Statt einer Mahnwache fand 2020 coronabedingt nur ein stilles Gedenken statt. Rechts mit dem Transparent Walborg Schröder

Schon zum 31. Mal erinnern der DGB und der Verband der Nazi-Verfolgten in Bergisch Gladbach mit einer Mahnwache an die Reichspogromnacht: am Samstag, 13. November, auf dem Gelände der Kirche St. Joseph in der Nähe des ehemaligen Stellawerks.

Seit 31 Jahren erinnert in Bergisch Gladbach eine Mahnwache an die Reichspogromnacht vom 9. November 1938, als in vielen deutschen Städten Synagogen und jüdische Geschäfte in Brand gesteckt wurden.

„Der 9. November 1938 ist ein historischer Wendepunkt. Er markiert den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden hin zur systematischen Verfolgung und industriellen Vernichtung“, so Walborg Schröder von der VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten). „Was mit hasserfüllten Worten begann, endete in einer rassistischen Massenvernichtung.“

Getragen wird die Gedenkveranstaltung vom VVN-BdA und dem DGB im Rheinisch-Bergischen-Kreis. Sie findet traditionell in der Nähe des ehemaligen Stellawerks statt. Das Werk wurde 1933 von der SA als „wildes“ Konzentrationslager genutzt, in dem Oppositionelle und Juden gefoltert und bis zum Abtransport in ein Todeslager gefangen gehalten wurden.

Ausführliche Informationen zu den Stellawerken finden sich auf der Website der Stadt.

Erinnerung an Peter Walterscheidt

In diesem Jahr beteiligt sich an der Mahnwache Dr. Peter Winzen. Der Historiker wird an den Ehrenbürger der Stadt Bergisch Gladbach Peter Walterscheidt (1881-1971) erinnern.

Walterscheidt war ein Sozialdemokrat, Arbeitersekretär beim Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund, und später wurde er Direktor des Arbeitsamtes in Bergisch Gladbach. In den dreißiger Jahren wurde er öfters von der SA verhaftet, erniedrigt und schwer misshandelt.

Nach Kriegsende engagierte sich Walterscheidt wieder in der Kommunalpolitik und 1961 wurde er für seine Haltung und sozialpolitisches Engagement zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. 

Der 9. November ist nach Auffassung des DGB aber auch eine Mahnung für die Gegenwart, denn Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus sind noch lange nicht überwunden.

„Rechtspopulisten verbreiten Hass“

„Rechtspopulistische Parteien schüren Ängste, streuen Vorurteile und verbreiten Hass“, so Damian Warias, Gewerkschaftssekretär beim DGB Köln-Bonn. „Sie finden vor allem bei den Menschen Wiederhall, die unzufrieden mit der politischen Entwicklung sind, Angst vor der Zukunft haben und sich persönlich zurückgesetzt fühlen. Der beste Schutz vor Rechtspopulismus und Rassismus ist mehr soziale Gerechtigkeit. Dazu gehören vor allem gute Arbeitsbedingungen, bezahlbarer Wohnraum, Steuergerechtigkeit und Chancengleichheit. Die künftige Bundesregierung ist hier besonders gefordert.“

Die Mahnwache findet am Samstag, 13. November 2021, von 11:00 Uhr bis ca. 12:00 Uhr, auf dem Gelände der Kirche St. Joseph, Lerbacher Weg 2, statt.

Walborg Schröder eröffnet das Programm. Es folgen Grußworte von Bürgermeister Frank Stein und Kastriot Krasniqi vom Integrationsrat der Stadt Bergisch Gladbach.

Zwischen Redebeiträgen von Klara Tuchscherer (VVN-BdA) und Patrick Graf (DGB Rhein-Berg) erinnert Historiker Dr. Peter Winzen an Peter Walterscheidt. Musik wird gespielt von Friedrich Kullmann und Geo Schaller.

Im Anschluss erfolgt ein kurzer Schweige­marsch zur Gedenktafel am ehemaligen Stellawerk.

Weitere Veranstaltungen zur Pogromnacht

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.