Mit Heike Sistig, Georg Becker und Salvatore Picone präsentiert die Galerie basement16 in Bensberg drei Künstler:innen aus der Region. „In between colours“ lautet der Name der Schau – dabei sind es vor allem drei exzellente Einzelausstellungen, die hier in einem Raum zu finden sind.

Zwischenfarben. Zwischen den Farben. Farbe dazwischen. Zwischendurch Farbe – der Titel der Ausstellung „in between colours“ ließe sich vielfältig übersetzen.

Das braucht es aber nicht.

Zeigt die Sommerausstellung der Galerie doch drei reife künstlerische Positionen, die getrost nebeneinander bestehen. Ohne dass man sie zueinander in Beziehung setzen müsste.

Unabhängig vom wenig aussagekräftigen Titel – Farbe ist doch meistens im Spiel – lohnt es sich, im basement 16 drei spannende Vertreter:innen zeitgenössischer Kunst zu entdecken. Es ist die letzte große Schau vor der Sommerpause.

„IN//BETWEEN/COLOURS“ im basement16
Collagen, Skulpturen und Malerei von Heike Sistig, Georg Becker und Salvatore Picone
Ausstellung vom 24. Juni bis 14. Juli 2022
Donnerstag/Freitag 15 bis 18 Uhr, Samstag 11 bis 16 Uhr
Vernissage am 23. Juni um 19.30 Uhr, Musik Regina Mester
Weitere Infos und Kontakt www.basement16.de

Heike Sistig: Heimliche Freunde

Die Kölner Künstlerin Heike Sistig ist mit feinteiligen Collagen zu sehen, in denen sich skurril-witzige Protagonisten hervortun: Kleine Wesen, die dem Betrachter einen kurzen Einblick in ihr Eigenleben gewähren.

„Die strömen aus mir raus“, sagt Sistig, „und teilen sich dann gerne mit.“

Foto: Heike Sistig

Montiert in tiefe Rahmen, spannen die Collagen zahlreiche Bühnen für ihre Hauptdarsteller auf. Vor dunklen Hintergründen. Aus Fundstücken zusammengesetzt, mit Versatzstücken aus Zeichnungen und Bildern. Collagen als Hintergrund für Collagen.

Und in den Werken ist ordentlich was los, das Auge geht auf Entdeckungsreise: Sistigs „heimliche Freunde“ – wie sie die Wesen selbst nennt – sind stets in vollem Gange: Hantieren hier, nesteln dort, tummeln sich, flanieren, grübeln.

Szenisch die Anordnung. Da werden fantastische Kurzgeschichten erzählt.

Heike Sistig: „Die Wesen strömen nur so aus mir raus“, Foto; Holger Crump

Der Duktus der Gestalten setzt sich in Sistigs Zeichnungen fort, die ebenfalls in der Ausstellung gezeigt werden. „Das sind eigentlich Schreibtischunterlagen“, schmunzelt sie. Entstanden nebenher, während sie andere Dinge tue.

„Ich steuere das nicht“, schildert die Künstlerin den Prozess der Entstehung. Verweist auf Kaffeeflecken und Notizen auf den Blättern.

Derartig „nebenbei“ produziert, finden die Arbeiten letztlich doch den Weg in die Galerie.

Georg Becker: Mit allen Sinnen erforschen

„Das ist die begrüßende Skulptur, vielgesichtig“, erklärt der Bildhauer Georg Becker und steuert auf die erste Arbeit nahe dem Eingang zu (siehe Foto). Sie gehört zu Beckers frühen Werken.

Der Künstler hat lächelnde und grimmige Antlitze in das Holz hineingearbeitet – etwas für jeden Tag, wie er meint.

Georg Becker und seine „vielgesichtige“ Skulptur, Foto: Holger Crump

„Das Gegenständliche ist über die Jahre verschwunden.“ Georg Becker verweist auf die weiteren Skulpturen neueren Datums. Sie sind reduzierter, offener in der Form, bieten mehr Raum für Assoziationen. Becker wolle dies aber nicht als Abstraktion missverstanden wissen.

Der Bildhauer arbeitet gerade zu sanft mit dem Holz, zwingt seinem Werkstoff keine Form auf. Greift vielmehr mit sicherem Gespür auf das Vorhandene zurück, entwickelt es weiter. Mit der Säge.

Schicht für Schicht arbeitet er sich so durch heimische Hölzer. Die ihrerseits eine Aussagekraft besitzen: „Die Linde war schon immer der Treffpunkt in der Gesellschaft. Die Eiche das harte Holz, es steht sinnbildlich für den Richterspruch.“ Und die ihrerseits mit unterschiedlichsten Färbungen und Maserungen die jeweiligen Arbeiten individuell prägen.

Dialog? Zugewandheit? Oder gar schroffe Arroganz? Beckers Arbeiten sind nicht zufällig im Raum platziert. Sie kommentieren, sie kommunizieren miteinander. Schaffen Perspektiven, wollen als räumliche Plastik erforscht werden.

Das Berühren gehört ausdrücklich dazu: Mit allen Sinnen erforschen, das sei sein Leitspruch, meint Becker. Das Tasten schade den Skulpturen nicht. Auch Beckers eigene Hand gleitet immer wieder über die Skulpturen. Als sei er stets aufs Neue vom Ergebnis der eigenen Arbeit überrascht.

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Bei Becker ist die Hinwendung zum Taktilen keine reine Opposition zu musealen Geboten. Und er lädt immer wieder Menschen mit Sehbehinderung in die Ausstellungen ein, damit sie seine Arbeiten erkunden können.

„Auch im basement16 wird es wieder Besuche von Menschen mit Handicap beim Sehen geben“, freut sich der Bildhauer.

Salvatore Picone: Optisches Vakuum

Salvatore Picone, der Dritte im Bunde der Ausstellung, ist ein Purist unter den Malern. Er reduziert seine Arbeiten auf Prozess und Ausgangsmaterial, auf Pinselstrich und Farbe.

Das könnte spröde sein, entpuppt sich bei näherer Betrachtung aber als gewitzte Auseinandersetzung mit der Fläche.

Als gekonnte Untersuchung des Spannungsverhältnisses von Objekt und Leere, von abstrakten Körpern und dem optischen Vakuum.

Foto: Holger Crump

Es ist packend zu beobachten, wie der Youngster den – zuweilen groben – Pinselstrich gegen die weiße Leinwand setzt und so Arbeiten von enormer Tiefe schafft.

Das spricht für großen Mut, großes Selbstbewusstsein, für eine kreative Persönlichkeit. Eine verblüffende Entdeckung.

Standortbestimmung

Drei Künstler:Innen, enorm viele Exponate, dank einer cleveren Hängung aber keine klaustrophobische Präsentation: Die Galerie basement16 unternimmt derzeit eine spannende Standortbestimmung zur zeitgenössischen und vor allem regionalen Kunstszene.

Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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