Der ADFC hat sich gründlich mit der Parkplatz-Situation an den Supermärkten in Bergisch Gladbach befasst und zeichnet ein differenziertes Bild. Einige wenige Märkte sind vorbildlich ausgestattet, bei einigen stößt man auf die gefürchteten Felgenkiller – und dann gibt es fünf Märkte, die die Radler:innen völlig im Regen stehen lassen.

Es ist nicht mehr zu übersehen: Immer mehr Kunden fahren mit dem Rad zum Einkaufen. Aber findet man auch geeignete, attraktive Abstellmöglichkeiten vor? Der ADFC hat dazu 23 Supermärkte im Gebiet der Stadt Bergisch Gladbach nach einschlägigen Bewertungskriterien untersucht.

Einfache Vorderradhalter, bei denen bei seitlicher Belastung Felgen und Speichen beschädigt werden können („Felgenkiller“), sind nicht mehr ausreichend. Sie müssen über einen Anlehnbügel als Stütze verfügen, auch, um das Abschließen am Fahrrad-Rahmen zu ermöglichen.

Sie sollten genügend große Abstände zwischen den Rädern mit breiten Lenkern anbieten und sich auch Rädern mit breiten Reifen (MTBs, manche Pedelecs) nicht verweigern. Idealerweise sind sie zum Schutz vor Regen zusätzlich überdacht.

Aber wie sieht die Realität aus? Nach unseren Ergebnissen haben nur sechs Supermärkte das Prädikat „fahrradfreundlich“ verdient, zwölf Märkte haben nur suboptimale Anlagen der Marke „Felgenkiller“ und fünf Märkte bieten gar keine Abstellanlagen an! Eine vollständige Liste finden Sie im Anhang.

Die fahrradfreundlichen Supermärkte

Der Spitzenreiter aus Sicht des ADFC ist der REWE-Markt an der Odenthaler Straße, der seit kurzer Zeit (Sommer 2021) eine moderne Abstellanlage mit Anlehnbügeln inkl. Überdachung anbietet.

Sie ist nicht zu übersehen und findet sehr guten Zuspruch. Als Vorderradhalter bieten sie aber nur dann vollen Felgenschutz, wenn das Abschließen an dem Diagonal-Bügel erfolgt.

Dieses Mo­dell findet sich übrigens auch bei zwei weiteren REWE Märkten in Paffrath und Lustheide.

Schon seit etlichen Jahren ist eine fahrradfreundliche Abstellanlage vor dem Alnatura-Markt im Strunde Park zu finden. Sie erhält den Platz 2 im ADFC-Ranking: Keine „Felgenkiller“, sondern breite Anlehnbügel mit schönem Design, zudem deutlich wahrnehmbar und nah am Eingang zum Markt platziert. Die Kapazität mit nur 3 Plätzen ist allerdings mittlerweile zu Stoßzeiten überlastet.

Anlehnbügel mit praktischer, zusätzlicher Querstange finden sich beim Netto in Schildgen-Nittum. Die Edelstahl-Anlage ist nah am Eingang und unübersehbar direkt neben den Einkaufswagen positioniert. Schade, dass nur die Einkaufswagen und nicht auch die Fahrradparkplätze überdacht und die Sättel nicht vor Regen geschützt wurden. Trotzdem Platz 3 im ADFC Ranking.

Die Plätze 4 und 5 nehmen jeweils Märkte ein, die das in Bild 1 eingesetzte Modell mit Vorderrad­halterung plus Diagonalbügel einsetzen. Sie finden sich an den REWE Märkten in Paffrath und Lustheide und scheinen der zukünftige Quasi-Standard der REWE-Kette zu werden.

Der 6. Platz verwendet eine interessante Variante, bei der ein Vorderradhalter mit einem Rechteck-Bügel ergänzt wird und ist an der Kaufhalle in Gronau vorzufinden. Auch hier gilt die Ein­schränkung: Sie bietet nur dann vollen Felgenschutz, wenn das Abschließen an dem zusätzlichem Rechteck-Bügel erfolgt.

Die Suboptimalen

Mit 12 von 23 werden bei der Mehrzahl der untersuchten Supermärkte nur sehr einfache und billige Anlagen vom Typ „Felgenkiller“ angeboten. Felgenkiller heißen diese Anlagen deshalb, weil hier nur ein kleiner Teil des Vorderrades Halt findet und bei seitlicher Belastung ein hohes Risiko für die Beschädigung von Felgen und Speichen besteht. Im Folgenden einige Beispiele mit Fotos für suboptimale Anlagen:

Eine typische, etwas lieblose Anlage findet man vor dem EDEKA in der Frankenforster Str. in Bensberg. Immerhin kann man gut erkennen, dass auf der Fläche eines PKW-Parkplatzes Platz ist für sechs parkende Räder. Es wäre für viele Supermärkte eine Leichtes, jeweils ein bis zwei PKW-Parkplätze in Fahrradparkplätze umzuwandeln. 

Immerhin zwei Supermärkte bieten regengeschützte, überdachte Anlagen an: Der Breidohr-EDEKA in Gronau sowie der ALDI in Schildgen.

Auffällig: Der ALDI Fahrradstellplatz bietet Strom-Steckdosen mit kostenloser Auflademöglichkeit für Pedelecs an. Diese sind zwar sehr werbewirksam, gehen aber am Bedarf vorbei, da wohl die wenigsten Pedelecfahrenden für die kurze Einkaufszeit ihr Ladegerät mitführen werden.

Supermärkte ohne jegliche Fahrradabstellanlagen

Auch das gibt es leider noch in unserer Stadt: Bei fünf Supermärkten wurden keinerlei Abstellanlagen vorgefunden!  

Es handelt sich um die relativ modernen und umsatzstarken Märkte von ALDI und DM im Strundepark an der ehemaligen Lochermühle.

Es gibt hier mehr als 100 PKW Stellplätze, die aber nicht im Besitz der Märkte, sondern der Kölner EGK Projektentwicklungs- & Beteiligungs-GmbH sind. Sie werden von der Düsseldorfer „Fair Parken GmbH“ bewirtschaftet, die die Radfahrenden aber sehr unfair behandelt.

Es ist unverständlich, dass die ALDI- und DM-Marktleiter bei der erst vor Kurzem erfolgten Umgestaltung der Stellplätze für Einkaufswagen nicht auf der Neu-Anlage von Fahrradstellplätzen bestanden haben.

Der benachbarte LIDL Markt hat eine Anlage (aber leider nur ein „Felgenkiller“-Modell, kein Bild).

Bei den drei weitern Märkten ohne Fahrradparkplätze handelt es sich um den Edeka-Markt in Schildgen, den Netto-Markt in Hand (Bild unten, Auto-Parkplätze haben hier offensichtlich bis direkt vor die Eingangstür Vorrang) und den Edeka-Markt in Herkenrath (ohne BiId, die Installation einer Anlage ist definitiv für 2022 geplant). 

Fazit

Radfahrende Kunden sollten sich trauen, den jeweiligen Marktleitungen ihren Unmut über diesen Anachronismus mitzuteilen und Verbesserungen anzumahnen.

Es bleibt zu hoffen, dass auch auf dem Gebiet der Fahrradfreundlichkeit die Konkurrenz das Geschäft belebt. Es ist höchste Zeit, dass die Supermärkte das große Potential der radfahrenden Kunden entdecken und für geeignete Fahrradparkplätze sorgen!

Liste der ersuchten Supermärkte und Kategorisierung

Nr.MarktStraßeStadteilPrädikat
1REWEOdenthaler Str. 196HebbornFahrradfreundlich
2AlnaturaKürtener Str. 1StrundeparkFahrradfreundlich
3NettoZehntweg 10SchildgenFahrradfreundlich
4REWEKempener Str.PaffrathFahrradfreundlich
5REWELustheide 6RefrathFahrradfreundlich
     6KauflandRefrather Weg 1GronauFahrradfreundlich
7LIDLHauptstr. 393StrundeparkSuboptimal
8CAPNeue Nußbaumer Str. 2PaffrathSuboptimal
9ALDILeverkusener Str. 10SchildgenSuboptimal
10NormaBuchholzstraße 105HandSuboptimal
11LIDLMülheimer Str. 76GronauSuboptimal
12ALDIKradepohlsmühlenweg 8GronauSuboptimal
13NettoMülheimer Str.  237GronauSuboptimal
14Ankara/DennRichard-Zanders-Str. 6GronauSuboptimal
15Breidohr (EDEKA)De Gasperi Str. 1GronauSuboptimal
16EDEKAKölner Str. 104BensbergSuboptimal
17REWEOverather Str. 50BensbergSuboptimal
18EDEKAHerkenrather Str. 70SandSuboptimal
19ALDIKürtener Str. 1StrundeparkFahrradunfreundlich
20DM DrogerieKürtener Str. 1StrundeparkFahrradunfreundlich
21NettoDellbrücker Str. 31HandFahrradunfreundlich
22EDEKAAltenberger Dom Str. 126SchildgenFahrradunfreundlich
23EDEKAStraßen 51HerkenrathFahrradunfreundlich

ADFC

Der ADFC ist ein Verband von RadlerInnen, die das Ziel verfolgen, den Verkehr fahrrad- und fußgängerfreundlicher zu gestalten. Neben seinem Engagement für eine umweltbewusste und damit nachhaltige Mobilität berät der ADFC in allen Fragen rund ums Fahrrad. Eine Vielzahl von geführten Radtouren läßt...

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9 Kommentare

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  1. Ohne jetzt in die Diskussion über bzw. Kritik an einzelnen Läden einzustimmen:
    Wichtiger ist es doch, grundsätzlich die Bedeutung des Themas hervorzuheben und Kriterien für gute Abstellanlagen (nicht nur) vor Geschäften zu benennen. Beispiele können das Problem illustrieren und so die Diskussion erleichtern – aber letztlich sollten sich alle Betreiber von Bau- und Supermärkten, Drogerien etc. angesprochen fühlen und über Verbesserungen Gedanken machen!

    (@ Georg M: Komisch, ist mir dort nie aufgefallen.)

  2. Die Fahrradständer beim EDEKA Breidohr in Gronau sind – wie schon in einem anderen Kommentar beschrieben – ein schlechter Witz, das einzig erwähnenswert Positive ist die Lage in unmittelbarer Nähe zum Eingang des Marktes.
    Über ein Jahr ist es mittlerweile her, dass ich mit dem Geschäftsführer über die Radstellplätze vor seinem Geschäft gesprochen habe. Es war ein freundliches Gespräch mit viel Verständnis seitens des Geschäftsführers für die Radfahrer, das wars dann aber auch schon.

  3. Der Aldi an der Frankenforster Str. hat übrigens einen (m.E. ) guten Fahrradständer an richtiger Stelle und wird auch gut genutzt. Gute Lösungen aktiv unterstützen, dann wird sich was bewegen. Geduld und Geld schaffen viel.

  4. In Bensberg zeigt sich sehr deutlich, dass den Ladeninhaber die Kundschaft mit einem Fahrrad völlig sonstwo vorbeigeht. Aldi Bensberg baut für die Autos ein Parkhauspallast hin, die Fahrräder bekommen 5 popelige Felgenbrecher neben dem Einkaufswagen, wovon 3 mittlerweile kaputt sind. Rewe Wintegens (Klein Manhattan) hat zwar eine vorbildliche Bügelreihe und auch direkt an der Tür, der Stellplatz liegt aber so blöd, dass man beim Einladen des Einkaufs in seine Radtaschen (wehe man kommt mit einem Anhänger oder einem Cargobike zum Einkaufen) vom Parkverkehr, der sich da Kreuz und quer bewegt, auch schnell umgenietet werden kann. Und warum würde bei Rewe Wintgens in der Schlossstraße die zweite Bügelreihe wieder entfernt? Völlig unverständlich

  5. Die wenigen „Felgenkiller“ bei Breidohr sind – selbst, wenn sie überdacht sind – in jedem Fall suboptimal, weil in der engen Hütte (sie entspricht nicht einmal einem! Parkplatz) nur jede zweite Abstellmöglichkeit genutzt werden kann. Gleichzeitig gibt es rund 130 Parkplätze, davon gerade 2 für Behinderte. Diese schon seit langem bestehende Situation könnte auf die Wertschätzung bestimmter Kundengruppen schließen lassen.

  6. Wenn es vor einem Geschäft keinen Fahrradparkplatz gibt, darf man dann sein Fahrrad auch auf einem Autoparkplatz parken? Ich weiß öfter keine andere Lösung.

  7. ich finde es seltsam, das man den Märkten mit Fahrradhaltern nun ein Ranking verordnet und recht überzogen.
    Ich nutze zum Einkauf meist ein Fahrrad (oft mit anhänger). i.dR. wird dort ein Platz zum Parken und Abschießen/anschließen angeboten. N.m.E. sind die Radfahrer nicht mehr und nicht weniger geworden. Was die Sicherheit des rades während des Einkaufes angeht, herrscht vor dem Markt so viel Betieb, das sich keiner traut, ein Rad mit Bügelschloß oder Ringschloß aufzubrechen. Und jedes Rad hat i.d.R. auch einen Ständer zum sicheren Abstellen.
    Der Rewe-Markt Odenthaler Straße hatte vor kurzem ein Flutproblem, eine Renovierungsphase und hat weiter gedacht, als nur alles instandzusetzten und nun ein Fahrradplatz gebaut. Prima.
    Der Edeka Sand ist auch in einer Umbauphase…
    Und Suboptimal schreibt sich halt mit „B“ :-)
    Eine Radanlage mit Überdachung dirket vor dem Eingang wie im edeka Breidohr ist also suboptimal. Nein, besser gehts kaum.

  8. „Wenn sich die Abstellanlage am anderen Ende des (Auto-)Parkplatzes befindet, kann sie noch so schön sein – ich würde sie nicht nutzen.“

    Faul oder arrogant?

  9. Hoffentlich bringt das einige Supermärkte zum Nachdenken, und noch besser: zum Handeln!
    Neben der Qualität der Fahrradständer ist wichtig, dass diese nicht zu weit vom Markteingang entfernt sind: Wenn sich die Abstellanlage am anderen Ende des (Auto-)Parkplatzes befindet, kann sie noch so schön sein – ich würde sie nicht nutzen.

    In der Liste fehlen der Aldi in der Frankenforste Straße (m.W. keine Ständer), Rewe und Penny in Refrath (schlecht, zu klein), Netto in Heidkamp, Lidl in Lustheide, Norma in der Overather Straße und Edeka in Moitzfeld. Auch Einkaufspassagen, Drogerien und Baumärkte könnten aufgenommen werden.