Bürgermeister Frank Stein. Foto (Archiv): Thomas Merkenich

Die von den Betroffenen dringend gewünschten Pool-Tests für die Kitas werden zum Streitball: Nachdem der Kreis diese PCR-Tests in den anderen Kommunen schon vor zehn Tagen eingeführt hatte steht die Stadt Bergisch Gladbach unter Zugzwang, der eigene Elternbeirat wirft ihr Spiel auf Zeit vor. Jetzt stellt die Stadt klar: Sie hält an dem Projekt fest. Die Absprache mit dem Land ist aber kompliziert, einen klaren Zeitplan gibt es daher nicht.

Für die Kitas ist die Sache klar: mit einer einzigen Ausnahme haben sich alle Einrichtungen (die in Bergisch Gladbach nicht städtisch sind, sondern von diversen Trägern betrieben werden) für die rasche Einführung von PCR-Pooltests ausgesprochen. Bislang sind die Eltern der Kita-Kinder für die Testung verantwortlich, mit erheblichen Risiken für Beschäftigte, die Kinder und deren Familien.

Der Jugendamtselternbeirat (JAEB) macht sich seit fast einem Jahr für das Thema stark, der Rheinisch-Bergische Kreis hat die Tests in allen Kommunen vor zehn Tagen eingeführt. Nur nicht in Bergisch Gladbach, denn die Kreisstadt hat ein eigenes Jugendamt und eigene Prozeduren.

Jetzt stellt die Stadt immerhin klar, dass sie weiterhin „entschlossen“ sei, die Pooltests einzuführen. Dazu seien in dieser Woche intensive Gespräche geführt worden. Einen Zeitpunkt für den Start nennt sie aber nicht – denn bislang sind erst zwei von drei Stolpersteinen aus dem Weg geräumt.

Immerhin sieht Bürgermeister Frank Stein Licht am Ende des Tunnels: „Die eingeholten Aussagen und Abstimmungen machen mich zuversichtlich, dass die Entscheidung für die Pooltests richtig ist.“ 

Grünes Licht von den Laboren, gelb beim Land

Zunächst habe die Stadt, so erklärt sie jetzt, mit den Laboren verhandelt, die die Tests auswerte sollen. Ob sie das überhaupt leisten können schien angesichts der allgemeinen Überlastung der Labors durch die Omikron-Welle zweifelhaft.

Das Ergebnis in Kurzform: „Ja, wahrscheinlich.“ In der Langform: Die Stadt habe „das Signal erhalten, dass die zusätzliche Belastung durch die Kita-Tests im Laborbetrieb aller Voraussicht nach bewältigt werden kann“.

Zum zweiten hat das Bergisch Gladbacher Jugendamt mit den anderen Jugendämtern im Kreis konferiert, um eine einheitliche Lösung hin zu bekommen. Das Ergebnis: „die überwiegende Zahl der Kreiskommunen“ will die Lolli-PCR-Tests einsetzen.

Was bleibt sind die Absprachen mit dem Land NRW. Das hatte zwar grundsätzlich eine Finanzierungszusage gegeben, Details stehen aus Sicht der Stadt aber offenbar noch aus. Denn, so heißt es jetzt, erst aus den Verhandlungen mit dem Land „ergibt sich der konkrete Zeitpunkt, wann in die PCR-Testung eingestiegen werden kann“.

Land NRW wirft neue Fragezeichen auf

Neue Fragezeichen habe das Land mit zwei neuen Schreiben aufgeworfen. Am Mittwoch habe das Land eine Rückkehroption zum alten (Antigen-)Testverfahren angeboten. Am heutigen Freitag habe das Ministerium darauf hingewiesen, „dass aufgrund mangelnder Laborkapazitäten unter Umständen wieder auf die alten Schnelltests umgestellt werden muss“. Ein Punkt, den die Stadt gerade geklärt hatte.

Stein weist Kritik zurück

Die massive Kritik des Jugendamt-Elternbeirats, die Stadt habe Zeit bei der Einführung verspielt, weist Bürgermeister Stein zurück. Schon bei der Abfrage bei den Kitas habe die Stadt den Februar als Starttermin genannt. „An dieser Zeitschiene halten wir fest“, sagt Stein.

Allerdings hatte der Elternbeirat der Stadt auch gar nicht die Schuld an der aktuellen Misere zugeschrieben (sondern dem Land). Der Stadt werfen die Eltern dagegen vor, „dass die PCR-Pooltests nicht schon wesentlich früher eingeführt wurden – dann wären wir in einer besseren Ausgangslage.

„Hier hat die Stadt durch ihre Verzögerungstaktik kostbare Zeit verspielt“, heißt es in der Stellungnahme. In Kommunen, die nur wenige Wochen vor Bergisch Gladbach mit der Pooltestung begonnen hätten, laufe das erfolgreiche und teilweise ohne nennenswerte Verzögerungen bei der Ergebnisbekanntgabe.

Darauf geht Stein nicht ein. Er betont, vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen und dem rasanten Anstieg der Inzidenz sei es eine Frage der Fürsorgepflicht gewesen, alle Aspekte gründlich zu erwägen.

Eine Verzögerung in der Auswertung der Tests bei chronischer Überlastung der Labore, so Stein, hätte dem Gesundheitsschutz der Kinder keinesfalls gedient. Sondern hätte womöglich für weitere Verunsicherung und Ausfallzeiten in der Betreuung gesorgt.

 

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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