Das Gebäude der AOK liegt an der Bensberger Straße kurz vor dem Kreisverkehr Schnabelsmühle, direkt gegenüber dem Hochhaus der Arbeitsagentur

Der Plan, das neue Stadthaus auf der RheinBerg Passage am Bahnhof zu platzieren, hat sich in vergaberechtlichen Problemen verheddert. Doch nun ist eine neue Option aufgetaucht: Das weitläufige Gebäude der AOK Rheinland an der Bensberger Straße steht zur Miete bereit. Eine Option, die laut Stadtverwaltung preiswerter und auch noch schneller umsetzbar sein könnte als alle bisherigen Pläne.

Nach dem spektakulären Scheitern des Neubaus eines großen Stadthauses am S-Bahnhof liegt derzeit auch der Alternativplan auf Eis: gegen die Anmietung und Aufstockung der RheinBerg Passage läuft eine vergaberechtliche Beschwerde, über die die zuständige Kammer frühestens im Sommer entscheiden will (Details siehe unten).

Was zunächst nach einem weiteren Drama aussah könnte sich jetzt als Glücksfall erweisen: Die Stadtverwaltung hat das Angebot bekommen, das bisherige Gebäude der AOK Rheinland an der Bensberger Straße 76 relativ kurzfristig anzumieten – und Teile der Mitarbeiter:innen unterzubringen, die in den völlig maroden Stadthäusern am Marktplatz arbeiten.

 „Das Bessere ist der Feind des Guten“, sagt Bürgermeister Frank Stein. Deshalb sei es unabdingbar, dass neue Optionen ernsthaft geprüft werden. In diesem konkreten Fall sei er „zuversichtlich, zu guten Ergebnissen kommen zu können.“

Blick auf das AOK-Gebäude über die Bensberger Straße hinweg. Hinter dem Bürobau schließt sich das Zanders-Areal an

Tatsächlich bietet das unscheinbare, aber weitläufige, zwei bis vierstöckige Gebäude direkt gegenüber vom Arbeitsamt auf den ersten Blick viele Vorteile. Es liegt nur wenige hundert Meter von den alten Stadthäusern und dem Gladbacher Rathaus entfernt und grenzt nach hinten unmittelbar an das Zanders-Areal.

Wichtiger noch: Die wichtigen Voraussetzungen sind nach einer ersten Einschätzung der Stadt „sehr gut“ erfüllt. Das wären:

  • gute Arbeitsplatzqualität,
  • Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit,
  • ökologische Nachhaltigkeit
  • zeitnahe Realisierbarkeit.

Mit der Option AOK-Gebäude rücke der Traum, den Mitarbeiter:innen der Verwaltung schon 2024 moderne Arbeitsplätze anzubieten, in den Bereich der Realität, urteilt Friedrich Bacmeister, Ratsmitglied der Grünen und Vorsitzender des Stadthaus-Ausschusses. Er sieht zudem einen weiteren Vorteil: die AOK-Option befreie die Stadt aus der Abhängigkeit von den Interessen des Investors der RheinBerg-Passage.

AOK verkleinert sich – und sucht neuen Geschäftsstelle

Die AOK Rheinland hat das Gebäude bereits verkauft und will bis Ende 2023 ausziehen. Sie hatte dort bislang neben der örtlichen Geschäftsstelle vor allem zentrale Abrechnungseinheiten untergebracht, die nun in einen neuen zentralen Standort in Köln-Gremberghoven untergebracht werden.

Für die rund 20 Mitarbeiter der lokalen Geschäftsstelle sucht die AOK einen neuen Standort, möglichst zentral in Bergisch Gladbach, berichtetet Frank Mäuer, Chef der Regionaldirektion Oberberg – Leverkusen – RheinBerg.

Gut für die CO2-Bilanz

Der Schlichtbau an der Bensberger Straße befinde sich in einem sanierten Zustand und soll noch energetisch auf den neuesten Stand gebracht werden – womit eine erheblich bessere Co2-Bilanz im Vergleich zu einem Neubau erreicht werden würde, argumentiert die Stadtverwaltung.

Zudem sei das Gebäude als erster städtischer Verwaltungsstandort überhaupt für moderne, digitalbasierte Arbeitsformen nutzbar.

Unter dem Strich, so Stein, sehe es so aus, dass diese Anmietung für die Stadtverwaltung im Vergleich zu den bisher erwogenen Varianten sowohl wirtschaftlicher als auch schneller umsetzbar wäre“.

Hintergrund: Warum die Option RheinBerg Passage stockt
Die Stadt wollte das Einkaufszentrum am S-Bahnhof vom Eigentümer um zwei Stockwerke aufstocken lassen, um dort mit Stadthaus und Stadtbücherei einzuziehen. Ein anderer Grundstückseigentümer hatte jedoch sein Gelände ebenfalls als Standort für das Stadthaus ins Spiel gebracht und vor der Kölner Vergabekammer Beschwerde eingelegt. Die Kammer prüft den Fall nun – und solange sind der Stadt für weitere Verhandlungen über den Mietvertrag oder gar über Ausbau- und Zeitpläne die Hände gebunden.

Aufgrund der eigenen Personalnöte habe die Kammer die Entscheidungsfrist inzwischen bis in den Juni verlängert. Trotz der neuen Option wolle die Stadt in diesem Verfahren am Ball bleiben, teilt sie mit. Bei dem AOK-Projekt handelte es sich im Unterschied zur RheinBerg Passage um eine reine Anmietung, daher gebe es keine vergaberechtlichen Probleme.

steht seit langem leer. Foto: Thomas Merkenich

Die Einzelheiten einer Anmietung des AOK-Gebäudes werden nun im Stadtrat und den zuständigen Ausschüssen beraten. Allerdings im nicht-öffentlichen Teil, weil es um geschäftliche Details mit privaten Partnern geht.

Viele offene Fragen

Tatsächlich sind noch viele Fragen offen. Zur Größe des Gebäudes an der Bensberger Straße wollen sich im Moment weder Stadt noch AOK äußern. Wieviele der Mitarbeiter:innen aus den alten Stadthäusern dort Platz finden ist unklar, zumal die Stadtverwaltung gerade erst dabei ist, den aktuellen Bedarf angesichts von „New Work“, Home Office und Digitalisierung zu bewerten.

Für die Stadtbücherei, die ebenfalls aus dem Forum in das neue Stadthaus ziehen soll, dürfte es auf jeden Fall eng werden.

Unklar ist zudem, was aus dem Plan geworden ist, kurzfristig in der Senefelder Straße Räume anzumieten und als Interimsarbeitsplätze herzurichten.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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