Testvorbereitung an der Otto-Hahn Realschule

Die Inzidenz liegt bei Kindern und Jugendlichen höher als der Durchschnitt, auch in Rhein-Berg. Eine Umfrage bei den Schulen der Stadt zeigt jedoch: Die Zahl der Infektionen hält sich in Grenzen. Aber auch bei Kindern und Jugendlichen gibt es Fälle von Long-Covid. Zu Impfangeboten der Schulen gibt es unterschiedliche Meinungen. Bei den neuen Quarantäneregeln für Schulen stößt das Freitesten auf positive Resonanz.

Routine – damit lässt sich der Start des Schulbetriebs nach den Ferien am besten überschreiben. Die Schulleiter:innen haben ihre Schule in der Regel mit festgelegten Testtagen organisiert, die Zahl der positiven Fällen wird als moderat bis niedrig beschrieben.

„Auch unsere Kleinsten schlagen sich wacker“, konstatiert Romina Matthes (Gymnasium Herkenrath). Karl-Juoef Sulski (Otto Hahn Gymnasium, OHG) freut sich über den Start des Unterrichts und der AGs, auch Klassenfahrten laufen wieder. Sulski und auch sein Kollege Felix Bertenrath von der Otto Hahn Realschule (OHR) betonen aber, dass die Tests Zeit kosten.

„Seit Beginn letzter Woche ist es ruhig“, sagt Jörg Schmitter vom Nicolaus Cusanus Gymnasium (NCG). „Positive Testungen bleiben weiterhin gering“, so das Lagebild von Angelika Wollny, der Leiterin der Integrierten Gesamtschule Paffrath (IGP).

Von sechs positiv getesteten Personen berichtet das OHG, fünf seien vorab bereits zuhause geblieben. Auch Julia Kleine von der Realschule Herkenrath kann keine Zunahme der Infektionen an ihrer Schule feststellen. „Die Schüler:innen halten sich an die Hygienemaßnahmen.“

Biologie-Unterricht am Gymnasium in Herkenrath

Am Berufskolleg Kaufmännische Schulen (BKSB) würden die Infektionen genau in den Klassen zunehmen, in denen die Impfquote gering sei, berichtet Schulleiterin Nicole Schuffert. Auch Frank Bäcker, Leiter des Dietrich Bonhoeffer Gymnasiums (DBG) sieht eine Zunahme in einzelnen Klassen.

Am Albertus Magnus Gymnasium (AMG) sei die Zahl positiver Tests doppelt so hoch wie vor den Ferien, erklärt Rolf Faymonville. Hier verhindere jedoch die Einhaltung der Hygieneregeln die Quarantänisierung ganzer Lerngruppen.

Im ganzen Kreis sind derzeit drei Schulklassen in Quarantäne, bestätigt das Gesundheitsamt. In Bergisch Gladbach betreffe das die KGS In der Auen. In den Fällen, in denen ganze Klassen in Quarantäne geschickt wurden, gehe das vor allem „unübersichtliche Kontaktsituationen“ zurück, berichtet eine Kreis-Sprecherin: „Die Infektionen an Schulen stagnieren derzeit auf mittlerem Niveau.“

Inzidenzen: Auch in Rhein-Berg liegt die 7-Tage-Inzidenz bei den jüngeren Altersgruppen deutlich über der allgemeinen Inzidenz. Über alle Altersgruppen hinweg beträgt sie aktuell 70, bei den 0- bis 9-Jährigen jedoch bei 92 und bei den 10- bis 19-Jährigen bei 195. Das geht aus den aktuellen Zahlen des Landeszentrums Gesundheit hervor.

Die Inzidenz der 10- bis 19 Jährigen in Rhein-Berg ist hoch; geht aber nach den ersten Schulwochen zur Zeit zurück. Quelle: LZG

Impfung an Schulen

Offenbar tragen auch die Impfungen dazu bei, das Infektionsgeschehen einzudämmen. Einige Schulen haben bereits Angebote gemacht, andere bereiten sich darauf vor – aber nicht alle.

Als erste Schule im Kreis habe das NCG bereits Impfangebote gemacht, erklärt Jörg Schmitter. Über 50 Schüler:innen hätten dies genutzt, sowie einige Eltern und Anwohner. Man bereite weitere Erst- und Zweitimpfungen vor.

„Gestern hatten wir das Impfmobil am Berufskolleg“, berichtet Nicole Schuffert, es komme sogar zu Spontanimpfungen, da Schüler:innen ab 16 keine Einverständnis von den Eltern mitbringen müssten. Allerdings hätten sich einige Schüler:innen wegen Nebenwirkungen krank gemeldet. Die Zweitimpfung sei für den 5. Oktober terminiert.

Schüler:innen des BKSB (Berufsfachschule und Wirtschaftsgymnasium) nach der Corona-Impfung: „Ich bin froh, jetzt bin ich besser geschützt und muss bald keine Tests mehr machen lassen“, sagt Hanif (19). Armir (18) meint: „Mein Arm schmerzt, aber sonst fühle ich mich gut.“

An der IGP sei der größte Teil der Oberstufe geimpft, Angelika Wollny verweist auf eine sehr gute Akzeptanz. Von 50 Impflingen berichtet das OHG, „es ist aber zu vermuten, dass die allermeisten, die sich impfen lassen wollen, dies beim Haus- oder Kinderarzt tun“, sagt OHG-Direktor Karl-Josef Sulski.

Rolf Faymonville (AMG) geht von einer Impfquote von 70 Prozent in der Oberstufe und 50 Prozent in der Mittelstufe aus, dies seien jedoch nur Schätzungen, „wir dürfen danach ja nicht fragen.“

Hinweis der Redaktion: Für die Dokumentation der Lage an den Schulen haben wir die meisten Schulen der Stadt angefragt, bei den Grundschulen die Sprecher:innen der Schulbezirke. In diesem Beitrag haben wir alle Antworten zusammengefasst, zu den Grundschulen liegen uns leider keine Infos vor.

An der Realschule Herkenrath wurde ebenfalls ein Angebot gemacht, die Schüler seien aber teils noch zu jung, berichtet Juliane Kleine. Das DBG plant entsprechende Angebote, sagt Frank Bäcker.

„Bei uns war die Impfaktion ein voller Erfolg„, berichtet Romina Matthes (Gymnasium Herkenrath) und sieht die Schule in der gesellschaftlichen Verantwortung. Sie betont aber, dass dies eine freie Entscheidung sei, die jeder selbst treffen müsse. Es sei „ein Angebot und keine Pflicht.“

Neutralität gefordert

Felix Bertenrath (OHR) geht da einen Schritt weiter. Seiner Meinung nach sollte sich die Schule aus den Impfungen raushalten und neutral bleiben. Bei Kinderärzten könne eine deutlich bessere Risikoabschätzung der Impflinge vorgenommen werden.

Kinderärztin Dr. Petra Zieriacks bestätigt, dass die Impfung der Kinder und Jugendlichen gut angenommen würden. Dies sollte auch auf jüngere Altersgruppen ausgedehnt werden, fordert sie: „Besonders für chronisch kranke Kinder warten wir dringend auf Zulassungsstudien“, sagt die Ärztin.

Zieriacks behandelt bereits einen Fall von Long-Covid in ihrer Praxis. Dies höre sie auch aus anderen Praxen.

Gesundheitsamt: Gute Zusammenarbeit, aber auch Kritik

Mit dem Gesundheitsamt arbeitet man an der IGP „sehr, sehr gut“ zusammen, bilanziert Angelika Wollny. Es gebe verlässliche Ansprechpartner, die Entscheidungen seien angemessen, fasst OHG-Chef Karl-Josef Sulski zusammen.

Im Testzentrum am Gymnasium Herkenrath

Kritik kommt von Julia Kleine (Realschule Herkenrath). Aufgrund der hohen Fallzahlen schaffe es das Gesundheitsamt nicht immer, sofort zu reagieren. Dies sein ein Problem besonders vor den Wochenenden. „Wir würden uns dringend eine einheitliche Leitlinie für Schulen wünschen, wie sie sich verhalten sollen, sobald sie von einem positiven Fall erfahren.“

Laut Felix Bertenrath (OHR) mache das Gesundheitsamt selten einen professionellen Eindruck. „Es wird unterschiedlich reagiert“, schildert er, wonach er im selben Fall mündlich eine andere Aussage als schriftlich erhalten habe.

Infektionsschutz gegen Bildungsbedarf abwägen

„Das Gesundheitsamt ist erst ab jenem Augenblick zuständig, in welchem in einer Klasse ein positiver Einzelfall per PCR-Test nachgewiesen wurde“, stellt eine Sprecherin der Kreisverwaltung klar.

Dann erfolge die Kontaktnachverfolgung sowie Bewertung für eine Quarantäne. „Kriterien für die Einschätzung der Situation und geeigneter Maßnahmen (Test, Isolierung oder Quarantäne) sind insbesondere der jeweilige Impfstatus, aber auch die Dauer des Kontakts, Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln, mögliche Symptomatik, Vulnerabilität der Betroffenen“, sagt die Sprecherin.

Immer werde zwischen dem bestmöglichen Infektionsschutz und dem Bildungsbedarf der Kinder und Jugendlichen abgewogen.

Neue Regeln

„Ein Freitesten ist nicht möglich“, schildert Jörg Schmitter (NCG) die aktuelle Lage bei einer Quarantäne, das habe zu Unmut und Beschwerden geführt. Das soll jetzt aber anders werden: Bis Ende der Woche will NRW entsprechende Beschlüsse der Gesundheitsministerkonferenz vom 6. September umsetzen.

Demnach sollen nur noch einzelne infizierte Kinder für 14 Tage in Quarantäne geschickt werden. Nicht die übrigen Kinder einer Schulklasse. Für diese solle es mehr Tests geben. Nur bei einem größeren Ausbruchgeschehen könnten GesundheitsämterQuarantänen verhängen. Eine Freitestung nach fünf Tagen soll möglich werden.

Kinderärztin Zieriacks wertet die neuen Regeln positiv. „Es kann nicht so weitergehen dass 30.000 Kinder in Quarantäne sein müssen“, so ihre Haltung.

„Gut und sinnvoll“, wertet auch Nicole Schuffert (BKSB) die neuen Regeln der Gesundheitsminister, wenn denn die Freitestung per Bürgertest erfolge. Damit sei aus ihrer Sicht eine korrekte Durchführung gewährleistet.

Am OHG ist man ebenfalls zufrieden, „die 14-tägige Quarantäne für negative Schüler:innen stellt eine erhebliche Einschränkung des Schul- und Soziallebens dar“, so Karl-Josef Sulski.

Schulstraßen im Gymnasium Herkenrath verhindern, dass sich die Wege der Schüler:innen kreuzen und so mögliche Infektionsquellen entstehen

Kontakte in der Freizeit

Angelika Wollny (IGP) sieht in der neuen Regelung zumindest administrativ keine Erleichterung. So müsse die Schule nach wie vor Sitzpläne zur Kontaktnachverfolgung zur Verfügung stellen.

Julia Kleine (Realschule Herkenrath) erklärt, dass eine Quarantäne „nur für Sitznachbarn“ wenig Sinn mache. „Die Kontakte entstehen nicht während des Unterrichts, sondern auf Schulweg, in der Freizeit, wenn sich die SuS ohne Maske treffen.“

Noch sind die neuen Regeln nicht verbindlich, der Kreis warte die gesetzlichen Vorgaben des Landes ab, heißt es dazu beim Rheinisch-Bergischen Kreis. Man stelle sich auf die Änderungen ein, habe ohnehin bereits seit Beginn der Pandemie kontinuierlich auf einzelfallbezogene Quarantänemaßnahmen gesetzt.

Keine Glaskugel

Wie es weitergeht kann keiner der Schulleiter:innen vorhersagen, „gerne hätte ich eine Kristallkugel“, berichtet Jörg Schmitter (NCG). Seine Hoffnung: „Wir machen nicht noch einmal zu.“ Er verknüpft dies mit einem Appell an die Erwachsenen: „Gehen Sie zur Impfung!“

Nicole Schuffert vom BKSB glaubt nicht dass es einen Lockdown geben wird, eher Distanzunterricht für Lerngruppen mit geringer Impfquote.

Auch Angelika Wollny (IGP) geht davon aus dass man im Präsenzunterricht bleibe. „Die verkürzte Quarantänezeit ist ein klarer Vorteil zum letzten Jahr.“

Karl-Josef Sulksi (OHG) sieht nur zwei mögliche Gründe, die zu einem Lockdown führen könnten: „Die Situation in den Krankenhäusern oder eine so hohe Zahl an Quarantäne für SuS und Lehrer:innen, dass Präsenzunterricht nicht mehr möglich ist.“ Dies sei eher unwahrscheinlich, da die schulischen Corona-Maßnahmen greifen würden.

Julia Kleine (Realschule Herkenrath) bringt die Frage nach der Zukunft des Präsenzunterrichts so auf den Punkt: „Wir hoffen darauf, dass es keinen erneuten Lockdown mehr geben wird. Die Schülerinnen und Schüler sind in der Schule gut aufgehoben, sie brauchen sowohl den unterrichtlichen Input als auch das Sozialleben in der Schule um auch psychisch gesund zu bleiben.“

Und Frank Bäcker vom DBG erklärt: „Der status quo bleibt erhalten, das ist doch politischer Wille.“

Bildhinweis: Sämtliche Bilder des Beitrags wurden von den Schulen bereitgestellt. Die Einverständniserklärung der abgebildeten Schüler:innen liegt vor.

Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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3 Kommentare

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  1. @Anna Monschau
    Ja aber nur 5 Tage lang, und nur per Schnelltest und die schlagen ja erst an wenn das Kind bereits infektiös ist und am Tag davor war der Test noch negativ aber bereits Ansteckend, und sehr viele werden auch erst Tage später ansteckend, wenn wieder nur 2x getestet wird! Das funktioniert so nicht!
    Und wie fühlen sich die Kinder wenn dann nach und nach die ganze Klasse positiv wird? Ene mene Meck und du bist weg…?
    Quarantäne für Kontaktpersonen ist unumgänglich, vor allem bei den hohen Inzidenzen die werden so nicht besser eher schlimmer.
    Man verliert am Ende die komplette Kontrolle, hat viele kranke Kinder und doch wieder geschlossene Schulen weil es plötzlich eskaliert, siehe USA!

  2. @Monika
    aber die Schüler die zu den Kontakten gehören werden doch auch getestet… eine Infektion würde also auffallen.
    Im Gegensatz zu den ganzen geimpften Erwachsenen die als „Superspreader“ (Ironie) ungetestet draußen rumlaufen und in den Büros fröhliche Kaffee Klatschs mit Kollegen führen.
    Ich begrüße die Entscheidung sehr. Der Virus hat sich bislang für U18 Jähre als ungefährlich gezeigt und es wird Zeit das diese Generation ihr Leben wieder leben darf.

  3. Wenn Schüler nur noch in Isolation sollen wenn sie positiv getestet sind, aber die Quarantäne für Kontaktpersonen aufgehoben wird dann werden die Kinder die sich beim Ursprungfall infiziert haben weitere anstecken und zwar weil die Schnelltest erst anschlagen wenn man bereits ansteckend ist! Dieses Vorgehen führt zu mehr Infektionen unter Kinder, und es sollte wenigstens die Präsenzpflicht aufgehoben werden damit sich die Familien schützen können die dies wollen!