Seit heute läuft der Distanzunterricht an den Schulen, größtenteils über Internet. In der Praxis gibt es trotz aller Vorbereitung einige Probleme, wie Nicole Schuffert, die Leiterin des Berufskollegs Kaufmännische Schulen berichtet. Dazu gehören fehlende Endgeräte und die Infrastruktur. Aber auch bei den Schüler:innen wird eine Ausstattung für das Home Schooling voraussgetzt, die nicht immer selbstverständlich ist.

„Seit heute bieten wir zu 100 Prozent Distanzunterricht. Der Unterricht findet gemäß des Stundenplans statt, um eine Struktur in den Tagesablauf der Schüler:innen zu bringen. Die Anwesenheiten werden ab der ersten bis zur letzten Schulstunde kontrolliert”, macht Nicole Schuffert deutlich. Sie leitet das Berufskolleg Kaufmännische Schulen in Bergisch Gladbach. An ihrer Schule gibt es 50 Klassen, davon alleine 27 Abschlussklassen.

Die vergangenen Wochen und Monate habe man genutzt, um die Lehrer:innen beim Thema Distanzunterricht fortzubilden. Zudem hätten die Pädagogen sich individuell und in Teams fortgebildet, bestätigt sie eine positive Einschätzung des Leiters des Bergisch Gladbacher Schulamts, Volker Weirich.

Am BKSB gibt es 50 Klassen, davon alleine 27 Abschlussklassen, WLAN für alle hat das Berufskolleg indes nicht

Eigenengagement der Lehrer:innen

„Damit sind wir viel besser aufgestellt als noch im März 2020, was aber zu 95 Prozent auf das Eigenengagement der Lehrer:innen zurückzuführen ist. Hilfe von außen kam bisher nicht zum Tragen”, bilanziert Schuffert.

Zwar habe man Mittel für eine externe Referentin zum Thema „Digitaler Unterricht” genutzt. Aber man warte z.B. immer noch auf die Endgeräte. „Es wäre vom Bund sinnvoller gewesen, jeder Lehrkraft gegen einen Kaufbeleg die 500 Euro für ein Endgerät nach Wahl zu erstatten.” Das wäre schneller gegangen.

Zudem würden nun, da die Geräte durch die öffentliche Hand besorgt würden, Wartung oder Updates beim Schulträger liegen. Dafür sei das Geld vom Bund nicht eingeplant worden, in den Kassen der Kommunen herrsche Ebbe.

Fehlende Endgeräte sind das eine Problem, Infrastruktur das andere: Die Lehrer:innen würden derzeit von zuhause aus unterrichten, da es in der Schule kein WLAN für alle gebe, macht Schuffert deutlich. Das Problem besteht schon lange, Besserung ist nicht in Sicht.

Handy, Flat, Arbeitsplatz

Schulleiterin Nicole Schuffert: Manchen Schüler:innen fehlt ein passendes Endgerät, eine Flatrate, ein ruhiger Arbeitsplatz

Aber auch auf Seiten der Schüler:innen ist die Situation teilweise problematisch. Einige hätten nur ein Smartphone zur Hand, worauf digitaler Unterricht nur unzureichend abgebildet werden könne. Zudem würden einige nicht über eine Flatrate verfügen, so dass der Distanzunterricht via Internet am fehlenden Datenvolumen scheitere, berichtet die Schulleiterin.

Drittes Problem sei ein ruhiger Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden. „Vielmehr werden die häuslichen Räumlichkeiten mit vielen anderen Familienangehörigen geteilt, was ein konzentriertes Arbeiten erschwert bzw. teilweise unmöglich macht”, schildert Nicole Schuffert.

Ein schwer zu lösendes Problem. Aber zumindest in punkto Infrastruktur könne die Politik helfen: „Es fehlt an Unterstützung durch Endgeräte und/oder auch an finanziellen Zuschüssen für einen unbegrenzten Datentransfer”, zeigt Schulleiterin Schuffert weitere, dringende Handlungsfelder für die Entscheider auf.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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