Mit deutlichen Worten kritisiert der Jugendamtselternbeirat die nach wie vor fehlenden PCR-Tests in den Kitas in der Stadt Bergisch Gladbach. Die Rede ist von einer Politik, welche die Kinder ihrem Schickal überlasse, von fehlenden Informationen der Stadt an die Eltern. Dabei gebe es eine Finanzierungszusage des Landes für die PCR-Pooltests. Wir dokumentieren die Stellungnahme des JAEB im Wortlaut.

Seit Wochen fordern Eltern und die Beschäftigten der KiTa, ebenso wie in den Grundschulen PCR-Pool-Tests durchzuführen – im Gegensatz zum Rheinisch-Bergischen Kreis hat die Stadt Bergisch Gladbach das jedoch noch nicht umgesetzt. Jetzt macht der Jugendamtselternbeirat mit eine harten Kritik an Land und Stadt Druck.

Dokumentation

„Der größte Teil der KiTa-Kinder gehört zu jener Gruppe der Bevölkerung, welcher aktuell kein Impfangebot gemacht werden kann – dieser Umstand erhöht die Schutzbedürftigkeit unserer Kinder drastisch. Solange es keine Impfmöglichkeit gibt, haben wir, was den Schutz unserer Kinder angeht, nur wenige Instrumente zur Hand die den Schutz maximieren können. Das Testen ist daher der einzige Weg um Infektionen frühzeitig zu erkennen und Infektionsketten zu durchbrechen.

Bereits im Frühjahr 2021 hat der Jugendamtselternbeirat (JAEB) die Stadt Bergisch Gladbach aufgefordert, PCR-Pooltests an den Kindertageseinrichtungen einzuführen. Nach über neun Monaten gab es in der zweiten Januarwoche 2022 endlich von Seiten der Stadt grünes Licht. Eine Abfrage des Jugendamts bei den Trägern der KiTas im Stadtgebiet lieferte ein eindeutiges Ergebnis: 66 von 69 KiTas wollen an diesem, für die Kinder sicheren Testverfahren, teilnehmen.

Der JAEB vertritt die Interessen der Eltern und Kinder von den über 69
Einrichtungen in Bergisch Gladbach gegenüber den staatlichen und
nichtstaatlichen Trägern der Jugendhilfe. Er ist Ansprechpartner und unterstützt
die Elternbeiräte der KiTas im Rahmen der Mitwirkungsmöglichkeiten gemäß
KiBiz. Die Mitglieder des Jugendamtselternbeirat (JAEB) werden aus dem Kreis aller Elternbeiräte der KiTas für ein Jahr gewählt und üben ihr Amt ehrenamtlich aus. Der JAEB ist unabhängig, parteipolitisch neutral und überkonfessionell.
Kontakt: jaeb-gl@mail.de

Das Aufatmen unter den Eltern war groß, ist es uns allen doch wichtig, dass unsere Kinder und Erzieherinnen möglichst gesund bleiben und bestmöglich geschützt werden. In der vergangenen Woche informierten erste Einrichtungen die Eltern mit einem Hinweisschreiben des RKI zum Ablauf der Pool-Tests. Seither gab es keine weiteren Informationen der Stadt zu diesem Thema.

Daher erreichen den JAEB aktuell vermehrt Anfragen besorgter Eltern aus dem gesamten Stadtgebiet, wann die Tests nun endlich starten. Zu Beginn dieser Woche hat NRW Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP), quasi über Nacht angekündigt, dass durch die hohe Anzahl an positiven PCR-Tests an den Grundschulen im Land und der steigenden Anzahl infizierter Schulkinder eine Einzelauswertung für Schülerinnen nicht mehr möglich sei. Seither herrscht unter den KiTa-Eltern verständlicherweise große Verunsicherung, ob die PCR-Pooltests an KiTas überhaupt, wie angekündigt, eingeführt werden.

Finanzierungszusage des Landes steht weiterhin

Die Finanzierungszusage für PCR-Pooltests an KiTas von Seiten des Landes besteht weiterhin, wie Mitarbeiter des MKFFI am Mittwoch gegenüber dem Landeselternbeirat der Kindertagesstätten in NRW (LEBNRW) bekräftigt haben.

Kein Verständnis für die aktuelle Lage

Zu Beginn des nunmehr dritten Jahres der Pandemie, haben Kinder und Eltern kein Verständnis mehr für die aktuelle Situation. Die Omikron-Welle und auch die Knappheit an PCR-Laborkapazitäten war absehbar, bekannt, aber vor allem vermeidbar, wie uns das Wiener Beispiel zeigt. Wissenschaftler*innen aller Disziplinen haben davor gewarnt. Bereits im Sommer 2020 gab es überforderte Gesundheitsämter und die Labore kamen bei den Testungen nicht nach.

Stamp überlässt Kinder dem Schicksal

Kinder- und Familienminister Stamp hat sich nicht frühzeitig mit den Prognosen der Pandemie auseinandergesetzt. Die NRW Landesregierung hätte die PCR-Kapazitäten in den Labors rechtzeitig hochfahren müssen. Aufgrund ihres Alters vielfach ohne Impfangebot, sind Kinder nach zwei Jahren Pandemie, psychosozial hoch belastet und haben für ihn scheinbar dennoch keine Priorität. Man kann bei diesem Verhalten mittlerweile mehr als Fahrlässigkeit vermuten, was Konsequenzen nach sich ziehen müsste.

Kinder und Erzieher*innen gehören priorisiert

Es ist verständlich, dass nun Risikopatienteninnen sowie Gesundheits- und Pflegepersonal priorisiert werden müssen. Es ist aber ein schreiender Widerspruch, wenn die Politik unisono beteuert, dass das Offenhalten von Kindertageseinrichtungen oberste Priorität habe, dann aber KiTa-Kinder und Erzieherinnen nicht zu den priorisierten Gruppen gehören.

Stadt hat kostbare Zeit verspielt

Dem JAEB ist bekannt, dass die aktuelle Lage bezüglich der PCR-Testkapazitäten nicht in direkter Verantwortung der Stadt liegt. Jedoch muss sich die Stadt nachweislich vorwerfen lassen, dass die PCR-Pooltests nicht schon wesentlich früher eingeführt wurden – dann wären wir in einer besseren Ausgangslage. Hier hat die Stadt durch ihre Verzögerungstaktik kostbare Zeit verspielt. Die Auswirkungen werden wir wohl erst nach der Omikron-Welle bewerten können und dann entsprechende Antworten und Konsequenzen erwarten dürfen.

In Kommunen, die nur wenige Wochen vor Bergisch Gladbach mit der Pooltestung begonnen haben, wird weiterhin erfolgreich per PCR-Verfahren getestet. Teilweise ohne nennenswerte Verzögerungen bei der Ergebnisbekanntgabe, wie der JAEB von Elternvertreterinnen aus umliegenden Städten und Kreisen erfuhr.

Aktualisierung: Inzwischen hat die Stadt reagiert und die Kritik zum Teil zurückgewiesen. Den ganzen Beitrag dazu finden Sie hier.

Gleiches gilt für KiTas innerhalb der Stadt, welche selbstständig die PCR-Testungen über regionale Labore organisiert haben. Dem JAEB ist klar, dass es nichts bringt die PCR-Pooltests einzuführen, wenn dann Eltern und Kinder tagelang über das Ergebnis im unklaren gelassen werden. Wir stellen uns aber schon die Frage, warum es bei zahlreichen Laboren funktioniert und ob diese nach Unterstützung, respektive Kapazitäten gefragt wurden. Dahinter verbirgt sich die Frage ob alles erdenklich mögliche unternommen wurde, um den Gesundheitsschutz unserer Kinder und der Erzieherinnen nachhaltig zu
verbessern?

Die Eltern aber, über den aktuellen Stand gar nicht zu informieren, ist keine Lösung.

Für den Jugendamtselternbeirat Bergisch Gladbach

Demet Riggers
Mona Wandelt
Felix Piepenbrock
Arne Voigtländer
Susanne Neunzig
Daniel Moll“

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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1 Kommentar

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  1. Die Krise wird auch auf den Rücken der Kinder und deren Eltern ausgetragen, aber solange Kinder keine Wahlstimme haben, muss sich auch keine Partei um deren Interessen kümmern.