Nach Einschätzung der Stadtverwaltung haben sich die Schulen in Bergisch Gladbach gut auf den Unterricht aus der Ferne vorbereitet. Große Probleme gibt es aber noch immer bei der technischen Ausstattung: Die Endgeräte sind noch nicht da – und vielen Schulen fehlt ein Breitbandanschluss.

„Die Schulkollegien wussten ja, was auf sie zukommt – sie haben den vergangenen Monaten viel dazugelernt und können den Unterricht auf Distanz jetzt gut bewältigen“, fasst Volker Weirich, der Leiter des Schulamtes der Stadt Bergisch Gladbach, seinen Eindruck zusammen.

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Im vergangenen Jahr waren alle Schulen mit der Konferenz-Software Microsoft Teams ausgestattet worden, die Lehrerschaft habe viele Fortbildungen gemacht und die SchülerInnen „sehr gut“ auf den Unterricht unter Lockdown-Bedingungen vorbereitet, sagt Weirich.

Volker Weirich ist Abteilungsleiter für das Schulamt

Grundsätzlich sei es den Schulen vorbehalten, ein eigenes Konzept für den Distanzunterricht zu erstellen – das dann von der jeweiligen Schulkonferenz bestätigt werden muss. Dafür hätten die Schulen, so berichtet Weirich, viel Material und Hilfestellungen vom Schulministerium erhalten.

Grundschulen setzen auf verschiedene Apps und Ausdrucke

Gerade bei den Grundschule ergebe sich ein vielfältiges Bild, hier spielen diverse Apps und Plattformen eine größere Rolle als Teams. Und einige – wie zum Beispiel die in NRW eingesetzt Plattform „Moodle“ – haben immer wieder mit technischen Problemen zu kämpfen; heute mit dem bundesweiten Start des Distanzunterrichts waren viele völlig überlastet.

In der Regel erhalten die GrundschülerInnen das Lehrmaterial per E-Mail zustellte und müssen es – ergänzend zu den Schulbüchern – ausdrucken. Einige Schulen teilen auch die ausgedruckten Unterlagen direkt aus. „Dabei sollten die Schulen aber die Zeiten entzerren, damit es nicht doch wieder zu Kontakten kommt“, mahnt Weirich.

Tablets noch immer nicht geliefert

Große Probleme sieht der Schulamtsleiter vor allem bei der technischen Ausstattung der SchülerInnen. Zwar habe die Stadt schon im Herbst 1600 Laptops und Tablets für die SchülerInnen und fast ebensoviele für die Lehrerschaft bestellt. Weil das aber in ganz Deutschland so ist und fast alle Städte (auf Wunsch der Schulen) beim Hersteller Apple geordert hatten, gibt es jetzt große Lieferprobleme.

Lediglich 400 Laptops seien geliefert und in den Schulen verteilt worden, die sich für diese Endgeräte entschieden hatten; auf die iPads warteten die Schulen noch immer. Allerdings hätten einige der Schulen auch vorher schon über Endgeräte verfügt, die an die SchülerInnen verteilt worden seien, die den dringendsten Bedarf hatten.

Vielen Schulen fehlt der Breitbandanschluss

Völlig unzureichend ist nach wie vor der Breitbandanschluss vieler Schulen. Das spiele im Distanz-Unterricht zwar keine so große Rolle, weil viele LehrerInnen aus dem Homeoffice und nicht aus der Schule unterrichten.

Zudem seien die Netze in den besonders stark betroffenen Schulen durch leistungsstärkere Router verbessert worden, dennoch sei dieser Zustand unhaltbar. „Das muss jetzt rasch abgearbeitet werden“, sagt Weirich. Ein Thema, das auch Bürgermeister Frank Stein auf seine Agenda gesetzt hat.

Notbetreuung bleibt doch bei Lehrern hängen

Die Schulen müssen zudem eine Notbetreuung für SchülerInnen mit erhöhtem Förderbedarf und für andere Notfälle anbieten. Laut Schulministerium soll dafür „sonstiges Personal“ eingesetzt werden. Das könnten natürlich nicht die Hausmeister sein; Schulsozialarbeiter gibt es in Bergisch Gladbach nur in sehr wenigen Fällen – daher müssten das in der Praxis dann doch einige Lehrer übernehmen, berichtet Weirich.

Jugendamt verstärkt im Einsatz

Sorgen bereit auch der Stadt Bergisch Gladbach, dass es beim Distanzunterricht vermehrt zu Konflikten in den Familien und auch zu mehr Gewalt gegenüber Kindern kommen kann. Darum werde sich vor allem das Jugendamt kümmern, mehr Präsenz zeigen und häufiger nachfragen, sagt Weirich.

Hinweis der Redaktion: Die Betroffenen – Eltern und SchülerInnen – beurteilen die Lage in den Schulen nach dem ersten Tag im Distanzunterricht anders als Volker Weirich. Auf Facebook gibt es in Reaktion auf diesen Beitrag etwas Lob und einige Kritik.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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2 Kommentare

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  1. Also wenn die Stadt sagt, dass man die Schulen für den Distanzunterricht gut gerüstet sieht, dann muss man bei der Sehstärke ein wenig nachbessern.
    Es werden Arbeitsblätter zur Verfügung gestellt, diese müssen bis zum Tag X abgegeben werden und das war dann der Unterricht. Sensationell!

    Ohne Hilfestellung der Eltern sind die Kinder doch aufgeschmissen und auch diese stoßen an ihre Grenzen. Was nutzen einem die Betreuungstage, wenn man dem Kind nicht helfen kann? Entweder wurde a) der Unterrichtsstoff vor 30 Jahren anders behandelt oder b) z.B. die binomischen Formeln sind schon ein paar Tage her (und man hatte selbst seine Probleme damit) oder c) hatte man das Thema gar nicht, weil das Kind einen anderen schulischen Werdegang einschlägt.

    Wir haben seit März mit der Pandemie und den Begleitumständen zu kämpfen und was ist seitdem passiert? Lüften! Naja, wenigstens funktioniert das…

  2. Distanz ja, Unterricht nein. Als Vollzeit berufstätige, alleinerziehende Mutter von drei Kindern von Grundschulalter bis Oberstufe Gymnasium, bin ich nach einem Tag Homeschooling schon wieder völlig desillusioniert.

    Angefangen mit technischen Problemen („Mama, mein Mikro funktioniert nicht“ und „Kann ich mich bitte ins Büro setzen, die Verbindung bricht in meinem Zimmer immer ab“), war ich bis ca. 14:00 Uhr in vollem pädagogisch, didaktischen Einsatz.

    Besonders zeitintensiv ist die Arbeit mit meiner Grundschülerin. Ich frage mich, wie das Eltern erledigen, die zwei oder mehr Grundschüler zu betreuen haben. An ein konzentriertes „Arbeiten“ meinerseits ist in dieser Zeit nicht zu denken.

    Danke für 20 Tage bezahltes Krankfeiern für die Betreuung meiner Kinder. Für selbständige alleinerziehende ist es nicht möglich, nicht zu arbeiten.

    Aber egal. Zurück zum Distanzunterricht. Laut „Zweite Verordnung zur befristeten Änderung der Ausbildungs- und Prüfungsordnungen gemäß § 52 SchulG“, ergeben sich folgende Definitionen:

    Die beteiligten Lehrkräfte gewährleisten die Organisation des Distanzunterrichts und die regelmäßige, dem Präsenzunterricht gleichwertige pädagogisch-didaktische Begleitung ihrer Schülerinnen und Schüler.

    Fazit: Das „Einstellen“ von Aufgaben und Arbeitsblättern in irgendwelche Plattformen, hat nichts mit pädagogischer Didaktik zu tun. Flächendeckender Videounterricht muss her. Ansonsten ist Motivation und das aktive Anbieten von Hilfestellung nicht möglich.

    Außerdem heißt es: Soweit nötig, stellt die Schule den Schülerinnen und Schülern zur Sicherung eines chancengerechten und gleichwertigen Lernumfelds im Einvernehmen mit dem Schulträger Räume für den Distanzunterricht zur Verfügung.

    Fazit: Ja, Notbetreuung gibt es – aber wer betreut die Kinder, damit Chancengleichheit besteht? M.E. muss dieser Job durch Lehrkräfte erfüllt werden.

    Chancengleichheit und soziale Benachteiligung spielen in dieser Pandemie für unsere Kinder sowieso eine entscheidende Rolle. Es ist eine schreiende Ungerechtigkeit, was hier passiert!

    Weiter geht’s: Für das Distanzlernen wird ein pädagogischer und organisatorischer Plan vorausgesetzt, wobei der Distanzunterricht von den beteiligten Lehrkräften pädagogisch-didaktisch begleitet wird.

    Fazit: Da haben wir es wieder. Pädagogisch-didaktische Begleitung. Ich denke, die Schulen (einige!!!) haben es schlichtweg versäumt, Digitalisierung zu priorisieren. Auf der anderen Seite wurden Themen wie Breitbrand verschlafen.

    Nun werden Eltern mit der Aussage „Das Einrichten von Videokonferenzen ist uns leider aus DATENSCHUTZTECHNISCHEN Gründen nicht möglich“, abgespeist. Tut mir leid, aber da frage ich mich allen Ernstes, wofür die Regierung Milliarden für den Digitalpakt zur Verfügung gestellt hat, aber auf der anderen Seite nicht die gesetzliche Grundlage geschaffen haben will, diesen auch umzusetzen.

    Wenn wir jetzt keine PS auf die Straße bringen, werden unsere Kinder in Zukunft ernsthafte Probleme bekommen. Hier geht es um unsere Zukunft.

    Ich empfehle schon einmal die Senkung der NCs bundesweit und die Bereitstellung von Fördergeldern für die Finanzierung von Nachhilfe für sozialschwache Familien. Wenn nach Corona mit Lehrplan 0815 weiter unterrichtet wird, werden sich die gymnasialen Reihen lichten.

    Liebe Grüße von der Homeschooling-Homeoffice Front