Der Start der Corona-Impfungen war im Rheinisch-Bergischen Kreis nur langsam in Fahrt gekommen. Jetzt hat die Kreisverwaltung die Koordinierung an sich genommen – und gibt einen Ausblick, welche Gruppen wann mit einem Impftermin rechnen können. Nach wie vor ist Geduld notwendig.

Auf Weisung der NRW-Landesregierung hat der Kreis am Montag eine „Zentrale Koordinierungseinheit“ (ZKE) für die laufende Impfkampagne eingerichtet, bestätigt Birgit Bär, die Sprecherin der Kreisverwaltung Rhein-Berg. Nach einem holprigen Start komme das Projekt jetzt immer besser in Fahrt.

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Zum Beginn der Kampagne am 27. Dezember hatte die Landesregierung kurzfristig entschieden, dass die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) direkt mit den Pflege- und Altersheimen Termine vereinbart und die Kreise außen vor bleiben. Das sollte das Verfahren beschleunigen, führt mancherorts aber zum Gegenteil.

Seit Montag richten die Heime ihre Impfanforderungen direkt an die ZKE beim Kreis, die wiederum auf der Basis der verfügbaren Impfmengen mit den mobilen Teams der KVNO die Termine vermittelt.

Mobile Teams sollen Impfung der Heime im Januar abschließen

Nach wir vor sind diese mobilen Teams damit beschäftigt, die erste Priorität abzuarbeiten und die besonders gefährdeten BewohnerInnen der Heime zu impfen. Eine erste Erfolgsmeldung gab es heute von der KVNO: die Bewohner- und Mitarbeiterschaft der ersten beiden Einrichtungen im Kreis wurde heute zum zweiten Mal geimpft. Bis einschließlich heute seien 4.182 Impfungen in 29 Einrichtungen erfolgt, erfuhr das Bürgerportal.

Exakte Zeitpläne gibt es noch nicht, berichtet Kreissprecherin Bär. Die Kreisverwaltung sei aber sehr zuversichtlich, dass die erste Etappe mit der Impfung aller Heimbewohner und der dort beschäftigten PflegerInnen fristgerecht im Januar abgeschlossen werden könne. Parallel dazu sind die Impfungen in den Kliniken gestern angelaufen.

Die nächste Gruppe: Ambulante Pflegedienste

In einem nächsten Schritt hat der Kreis bereits bei den ambulanten Pflegeeinrichtungen angefragt, wieviele Impfdosen für die PflegerInnen benötigt werden. Sie sollen dann in den nächsten Tagen von den mobilen Teams geimpft werden. Alle Aussagen, schränkt Bär ein, stehe immer unter dem Vorbehalt, das ausreichend Impfdosen zur Verfügung stehen.

Rettungsdienste dürfen kurzfristig einspringen

Anschließend erhalten die Angehörigen der Rettungsdienste ein Impfangebot. Sie solle entweder ebenfalls noch von den mobilen Teams oder im Impfzentrum in der RheinBerg Galerie immunisiert werden.

Dabei setzt der Krisenstab auf die kurzfristige „Einsatzfähigkeit“ der Rettungssanitäter und Feuerwehrleute: Sie sollen abends einbestellt werden, falls beim Normalbetrieb des Zentrums Impfstoffe übrig geblieben sind. „Weggeworfen wird nichts!“, betont Bär.

Das Impfzentrum in der RheinBerg Galerie ist längst betriebsbereit, es fehlt aber ausreichend Impfstoff

Eröffnung der Impfzentren für Über-80-Jährige im Februar

In der Hauptsache wird das Impfzentrum aber für die vielen Über-80-Jährigen geöffnet, die in der von der Bundesregierung festgelegten Priorisierung auf die Heimbewohner folgen. Und das sind in Rhein-Berg viele: 23.000 Briefe sollen ab Mittwoch an die SeniorInnen verschickt werden, mit einer Einladung zur Impfung.

Aktualisierung: Die für den 1. Februar geplante Eröffnung aller Impfzentren in NRW verzögert sich um eine Woche, aufgrund einer Lieferlücke bei den Impfstoffen. Daher wird auch das Impfzentrum in der RheinBerg Galerie voraussichtlich erst am 8. Februar öffnen können. Mehr Infos finden Sie in diesem aktuellen Beitrag.

Dabei ist der Ablauf schon länger klar: Ab dem 25. Januar können die Über-80-Jährigen telefonisch oder besser noch im Internet einen Termin im Impfzentrum vereinbaren. Für einen Termin im Februar, März oder je nach Verfügbarkeit der Impfstoffe auch erst im April.

Die Anmeldung ist ab dem 25. Januar möglich:

Im Internet auf der Website des zentralen Patientenservices der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: www.116117.de

Per Telefon für Personen im Rheinland: 0800 116 117 01. (Für Anrufer aus Westfalen: 0800 116 117 02

Impfstoff zunächst nur für gut 1000 Personen pro Woche

Denn die Versorgung der Über-80-Jährigen im Impfzentrum wird eine ganze Weile dauern. Zur Zeit könne der Kreis nur mit Zusagen über die Lieferung von 1180 Impfdosen pro Woche rechnen, sagt Bär.

Wenn es dabei bleibe werde es rein rechnerisch fast 20 Wochen dauern, bis alle Über-80-Jährigen (einmal) geimpft werden könne. Der Kreis gehe aber fest davon aus, dass es deutlich schneller geht – weil weitere Impfstoffe auf den Markt kommen und die Produktionskapazität wächst.

Zweites Impfzentrum im Nordkreis angestrebt

Nach wie vor hofft der Kreis, dass das Land einen zweiten Standort für den Nordkreis in Wermelskirchen genehmigt. Es sei zudem hilfreich, dass die gesetzlichen Krankenversicherungen verpflichtet wurden, die Kosten einer Taxifahrt ins Impfzentrum zu übernehmen, sagt Bär.

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Keine Lösung für nicht-mobile SeniorInnen

Ein Lösung für die Über-80-Jährigen, die zuhause wohnen, aber nicht mobil sind, gibt es nach wie vor nicht, räumt Bär ein. Hier müsse auch der Kreis darauf warten, dass das NRW-Gesundheitsministerium – wie gestern angekündigt – dafür Möglichkeiten schafft.

Menschen mit Behinderung müssen lange warten

Dennoch wird es wohl mindestens bis März oder sogar April dauern, bis weitere Personengruppen im Impfzentrum Termine bekommen. Dazu gehören auch Menschen mit Behinderung. In der Prioritätsliste stehen die Bewohner von besonderen Wohnformen – in denen zum Beispiel Menschen mit einer Behinderung leben – erst an der vierten Stelle.

„Wir bedauern das sehr“, sagt Kreissprecherin, aber diese Reihenfolge sei von der Landesregierung in einer Verordnung vom 4.12.2020 festgelegten worden. Wenn es hier Änderungen geben soll, dann müsse das von oben kommen.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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6 Kommentare

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  1. Die Impfung der Gruppe Ü80 könnte möglicherweise 20 Wochen dauern!
    Ich bin Anfang 40, habe eine Herz- und Lungenkrankheit und lebe als Alleinerziehende mit meinem Grundschulkind seit März letzten Jahres weitgehend isoliert, weil Corona für mich lebensgefährlich wäre. Die vulnerablen Gruppen Leben nicht nur in den Seniorenheimen! Auch schwer Vorerkrankte mit schulpfluchtigen Kindern oder solche, die auf Pflegepersonal oder persönliche Assistenz angewiesen sind, sollten dringend geimpft werden – nicht erst in einem halben Jahr oder später!

  2. Also ich finde es gut, dass jetzt wohl etwas koordinierter gearbeitet werden kann. Besonders lobenswert ist, dass man Impfwillige in Bereitschaft hält um keine Impf-Dosen zu verschwenden. Aber, Zitat” Wenn es dabei bleibe werde es rein rechnerisch fast 20 Wochen dauern, bis alle Über-80-Jährigen (einmal) geimpft werden können.”Die zeitliche Perspektive für die angestrebte Herdenimmunität wird also immer unberechenbarer und andererseits soll das Infektionsrisiko durch neue Virusmutationen steigen. Im Extremfall können wir die Herdenimmunität garnicht INNERHALB der durch Impfung erreichbaren Immunitätsdauer erreichen und kommen in eine Endlosschleife. Die Impfzentren sind einsatzbereit und leistungsfähig aber begrenzender Faktor ist die Impfstoffmenge.
    Was wissen wir eigentlich über den chinesischen Sinopharm-Impfstoff und das russische Vakzin Sputnik V ?
    Gibt es bedenkliche wissenschaftliche Erkenntnisse oder hält uns nur Überheblichkeit und Arroganz von deren zusätzlichen Einsatz bzw. intensiver zeitnaher Prüfung ab ?
    Serbien setzt jetzt als erstes europäisches Land bei seiner Corona-Impfkampagne seit Dienstag auch das Vakzin des chinesischen Pharmakonzerns Sinopharm ein. Damit ist das Balkanland nach offiziellen Angaben das erste europäische Land, das zur Eindämmung des Coronavirus auf den chinesischen Impfstoff setzt. Schon am 24. Dezember waren in Serbien Impfkampagnen mit dem Vakzin von Biontech und Pfizer aus Deutschland und den USA angelaufen. Auch der russische Impfstoff Sputnik V wird in Serbien eingesetzt.
    „Dies ist der einzige Weg, um zu einem normalen Leben zurückzukehren“, sagte Gesundheitsminister Zlatibor Loncar, der die erste Impfung bekam. Es handele sich um drei „sehr sichere Impfstoffe.“ Am Samstag waren eine Million Sinopharm-Dosen in Serbien eingetroffen. Präsident Aleksandar Vucic will sich am Wochenende ebenfalls mit dem Sinopharm-Vakzin impfen lassen.
    Nach Angaben von Regierungschefin Ana Brnabic sicherte sich Belgrad insgesamt mehr als eine Million Impfstoffdosen. Darüber hinaus seien Vereinbarungen zur Lieferung von sechs Millionen weiteren Dosen geschlossen worden.
    Wer angesichts des Prüfungsvorschlages sofort die Nase rümpft sollte bedenken, dass unsere Massenmedikamente gegen Bluthochdruck oder Cholesterinsenker seit Jahren in China und Indien produziert werden.

  3. Es ist doch eine gute Nachricht, daß jetzt der Kreis die Organisation übernimmt. Die ganze Aktion ist halt eine riesige Aufgabe, und der Ablauf ist von vielen Faktoren abhängig. Also: Es kann und es wird jetzt besser gehen. Der Engpass ist halt jetzt die zügige Versorgung mit dem Impfstoff.

    Bei dieser Gelegenheit: Es hilft jetzt nur noch etwas Geduld und Zuversicht. Wer von uns hat sich denn im Traum vor wenigen Monaten vorstellen können, daß wir uns heute über “schleppende” Impftermine wundern, ärgern oder aufregen.
    Wir sollten uns darüber freuen, daß jetzt die Termine vergeben werden – und positiv denken. Hier wurde doch eine unvorstellbare Leistung vollbracht – aber die GANZE Welt wartet auf den Impfstoff.

    Und: Wer bisher vom Virus verschont wurde sollte sich glücklich schätzen, und alle notwendigen Massnahmen weiterhin strikt einhalten – und Zuversicht verbreiten.
    Allen Kranken wünsche ich gute Besserung und baldige Heilung. Und wer einen lieben Menschen durch das Virus verloren hat, dem wünsche ich Stärke bei der Trauerarbeit. Meine Gedanken sind bei Euch.
    Vergessen wir auch nicht die unglaublichen Leistungen, die täglich und ununterbrochen, und das seit vielen Monaten, in unseren Krankenhäusern, Pflegeheimen und Ambulanzen vollbracht werden. Allen diesen Menschen möchte ich herzlich danken.

  4. Konkrete Namen zu fordern, aus der Anonymität heraus ist schon ein wenig merkwürdig, oder? Bislang hatte die Kassenärztliche Vereinigung, die Selbstorganisation der niedergelassenen Kassenärzte die Koordinierung übernommen. Und die Ärzte stellen auch weiterhin – neben ihren eigentliche, in diesen Zeiten nicht gerade einfachen Aufgaben – auch weiterhin die mobilen Teams, die in den Seniorenheimen unterwegs sind. Ausgerechnet die an einen öffentlichen Pranger zu stellen halten wir nicht für den richtigen Weg.

  5. Der Kreis nimmt also jetzt die Koordination der mobilen Einsätze in die Hand, weil die Impfungen bisher nicht so richtig in Gang kamen….. Aha…..
    WER war denn bisher verantwortlich und hat es nicht hinbekommen und warum nicht?
    Konkrete Namen von Verantwortlichen, die versagt haben, sollten in einem solchen Zusammenhang veröffentlicht werden! Rückwirkend ändern lässt sich zwar nichts, aber die Öffentlichkeit sollte schon wissen, wem diesbezüglich nicht zu vertrauen ist und man möchte diese Personen künftig nicht mehr in Schlüsselpositionen wissen! Hut nehmen und gehen, bitte! Und nicht auf dem (gut bezahlten?) Posten kleben bleiben!

  6. Ist ja alles schön und gut, aber wo bleiben denn die Anderen und ich?
    Ich habe zb Bronchial Asthma, wie lange muss ich warten?
    Ich schütze mich damit das ich nur Geld bei der Post hole und einkaufen. Ansonsten verlasse ich nicht meine Wohnung, das ist aber kein Zustand,ich drehe bald durch!