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Emissionsfrei, autonom, 100 Prozent selbst angetrieben – so ist Julen Sanchez aus Bergisch Gladbach in einem Ruderboot auf dem Atlantik unterwegs. Und will damit auf die Einhaltung der Klimaziele aufmerksam machen. Zur geplanten Route Paris-Pittsburgh hat Sanchez kein Geringerer als Ex-US-Präsident Donald Trump inspiriert.

„Wenn es möglich ist, über einen Ozean zu rudern, ist es nicht ebenso möglich die Klimaerwärmung zu reduzieren?” Die entwaffnende Frage stellte sich Julen Sanchez.

Julen Sanchez (25) aus Bergisch Gladbach

Und plante ein Projekt das beweisen soll: Alles kann auf nachhaltige Weise möglich sein. Der 25-jährige Hebborner hat seinen Bachelor in Psychologie in den Niederlanden gemacht und will jetzt ein Signal zur Reduktion der globalen Treibhausgasemissionen setzen – für viele ein nahezu unmögliches Unterfangen.

Dazu hat er das Zerow-Emission Projekt ins Leben gerufen. Der Name ist eine Verbindung der englischen Worte „zero“ (für Null Emissionen) und „to row“ (Englisch für rudern).

Dass das Unmögliche doch machbar ist, soll seine Expedition zeigen. Sanchez will es aus eigener Kraft emissionsfrei von Europa nach Nordamerika schaffen. Im Moment ist er im Ruderboot auf dem Atlantik unterwegs, mit reiner Muskelkraft, jenseits der Kanaren. Seine Mission: „Alles ist auf nachhaltige Weise möglich. Wenn wir nur wollen!“

Das Video zeigt Sanchez bei der Abfahrt in Portimão/Portugal am 29. November 2021:

Die Expeditionsroute führt in von Paris nach Pittsburgh. Warum ausgerechnet diese Route? Das hat mit dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump zu tun, der bei der Aufkündigung des Klimaschutzabkommens 2017 durch die USA meinte, er sei “gewählt worden um Bürger in Pittsburgh zu repräsentieren, nicht aus Paris.“

Expeditions-Infos und Nachverfolgung der Route
Webseite zum Projekt, Updates auf Facebook und Instagram, Übersicht des Expeditionsfortschritts auf Trackmap. Kontakt per Mail: Julen Sanchez freut sich über Nachrichten, die er einmal wöchentlich per Satellitentelefon zugesandt bekommt.

Paris nach Pittsburgh

In der Folge schlossen sich die erbosten Bürger:innen beider Städte zusammen, um trotz Trump lokale Klimaschutzprojekte zu starten. Weitere Metropolen schlossen sich an.

Große Dinge wie die Atlantiküberquerung im Ruderboot scheinen unmöglich, und genauso scheint die Überwindung der Klimakrise unmöglich. Meine Expedition soll zeigen, dass es auch anders geht.

Julen Sanchez, per Voicemail

Diesen Brückenbau der Menschen von Paris, Pittsburgh und anderen Städten greift Julen Sanchez auf, „das ist eine Message die mir gut gefallen hat“, sagt er von unterwegs per Voicemail. „Die Städte liegen auf verschiedenen Kontinenten, sie sind durch den Atlantik getrennt.“ Das gemeinsame Handeln verbinde.

Seine Expedition von Paris nach Pittsburgh soll ebenfalls Brücken schaffen. „Wenn wir über Ozeane hinweg Hand in Hand arbeiten, dann können wir auch die Klimaerwärmung meistern“, so seine Vision. „Vielleicht finden mit meiner Zerow-Expedition mehr Menschen ihren persönlichen Atlantik, den sie für das Klima überbrücken können und wollen.“

Julen Sanchez mit seinem Atlantik-Ruderboot. Hier noch auf dem heimischen Parkplatz in Hebborn.

Drei Etappen

Die Route, aufgeteilt in drei Etappen

Sanchez will es in drei Etappen von Paris nach Pittsburgh schaffen. Die erste Tour hatte er bereits am 6. Juli 2020 in Angriff genommen. Per Rad ging es 2.200 km von Paris nach Sagres in Portugal.

Seit 29. November 2021 ist er nun im Ruderboot auf dem Atlantik unterwegs. Und musste jüngst auf der Kanareninsel El Hiero einen Zwischenstopp von acht Tagen einlegen, um technische Probleme zu beheben.

Seit Heiligabend geht es nun weiter Richtung Nordamerika, nonstop per Ruder. Zwischen 40 und 120 Kilometer pro Tag legt er dabei zurück.

Die Herausforderungen
Julen Sanchez muss sich bei der Überquerung des Atlantiks im Ruderboot einigen Herausforderungen stellen:
Wetter: Starke Winde, Wellen von bis zu 9 Metern Höhe und gefährliche Strömungen
Körpergewicht: Im Fokus der Expedition steht die Aufnahme von genügend Kalorien, damit Sanchez nicht zuviel an Körpergewicht verliert
Seekrankheit: Gilt es zu meistern, damit Nahrung und Flüssigkeit im Körper bleiben
Schlafmangel: Trotz Pausen ist das Schlafen auf hoher See eher unruhig und wenig erholsam
Mentale Belastung: Auch Monotonie und Einsamkeit können – neben körperlichen Beschwerden und Verletzungen – den Erfolg der Expedition gefährden

In Gesellschaft der Atlantikbewohner

„Ich war bereits 17 Tage auf See“, sagte er kurz vor der Abfahrt von den Kanaren am 24. Dezember 2021 per Sprachnachricht. „Der Tag besteht aus Rudern, Essen und Schlafen. Ich rudere am Tag zwischen 13 und 15 Stunden. Ein Teil der Strecke im Dunkeln, da es nur elf Stunden am Tag hell ist. Die Pausen sind so konzipiert, dass ich regelmäßig zwischen 6.000 und 7.000 Kalorien am Tag zu mir nehmen kann.“

Die Bedingungen auf dem Wasser würden alles bieten: Von spiegelglatter Meeresoberfläche bis zu fünf Meter hohen Wellen, teils deutlich darüber. Das Boot liege aber gut im Wasser. Er sei mit dem Fortschritt zufrieden. Nach wolkigem Wetter würde es nun zunehmend sonniger und wärmer. So könne er seine solarzellenbetriebenen Geräte an Bord optimal betreiben.

Highlights seien optimale Wellen gewesen, die er mit dem Boot quasi im Surf-Modus habe nutzen können. „Da habe ich als Höchstgeschwindigkeit 11,5 Knoten gehabt“, erklärt Julen Sanchez.

„Das allergrößte Highlight ist der Atlantik selbst und die Tiere. Ich hatte bereits eine Gruppe Grindwale und Schildkröten, Delphine und Oktopusse als Gesellschaft. Und leuchtenden Plankton, der in der Nacht das Wasser zum Glühen bringt.“

Alleine auf dem 7 Meter langen Spezialboot, das Julen Sanchez unbeschadet nach Nordamerika bringen soll

Alleinsein kein Problem

„Ich finde es nicht problematisch allein zu sein. Ich kann den ganzen Tag Sport machen, bin in der Natur, bekomme Sonne ab“, erzählt er. „All das ist das beste Rezept um glücklich zu sein.“ Sollte es doch einen einsamen Moment geben, freue er sich über Nachrichten von seinen Freunden.

Die Ankunft in Flordia ist nach ungefähr 120 Tagen, 8.000 Kilometern und rund 2,5 Millionen Ruderschlägen quer über den Atlantik geplant. Grob geschätzt wird dies Mitte März sein. Nach einer Phase der Ruhe geht es dann per Rad weiter in den Norden nach Pittsburgh, dem dritten und letzten Teil der Etappe.

Nochmals 2.500 Kilometer liegen dann vor dem Extremsportler, bevor er seine Route Paris-Pittsburgh vollendet.

Wann die letzte Etappe von Flordia nach Pittsburgh beginnt sei noch offen, erklärt Julens Bruder Emilio, der von Deutschland aus die Fäden des Projekts in der Hand hält. „Es hängt von den Einreisebedingungen in den USA ab, und wie schnell er ein Fahrrad bekommt“, so Emilio Sanchez. „Einmal in Flordia gestartet, sollte er einen Monat später in Pittsburgh eintreffen.“

Weiterfahrt an Heilig Abend

Zuletzt hatte Emilio seinen Bruder Julen auf den Kanaraen getroffen, als er ihm einen dringend benötigten Seeanker per Flugzeug vorbei brachte. Der war im Sturm verloren gegangen, in einem Hafen von El Hiero wurde das Boot wieder flott gemacht.

„Ihm ging es sehr gut, ich habe gemerkt dass er nach der Reparaturpause wieder raus auf den Ozean wollte. Obwohl er schwierige Bedingungen in den ersten zwei Wochen hatte.“ Aber technische Probleme wie die wie manuelle Entsalzung des Wassers habe er gut gemeistert. „Er hat dicke Schwielen an den Händen. Aber er ist zäh und kommt da durch.“

Und dann habe er es einfach nur als schön empfunden, dass sein Bruder an Heiligabend wieder in See stach. „Der Wind war gut, Julen wollte los.“

Was macht Julen Sanchez wenn er in Pittsburgh ankommt? „Darüber hat er sich noch keine Gedanken gemacht“, berichtet Emilio.

Im Detail auch nicht über die Rückkehr. Es solle aber so emissionsfrei wie möglich sein, meint der Bruder des Weltenruderers aus Bergisch Gladbach. Ob das Ruderboot zum Segeln ertüchtigt würde oder ob er eine Mitfahrt auf einer Segelyacht in Angriff nehme, die Entscheidung stehe noch aus.

Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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4 Kommentare

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  1. Mit seinem Zwischenstopp auf den Kanaren ist das ja nun jetzt nicht mehr gegeben. Dennoch eine starke Leistung.

    Aber eben auch nicht der erste, der es macht.
    Es gab Frauen, jüngere und ältere als ihn. Also einer von vielen.

    Alles Gute und immer eine Hand breit Wasser unter dem Kiel.

  2. Respekt vor der großen Herausforderung, viel Glück und gesunde Heimkehr von dieser sportlichen Aufgabe. Aber : „Als erster Mensch überhaupt will er die Aufgabe allein bewältigen“ ist aber nicht richtig. Diese Aufgabe wurde schon mehrfach bewältigt, zuletzt von der Britin Jasmine Harrison (21) die als jüngste Frau allein den Atlantik überquert hat. Sie hatte dabei einen neuen Weltrekord im Solo-Rudern aufgestellt. Zuvor hatte die Amerikanerin Katie Spotz (22) den Rekord gehalten. Kürzlich hatte auch ein Senior, Frank Rothwell (70), aus dem englischen Oldham die gleiche Überfahrt zurückgelegt. Er gilt damit als ältester Ruderer, der unbegleitet den Atlantik überquert hat.

    1. Vielen Dank für Ihre Hinweise. Wir haben nochmals mit der Familie Sanchez gesprochen. Die von Ihnen genannten Athleten nutzten entweder andere Routen (Afrika-Südamerika) oder ruderten von Insel zu Insel. Julen Sanchez ist nach eigener Aussage und nach intensiver Recherche in der Szene und Historie der erste Sportler, der alleine von Festland Europa nach Festland Nordamerika rudert. Da er keine vorgelagerten Inseln ansteuert, ist die Route dadurch entsprechend länger.