Monika Hiller. Fotos: Thomas Merkenich

Grundsätzlich ist der Handlauf eine großartige Sache. Nicht zuletzt für Menschen, die Schwierigkeiten haben, Treppen hinauf zu kommen. In der Praxis läuft das aber nicht immer optimal, beobachtet unsere Kolumnistin Monika Hiller.

Was sagt die Theorie?

Ein Handlauf, mundartlich auch Geländer, Stiegengeländer, Stiegenhandlauf, ist eine – meist profilierte oder runde – Festhalte- und Führungsmöglichkeit in Griffhöhe für die Hände von Menschen. Er befindet sich entlang einer Treppe. Er hat oft die Form einer Stange, Schiene oder Leiste. Gängige Materialien sind Metall, Holz, Holzwerkstoffe oder Kunststoff. Ein Handlauf kann der obere Teil eines Geländers oder einer Brüstung sein. Er kann auch direkt an einer Wand befestigt sein. Wie Handläufe ausgeführt werden müssen, regeln Normen. (Quelle: Wikipedia)

Nach der Definition und nach den einschlägigen Normen scheint ein Handlauf eine sinnvolle Sache zu sein für Menschen, die Schwierigkeiten haben, Treppen hinauf oder hinunter zu kommen. Sie können sich daran festhalten, um zum einen Sicherheitsgefühl, zum anderen auch eine Möglichkeit des „Hochziehens bzw. Abstützens“ zu bekommen.

Ich bin ein Fan von Handläufen.

Ich bin auf dem Weg in ein Restaurant, welches nur über eine Treppe erreichbar ist. Das ist im Prinzip kein Problem für mich, so es denn einen Handlauf gibt. Ich beginne mit dem Aufstieg.

Drei Stufen vor meinem Ziel wird mein Projekt jäh beendet. Ich stehe vor einem großen Blumenkübel, der mit samt den Blumen eine Höhe von mehr als meiner Körpergröße beträgt. Es sieht toll aus, blockiert aber leider meinen Handlauf und ich komme nicht weiter. Zur Seite schieben stellt sich als schwierig heraus, zumindest für mich.

Zum Glück war ich nicht alleine unterwegs. Meine Versuche den Betreiber der Gaststätte anschließend zu sensibilisieren, war trotz Zustimmung per Kopfnicken immerhin so erfolgreich, als dass der Blumenkübel nach wie vor unverändert dort steht. 

Zur Autorin: Monika Hiller ist kleinwüchsig und gehbehindert. Sie ist als Inklusionsbeauftragte der Stadtverwaltung Bergisch Gladbach für Inklusion und Abbau von Barrieren zuständig. Diese Serie soll für das Thema „Barrieren“ sensibilisieren.

Weihnachten! Menschen lassen Ihre Häuser im Lichterglanz erstrahlen. Auch Gebäude der Öffentlichkeit stehen dem in nichts nach. Wo auch immer Treppen sind, werden sie zum Grundgerüst von Dekoration, bestückt mit Tannenbäumen, Weihnachtsmännern, Laternen oder Kerzen. Stufe für Stufe! Rechts und Links. Sieht toll aus!

Nur auf diese Art wird der Mittelgang der Treppe ausreichend hell erleuchtet, dessen Ziel mir nach oben oder unten allerdings ein Geheimnis bleibt. Ich suche derweil den Handlauf …

Allseits beliebt sind auch die Handläufe, die auf der ersten bzw. letzten Stufe beginnen oder enden. Diese erste oder letzte Stufe eignet sich nämlich besonders gut dazu, den Handlauf dort zu befestigen. Man kann dort hervorragend die Halterung einlassen.

Und wenn man mobilitätseingeschränkt ist und/oder vielleicht eine Stütze benötigt, tatsächlich auch für die erste und letzte Stufe? Mitnichten! Zu Anfang noch hochmotiviert und leicht, am Ende beschwingt, fast schwebend, sodass es ganz bestimmt ohne geht.

Mir klingen noch die Worte im Ohr „Reicht ein Handlauf an einer Seite“? Ich frage: „und welche“?

Ich für meinen Teil müsste mich rechts festhalten, weshalb ich wahrscheinlich die besagte Treppe nur nach oben komme, nicht aber runter. Manch einem geht es vielleicht andersherum. Ein interessanter Gedankengang für die Nutzung der Treppe im Ergebnis. Die einen stehen oben und wollen eigentlich nach unten, die anderen unten und wollen eigentlich nach oben? Eine logistische Herausforderung!

Wie dem auch sei. Handläufe gibt es allen Varianten und Formen und sie sind in unterschiedlichsten Höhen angebracht. Dem einen dienen sie als Absturzabsicherung und ansonsten als Zierde, dem anderen, um sich festzuhalten und damit die Treppe bewältigen zu können.

Ich bin ein Fan von Handläufen! Vorzugsweise, die zum Festhalten. Sie lassen mich einfach mehr teilhaben am Leben und machen es etwas leichter. 

Alle Beiträge der Serie

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Monika Hiller

ist selbst kleinwüchsig und gehbehindert. Sie ist Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Bergisch Gladbach und als Inklusionsbeauftragte für Inklusion und Abbau von Barrieren im Stadtgebiet zuständig. Die Texte dieser Serie sind reale Geschichten und sollen auf humoristische Weise für das Thema „Barrieren“...

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2 Kommentare

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  1. Mein Vater hat vor 25 Jahren dafür gesorgt , dass es ein Geländer und eine Beleuchtung am „TREPPCHEN“ , der Verbindung von der Straße AM MÜHLENBERG und der MAX BRUCH STRAßE gibt . Seitdem heißt der Weg : KARL SCHMIDT WEG ! Darauf war er sehr stolz!

  2. Ja. Ganz meiner Meinung. Handläufe sind sehr wichtig.
    Ich nutze die auch um sicherer über die Treppen zu kommen.