Ein Unterhaltungsroman über das Älterwerden, ein subtiler Psychothriller über Traumata und ihre Folgen und ein Roman im Spagat zwischen historischen Schrecken und idyllischer Gegenwart versprechen einen kurzweiligen Herbst.

Alina Bronsky: Barbara stirbt nicht. 
Kiepenheuer & Witsch 2021, € 20,00.

Die junge Autorin ist bei einem breiten Publikum mit „Baba Dunjas letzte Liebe“ bekannt geworden. Mit ihrem aktuellen Roman wendet sie sich wieder dem Älterwerden zu und den Möglichkeiten, auch im Alter nochmal neu durchzustarten.

Werner Schmidt will eigentlich seine wohlverdiente Rente genießen. Doch das Schicksal macht ihm einen gründlichen Strich durch die Rechnung. Seine Frau Barbara, die das ganze gemeinsame Eheleben für den Haushalt zuständig war, wird plötzlich krank und baut dramatisch ab. Schmidt muss von heute auf morgen sein Leben neu überdenken.

Die bislang klare Rollenverteilung löst sich in Wohlgefallen auf und stellt ihn vor eine doppelte Herausforderung, zum einen muss er sich um seine kranke Frau kümmern, zum anderen muss er den Haushalt jetzt allein meistern.

Schmidt, absolut ahnungslos in puncto Haushaltsdingen geschweige denn Kochen, macht sich notgedrungen ans Werk. Dabei kommt ihm seine Ausbildung als Techniker insofern zu Gute, als er sich alles Schritt für Schritt über Anleitungen erarbeitet vom Kaffee kochen über Kuchen backen.

Beim Kochen ist das Internet natürlich auch sehr hilfreich und irgendwann trifft er dort auf einen bekannten Fernsehkoch, was für ihn letztendlich zu einem Schlüsselerlebnis wird.

Schmidt wird überwiegend als grantiger alter Mann geschildert, der sicher nicht immer ein einfacher Ehemann war. Aber im Laufe der Geschichte blitzen immer mehr nette Eigenschaften auf. Er kümmert sich nicht nur liebevoll um seine Frau, auch die Liebe zu ihr erwacht neu.

So wird er als Mann geschildert, der sich seinen neuen Herausforderungen stellt und streckenweise seine harte Schale aufgibt, aber nie komplett sein Wesen verändert. Das macht das Buch aus, das lässt es nie ins Kitschige abdriften.

Mit viel Wortwitz und schwarzem Humor widmet sich die Autorin einem heiklen Thema und umschifft manche Hürde gekonnt und sensibel. Ein Buch, das trotz des ernsten Hintergrundes sehr komisch sein kann, wodurch sich einiges relativiert und besser zu ertragen ist. Eine Geschichte, die das Leben geschrieben haben könnte, mit positiven und negativen Seiten aber nie ohne Hoffnung.

So ist der Autorin ein großartiger Unterhaltungsroman mit Tiefgang gelungen, der sich flüssig weg liest und den Leser nachdenklich zurücklässt.

(Sylvia Jongebloed)

Das Buch in unserem Onlineshop.

Paula Hawkins: Wer das Feuer entfacht.
Blanvalet 2021, € 20,00.

Nach ihrem Weltbestseller „Girl on the Train“ ist der Britin Hawkins mit ihrem dritten Buch wieder ein Psychothriller der Extraklasse gelungen.

Grauenhafter Fund in London: Auf einem Hausboot wird die Leiche eines brutal erstochenen jungen Mannes gefunden. Relativ schnell werden fünf Verdächtige ausgemacht. In den Focus geraten drei Frauen, die irgendwie zu dem Opfer in Beziehung standen.

Da ist Miriam, bekannt für ihre Neugierde, die auf dem Nachbarboot lebt und den Toten gefunden hat. Die verhaltensauffällige Laura hat die letzte Nacht mit ihm verbracht und seine durch einen schweren Schicksalsschlag verbitterte Tante Carla hatte offenbar noch eine Rechnung offen.

Alle drei Frauen verbindet, dass sie durch unterschiedliche Ereignisse in ihrer Vergangenheit mehr oder weniger stark traumatisiert wurden. Jede von ihnen hat das Erlebte anders verarbeitet.

Ein anderer möglicher Verdächtiger ist der Autor Theo, der von seiner Frau Carla getrennt lebt, und scheinbar auch Dreck am Stecken hat. Nicht zu vergessen die schrullige und zeitweise verwirrt erscheinende 80jährige Irene, eine frühere Nachbarin, die in Wirklichkeit mit allen Wassern gewaschen ist.  

Aber wer von ihnen ist fähig zu töten und warum? Laura, die immer mal wieder vollkommen austickt? Miriam, die etwas verheimlicht oder Carla, die mühsam versucht, eine Fassade aufrecht zu erhalten? Oder doch der scheinbar ganz normale Theo oder gar die verschrobene Irene?

Wie auf einem Schachbrett schiebt die Autorin ihre Figuren hin und her und nach und nach wird deren Vergangenheit aufgeblättert bis alle Fäden zusammenkommen. Bauern werden geopfert, aber am Ende heißt es Schachmatt.

Kunstvoll verwebt Hawkins Vergangenes mit der Gegenwart. Der englische Titel „A Slow Fire Burning“ bringt es auf den Punkt. Wie ein Schwelbrand entwickelt sich eine Anhäufung von Geschehnissen, die letztlich zum Mord führen. Detailliert und schonungslos charakterisiert die Autorin ihre Figuren und lässt sie vor unserem inneren Auge entstehen.

So entwickelt sich eine komplexe und hochspannende Story, die subtil mit unseren ureigenen Ängsten und Wahrnehmungen spielt. Ein Psychothriller vom Feinsten!

(Sylvia Jongebloed)

Das Buch in unserem Onlineshop.

Eva Menasse: Dunkelblum.
Kiepenheuer & Witsch 2021, € 25,00.

Die Österreicherin Menasse arbeitet in ihrem aktuellen Roman ein düsteres Kapitel ihrer Heimat auf. Eingerahmt in einer fiktiven Handlung werden zum Teil längst vergessene historische Geschehnisse wieder lebendig.

Das fiktive Dunkelblum, ein kleiner idyllischer Ort nahe der ungarischen Grenze, wird 1989 zum Zentrum einer Geschichte um Täter und Opfer während des Zweiten Weltkrieges. Während hinter der Grenze schon die ersten DDR-Flüchtlinge auf ihre Einreise warten, passieren hier und in der Umgebung merkwürdige Dinge.

Eine Gruppe junger Menschen taucht plötzlich auf, um den alten, inzwischen verkommenen, jüdischen Friedhof wieder instand zu setzen. Ein geheimnisvoller älterer Mann tritt förmlich aus dem Nichts auf, angeblich um historische Fakten zu recherchieren. Der Bau eines Heimatmuseums sowie die Verfassung einer Dorfchronik sind in der Planung.

Gekrönt werden diese Ereignisse durch ein bei Grabungen gefundenes Skelett sowie das spurlose Verschwinden einer jungen Frau.

Was ist los in Dunkelblum? Spätestens, als der unbekannte Fremde anfängt, unbequeme Fragen zu stellen, ist es mit dem Seelenfrieden vieler Bewohner vorbei und die scheinbare Idylle bekommt enorme Risse. Das Ausmaß eines entsetzlichen Verbrechens während der letzten Kriegstage, von dem fast jeder Bewohner Kenntnis hatte, kommt in seiner ganzen Ungeheuerlichkeit nach und nach wieder ans Licht.

Neben diesen glasklaren Fakten entsteht ein Mikrokosmos, der gefüllt ist mit vielerlei buntem und skurrilem Personal, das sich in der Gegenwart gut eingerichtet und vieles verdrängt hat. 

Menasse ist mit ihrem Roman über das große Schweigen einer eingeschworenen Gemeinschaft der große Spagat zwischen geschichtlichen Fakten und der Chronik eines kleinen vergessenen Ortes und seiner Bewohner gelungen. Messerscharf seziert sie eine bigotte Kleinstadt am Rande der Welt. Dem setzt sie durchaus eine Prise Humor entgegen, was manche Passagen erträglicher macht, andere wiederum das volle Ausmaß des Schreckens aufzeigen lässt.

Hochkomplex und spannend wie ein Thriller fesselt diese Geschichte vom Anfang bis zum Ende. Literarisch auf hohem Niveau, süffig zu lesen und einfach grandios!    

(Sylvia Jongebloed)

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Viel Spaß beim Lesen.

Ihre Birgit Lingmann und Pia Patt

Pia Patt und Birgit Lingmann führen die Buchhandlung Funk

Die Buchhandlung Funk existiert seit vielen Jahrzehnten in Bensberg und ist seitdem Bestandteil des kulturellen Lebens von Bergisch Gladbach. Mehr als zehn Jahre waren Pia Patt und Birgit Lingmann (geborene Jongebloed) bereits in der Buchhandlung Funk beschäftigt, als sie im Oktober 2015 das Geschäft von Almut Al-Yaqout übernahmen.

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Pia Patt, geboren 1974 in Köln, verheiratet, 2 Katzen, wohnt in Lindlar. Sie wurde in der Buchhandlung Funk zur Buchhändlerin ausgebildet und interessiert sich besonders für Kinderbücher, Krimis, und Belletristik. Wenn sie nicht gerade liest, kümmert sie sich um ihren Garten oder feilt an ihren...

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