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Die weiterführenden Schulen nutzen seit dieser Woche die Schnelltests des Landes. Es läuft weitgehend rund, im Detail wird von den Schulleitern in Bergisch Gladbach dennoch Kritik geübt. Probleme scheint es vereinzelt mit der Überprüfung durch PCR-Tests zu geben. Und ob nach den Ferien wirklich zwei Schnelltests pro Woche realistisch sind, ist noch offen.

Die gute Nachricht: Das Land NRW liefert. „Der Versand der ersten 1,8 Millionen Selbsttests ist abgeschlossen”, heißt es im NRW-Schulministerium. Die Test-Kits sind bereits Ende vergangener Woche in Bergisch Gladbach eingetroffen. Schüler:innen der weiterführenden Schulen werden mit Schnelltests des Landes getestet. Auf die Tests der Stadt muss nicht mehr zurückgegriffen werden.

„Nach unserer Kenntnis lagen an den Schulen die Tests vor, so dass wir nicht nachgeliefert haben und nun bei den Schulen anfragen, dass wir die zuviel gelieferten Tests wieder abholen können”, bestätigt Marion Linnenbrink. Pressesprecherin der Stadt. Bergisch Gladbach hatte vergangene Woche Massentests an den Schulen inittiert, weil die Lieferung des Landes noch auf sich warten ließ.

Routine kehrt ein

Das Land hat nun seine Ankündigung in die Tat umgesetzt. Ein großer Teil der Schüler:innen wurde bereits mit den NRW-Tests gecheckt. Auf freiwilliger Basis. Der Zuspruch ist dennoch hoch: Zwischen 70 und 90 bis 95 Prozent der Schüler:innen lassen sich testen, so die Meldungen aus unserer Umfrage an den Schulen.

„Es entwickelt sich Routine”, schildert Frank Bäcker vom Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium (DBG). Die Tests erfolgen zu Unterrichtsbeginn, wenn die Schüler:innen zum ersten Mal in der Woche aufeinandertreffen. So wird im Falle eines positiven Tests die Quarantäne einer ganzen Lerngruppe vermieden.

Das kann aber auch zu Problemen führen: „Langfristig müssen wir schauen, wie wir die Tests organisieren, da immer in den gleichen Stunden getestet wird und damit immer derselbe Unterricht betroffen ist”, meint Felix Bertenrath von der Otto-Hahn-Realschule (OHR).

Dass die Tests auf Akzeptanz stoßen, zeigt ein Beispiel aus dem Gymansium Herkenrath. Dort haben Schüler des Gymnasiums Herkenrath ein Youtube-Tutorial gedreht. Es erläutert den Tests Schritt für Schritt, berichtet die stellvertretende Schulleiterin Romina Matthes. Speziell jüngere Schüler:innen würden davon profitieren.

Tutorial von Schülern des Gymnasium Herkenrath zeigt richtige Nutzung der Corona-Tests des Landes NRW

Wichtiger Pandemie-Baustein

Grundsätzlich stehen die Schulen den Tests positiv gegenüber: „Die meisten unserer Eltern und Schüler:innen – und auch die Lehrkräfte – fühlen sich durch die Tests ein wenig sicherer, da so frühzeitig infizierte Personen aus dem Schulalltag herausgenommen werden und in Quarantäne gehen können”, erklärt Rolf Faymonville, Direktor des Albertus-Magnus-Gymnasium (AMG).

Selbst wenn es nur ein Fall sei, der durch die Tests entdeckt würde: „Es ist sinnvoll, um das Infektionsrisiko zu senken”, so der Schulleiter.

Auch Sven Hees, Direktor des Nicolaus-Cusanus-Gymnasium (NCG), ist über jeden Baustein froh, der die Schulen offenhält: „Besser einer als keiner”, meint er mit Blick auf die Verfügbarkeit der Tests.

Impfungen und Zeitaufwand

Kritik wird auf anderen Ebenen geübt. Frank Bäcker vom DBG wünscht sich angesichts der Tests an den Schulen mehr Wertschätzung vom Land für die Leistungen der Lehrer:innen. „Wenn der Landesregierung die Bildung und der Präsenzunterricht wirklich so wichtig wären wie immer behauptet wird, dann müsste zunächst die Impfung für die Kollegen und auch die Schüler (zumindest die über 16 Jährigen) kommen, das wäre mal eine echte Priorisierung von Bildung”, so sein klares Credo zur aktuellen Lage.

Abertus-Magnus-Gymnasium, Bensberg: Hier hält man die Tests für wichtig, kritisiert aber den Zeitauwand der Vorbereitung. Foto: Thomas Merkenich

Rolf Faymonville verweist auf den Zeitaufwand, den die Schule beim Austauschen der Test-Stäbchen in den Test-Kits hat. Das Ministerium hatte für die Schüler:innen dickere Stäbchen mitgeliefert, wohl um das Verletzungsrisiko beim Abstrich zu minimieren. Er soll von den Schüler:innen selbst durchgeführt werden.

Auch Martin Havers von der Städtischen Realschule im Kleefeld macht deutlich: „So ein (Test-)Aufwand ist neben dem Unterricht nicht zu stemmen.” Sven Hees sieht es indes gelassen – die Tests würden mit einiger Übung in wenigen Minuten erledigt sein, so seine Einschätzung.

Fehlende Verpflichtung und Tests für Lehrer:innen

Nicole Schuffert vom Berufskolleg Kaufmännische Schulen (BKSB) hätte sich – so wie einige andere Kolleg:innen – eine Testpflicht gewünscht. Auch wenn es eine hohe Akzeptanz für gebe: „Schlecht ist es, dass es sich um freiwillige Tests und keine verpflichtende Tests handelt. 100 Prozent wäre schöner und vor allem sicherer.” Am BKSB kommt man auf eine Quote von 75 Prozent.

Jörg Schmitter vom NCG sieht vor allem die Zielgruppen für die Tests kritisch: Während die Stadt ihre Test-Kits ausdrücklich für Lehrer:innen und Schüler:innen ausgegeben hatte, dürfen die nun verfügbaren NRW-Tests nur bei Schüler:innen eingesetzt werden. Selbst jene Tests, die übrig bleiben.

Kostenlose Lehrertests bei Hausärzten seien hingegen nicht oder nur zu unpassenden Zeiten machbar, so Schmitters Erfahrung. Das NCG will das Problem durch Mediziner vor Ort lösen. Diese könnten die Lehrer:innen testen, sofern das Land die Schultests nicht auf die Kolleg:innen ausweite, berichtet der NCG-Lehrer.

Keine Stigmatisierung

Bislang gibt es nach Aussagen sehr wenig positive Tests. Sollte es jedoch Hinweise auf Corona geben, sei ein sensibler Umgang mit den Schüler:innen gefragt: „Es gibt die Anweisung an die Kolleg:innen: Lasst positiv getestete Schüler:innen nicht alleine, geht sensibel mit dem Thema um”, macht Sven Hees vom NCG deutlich.

Mitunter könne auch gemeinsam mit einer Freundin oder einem Freund gewartet werden, bis die Eltern eintreffen würden. Eine Ausgrenzung soll vermieden werden.

Ein Schüler führt einen Corona-Schnelltest aus. Dabei legen die Schulen besonderen Wert darauf, dass es nicht zu einer Stigmatisierung im Falle positiver Testergebnisse kommt. Foto: Stadt Bergisch Gladbach

Das ist auch Romina Matthes vom Gymnasium Herkenrath wichtig: „Wir haben einen extra eingerichteten Quarantäneraum etabliert, der von erfahrenen Lehrkräften oder unseren Beratungslehrkräften besetzt ist und wo die positiv getesteten Schüler pädagogisch betreut werden, bis sie von den Erziehungsberechtigten persönlich abgeholt werden.” Kein/e Schüler:in dürfe stigmatisiert werden, macht Matthes klar.

Auch Karl-Josef Sulski vom Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) berichtet: „Lehrer und Klassen sind hinsichtlich des möglichen Testergebnisses sensibilisiert und haben sich in den eingetroffenen Fällen vorbildlich verhalten, empathisch und sensibel gezeigt.” Betroffene Schüler:innen würden von der Schulleitung persönlich bis zur weiteren Klärung betreut.

Ähnlich sieht man es auch in der Realschule am Kleefeld: Dort gab es bis jetzt zwar keine positive Tests. Betroffene Schüler:innen hätte man dennoch nur unter Aufsicht auf ihre Eltern warten lassen. „Uns ist es wichtig, dass die Schüler:innen nicht angstvoll auf den Teststreifen schauen”, bringt es Martin Havers auf den Punkt.

Lehrer kein medizinisches Personal

Seine Schule moniert die Teststrategie in weiteren Punkten. Er sei froh über die Tests, aber: „Ich kritisiere die Art und Weise!” schimpft Havers. Die Aktion (Massentest der Stadt, die Red.) sei kurzfristig gelaufen, Stadt und Land würden parallel handeln, Infos und Testformen seien widersprüchlich, Lehrer:innen seien kein medizinisches Personal.

Zudem werde die Privatsphäre der Schüler:innen durch das Testgeschehen beeinträchtigt. Auch Infrastruktur und Organisation würden offene Fragen in punkto Hygiene und Betreuung aufwerfen. Die Ausstattung für Tests sei an den Schulen unvollständig. „Ich würde mir wünschen, dass geschultes, gut ausgestattetes Fachpersonal diese wichtige Aufgabe übernehmen würde”, so die dringende Bitte von Martin Havers.

Dies ist auch ein Anliegen des OHG: „Eine stärkere Unterstützung durch externe Kräfte wäre schön”, meint Karl-Josef Sulski. Zwar stemme man die Tests alleine. Aber: „Besser wäre eine professionellere und anonymere Durchführung durch geschulte Dritte.”

Baustelle PCR-Test?

Positive Tests gab es laut Rückmeldung der Schulleiter:innen wenig. Sollten Schüler:innen jedoch einen Befund aufweisen, muss ein (exakterer) PCR-Test erfolgen, um das Ergebnis zu überprüfen.

Daran scheint es jedoch vereinzelt noch zu haken: Dem Bürgerportal liegen Berichte von Eltern und Lehrern vor, wonach Hausärzte den PCR-Test nicht durchführen wollen. „Infizierte in der Praxis sind zu gefährlich”, wird als Argument genannt.

Dabei ist die Rechtslage klar: „Nach §13 Corona-Test-und-Quarantäneverordnung gilt: Personen, die ein positives Testergebnis eines Corona-Selbsttestes erhalten haben, sind verpflichtet, sich in einem Testzentrum oder bei der Hausärztin oder dem Hausarzt unverzüglich einem PCR-Test (Kontrolltest) zu unterziehen (eine Überweisung ist hierfür nicht erforderlich)”, erklärt ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums auf Anfrage des Bürgerportals.

Auch das Schulministerium verweist in seiner Schulmail vom 15. März darauf, dass auf einen positiven Schnelltest unbedingt ein PCR-Test folgen müsse.

Monika Baake vom Hausärzteverband Nordrhein klärt die Lage: Es gebe Hausarztpraxen, die grundsätzliche keine Tests durchführen würden. Diese Praxen würden somit auch nicht an der Testung von Schülern beteiligt, erklärt die Sprecherin des Verbandes in Bonn. „Die Hausarztpraxen, die Tests durchführen, sind in den Kommunen bekannt. In den meisten Kommunen und Kreisen kann man die Adressen der Teststellen bzw. Testpraxen online abrufen”, rät Baake.

Zudem seien Kinder- und Jugendärzte oftmals die zenralen Ansprechpartner für Schüler:innen, würden dort auch als Patienten regelmäßig Termine wahrnehmen. „Erste Anlaufstelle für einen Test wäre dann auch der Kinder- und Jugendarzt”, erklärt Baake.

Wer einen positiven Selbsttest hat, muss einen PCR-Test zur weiteren Abklärung durchführen. Bild von Régis OBYDOL auf Pixabay

Nach den Ferien

Wie geht es nach Ostern weiter? Lieferungen sind angekündigt, könnten noch diese Woche eintreffen. Entsprechende DHL-Vorankündigungen liegen einigen Schulen bereits vor. „In dieser Woche werden (…) bereits weitere Selbsttests an die weiterführenden Schulen versandt“, bestätigt ein Sprecher des Schulministeriums.

Das ist im Sinne der Schulen, denn: „Es müsste sichergestellt sein, dass nach den Ferien direkt alle getestet werden können” so Rolf Faymonville. Kommen die Tests zu spät, würden die Schüler:innen bereits wieder beinander sitzen und das Infektionsrisiko nehme zu.

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Infos zu weiteren Test-Lieferungen liegen auch Monika Matthes vom Gymnasium Herkenrath vor: „Laut Schulmail der Bezirksregierung soll bereits in dieser Woche die weitere Belieferung der Schulen für die Durchführung von Selbsttests in der Zeit nach den Osterferien beginnen”, erklärt sie. Somit könne man nach den Ferien nahtlos weiter testen. Ob es dann zwei Tests pro Woche werden, darüber solle es noch Infos aus dem Schulministerium geben.

Dies scheint derzeit noch ein offener Punkt zu sein. „Die Landesregierung beabsichtigt den Schüler:innen möglichst zeitnah zweimal in der Woche ein Testangebot zu machen”, heißt es dazu aus dem NRW-Schulministerium. „Die notwendigen haushalts- und vergaberechtlichen Voraussetzungen schafft die Landesregierung gerade.”

Und weiter: Die Beschaffung von Selbsttests erfolge momentan in einem sehr dynamischen und sich entwickelnden Marktumfeld. Heißt im Klartext: Ob es für zwei Tests pro Woche und Schüler:in reicht, wird sich noch zeigen müssen.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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