Walter Lindgens, Tanzrhythmus (1950, Öl aiuf Holz)

Mit der Kabinettausstellung „Walter Lindgens: Fremde und Vertraute“ startet das Kunstmuseum Villa Zanders in den Kulturherbst. Lindgens Frauendarstellungen lassen Leben und Schaffensphasen des Künstlers Revue passieren, der mit Schenkungen den Grundstock für die Villa Zanders als Museum gelegt hat.

Walter Lindgens (1893 bis 1978) war Maler und lebte die letzten knapp 30 Jahre seines Lebens in Rösrath. Er übertrug der Stadt Bergisch Gladbach nach seinem Tod nicht nur seine Kunstsammlung, sondern auch sein eigenes umfangreiches künstlerisches Werk. Damit legte er den Grundstein für die Gründung der Städtischen Galerie Villa Zanders.

Die große Bedeutung dieser Stiftung für das Museum wird regelmäßig mit Präsentationen verschiedener Aspekte seines Werkes gewürdigt. Die aktuelle Ausstellung „Fremde und Vertraute“ widmet sich nun einem bestimmten Motiv: Der Frau.

Anhand dieses Sujets lassen sich sowohl verschiedene biografische Stationen als auch stilistische Phasen im Schaffen Walter Lindgens‘ ablesen. Was erwartet die Besucher:innen?

Fremde und Vertraute: Frauendarstellungen von Walter Lindgens
Kabinettausstellung: 7. Oktober bis 7. November 2021
Öffnungszeiten und Infos auf den Webseiten des Kunstmusems Villa Zanders

Femme Fatale

Das früheste Blatt (Ssanin, Lyda, 1921) stammt aus seiner Studienzeit in München und verarbeitet inhaltlich die 1922 entstandene Verfilmung eines russischen Romans. Seine Interpretation der Lyda weist eindeutig stereotypische physiognomische Merkmale einer russischen Frau auf, wie man sie sich damals vorgestellt haben muss.

Die Romanfigur war eine begehrenswerte aber auch tragische Femme Fatale, die den Männern den Kopf verdrehte. Dieses Thema greift Lindgens später, allerdings übertragen aus dem ‚fremden‘ Russland in den vertrauten europäischen Raum, in verschiedenen Ölgemälden wieder auf (Maskenball, um 1946).

Frankreich und Afrika

Walter Lindgens, Verkündigungsengel (1933, Öl auf Leinwand)

Auch die für ihn sehr prägende Zeit im belebten Paris der 1920er Jahre schlägt sich in seinen Frauendarstellungen nieder: Kiki vom Montparnasse (1927), dem berüchtigten Amüsier- und Künstlerviertel, trägt zwar modische Accessoires wie Hut und Perlenkette, wirkt gleichzeitig aber deformiert, wie vom wilden Nachtleben gezeichnet.

Auf seinen zahlreichen Reisen, beispielsweise nach Marokko und Algerien 1930/31 oder nach Kamerun und Nigeria 1936, entstehen Zeichnungen von Frauen, die das explizit Fremde, das Exotische betonen und den Blickwinkel des gut bürgerlich aufgewachsenen Walter Lindgens auf eine ihm unbekannte Kultur spiegeln (Marokkanische Frauen, 1931 oder Kostümstudien, 1936).

Abstraktion

Im starken Kontrast zu diesen dynamisch-verspielten Skizzen seiner Abenteuer in der Fremde stehen Gemälde der 1930er- und 1940er-Jahre, die sich stilistisch am romantischen Realismus orientieren und sein stark bürgerlich geprägtes, traditionelles Frauenbild wiedergeben (Die Strickerin, 1937). Hier entstehen vermehrt auch Werke mit christlichen Motiven (Verkündigungsengel, 1933).

Ergänzt wird dieser Querschnitt zum einen von Arbeiten aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, in der er beginnt, mit einer abstrakten Formsprache zu experimentieren (Tanzrhythmus, 1950); andererseits von einer Reihe zart aquarellierten, meist kleinformatigen und sehr intimen Zeichnungen von Frauen in seinem alltäglichen Umfeld: Beim Zeitunglesen, beim Kochen, umringt von einer Schar Kinder.

Auch Hildegard Riehmer, die Walter Lindgens 1937 in Berlin heiratet, taucht dort auf und kredenzt augenscheinlich am Martinstag Die Gans meines Lebens (1961).

Kunstmuseum Villa Zanders

Das städtische Museum wurde 1992 in der Gründerzeitvilla der Fabrikantenfamilie Zanders eröffnet und feiert 2017 sein 25jähriges Bestehen. Mit seiner einzigartigen Sammlung von „Kunst aus Papier“, der Kommunalen Galerie mit Malerei der Düsseldorfer Schule aus dem 19. Jhdt. sowie einem ambitionierten...

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