Das Zanders-Areal gehört der Stadt, ein Teil wird für die Papierproduktion genutzt.

Bürgermeister Frank Stein hat einen Vorschlag des Zanders-Investors Tom Olander abgelehnt, die Miete für das Grundstück für sechs Monate im Voraus bar zu bezahlen. Ausgerechnet der Insolvenzverwalter machte diesen Vorstoß wenige Tag vor dem Ablauf der letzten Frist jetzt öffentlich.

In den vergangenen Wochen habe Zanders-Investor Tom Olander tatsächlich eine Vorauszahlung ins Spiel gebracht, bestätigt die Stadtverwaltung auf Anfrage des Bürgerportals. Dabei habe es sich jedoch um eine „vage Idee“ gehandelt, die „nicht annähernd die notwendige Mindestabsicherung gewährleisten könnte”.

Eine solche Vorauszahlung wäre nach Einschätzung der Stadtverwaltung und ihrer Anwälte„insolvenzrechtlich anfechtbar“. Im Fall einer erneuten Insolvenz der Papierfabrik müsste die Stadt das Geld an die Gläubiger herausgeben. Zudem bliebe sie „auf den Folgekosten für Verkehrssicherung und Rückbau sitzen“, heißt es in der Stellungnahme der Stadt.

Nach wie vor wird nach einer Lösung gesucht, wie die Eigentümer der Zanders Paper GmbH Sicherheiten für einen neuen Mietvertrag wenigstens bis zum nächsten Sommer nachweisen können – nachdem der Insolvenzverwalter Marc d’Antoine zum 1. November das bisherige Dreiecksmietverhältnis nicht weiter verlängert hatte.

Marc d’Avoine hatte 2018 die Insolvenzverwaltung der alten Zanders GmbH übernommen. Foto: Archiv

Bis zum 31. Dezember verlangt die Stadt einen Solvenznachweis und droht mit einer Räumungsklage. Der Stadtrat hatte diese Position von Bürgermeister Frank Stein zuletzt Anfang Dezember mit einem einstimmigen Beschluss bekräftigt.

D’Antoines Anwaltskanzlei veröffentlichte jetzt eine Erklärung, in der sie die aktuelle Lage als „misslich“ bezeichnet; der fehlende Mietvertrag gefährde den Bestand von Zanders (siehe Dokumentation unten).

Die Aussage der Stadt Bergisch Gladbach, der Insolvenzverwalter wolle sich aus der Verantwortung stehlen, wird zurückgewiesen: Auch das Insolvenzteam werde „nicht müde, auf den Investor einzuwirken, Verpflichtungen zu erfüllen und progressiv zum Abschluss zu kommen“.

Die Anwälte des Investors, so der Insolvenzverwalter, hätten „sinngemäß erklärt, die „wesentlichen Bedingungen für den Abschluss eines Pachtvertrages erfüllen“. Die Ansprüche der Stadt, so der Vorschlag, sollten „vorab bis 30.06.2021 durch Barzahlung“ beglichen werden. Was der Insolvenzverwalter von diesem Vorschlag hält, lässt er offen.

Nachdem die Stadt die Vorauszahlung abgelehnt hat ist das Schicksal des Unternehmens mit seinen noch 400 Mitarbeitern wenige Tage vor Ablauf der Deadline völlig offen. Bitten um Stellungnahmen werden von der Betriebsleitung seit Freitag nicht beantwortet, Mails treffen auf Abwesenheitsnotizen. Ein Insider beteuert auf Nachfrage jedoch, dass hinter den Kulissen weiter gearbeitet werde.

In der Mitteilung des Insolvenzverwalters wird ein Lösungsweg skizziert, den zuvor schon Bürgermeister Frank Stein ins Spiel gebracht hat: Die skandinavischen Investoren mit Olander an der Spitze gründen eine „unbelastete Gesellschaft mit entsprechenden Mitteln“, die als solventer Mieter gegenüber der Stadt auftreten kann. Auf dieses „neue Konzept“ für Zanders warteten jetzt alle Beteiligten mit Spannung, schreibt der Insolvenzverwalter.

Dokumentation

Pressemitteilung des Insolvenzverwalters Marc d’Avoine vom 18.12.2020

„Stadt macht Druck, Mietvertrag mit Zanders lässt auf sich warten

Leider gibt es zwischen der Stadt und der Firma Zanders Paper GmbH bzw. der Zanders Estate GmbH noch keinen Mietvertrag, weder einen langfristigen, noch einen befristeten bis 30.06.2021. Das ist misslich und gefährdet den Bestand von Zanders. Zwar ist das Insolvenzteam über die konkreten Gespräche und den aktuellen Verhandlungsstand nicht informiert. Gleichwohl werden der Insolvenzverwalter und seine Vertreter nicht müde, auf den Investor einzuwirken, Verpflichtungen zu erfüllen und progressiv zum Abschluss zu kommen. Dessen anwaltlicher Vertreter äußerte sinngemäß, die wesentlichen Bedingungen für den Abschluss eines Pachtvertrages erfüllen und auch Ansprüche der Stadt vorab bis 30.06.2021 durch Barzahlung begleichen zu wollen. Das hoffen alle Beteiligten.

Der Verwalter hält sich an das Amt und die Beschlusslage des Gläubigerausschusses. Nachdem der Geschäftsbetrieb bereits seit dem 01.12.2018 von der Zanders Paper GmbH geführt wird, obliegt es deren Management incl. Gesellschafter einerseits und der Eigentümerin der Immobilien – der Stadt Bergisch Gladbach – andererseits, eine Fortführung des Betriebs zu ermöglichen. Die Zwischenschaltung der Insolvenzmasse kann und darf keine Dauerlösung sein. Sie ist auch nicht der gesetzliche Auftrag des Insolvenzverwalters. Das wurde in der jüngsten Gläubigerausschusssitzung erneut bestätigt.

Historie

Bis zum 31.10.2020 bestand ein Vertrag über das Zanders-Areal, das durch die Zanders Paper GmbH genutzt wird. Ab November 2020 – eigentlich bereits Anfang 2019 (sic!) – sollte ein unmittelbarer Vertrag mit der Nutzerin oder einer „frischen“ neuen Gesellschaft geschlossen werden. Vorzugsweise ein langfristiger, aber als Zwischenlösung auch ein kurzfristiger befristeter Vertrag. Das bekräftigte der Gesellschafter Tom Olander mehrfach.

Die Stadt und Zanders kennen einander. Die Stadt lässt seit Jahren Service- und Sicherungsaufgaben auf dem Zanders-Gelände von der Nutzerin Zanders erledigen – sei das die frühere Zanders GmbH, sei es die Zanders Paper GmbH, mit der die Stadt einen Servicevertrag unterhält und an die sie Serviceentgelte zahlt. Das war vor der Insolvenz (gegenüber der Zanders GmbH) schon so, auch, als noch der Insolvenzverwalter den Betrieb führte, also bis 30.11.2018. Nunmehr erhofft sich Zanders einen Mietvertrag von der Stadt und ist – so Olander – bereit, eine unbelastete Gesellschaft mit entsprechenden Mitteln einzusetzen und diese mit Kapital auszustatten.

Alle Beteiligten warten mit Spannung auf „das neue Konzept“ für Zanders. Dieses ist auch für den Insolvenzverwalter und damit für die Insolvenzmasse relevant, weil die Masse Ansprüche hat, welche zum Teil geregelt sind und zum Teil noch der Regelung bedürfen. (Details unterliegen dem Datenschutz.) Das erwartete aktuelle Konzept der Betreiberin kann nur von der Betreiberin selbst kommen. Dass der Insolvenzverwalter die Geschäftsführung, Management und Gesellschafter Zanders mehrfach und intensiv zur Vorlage des Konzeptes aufgefordert hat, ist selbstverständlich.

Für den Fall, dass die Investoren die Frist bis Ende 2020 verstreichen lassen, hat der Rat vorsorglich wohl die weitere Vorgehensweise festgelegt: Die Stadtverwaltung ist dann ermächtigt, „unverzüglich alle rechtlich notwendigen Schritte“ einzuleiten, „um die nachvertragliche Nutzung der Betriebsgrundstücke durch die Insolvenzmasse“ zu beenden, so lautet die Mitteilung der Stadt. Wenn notwendig sei dies auch im Wege der Zwangsvollstreckung durchzusetzen.

Die Insolvenzverwaltung ist weiter aktiv, um einen Konsens zu erreichen und eine Lösung im Interesse der Gläubiger, aber auch der Beschäftigten zu finden. Dazu gehörte auch finanzielles Entgegenkommen gegenüber Zanders, soweit vertretbar. Die Stadt hat unter der Geltung des ehemaligen Zwischenmietvertrages mit der Insolvenzmasse jeden EURO erhalten und auf nichts verzichten müssen. Das ist bei den anderen Gläubigern der Zanders Paper gravierend anders. Verständlich ist, dass die Stadt vom Pächter verlangt, dass dieser über eine „ausreichende Solvenz verfügt, die es ausschließt, dass er während der nächsten 6 Monate in Insolvenz gehen wird“. Olander soll dazu Barzahlung der gesamten Pacht für 6 Monate vorab angeboten haben.

Wer meint, der Insolvenzverwalter der Zanders GmbH könne „sich jetzt nicht aus der Verantwortung stehlen“, liegt falsch. Verantwortung wird sehr wohl getragen, und zwar vom Insolvenzverwalter persönlich und von den Gläubigern in der Gesamtheit. Der Ausschuss hatte die Entscheidungen pro Zanders Paper seinerzeit sorgsam abgewogen, Chancen und Risiken bewertet und dann zu Gunsten der Papierfabrik in Bergisch Gladbach und dem Erhalt der Arbeitsplätze entschieden. Hätten Verwalter und Ausschuss in 2018 anders entschieden, wäre der Betrieb längst erloschen. Alle Entscheidungen, die umgesetzt wurden, traf der Gläubigerausschuss einstimmig. Insofern haben nicht nur die Insolvenzverwaltung, sondern auch andere Stakeholder ein vitales Interesse an einer zukunftsfähigen Lösung.

Ausblick

Möge von allen Beteiligten die knappe Zeit genutzt werden, unter Wahrung ihrer jeweiligen Interessen einen gangbaren Weg für die Zukunft zu finden und der Fortführung Zanders zum Erfolg zu verhelfen!“

Weitere Beiträge zum Thema Zanders:

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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6 Kommentare

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  1. Bitte beachten Sie, dass Sie hier einen uralten Artikel kommentieren. Hier können Sie sich auf den aktuellen Stand bringen:

    https://in-gl.de/schlagwort/zanders/

    Das Grundstück gehört seit Jahren der Stadt Bergisch Gladbach. Sie hatte es gekauft, um dem Unternehmen in höchster Not Liquidität zu verschaffen. Für die Nutzung der nicht mehr von Zanders benötigten Flächen wird derzeit ein umfassendes Konzept erarbeitet:

    https://in-gl.de/schlagwort/zanders-areal/

  2. Es ist meiner bescheidenen Ansicht davon auszugehen, daß sich die Stadt Bergisch-Gladbach mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln des Geländes von “Ex-Zanders” bemächtigen will und wird.

    Kann man ja dann prima als Bauland verschachern…

    Alle formalrechtlichen Winkelzüge, welche dieses unterstützen, werden demzufolge ohne Rücksicht auf Verluste durchgezogen.

  3. Herr Havermann hat die richtige Antwort veröffentlicht! Es ist zwar schade, dass ZANDERS insolvent ist und vielleicht bald die Tor ganz schließt, aber von “früher” kann die Firma wohl nicht existieren. Egal wie der Bürgermeister hieß oder heißt: Es ist dafür zu sorgen, dass anständige Verträge geschlossen werden, die uns Bürgerschaft nicht durch die Hintertür hohe Kosten auferlegt!

  4. Ich kann Herrn Havermann in allen Dingen nur absolut zustimmen.
    Als Zanders noch Zanders war, konnte man noch von einer Familie reden, die sich für die Stadt und ihre Belegschaft eingesetzt haben.
    Jetzt geht es nur noch um das Ausschlachten dieser Firma. Da ist allerhöchste Aufmerksamkeit bei dem aktuellen Stadtrat notwendig, dass die Bürger dieser „ wunderschönen Stadt“ nicht die Opfer der taktischen Kriegsführung von Herrn Olander werden.
    Ich bin angenehm überrascht, und erfreut, dass der aktuelle Rat einstimmig genau an der Stelle weiter macht, wo der letzte Rat und unser Ex BM Lutz Urbach aufgehört haben.

  5. Werte Frau oder Herr Wohlkittel,

    Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters, warum Sie Bergisch Gladbach für “wunderschön” halten. Ebenso subjektiv schreiben Sie von ZANDERS als der “Stadtgründerin” Bergisch Gladbachs, während die Geschichte anderes berichtet. Zweifelsohne war ZANDERS ein herausragendes Unternehmen, das vielen Menschen Lohn und Brot gegeben hat und Weltruf besaß. Nun sind diese Zeiten lange vorbei und Ihr Kommentar liest sich wie ein Nachruf auf längst Gewesenes, wenn da nicht die Angriffe auf Politiker wären. Hier wird nichts verramscht, hier achtet man darauf, dass die Bürger:innen unserer Stadt nicht in Abgaben getrieben werden, die von früheren Managern bis hin zu den skandinavischen Heuschrecken geschuldet sind. Sie scheinen nicht zu blicken, dass der Niedergang ZANDERS’ ein jahrzehntelanger, hausgemachter ist und keineswegs erst von den Ereignissen der letzten 2 – 3 Jahre in Gang gesetzt wurde. Wir können froh sein, dass der ehemalige Bürgermeister das Gelände kaufte und der jetzige diesen Weg des achtsamen Umgangs weitergeht.

    Ihren Ruf nach Einhaltung von Zusagen sollten Sie an Olander und Konsorten richten, denn diese Leute mitsamt einem Betriebsrat ruhen sich jetzt auf Zusagen aus, die sie nicht einhalten können. Alleine die angebotene “Barzahlung” hat ein stark G’schmäckle, das nach allem anderen riecht als nach Solvenz.

  6. Zanders ist die Mutter der Stadt Bergisch Gladbach, ohne das Unternehmen Zanders gäbe es die Stadt nicht, prachtvolle Gebäude, über die Jahre tausende Bergisch Gladbacher in Lohn & Brot, Jahrzehnte langer Wohlstand für die Stadt und eine Familien-Dynastie Zanders, die ihren Mitarbeitern nicht nur Wohnungen ja ganze Siedlungen bauten, sondern auch immer und überall als Spender, Investoren und Entwickler für unsere wunderschöne Stadt Bergisch Gladbach eintraten, ganz zu schweigen von den gigantischen Summen die der einst grösste Feinpapierhersteller der Welt an Steuern in die Stadtkassen geflutet hat.
    Dagegen mutet das aktuelle Gebaren der Stadtverantwortlichen nicht nur beschämend und unehrlich sondern nahezu befremdlich. Mit der Vernichtung der „Stadtgründer“ wird die Identität und vor allen Dingen die Kultur der Stadt vernichtet bzw. hier muss man leider sagen verramscht.
    Alle Zandrianer haben bis an die grenzen für „unser Unternehmen Zanders“ gekämpft und an die Zusagen der Stadt geglaubt und unser neuer Bürgermeister hat großartige Versprechungen auf seine speziell zum Thema Zanders angefertigten Wahlplakaten verkündet und somit vermutlich die Stimmen von hunderten Zandrianern erhalten und wie (fast) immer entpuppen sich die Aussagen auf den Wahlplakaten als reine „Stimmenfänger“ ohne die Absicht daran festzuhalten.
    Frohe Weinachten.