Auffrischungsimpfungen sollen in der Pandemie vor allem älteren Menschen schützen. Bislang läuft diese sogenannte Booster-Impfung aber nur zäh an, nicht nur im Rheinisch Bergischen Kreis. Zwei Wochen Wartezeit sind die Regel. Anstatt die großen Impfzentren zu reaktivieren will das Land NRW jetzt mit kleineren, stationären Impfstationen für mehr Dynamik sorgen. Der Kreis Rhein-Berg plant bereits, Details stehen aber noch aus – weil ein Erlass der Landesregierung fehlt.

Noch ein Pieks gegen Corona: Mit einer dritten Impfungen zur Auffrischung des Impfschutzes soll das Pandemiegeschehen besser kontrolliert und eingedämmt werden. Der Booster verspricht zusätzlichen Schutz für Personen mit einem nachlassenden Immunschutz.

Mit einem neuen Konzept dezentraler, kleiner Impfstationen will das Land NRW diese Drittimpfungen jetzt vorantreiben. Das erfuhr das Bürgerportal im Gesundheitsministerium in Düsseldorf. Heute wurde auch die Kreise und kreisfreien Städte informiert.

Dass mehr Schub bei den Booster-Impfungen geboten ist, zeigt das Beispiel Rheinisch-Bergischer Kreis.

Nachfrage steigt

In Rhein-Berg werden die Auffrischimpfungen nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) bereits seit September angeboten. Dort spricht man von „spürbarem Impfinteresse mit Blick auf die Auffrischimpfungen.“

So sollen nach Angaben der KVNO in der Woche vom 18. bis 24. Oktober 1.185 Booster-Impfungen durchgeführt worden sein, in der vergangenen Woche waren 1.821. Man rechne mit einer weiteren Zunahme der Zahlen, sagt ein Sprecher.

Dabei spielt auch eine Rolle, dass die Interessierten erst sechs Monate nach ihrer zweiten Impfung zur Grundimmunisierung den zusätzlichen Booster erhalten könnten.

Sollen laut Land NRW für Booster-Impfungen zu groß sein: Impfzentren wie dieses im Rheinisch Bergischen Kreis, das Ende September 2021 geschlossen wurde, Foto: Thomas Merkenich

.Angebot überschaubar

Die Nachfrage zieht wohl an, das Nadelöhr sind indes die verfügbaren Impfmöglichkeiten. Aktuellen Berichten zufolge gibt es bereits Staus von Impfwilligen an den mobilen Impfbussen des Kreises, wo Teams der Feuerwehr Bergisch Gladbach eine Immunisierung ohne Termin durchführen. Der Kreis hat darauf bereits reagiert und will mit einer moderaten Ausweitung des Angebotes die langen Wartezeiten in den Griff bekommen.

Lästiges Warten auf einen Termin gibt es aber auch und vor allem für jene, die eine Auffrischung in Anspruch nehmen wollen. Diese findet – Stand heute – noch bei den Hausärzten statt. Betroffene berichten gegenüber dem Bürgerportal von zwei Wochen Wartezeit auf den Booster-Termin.

Die KVNO bestätigt: „Ob in Praxen auch kurzfristig Impfungen möglich sind, hängt von der jeweiligen Organisation und auch Bevorratung der Impfstoffe in den Praxen ab. Grundsätzlich  beträgt der Vorlauf der Praxen für die Impfstoffbestellung derzeit gut zwei Wochen“, sagt der Sprecher.

Zusätzliche Impfangebote nötig

Ob die Wartezeit an der hohen Nachfrage und der zu geringen Zahl an Impfplätzen liegt, oder an Problemen bei der Impfstoffbeschaffung: Das lässt sich schwer abschätzen. Die Hausärzte würden den Impfstoff bei Apotheken ordern, welche wiederum bei den Pharmaherstellern einkaufen, heißt es bei der KVNO. Die Anzahl verfügbarer Dosen sei nicht bekannt.

Klar ist nur, dass die Wartezeiten noch länger werden, sollte die Nachfrage nach dem Booster wie von der KVNO prognostiziert steigen.

Und klar ist damit auch, dass mehr Dynamik ins Impfgeschehen der Booster kommen muss, will man Betroffene in der kritischen Herbst-Winterjahreshälfte schützen. Sprich: Es müssen zusätzliche Impfangebote her.

Auffrischimpfungen sorgen dafür, dass im Falle einer Corona-Infektion schwere Verläufe die Ausnahme bleiben (Im Bild: Behandlung eines Corona-Patienten auf der Intensivstation des EVK), Foto: Holger Crump

Keine Impfzentren in alter Form

Neben den Hausärzten sind aktuell die mobilen Impfteams des RBK aktiv. Doch die sind nicht für die Auffrischungen vorgesehen. „Die mobilen Impfteams des Kreises sind in erster Linie für niederschwellige Impfangebote da“, erläutert eine Sprecherin des Kreises.

Einer weiteren Alternative, der Wiederbelebung der Impfzentren, lehnt das Land NRW ab. „Die Impfzentren in alter Form wird es nicht mehr geben“, antwortet das Gesundheitsministerium (MAGS) auf Anfrage des Bürgerportals. Diese seien dafür überdimensioniert.

Land will stationäre Impfstellen

Gleichwohl wolle man mehr Tempo bei den Auffrischungsimpfungen machen. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann schreibt derzeit die Über-70-Jährigen in NRW über die Kreise und kreisfreien Städte an. In dem Schreiben informiert er über die Notwendigkeit einer Auffrischungsimpfung gegen Corona.

Das wird die Nachfrage nach dem Booster noch weiter befeuern. Um das in den Griff zu bekommen fordert das Gesundheitsministerium nun die Kreise und kreisfreien Städte auf, Konzepte für flächendeckende Auffrischungsimpfungen zu aktivieren, erklärt ein Sprecher des MAGS dem Bürgerportal. Damit wolle man neben den Arztpraxen zusätzliche Impfmöglichkeiten schaffen.

Konkret heißt es: „Die Kreise und kreisfreien Städte werden – zusätzlich zu den weiterhin laufenden mobilen Impfungen – eigenständig stationäre Impfstellen einrichten.“

Hintergrund: Booster für wen?

Nach Empfehlung der ständigen Impfkommission sollen zunächst Personen über 70 Jahren sowie Bewohner von Einrichtungen der Pflege die Auffrischung erhalten. Hinzu kommt das Pflegepersonal in ambulanten und stationären Einrichtungen der Pflege sowie in medizinischen Einrichtungen. 

Unabhängig von genutzten Impfstoff soll die Auffrischimpfung sechs Monate nach der Grundimmunisierung stattfinden. 

Wer keinen Impftermin bei seinem Hausarzt bekommt, zu lange warten muss oder keinen Hausarzt hat, der kann auch über eine Liste der KVNO impfende Praxen finden. Dort sind Arztpraxen hinterlegt, die auch praxisfremde Patienten impfen.

Planungen beginnen

Die Kreise und kreisfreien Städte sind allerdings erst heute über die Planungen des Landes informiert worden. Wie auch der RBK, der nach Angaben einer Sprecherin nun mit den Planungen für stationäre Impfeinheiten beginnt.

Denkbar seien zum Beispiel kleine und im Kreis verteilte Impfstationen, eventuell auch temporär, erläutert die Sprecherin den Unterschied zum bisherigen Impfzentrum. Sie würden parallel zu den mobilen Impfteams eingesetzt, macht sie klar.

Entsprechende Überlegungen habe es im Kreis schon früher gegeben, daran könne man nun flexibel und bedarfsorientiert anknüpfen. Man könne rasch reagieren, das habe letztlich der Aufbau des „großen“ Impfzentrums gezeigt, betont die Sprecherin. Das war im Dezember 2019 innerhalb von zehn Tagen aus dem Boden gestampft worden.

Details noch offen

Konkrete Details sind derzeit aber noch offen, weil es keinen entsprechenden Erlass der Landesregierung gibt.. Unklar ist wann die Impfstationen in Betrieb gehen, wo sie eingerichtet werden, wer für Organisation und medizinischen Betrieb verantwortlich ist.

Ob in den Impfstationen nur Booster oder auch Erst- und Zeitimpfungen verabreicht werden, ist ebenfalls noch nicht bekannt. Ebensowenig wie die angestrebten Zielgrößen, also wie viele Menschen in welcher Zeit geimpft werden.

Klarheit soll der Erlass bringen, der frühestens Mitte bzw. Ende der kommenden Woche erwartet wird.

Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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7 Kommentare

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  1. Wir haben am 20.06.2021 die zweite Impfung bekommen.Einen Termin
    für die (Buster) Impfung in 6Monaten (Dezember 2021) ist vorläufig nicht dran zu denken. Alter Frau 27.12.1952. Alter Mann 24.12.1950 mit Pflege Stufe 2, Behinderten Ausweis 80%. Wo können wir uns im Dezember oder Januar impfen lassen.

    .

  2. @Klaus Wagner
    wer Nachrichten lesen kann wird mittlerweile auch wissen dass die Impfung vor einer Erkrankung nicht schützt. Die private Entscheidung sich nicht impfen zu lassen, sollte nicht zu solchen Kommentaren führen wie den Ihrigen.

    Was diese Debatte mit den Menschen macht ist widerlich.

    @Drucker
    der derzeitige Impfstoff wird noch kein Jahr verimpft. Was für schwache und hochbetagte Menschen an langzeit Risiko vernachlässigbar ist, kann für jugne Menschen zu lebenslangen folgen führen. ein 70 Jähriger muss keine Angst vor Nebenwirkungen in 10 Jahren haben. Für ihn ist die C-Krankheit gefährlich.

    Ein 20- jähriger, der kaum Gefahr läuft schwer zu erkranken wäre mit einer möglichen Nebenwirkung mit 30 Jahren in einer anderen Situation.

  3. In Cuxhaven starb ein 12 jähriges Kind an Impfnebenwirkungen … war noch ein langer Weg bis zur Rente
    Dieses Jahr sind im Profifußball schon 15 Fälle von plötzlichem Kollaps auf dem Spielfeld bekannt geworden (das waren früher 3 pro Jahr).

  4. @Petra von Deik: Man kann sich auch vom Baustoffhändler des Vertrauens zwei Kubikmeter Sand liefern lassen und mit der ganzen Familie den Kopf tief hineinstecken.

    Nach einer Zahl von Impfungen, die weltweit mittlerweile in die Milliarden geht, treten Nebenwirkungen nach wie vor in erstaunlich geringer Zahl auf. Die Neben- und Langzeitwirkungen (Long Covid) einer Infektion sind dagegen bestens bekannt, der qualvolle Erstickungstod als drastischste Nebenwirkung ist zu Tausenden dokumentiert.

    Die Wirkmechanismen von Viren und Impfungen sind sehr gründlich erforscht. Aber man kann natürlich die zigfach überprüften und experimentell bestätigten Erkenntnisse zahlreicher Wissenschaftler getrost ignorieren, wenn ehemalige Gemüseköche auf Youtube etwas anderes erzählen …

  5. #Petra von Deik, viel Spaß beim Warten. Hauptsache Sie können der für ungeimpfte Menschen im Rentenalter wahrscheinlichen Langzeitwirkung, einer dunkel-feuchten Unterbringung auf dem Friedhof, entgehen.

  6. G.M.

    ich mache das als Rentner wie Kimmich -!-
    Warten , warten auf die Langzeit Erfahrungen… somit kein boostern in Zukunft!! Somit keine Nebenwirkungen zu erwarten !! Ist das nicht toll ???