Der Gleisharfen-Park ist noch eine Vision, aber mit einem konkreten Zieldatum. Foto: Ratsinformationssystem GL

Bevor das Programm für das ganze Zanders-Areal steht und die ersten dauerhaften Nutzungen sichtbar werden, vergeht noch viel Zeit. Dennoch sollen eigentlich noch in diesem Jahr, spätestens 2023, erste provisorische Projekte „auf Zanders“ anlaufen und für die Bürger:innen zugänglich werden. Dafür sind aber einige sehr hohe Hürden zu überwinden.

Eigentlich sieht es ideal aus: Das Zanders-Areal mitten in Bergisch Gladbachs Innenstadt bietet riesige freie Flächen und sehr große Hallen, völlig leer und zum großen Teil bereits im Besitz der Stadt. Da sollte es doch gelingen, rasch einen Biergarten, Café, Konzerte, Kunstaktionen, einen Abendmarkt oder etwas andere rasch umzusetzen. Anfragen und Angebote gibt es reichlich – aber in der Praxis ist das alles andere als simpel, berichtet Udo Krause, Leiter des Projektteams der Stadt.

Denn mit dem plötzlichen Aus der Papierfabrik vor einem Jahr ging die komplette Versorgung der Gebäude und des Geländes verloren: kein Strom, keine Heizung, kein Wasser, kein Abwasser, kein Brandschutz und keine Zäune hin zum Bereich des Geländes, der noch für den Ausbau der alten Maschinen genutzt wird.

Daher sei es vorerst auch nicht möglich, Wege für Fußgänger und Radfahrer über das Gelände frei zu geben, bedauert Krause.

Punktuelle Veranstaltungen sind in diesem Jahr vielleicht noch möglich – doch wer hier irgendetwas machen will, der müsse für eine komplette temporäre Infrastruktur sorgen. Mit einem irren Aufwand, wie zuletzt der Fachkongress der Regionale 2025 gezeigt hatte.

Für einen Fachkongress hat die Regionale 2025 die große Gohrsmühle-Halle nutzbar gemacht, die Ausnahmegenehmigung galt aber nur für zwei Tage.

Das gilt auch für den Biergarten, den das Team des Quirls schon in diesem Sommer „auf Zanders“ betreiben wollte. Die Hürden seien zu hoch gewesen, sagt Quirls-Inhaber Alexander Vossler. Wenn man selbst für Strom, Wasser, Toiletten, Lager und mehr sorgen müsse, sei das nicht wirtschaftlich zu betreiben. Hinzu kommen schwierige Themen wie die formalen Genehmigungen und die Absicherung des Betriebsgeländes, ergänzt Projektleiter Krause.

Einen Biergarten wird es in diesem Jahr also kaum noch geben, größere Projekte, wie zum Beispiel ein Autokino haben sich schon vorher in Luft aufgelöst.

Hintergrund: Drei Zeithorizonte

Langfristig soll das komplette Zanders-Areal neu genutzt werden und dabei eine ganz neue „Zandersstadt“ entstehen. Das kann zehn, 20 oder auch 30 Jahre dauern. Dafür wird jetzt eine Strukturplanung erarbeitet.

Mittelfristig, mit einem Horizont von drei bis fünf Jahren, können Teilbereich beispielhaft entwickelt werden, für zwischenzeitliche, aber auch für dauerhafte Nutzungen. Dafür steht das Konzept „Zanders im Kleinen“.

Kurzfristig sollen provisorische Nutzungen das Gelände so rasch wie möglich zugänglich und punktuell nutzbar machen. Bis klar ist, wofür diese Flächen langfristig eingesetzt werden sollen. Um diese Projekte „Auf Zanders“ geht es in diesem Beitrag.

Temporär und dennoch nachhaltig

Daher arbeitet das Zanders-Team jetzt an temporären Lösungen, die dennoch nachhaltig sind und sich ab 2023 materialisieren sollen.

Zum Beispiel soll eine mobile Heizung angeschafft werden, die mit Pellets statt mit Diesel oder Gas betrieben wird und das „Museum“ wenigstens als Projektbüro im kommenden Winter nutzen zu können, berichtet Krause.

Oder mobile Outdoor-Möbel und Zaunelemente, die an unterschiedlichen Plätzen aufgestellt werden können. Zwei Vorhaben, die sich bereits in den Vorlagen wiederfinden, die der Zanders-Ausschuss jetzt beschließen soll.

Bereits nutzbar und jederzeit öffentlich zugänglich ist nur der Gohrsmühlen-Platz, vor der Halle mit dem alten Schriftzug, mit dem Zugang vom Driescher Kreisel her. Hier fand immerhin bereits ein Flohmarkt statt. Die Agentur Becom von Rolf Becker bietet bereits für den 10. Juli und 11. September weitere Termine an. Aber bis auf ein paar Bänke ist auch dieser Platz komplett ohne Infrastruktur.

Öffentlich zugänglich und für Event offen, aber ohne Infrastruktur: der Gohrsmühlen-Platz. Foto: Thomas Merkenich

Bessere Perspektiven sieht Projektleiter Krause ab 2o23. Dafür müsse aber investiert werden, während die Stadt gleichzeitig sparen muss. Die Fördermittelgeber stehen für die Zanders-Konversion bereit, finanzieren aber eigentlich keine Provisorien. Dennoch sieht Krause nach ersten Gesprächen eine Chance – weil es zwar um temporäre Lösungen geht, die aber anschließend weiter genutzt werden können und damit dennoch nachhaltig sind.

Zum Beispiel die mobile Heizung oder die Outdoor-Möbel, die je nach Projektentwicklung weiter wandern können.

Das Gelände bietet eine Vielzahl historischer Gebäude. Im Vordergrund die alte Gleisanlage. Foto: Thomas Merkenich

Dabei richten sich die Augen vor allem auf die alte Zentralwerkstatt, einer der alten Ziegelbauten im historischen Kern von Zanders. Hier könnten die Arbeiten vielleicht schon 2022, spätestens aber 2023 starten, um das Gebäude möglichst bis 2025 nutzbar zu machen. Auch hier gehe es um vorläufige Nutzungen, als Projektbüro, als Ausstellungsraum, der vielleicht auch Platz für ein Café bietet.

Möglichst rasch soll auch der Park auf der Gleisharfe, den nicht mehr genutzten Gleisen, angegangen werden. Wieder als Provisorium – denn solange nicht feststeht, wie die daneben liegenden großen Hallen genutzt werden sollen, kann über eine endgültige Gestaltung nicht entschieden werden. Dafür sollen noch im Herbst die Fördermittel beantragt werden, damit sie in 2023 eingesetzt werden können.

Rechts das sehr weitläufige Kantinengebäude. Foto: Thomas Merkenich

Das ehemalige Kantinengebäude von Zanders, das sogenannte Forum, zieht ebenfalls Interessenten an, weil es intakt und nutzbar erscheint. Aber auch hier gibt es weder Wasser noch Strom oder Heizung, zudem regnet es rein. Um das Gebäude auch nur notdürftig nutzbar zu machen müssten nach einer ersten Schätzung wenigstens 800.000 Euro investiert werden, sagt Krause.

Das Kölner Projekt „Wandelwerk“ hatte für das Forum Interesse angemeldet – verfüge aber nicht über genügend Geld, um dafür eine Miete zu zahlen oder gar die notwendigen Investitionen zu stemmen. Dennoch gehen die Gespräch weiter – damit das Wandelwerk womöglich doch noch – später – ein anderes Gebäude vorübergehend nutzen könne. Dafür käme zum Beispiel die Halle 720 oder die ehemalige Ausbildungswerkstatt in Frage.

Freiflächen und freie Hallen bieten sich als „Playground„ an.. Foto: Thomas Merkenich

Auch über eine punktuelle Veranstaltung wie einem mehrtägigen Camp auf der Freifläche hinter den Hallen werden diskutiert. Im Sinne des „Reallabors“ oder „Playgrounds“, die im Strukturatlas vorgesehen sind.

Und dafür bietet gerade das Areal im Westen des Geländes, an der Grenze zur unteren Hauptstraße einiges Potenzial. Hier liegt die Halle 720, die womöglich auch von dort aus zugänglich gemacht werden könnte.

Im Nordwesten des Areals liegt eine Vielzahl von Hallen und Freiflächen. Foto: Screenshot Ratsinformationssystem GL

Oder die FAMA-Halle, aus der die Maschinen zur Veredelung des Papiers inzwischen ausgeräumt sind. Eine relativ neue, ebenfalls sehr große Halle, die direkt an die Grundstücke an der unteren Hauptstraße liegt und durch kleine Stichstraßen von dort aus erreicht werden kann.

Die FAMA-Halle, sagt Krause, sei einerseits für große Konzerte und Events geeignet. Aber auch für Start-Ups oder lokale Handwerksbetriebe, die hier wenigstens für eine gewissen Zeit den dringend benötigten Platz für Expansionen finden könnten.

Interessenskonflikte zeichnen sich ab

Bei solchen Aussagen bleibt Krause sehr vorsichtig. Denn alle diese Überlegungen spielen sich vor einem Tauziehen über die grundlegende Nutzung des 37 Hektar großen Zanders-Areals ab. Klar ist, dass hier sowohl Gewerbe, Bildungseinrichtungen, Freizeitangebot und Wohnungen Platz finden sollen – aber was, wo und zu welchen Anteilen, ist noch lange nicht klar.

Um die vielen, zum Teil sehr unterschiedlichen Ansprüche zu befriedigen, würde man nicht 37 Hektar benötigen, sondern eher 370, hatte Bürgermeister Frank Stein im Vorfeld gesagt. Und klar ist auch, dass die schwierige finanzielle Lage der Stadt eine zunehmend große Rolle spielt: der Druck wächst, wenigstens einen Teil der Kosten möglichst rasch durch Einnahmen auszugleichen.

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Auch dafür hat das Projektteam ein Vorhaben im Köcher. Im sogenannten Officebereich am Haupteingang, in dem zahlreiche Bürogebäude bereits jetzt vermietet sind, könnte ein weiteres Bürogebäude entstehen, berichtet Krause. Zum Beispiel auf der Fläche direkt an der Gohrsmühle, die zur Zeit als Parkplatz genutzt wird. Das ginge relativ schnell innerhalb des bestehenden Bebauungsplan, mit der vorhandenen Erschließung.

Relativ schnell heißt angesichts der üblichen Planungszeiträume aber immer noch einige Jahre.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. Mit dieser Verwaltung geht nichts…
    Das Grundproblem in Bergisch Gladbach ist und bleibt das Verwaltungs- und Politikestablishment. Auf dieser Ebene haben sich breit gestreut Menschen platziert, die seit Jahrzehnten das Geschehen dieser Stadt lenken. Betrachtet man einmal die Infrastruktur in Gl, das Verkehrsnetz und der teilweise desolate Zustand Straßen, die absurden Verkehrseinrichtungen, die städtebauliche Entwicklungen, das überhaupt nicht vorankommende Thema neues Stadthaus, das erneute hilflose Agieren beim Zandersgelände, als Leistungen dieses Establishments, kann einem vor der Zukunftm dieser Stadt nur angst und bange werden. Änderungen sind kaum zu erwarten.
    Bergisch Gladbach hat in der Szene einen richtig schlechten Ruf. Die genannten Platzhirsche, auch die Politik samt Bürgermeister, ohne große Erfahrung außerhalb Bergisch Gladbachs, sind nicht bereit etwas abzugeben, sind beratungsresistent und besserwissend, schrecken potentielle Planer und Ingenieure ab. Welche gute engagierte Planer oder Ingenieure kommen in diese Stadt, wissend sich diesem Establishment völlig unterordnen zu müssen, nicht voranzukommen, letztlich doch nur Zuarbeiter zu dem weiteren Planungs- und Organisationschaos zu sein? Und zu sehen das die für diese Zustände Verantwortlichen auch noch nach oben gehievt werden. Selbst die unstrittig gut dotierten Planerstellen bleiben aus diesem Grunde unbesetzt.
    Solange hier sich nicht etwas Gravierendes ändert, man nicht offen mit Kritik umgeht, sich nicht öffnet, stur und sich gegenseitig lobend weitermacht, wird es mit Bergisch Gladbach weiterhin steil bergab gehen. Aber egal, wir sind gut….

    1. Die Stadtentwicklung ist insgesamt gesehen keinesfalls so schlecht wie von Ihnen gemacht. Schauen Sie Mal nach Köln. Was da alles schiefläuft geht auf kenne Kuhhaut. Es sind altbekannte Probleme… Personal, Geld. Und es dürfte auch nicht besser werden.

      Wenn ich dann von Perspektiven für 2023 lese, bin ich erstmal positiv überrascht. Aber Pellet Heizungen… Das bedeutet auch Feinstaub. So eine Anschaffung zu machen halte ich für komplett falsch. Solar. Wärmepumpen. Sowas will ich lesen. Aber ganz sicher keine Pelletheizungen. Gerne wird hier neben dem Feinstaubausstoß (mitten in GL) vergessen, dass der Rohstoff Holz erstmal geliefert werden muss. Häufig kommt dies auch auch aus Osteuropa. Ich hoffe dringend, dass dieses Fass ohne Boden nicht angeschafft wird.

      1. Köln hat aufgrund seiner Größe ganz andere, deutlich anspruchsvollere und vielseitigere Aufgaben. Dazu über ca. 20.000 Mitarbeiter, Bonn ca. 7000 Mitarbeiter, Bergisch Gladbach 1.400. Und darunter befinden sich auch richtig Gute. Ein Beigeordneter in GL, hier ein kleiner König, wäre in Köln oder Bonn (erst recht in Düsseldorf) maximal Amtsleiter, ein Fachbereichsleiter bestenfalls Abteilungsleiter/ Sachgebietsleiter. Wenn überhaupt. Da diese Personen aber größtenteils nur im Kleinen gearbeitet haben, wären sie gar nicht Großstadtverwaltungstauglich. Bei den abgelieferten Ergebnissen in Stadtplanung und Verkehrswesen sind diese Grenzen rasch erkennbar. Das ist nicht verwerflich. Man sollte aber nicht so boniert sein, sondern sich ab und an mal Ratschläge bei den großen benachbarten Kommunen einzuholen oder auch einmal einen Ratschlag anzunehmen. Stattdessen igelt man sich in einer kleinen bergischen Stadt ein und lobt sich gegenseitig in höchsten Tönen. Im Übrigen findet man in vielen Tagungen, Fachseminaren, Fortbildungen, landes- und bundesweit, erstaunlicherweise nie Vertreter aus Bergisch Gladbach. Während viele kleinere Kommunen mit 50.000 Einwohner interessiert und wissbegierig teilnehmen und Kontakte zu Fachkollegen aufnehmen.
        Das eine Reker eine totale Fehlbesetzung ist, sich die Kölner CDU mit einem Petelkau der Macht wegen verkauft, ist unbestritten. Ob die Bergischer Gladbacher Führungsriege auch nur einen Deut besser ist? Na ja..