In vielen Restaurants oder Kneipen könnte bald der Ofen aus sein. Grund sind die ausbleibenden Hilfszahlungen. Während Pacht, Miete und sonstige Kosten weiterlaufen, fehlt es zudem an Umsätzen. Der Ton wird rauher – die Konsequenzen für die Gastronomie ebenfalls.

„Wir waren lange geduldig, aber jetzt müssen wir allen Verantwortlichen gerade mal ins Gesicht schreien, dass das so unter keinen Umständen weitergehen darf“, schreibt die IG Gastro aus Köln Anfang des Monats an die Länderchefs und die Kanzlerin. Wenn die versprochenen Hilfen nicht einträfen möge man zumindest dafür sorgen, dass laufende Zahlungen zumindest gestundet werden könnten.

Was die IG Gastro Köln beklagt, gilt auch für Bergisch Gladbach. Die Situation der Gastronomen ist dramatisch: Es ist mittlerweile fünf NACH Zwölf statt fünf VOR Zwölf, so das Ergebnis der Umfrage durch das Bürgerportal.

Keine Stundungen

Von den beantragten Hilfen, die für November und Dezember in Aussicht gestellt wurden, kommt kaum Geld an: „Stand der Zahlungen: Null Komma Null“, erklärt Rudi Batesta von der Naschbar auf Nachfrage. Für ihn rechnet sich ein Top-Go-Angebot nicht. Er versucht die Kosten zu drücken. Der Vermieter sei ihm mittlerweile entgegen gekommen, die Brauerei ließe noch auf sich warten.

„Wir haben noch etwas Luft da wir in der glücklichen Lage sind und einen Kredit bekommen haben, aber der wirft uns um circa zehn Jahre finanziell zurück.“ Mit den versprochenen Hilfen könne er, wenn sie den einträfen, gerade einmal den Kopf über Wasser halten.

Rudi Batesta, Inhaber der Naschbar, wird keine Party mehr ohne Eintritt anbieten können

Preise werden künftig steigen

Die Konsequenzen sind schon jetzt absehbar: „Bei uns wird es eine Party ohne Eintritt nicht mehr geben, und auch manche Preise werden neu berechnet werden müssen, um die Kredite und Kosten wirder reinzuholen,“ meint Batesta

Ein wenig mehr Glück mit dem Mieter hat das Theatercafe im Bergischen Löwen, das zudem auch das Penthouse vermietet. Aber auch dies war nur ein Tropfen auf den heißen Stein: „Unser Vermieter ist uns im ersten Lockdown mit zwei Monatsmieten zu 50 Prozent entgegengekommen. Zwei Monatsmieten wurden gestundet“, schildert Yvonne Stagnier. Im Penthouse habe der Bergische Löwe im ganzen Jahr eine Monatsmiete erlassen. „Sonst haben wir voll gezahlt.“

Zahlungstermin der Hilfen nicht bekannt

Das Ehepaar Stagnier vor dem Theater-Café: Sorge vor dem Januar 2021

Das Café bietet Frühstück, Mittag, Kaffe und Kuchen, ein To-Go-Geschäft gibt es angesichts der vielen Imbissbuden und der mit Kfz nur schwer erreichbaren Lage nicht. Immerhin: Ein Abschlag der Novemberhilfen ist gezahlt worden, „wann der Rest kommt wissen wir noch nicht,“ heißt es bei Yvonne Stagnier.

Das Fazit ist bitter: „Wir haben Sorge vor dem Januar, wenn es keine Gelder mehr gibt, alle Kosten weitergezahlt werden müssen, und die Gäste ausbleiben.“

Es liegt an der Bürokratie

„Jeder Gastronom klagt über die aktuelle Lage“, meint Dehoga-Kreisvorsitzender Udo Güldenberg vom Gronauer Wirtshaus. Die Gastronomen hätten mittlerweile die dritte Miete und die zweiten Gehälter ausgezahlt. „Wer kein To-Go anbieten kann steht damit vor der Insolvenz“, so seine Prognose. Der Grund für die ausbleibenden Hilfszahlungen aus seiner Sicht: „Es liegt an der Bürokratie.“

Hinzu kommt: Die Lage werde sich mittelfristig nicht entspannen. „Die Gastronomie wird der letzte Bereich sein, der wieder öffnen darf. Ich habe die Befürchtung dass dies nicht vor Anfang März sein wird,“ lautet Güldenbergs düstere Prognose. Planungssicherheit sehe anders aus, für Ostern oder die Kommunionsfeiern könne man derzeit keine Buchungen von Gästen annehmen.

Laut Udo Güldenberg, DEHOGA-Kreisvorsitzender, hängt es bei den ausbleibenden Hilfszahlungen an der Bürokratie

Existenzen stehen auf dem Spiel

Das düstere Lagebild wird vom DEHOGA-Bundesverband bestätigt. Nach zehn Wochen der Schließung hätten die gastgewerblichen Betriebe immer noch keine Novemberhilfen erhalten. 7,5 Prozent der Gastronomen und Hoteliers würden um ihre Existenz bangen, rund ein Viertel ziehe die Betriebsaufgabe in Erwägung, heißt es heute in einer Pressemitteilung des Branchenverbandes.

Dieser spricht von einem „Sonderopfer“ der Gastronomie. „Dies führt zu Verzweiflung und maximalem Frust bei den notleidenden Betrieben. Vertrauen in die Politik und ihre Corona-Strategie wird zerstört“, so DEHOGA-Präsident Guido Zöllick. Gefordert sei mehr Tempo bei der Abwicklung der Hilfen.

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Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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10 Kommentare

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  1. Ob die Ansteckungsgefahr an der Theke oder in einem voll besetzten Bus größer ist, wer weiß das schon. Einen Unterschied kann ich mir schon vorstellen. Die Thekenphilosophie dürfte die Corona Maßnahmen ungnädiger abhandeln. Doch wie sagt man, Betrunkene und kleine Kinder sagen in der Regel die Wahrheit.

  2. Guten Morgen,
    Was soll man dazu schreiben???!
    Eigentlich ist das eine Unverschämtheit aller Zeiten.
    So wie die Politik mit Menschen umgeht.

  3. Kurze Anmekung eines Gastonomen, der sein Gasthaus seit 35 Jahren ordentlich führt – was wäre los, wenn unsere Staatsdiener seit November Ihr Gehalt bzw. Ihre Tandiemen nicht bekommen hätten ??

  4. Ein Politiker der kein Einkommensverlust hat darf einem anderen Menschen seinen Gehalt nicht verwehren!

  5. Ist jetzt schon eng und noch nicht mal sicher wenn geld für nov und dez kommen sollte wieviel bzw ob man für jan was bekommt die versprechen der Politik sind lügen

  6. Aber ist das nicht logisch? Kurzarbeitergeld plus Überbrückungshilfe/November-Dezemberhilfe würde ja zu einer doppelten Erstattung der Lohnkosten führen. Wir haben mit einigen Gastronomen und dem Dehoga gesprochen, da wurde das nicht als Problem thematisiert.

  7. Was ich persönlich schlimm finde ist das in den Medien gesagt wird man bekomme 75% von November und Dezember des Umsatzes. Es sagt keiner das die Überbrückungshilfe und das Kurzarbeitergeld davon abgezogen wird! Das heißt es bleiben für manche Betriebe bei den 75% nur ca 1000 Euro die noch ausgezahlt werden oder gar nichts mehr! Wie soll das denn bitte der Gastronomie helfen das kann uns nur allen das Genick brechen!!!
    Und die Leute denken wir machen durch die Hilfen ein Plus! Wäre mal schön wenn das mal richtig gestellt wird !

  8. Das geschriebene ist alles zutreffend.
    Dennoch gibt es eine Verschärfung der Lage, für die Gaststätten, die keine Aussengastronomie besitzen. Nach evtl. Öffnung der Gastro steht der Sommer vor der Türe. Hier sind erfahrungsgemäß die Umsätze ohne Aussenbereich rückläufig. Die evtl. vorhanden gewesenen Rücklagen sind aufgebraucht und das Kundenverhalten tendiert zur Aussengastro. Somit sind wohl im Sommer viele Gastronomen ohne Rücklagen im „Sommerloch“ zum scheitern verurteilt!

    Hinzu kommt, das die Frage „Wie“ die Gastro wieder öffnen darf. Nirgendwo ist diese so Elementar wie dort, wo sich die Leute zum feiern etc. treffen. Unter den für diesen Bereich wieder gemachten Auflagen (Hygienekonzepten etc.) ist der Umsatz nur begrenzt erzielen (grössere Gasträume mit 100 qm und mehr sind nicht ausgelastet). Hier können Einkünfte nur begrenzt erzielt werden und decken auch kaum die Fixkosten. Eine „weitere“ Pleitewelle ist hier zu fürchten!

  9. Den Frust der Betroffenen kann ich nachvollziehen. Nur hat das Blatt auch eine zweite Seite: Es gibt auch hier („Novemberhilfe“) sicherlich wieder Lümmels, die die Steuerzahler betrügen wollen, also entweder gar nicht zum betroffenen Personenkreis der Selbständigen gehören oder die Hilfen gar nicht nötig haben („Wenn’s gezahlt wird, nehm ich es mit“). Schränkt der Staat die Auszahlung durch „Bürokratie“ ein, wird er an den Pranger gestellt. Zahlt er einfach aus und nimmt „Kollateralschäden“ in Kauf, wird sich garantiert jemand finden der „Steuergeldverschwendung!“ schreit. Also: Wie man es macht, es ist immer falsch.

  10. Es ist wirklich zum verzweifeln. Von der Politik werden grossartige Versprechungen gemacht und was kommt raus?? Eine ABSCHLAGSZAHLUNG der Novemberhilfe im Januar!! Ich selber habe ein Nagelstudio mit 2 Angestellten und bin in der gleichen, wenn nicht noch schlimmeren Situation. Wenn alles wieder aufmachen darf, ich glaube auch nicht vor März, stürmen alle in die Gastronomie, doch wie viele Kunden kommen zurück ins Studio??? Wie viele glauben, dass dann noch nicht alles vorbei ist und erst garnicht mehr zu uns kommen?? Wir haben auch keine Lobby die dich für uns einsetzt!! Es ist einfach frustrierend wenn man sieht wie alles zusammenbricht, was man 30 Jahr aufgebaut hat. Das Vertrauen in unsere Politik ist komplett dahin!!