Grüne, SPD und FDP haben sich wie angekündigt auf einen gemeinsamen Antrag zu Bergisch Gladbachs Stellungnahme zum Regionalplan geeinigt. Sie wollen die „weißen Flecken“ streichen, die für eine potenzielle Wohnbebauung im Grünen stehen. Die Flächen an der A 4 und in Spitze sollen jedoch offen gehalten bleiben. Für eine mögliche Gewerbeansiedlung in weiter Ferne.

„In sehr konstruktiven und ergebnisorientierten Gesprächen“ hat sich die Ampelkoalition auf einen Konsens zum Regionalplan geeinigt, teilte ein Sprecher mit. Ganz so einfach wird es aber nicht gewesen, denn Grüne, SPD und FDP mussten bei der Festlegung, wo in den kommenden Jahrzehnten in Bergisch Gladbach welche Flächen für Wohnen und/oder Gewerbe eingesetzt werden dürfen, unterschiedliche Schwerpunkte austarieren.

Das Ergebnis ist ein klassischer Kompromiss, festgehalten in einem gemeinsamen Antrag (siehe Dokumentation unten).

Die „weißen Flecken“ aus dem Flächennutzungsplan in Katterbach-Lubusch, an der Alten Wipperfürther Straße in Hebborn und in Asselborn-Unterheide sollen – gegen den Vorschlag der Stadtverwaltung – endgültig aus dem Regionalplan gestrichen werden. Dort wäre es um eine Wohnbebauung gegangen.

Ebenfalls zu den Akten gelegt werden soll der Krüger-Antrag, im Neuborner Busch das Gewerbegebiet für einen neuen Verwaltungsbau zu erweitern.

Neuer Spielraum dank Zanders

Klaus Waldschmidt, Fraktionsvorsitzender der SPD Bergisch Gladbach

SPD-Fraktionschef Klaus Waldschmidt erläutert, warum die Ampel trotz der Wohnungsnot auf diese Optionen verzichten will: „Auf dem Zanders-Gelände haben wir die Option, in überschaubarerem Zeitraum dringend benötigten geförderten und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, während auf den Randflächen unserer Stadt allenfalls Einfamilien- und Reihenhausbebauung mit erheblichen ökologischen Eingriffen und mit einem nicht absehbaren Realisierungshorizont möglich wäre.“

Damit kommt der Kompromiss den Forderungen der Grünen entgegen, die für eine deutlich dichtere Wohnbebauung auf Zanders plädieren, um die Außenbereich zu verschonen.

Theresia Meinhardt ist Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat

Theresia Meinhardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen, sagt: „Einzig die kompakte Mischung von Wohnen und Gewerbe wird es der Stadt ermöglichen, fiskalische, soziale und ökologische Ziele miteinander zu verknüpfen. Wir werben für ein neues Verständnis vom Umgang mit Flächen und deren Funktionen in der Stadt. Der hohe Grad der Zersiedelung erzeugt hohe Infrastrukturkosten und behindert die Verkehrswende. Um die Freiflächen im Außenbereich zu schonen, müssen wir die vorhandenen Flächen im Innenbereich viel effizienter nutzen.“

Aber Zanders soll nicht nur das Wohnungsproblem lösen, sondern auch das Defizit an Gewerbeflächen mildern. Noch einmal Meinhardt: „Unser Ziel ist, mit der Entwicklung des Zanders-Areals die einzigartige Chance zu nutzen, einen Großteil der vorhersehbaren und unvorhersehbaren Bedarfe an Wohnungen und Gewerbeflächen für die Stadt zu decken.“

Spitze und Fläche in Frankenforst bleiben

Jörg Krell, Fraktionsvorsitzender der FDP Bergisch Gladbach

Und dennoch, und hier kommt die FDP ins Spiel, braucht die Stadt wenigsten eine Option auf weitere Gewerbegebiete. „Die Stadt muss neben Zanders weitere Gewerbeflächen entwickeln. Das ist aus ökologischen und städteplanerischen Gesichtspunkten wichtig – „Stadt der kurzen Weg““ – und notwendig, um die steuerliche Ertragskraft zu stärken“, sagt FDP-Fraktionschef Jörg Krell (FDP).

Die Konsequenz: Sowohl das Gewerbegebiet Spitze (für das sich die Stadtverwaltung und der Beigeordneten Ragnar Migenda so stark machen) soll ebenso wie die Fläche R27 an der A 4 in Frankenforst im Regionalplan stehen bleiben.  

Um klar zu machen, dass es sich bei R27, einer Fläche zwischen Königsforst und Autobahn, um eine Vorratshaltung für künftige Jahrzehnte handelt, soll der Stadtrat beschließen, dass es dafür „in dieser Wahlperiode“ keine planungsrechtlichen Schritte geben soll.

Die Fläche R27 liegt an der A 4 in Frankenforst östlich der Fläche, die für die neue Feuerwache Süd geplant ist. Die CDU will dagegen eine im Regionalplan nicht verzeichnete Fläche noch östlich des Gewerbegebietes Obereschbach ins Visier nehmen, an der Grenze zu Overath.

Eine Sperre, die die Ampel mit Blick auf das weit im Hinterland, an der Grenze zu Kürten liegende Gebiet Spitze, nicht vornimmt. Dort sieht sie, ebenso wie auf Zanders ausdrücklich „Möglichkeiten einer Gewerbeentwicklung“.

Naturschützer reagieren mit Unverständnis

Gegen Spitze hatte sich die CDU zuvor eindeutig ausgesprochen und ein ganz anderes Gewerbegebiet weiter östlich an der A 4 ins Spiel gebracht.

Der Bergische Naturschutzbund hatte ebenso gegen Spitze argumentiert – und reagiert jetzt „ausgesprochen enttäuscht“. Dass entlang der A4 „nach wie vor Wald geopfert werden soll“ sei angesichts des generellen Waldverlusts und der gravierenden Schädigungen nicht nachvollziehbar, sagt der Vorsitzenden Mark vom Hofe.

Gestaltungsanspruch bekräftigt

Für die Ampelkoalition ging es beim Regionalplan nicht nur um die Sache, sondern auch um den Beleg, dass sich Grüne, SPD und FDP hier in Bergisch Gladbach weiterhin auf eine Linie verständigen können.

Der Antrag zum Regionalplan unterstreiche „den gemeinsamen Gestaltungsanspruch, den wir seit der Wahl im September 2020 zusammen mit Frank Stein übernommen haben, Bergisch Gladbach ökologisch, sozial und ökonomisch zu modernisieren“, betonen die drei Fraktionsvorsitzenden unisono. „Wir sind bereit, die Herausforderungen und Aufgaben, die auf uns zukommen weiter mit großer Entschlossenheit in anzugehen.“


Der Gang der Dinge: Die Stellungnahme der Stadt Bergisch Gladbach wird zunächst am 23. August im Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss beraten und soll am 30. August im Stadtrat beschlossen werden. Über den endgültigen Regionalplan entscheidet – nach Abwägung aller Stellungnahmen – der Regionalrat Köln unter Vorsitz von Rainer Deppe.

Dokumentation

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Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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2 Kommentare

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  1. Spitze weiterhin als GE im FNP zu halten, kann nur ein „ Nicht Gladbacher“ verlangen. Vielleicht kommt auch noch dazu die Alleenstrasse zwischen Spitze und Herkenrath mit einem Fahrradweg auszustatten! Seit vielen Jahren wird ohne ein Verkehrskonzept, welches schon vor erstellen des FNP unbedingt notwendig gewesen wäre, ohne Sinn und Verstand geplant. Ich habe das Gefühl, dass man mit dem LKW Verkehrsaufkommen, die ohnehin schon extrem hohe Belastung von Herkenrath hernehmen möchte um den gesamten motorisierten Verkehr abzuschaffen. Hoffentlich gehen die Herkenrather dagegen auf die Barikaden.

  2. Die fortdauernde Forderung Herrn Migendas und der Stadtverwaltung nach einem Gewerbegebiet Spitze erstaunt nun doch wirklich. Was wird wohl auf der L289 passieren, wenn zusätzliche LKWs und die zusätzlichen PKWs der Beschäftigten im neuen Gewerbegebiet? Für ganz GL gibt es keinen Verkehrsplan, hat es noch nie gegeben, und nun soll eine seit langem überlqastete Landstraße zusätzlichen Verkehr aufnehmen. Von Lösungen für diesen gordischen Knoten hat man noch nichts gehört. Man beschäftigt sich lieber mit „Fahrradstraßen“, die ebenfalls keinem Verkehrplan entspringen.