Bürgermeister Frank Stein. Foto: Manfred Esser

Nach dem Eigeninitiative bei den Selbsttests in Schulen denkt Bürgermeister Frank Stein über ein weiteres Pilotprojekt in Sachen Corona nach: Bergisch Gladbach könnte ein eigenes Modell entwickeln, wie Wirtschaft, Kultur und Sport schrittweise wieder geöffnet werden können.

„Sichere Schritte aus dem Lockdown“, das ist aus der Sicht von Bürgermeister Frank Stein und dem lokalen Krisenstab „ein Hauptanliegen“ der Bürger:innen. Auf das er jetzt reagieren will.

„Wir beobachten, dass die Bergisch Gladbacherinnen und Bergisch Gladbacher sich bisher sehr diszipliniert verhalten haben. Das sollte honoriert werden. Es muss für die Wirtschaft, die Kultur, den Sport und das soziale Miteinander Modelle geben, die nicht von allgemeinen Inzidenz-Werten abhängen“, erläutert Frank Stein in einer Presseerklärung.

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Er beruft sich auf ein Pilotprojekt in Tübingen, auf den Aufruf der NRW-Landesregierung zur Teilnahme an Pilotprojekt unter dem Motto „Öffnen mit Corona-Test-Strategie“ und auch auf Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie hatte bei ihrer Regierungserklärung heute die Bürgermeister ermutigt, aktiv zu werden. „Keinem Bürgermeister ist verwehrt, das zu tun, was in Tübingen passiert,” sagte Merkel.

Dieses „starke Signal“ will Stein aufaufnehmen. Er habe bereits Anfang der Woche mit dem Krisenstab über Öffnungsoptionen diskutiert.

Viele Interessenten für NRW-Modellprojekte

Zuständig für solche Modellprojekte, und auch Adressat des Aufrufs der Landesregierung, sind zunächst die Landkreise und kreisfreien Städte. Neben Köln hatten sich bereits Remscheid, Solingen, Mönchengladbach, Aachen, Münster, Düsseldorf sowie die Kreise Heinsberg, Olpe, Coesfeld und Düren beworben.

Vom Rheinisch-Bergischen Kreis sind solche Pläne bislang nicht bekannt geworden.

Ministerpräsident Armin Laschet hatte fünf oder sechs solcher Modellprojekte in Aussicht gestellt. Als Bedingung für eine Teilnahme gilt die Nutzung einer digitalen App zur Kontaktnachverfolgung und weithin verfügbare Corona-Schnelltests.

Aktualisierung: Am Donnerstagabend berichtete der KSTA, dass die Entscheidung über die Modellregionen bereits gefallen ist, demnach wählte die Landesregierung die Städte Köln und Aachen sowie die Kreis Winterberg und Warendorf aus.

Erstes Grobkonzept erarbeitet

Stein muss zunächst die Zuständigkeiten klären – und redet mit der für die Pandemie zuständige Kreisverwaltung Rhein-Berg. Er haben aber auch bereits „meine Fühler zur Landesregierung ausgestreckt“, berichtet Stein.

Gemeinsam mit Jörg Köhler, dem Chef der Feuerwehr und Leiter des städtischen Krisenstabs, sei „ein erstes Grobkonzept“ erarbeitet worden. Voraussetzung sei eine großen Anzahl von Testzentren. Es arbeiten inzwischen zwar rund zehn Selbstteststellen in Bergisch Gladbach, die werden aber von Apotheken, Ärzten oder anderern privaten Anbietern betrieben; kommunale Teststellen gibt es bislang nicht.

Dann müsse mit Handel, Handwerk und Gewerbe gesprochen werden, so Stein weiter. Zudem seien Einrichtungen und Institutionen in weiteren Bereichen einzubinden. „Wenn das Saarland kundtut, dass nach Ostern ein nächster Lockerungsschritt möglich sein wird, dann macht das viel Mut“, sagte Stein.

Allerdings weist das Saarland derzeit eine Inzidenz von 66 Fälle je 100.000 Einwohnern auf – und hat die Lockerungsschritte unter die Bedingung gestellt, dass der Wert unter 100 bleibt. Die Inzidenz in Bergisch Gladbach liegt zur Zeit bei 89, im Kreis bei knapp über 100.

Die Stadt Bergisch Gladbach habe bei der Selbsttest-Aktion an den Schulen „gezeigt, dass Bergisch Gladbach viel kann“, erinnert Bürgermeister Stein. Daher sei er „zuversichtlich, dass auch dieses Projekt umzusetzen ist“.

Zum thema

„Stadtgesellschaft kann in der Pandemie mehr leisten!“

Bürgermeister Frank Stein stellte sich im gut besuchten, virtuellen #BürgerClub den Fragen der Bürger:innen zum aktuellen Pandemiegeschehen. Dabei gab es einiges Lob für die Massentests an Schulen. Stein betonte mit Nachdruck, dass er als Stadt mehr Verantwortung in der Krise haben wolle. Hier können Sie den ganzen BürgerClub im Video und Podcast nachverfolgen.

Für eine Prognose, ab wann die Stadt „Grüne Karten“ mit negativen Schnelltests für die Nutzung von Kultur, Gastronomie oder anderen Einrichtungen ausgeben kann, sei es jetzt aber noch zu früh.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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18 Kommentare

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  1. Hallo Herr Humbach, unser neuer Bürgermeister ist mitnichten eine namhafte Persönlichkeit im Land und wird auch eine Notbremse nicht verhindern können.

    Hinweis der Redaktion: Bitte unterlassen Sie persönliche Beleidigungen; dieser Kommentar wurde gekürzt.

  2. Wenn namhafte Persönlichkeiten im Land, u.a. auch unser Bürgermeister, sich für einen Modellversuch aussprechen um das Leid der Menschen zu lindern dann sollte man sie nicht als Idiot bezeichnen. Ein bisschen Respekt vor der Denke anderer sollte man schon haben. Ich wünsche Ihnen auch einen schönen Tag und gute Besserung Herr Knechtmann.

  3. Einfach mal ein Zitat von Pr. Lauterbach: „Die Modellversuche sind nichts anderes als Feigenblätter für Lockerungen. Es ist eine illusorische Idee, dass wir lockern und trotzdem gehen die Fallzahlen runter. Das ist abwegig und wird nicht funktionieren.“

    Der ganz harte Lockdown wird definitiv kommen, weil immer noch zu viele Idioten sich nicht an die einfachen Regeln halten können und zudem hier so ein Irrsinn verbreitet wird. Schönen Tag noch

  4. Es ist lange an der Zeit mutige aber nicht leichtsinnige Experimente zu wagen. Tübingen, Rostock u.a. haben gezeigt wie es gehen kann. Allerdings gehören die nötigen Vorbereitungen wie ausreichende Verfügbarkeit und Überwachung von Schnelltesten unabdingbar dazu. Die Öffnung von Schulen OHNE überwachte Testpflicht für ALLE im Schulbetrieb war ein Fehler mit vorhersehbaren Folgen. Die Impfung kann zwar der Königsweg aus der Misere sein aber niemand kann heute sicher sagen, ob wir nicht schon längst Virusmutationen haben, gegen die aktuelle Impfstoffe keinen oder nur geringen Schutz bieten. In Köln wurden zB letzte Woche 240 Infektionen mit der südafrikanischen Mutation festgestellt. Wenn sich bei einer durch Impfung erreichbaren mutmaßlichen Immunitätsdauer von 8-10 Monaten die 80% Durchimpfungsquote nicht bis Jahresende erreichen lässt kommen wir ohnehin in eine Impf-Dauerschleife. Mit nicht lückenlos überwachbarem Reiseverkehr und Warenaustausch gibt es auch keine Aussicht auf eine erfolgreiche Null-Virus-Strategie durch harten Lockdown. Das alles heißt doch, es gibt derzeit keinen sicheren Zeithorizont für die Erlösung von dieser Plage und wir müssen Wege für ein Leben MIT dem Virus finden um nicht für weiterhin unbestimmte Zeit auf wichtige Teile unseres „normalen“ Lebens verzichten zu müssen.

  5. Die Außengastronomie ist mit Sicherheit kein Pandemietreiber. Es wurde Ende letzten Jahres nur alles dicht gemacht, um die Schulen und Großraumbüros offen halten zu können – das hat halt nicht gereicht.
    Volkswirtschaftlich war und ist es ein großer Unsinn den R-Wert auf ca. 1 halten zu wollen. Kurze richtige Lockdowns wären günstiger gekommen.
    Die Schulen 2 Wochen vor den Osterferien noch mal eben voll zu öffnen um eine gute Durchmischung vor eventuellen Osterreisen zu erreichen, bevor man eine Teststragie und Test zur Hand hat, war auch ein gloreicher Schachzug unserer Landesregierung.
    Und wer glaubt, dass jetzt wo die Ü80 größtenteils durchgeimpft sind, der Rest der Bevölkerung ja nur noch leichte Verläufe bekommt, der sollte mal nach PIMS oder MIS-C suchen. Das bekommen vor allem 6-10 jährige, die 4-6Wochen nach einer Covid-19 Infektion intensivmedizinisch betreut werden müssen – daher ist abwarten, bis die Intensivbetten knapp werden auch nicht die intelligenteste Strategie.

  6. Lieber Herr Knechtmann, behalten sie doch Haltung gegenüber Andersdenkenden. Warum bezeichnen sie mich als Querdenker, ich sage doch nicht, dass Sie mangels Weitsicht zu den Spurläufern gehören die uns schon in der Vergangenheit nicht ins Paradies geführt haben.

  7. @ Günther Humbach: Nach einem Jahr Pandemie und mantraartig vorgetragenen Erklärungen zu Ansteckungsverläufen, täglichen Zahlenspielen in allen Medien usw. ist mir unerklärlich, wie selbst ein Volksschüler anscheinend überhaupt nichts verstanden hat und solch einen Schwachsinn verbreitet. Anscheinend gehören Sie auch zu den unbelehrbaren Querdenkern, die auch hohl wie eine Nuss sind.

  8. Natürlich möchte ich mir nicht anmaßen hochstudierten Herren zu widersprechen. Aber Kritik steht jedem zu auch einem Volksschüler. So ist es für mich nicht einleuchtend, dass Infizierte welche zu 80 % nur leichte Krankheitsverläufe haben oder auch zum Teil keine Symptome zeigen, der Grund für eine Stilllegung des Geschäftslebens sein kann und schon gar nicht das Recht der Kinder auf eine ungestörte Kindheit in Frage zu stellen.

  9. In eine steigende Inzidenz mit alternativen Öffnungsstrategien hinein zu operieren um sich dem hiesigen Handel anzudienen, ist wohl der falsche Weg. Woher kommt denn eine steigende Inzidenz, wenn doch jeder weiß, wie er dieses verhindern kann.
    Hier wird Idioten Tür und Tor geöffnet.

  10. @Trawinski: warum haben Sie dann nicht Ihr Grundrecht auf Bildung in Anspruch genommen?

  11. Das macht auf jeden Fall einen sicheren, guten und kompetenten Eindruck, wenn jeder Lokalpolitiker seinen ganz eigenen Umgang damit hat. Von Ausgangssperre bis „alles wieder auf“ ist mittlerweile quer dur Deutschland alles dabei.

    Praktisch wenn man Pandemien situativ und nach gut Dünken behandeln kann. Jeder hat seine eigene Meinung und eigene Experten zur Beratung. Das stabilisiert die Verunsicherungen ein wenig mehr. ‍

  12. Wenn Sie Missstände sehen, dann können Sie die Verantwortlichen direkt darauf hinweisen. Oder klar sagen, was genau Sie kritisieren, ohne Anführungszeichen. Und das dann bitte unter Ihrem eigenen Namen. Falls Sie vertrauliche Informationen haben oder gute Gründe, Ihre Identität zu schützen, melden Sie sich bitte bei der redaktion@in-gl.de.

    Ansonsten werden Kommentare dieser Art gelöscht.

  13. Wenn ich mir anschaue, wie „geschützt“ das Sicherheitspersonal in den städtischen Verwaltungsgebäuden den Dienst verrichtet, dann habe ich eine Vorstellung von dem was uns dann erwartet.
    Vielleicht kann Herr Stein als Verwaltungsleiter (und damit im Grunde auch zuständig, dass die Bediensteten des beauftragten Unternehmens weder infiziert werden können noch andere infizieren) da mal anfangen!!!

  14. Ich finde das nicht gut!!, diese test sind fählerhaft!!,Herr Bürgermeister Sie möchten nicht auf die Inzidenz abhängen aber dafür mehr testen?, dass ist sinnlos, wir wollen unsere Grundrechte zurück unabhängig von die Inzidenz!!

  15. Öffnungsmodell!
    Das ist gut. Endlich mal jemand der nach Lösungen sucht , statt nur als Befehlsempfänger die Menschen an die Leine zu nehmen. Ich wünsche viel Erfolg. Er wird nicht ausbleiben.

  16. Ich könnte mir vorstellen, dass ein gut durchdachtes Konzept durchführbar wäre, wenn alle an einem Strang ziehen. Die Hygienekonzepte der Hotel- und Gastronomiebetriebe passen, die von uns Einzelhändlern auch. Wenn eine gute Teststrategie dazu kommt, stelle ich es mir jedenfalls einfacher vor als in Großstädten.

  17. Also Herr Bürgermeister, wenn Sie so weiter machen, dann ärgere ich mich, Ihnen nicht um den Hals gefallen zu sein, als Sie sich mir im Zuge der Kommunalwahl auf dem Marktplatz vorgestellt haben. Weiter so!