten sich ein Beispiel an den Unternehmen nehmen, die im letzten Lockdown und im Sommer in die Verbesserung der Hygienemaßnahmen investiert haben, um ihre Gäste und Kunden zu schützen.

    Obwohl kaum mehr Platz für neue PKWs in den Zentren setzt der Einzelhandel immer noch auf kostenloses Parken und CO2-steigernde Förderung des Autos. Wo sind die Forderungen nach ticketlosen ÖPNV, um so mehr Kunden in die großen Zentren zu locken?
    Warum hört man aus dem stationären Einzelhandel nicht die Forderung nach einer höheren Mehrwertsteuer oder nach einer CO2-Abgabe für den Online-Handel?
    Immer mehr Mitarbeiter im Einzelhandel haben unsichere Arbeitsverträge und niedrige Löhne, arbeiten für Zeitarbeitsfirmen oder habe schlechte Arbeitszeiten. Wo sind die Fortbildungsmaßnahmen für die Mitarbeiter, bessere Bezahlung und sicherer Arbeitsplätze für mehr erfahrenes Fachpersonal und damit eine höhere Beratungsqualität und Kundenzufriedenheit?

    …. und anderes ….

    Corona-Schutzmaßnahmen sind richtig und wichtig, doch benötigen wir eine gerechte Verteilung der Maßnahmen, welche auch sachlich begründet werden können. Hier müssen alle Beteiligten und Betroffenen ideologische Dogmen ablegen und die Ziele der Maßnahmen ins Blickfeld nehmen. Es geht um unsere Gesundheit und um Menschenleben.

    #Tomás M. Santillán

  3. @Petra S. :Sonntags ist der Tag wo man ein bißchen Zeit hat, mit der Familie zu bummeln
    Sehen die beschäftigten im Einzelhandel sicher genauso.
    Wer es in den normalen Geschäftszeiten nicht schafft, dem ist nicht zu helfen.
    Und auf den Verweis, das dann im Netz alles gekauft wird, daran ändern auch offene Sonntage nix. Es wird maximal geschaut und informiert und dann im Netz bestellt.

  4. Wenn ich Gastronom wäre, würden mir auch 75 % Umsatzerstattung ohne Materialeinsatz reichen, mein Personal wäre entweder in Kurzarbeit oder entlassen.
    Das jeder geldgeile Händler gerne ähnliches hätte, ist verständlich, wäre volkswirtschaftlich aber der reine Irrsinn. Der Unterschied ist, das die Geschäfte weiter öffnen dürfen. Wenn der Kunde das nicht so annimmt wie gewünscht, läuft das unter unternehmerischem Risiko. Und der Steuerzahler soll dann für verfehlte Geschäftskonzepte bezahlen. Danke

  5. Die 4 offenen Sonntage vor Weihnachten wären eine kleine Unterstützung für den Handel gewesen.
    Jeder Händler hätte es ja für sich entscheiden können ob er mitmachen möchte oder nicht.
    Die Gastronomie bekommt 75%, warum der Handel nicht? Wenn die Händler auch 75% ihres letzten Nov./Dez. Umsatzes bekommen würden, könnten viele beruhigter schlafen.Man sieht ja bei der Gastronomie das vielen die 75% reichen und diese garn nicht mehr den Aufwand betreiben außer Haus anzubieten.Natürluch sind auch viele dabei die alles geben um auch weiterhin den Kontakt zu ihren Gästen zu halten.Sonntags ist der Tag wo man ein bißchen Zeit hat, mit der Familie zu bummeln.Man braucht sich nicht zu wundern wenn die Städte jetzt erst recht aussterben und der Onlinehandel boomt.