Im Unterricht hatten Schüler:innen Plakate zur Begrüßung der Flüchtlinge in der Notunterkunft gebastelt. Nun sitzen einige der Kinder aus der Ukraine bei ihnen in den Klassen.

14 Kindern aus der Ukraine kann das Otto-Hahn-Gymnasium ganz unbürokratisch einen Schulalltag bieten. Das Kollegium der Schule wollte nicht länger auf Vorgaben „von oben“ warten. Sondern hat schon vor rund einer Woche die Ärmel hochgekrempelt und eine Integrationsklasse gegründet. Was fehlt sind Mittel, um Lehrer:innen für Deutsch als Fremdsprache einzustellen, berichtet Schulleiter Karl-Josef Sulski.

„Auf unserem Schulgelände leben rund 70 Menschen aus der Ukraine, und auch in der Schulgemeinschaft sind Kriegsvertriebene untergebracht“, berichtet Karl-Josef Sulski mit Blick auf die Notunterkunft in den ehemaligen Schulcontainern. Dort kam schnell die Frage auf: Können die Kinder nicht in die Schule gehen?

„Von oben kam noch nichts Handfestes, also haben wir uns bei der Bezirksregierung, dem Schulamt, dem Kommunalen Integrationszentrum und der Stadt grünes Licht für eine Integrationsklasse geholt“, sagt der Schulleiter. Innerhalb eines Tages hätten sich 25 Kolleg:innen gemeldet, die das Projekt unterstützen wollten. Und so startete das Integrationsprojekt am OHG.

Angebot für 14 Kinder

Ein Lehrerzimmer wurde zur Integrationsklasse umgebaut – modern, mit digitaler Tafel. Dort können maximal 14 Kinder unterrichtet werden. Sieben seien bereits innerhalb von drei Tagen aufgenommen worden, „die meldeten sich alle selbst mit ihren Eltern oder Gasteltern hier an“, erzählt Sulski. Es sei ein Selbstläufer, der über Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniere.

Jedes Kind würde zunächst in eine der Regelklassen gehen und dort am normalen Unterricht teilnehmen, „erst einmal vier Stunden pro Tag, um die Kinder nicht zu überfordern.“ Hinzu sollen zwei Stunden Deutsch als Fremdsprache pro Schultag kommen. Die fänden dann in der Integrationsklasse statt.

Die Kinder seien zwischen 11 und 15 Jahre alt. „Ich kenne das Schulsystem in der Ukraine nicht, aber sie scheinen aus einem gymnasialen Zweig zu kommen“, sagt Sulski. Aber auch deren Familien hätten vorher gut überlegt, auf welche Schule die Kinder geschickt würden.

Anlaufstelle für Geflüchtete auf dem OHG-Gelände. Dafür wurden ehemalige Schul- und Verwaltungscontainer eingerichtet. Fotos: Thomas Merkenich

Mittel für Personal benötigt

„Wir versuchen das jetzt ans laufen zu bringen,“ berichtet der Schulleiter, der sich gerade mit rund 100 Kindern auf Klassenfahrt in Österreich befindet und per Handy über die Planungen informiert. Eine Baustelle seien Angebote für traumatisierte Kinder – eine Kollegin habe eine Beraterausbildung, es gebe auch Handreichungen dazu. „Das ist noch ein Puzzlestein!“

Zudem braucht Sulski Lehrer. Die Integration in die Klassen laufe gut an, die Kinder würden sehr warmherzig und empathisch von ihren Mitschüler:innen aufgenommen. Wichtig seien jedoch Lehrer:innen, die dauerhaft in der Integrationsklasse unterrichten würden.

„Ich habe einige Kolleg:innen, die zusätzlich zu ihrem eigentlichen Unterricht ein paar Stunden Deutsch als Fremdsprache unterrichten wollen. Den geflüchteten Kindern nützt es indes nichts, wenn sie laufend neue Gesichter sehen. Da müssen Lehrer:innen her, die sich kontinuierlich um sie kümmern,“ sagt Sulski.

Er kenne Lehrer, die gerade fertig mit der Ausbildung seien und perfekt passen würden. Doch für deren Einstellung fehlten die Mittel.

Immerhin konnte das OHG eine ehemalige Kollegin reaktiveren, die erst im Sommer in Pension gegangen war. „Sie hat selbst eine Migrationsgeschichte aus den 1970er Jahren, spricht Russisch und Ukrainisch.“ Damit sei sie enorm wichtig, um bei der Erstaufnahme der Kinder eine Brücke zu bauen, freut sich Sulski über den Glücksfall.

Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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4 Kommentare

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  1. Wenn mein Kommentar anders als ein konstruktiver Hinweis und Wunsch aufgefasst wurde, bitte ich um Entschuldigung. Vor allem möchte ich betonen, dass das OHG großartige, berichtenswerte Arbeit leistet! Das sollte nie in Frage gestellt sein!

    1. .“..dass das OHG großartige, berichtenswerte Arbeit leistet!“
      ..So eine großartige Arbeit wie die Schüler- und Lehrerschaft der OHR!
      In Berichterstattungen ist es scheinbar oft nicht möglich explizit auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten hinzuweisen: OHG + OHR = OHS! Das bedeutet
      gemeinsam für eine gute Sache anzutreten, und das sollte so auch berichtet werden. Danke OHS, danke A90

  2. Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich bin etwas enttäuscht ob Ihrer teilweise falschen und einseitigen Berichterstattung im Artikel zur ersten Integrationsklasse am OHG.
    Zum einen zeigt das erste Foto keineswegs Dekoration, die die Schülerinnen des OHG gemacht haben, sondern die der Otto Hahn Realschule, also der Ohr! Diese waren es auch, die als erste und vorrangig die Container leer geräumt und geputzt haben und mit Deko ausgestattet haben.
    Zum anderen Leben die Flüchtlinge keineswegs auf dem Gelände des OHG, sondern der OHS (Otto-Hahn Schulen!).
    Dass die Realschule ebenso an einem Willkommen und sich Kümmern um die Menschen aus der Ukraine beteiligt ist, wird in Ihrem Bericht nirgends deutlich. Das OHG leistet hier sicherlich gute Arbeit, aber dass es als größere der beiden Schulen mehr Klassenräume und mehr Kolleginnen hat, ist vielleicht auch nicht ganz unwesentlich.
    Ich würde mir in Zukunft eine ausgewogener Berichterstattung wünschen.

    1. Sehr geehrte Frau Neunzig, unsere Berichterstattung ist weder falsch noch einseitig. Wir berichten hier über die Integrationsklasse am OHG, nicht aber das AMG, nicht über die IGP und eben auch nicht über die Otto-Hahn-Realschule.

      Wir behaupten auch nicht, dass die Deko von Schüler:innen des OHG erstellt worden ist. Und nach unserem Verständnis – und soweit wir wissen, auch dem Verständnis der Schulen – teilen sich Otto-Hahn-Gymnasium und Otto-Hahn-Realschule Gebäude sowie Gelände. Ebenso wie ihr Engagement für die Menschen aus der Ukraine.