In der Diskussion um Bergisch Gladbachs Position zum Regionalplan Köln meldet sich auch der Rheinisch-Bergische Naturschutzverein (RBN) in einer Stellungnahme zu Wort. Den uralten Plan eines interkommunalen Gewerbegebiets Spitze lehnt er ab, sieht aber an der A 4 in Moitzfeld noch Spielraum. Zudem schlägt er eine Kooperation mit der Stadt Köln vor.

Seit es die vor allem in den 1970er Jahren Planung einer Autobahn 31 gibt – aus dem Süden von Essen und dem Niederbergischen kommend, entlang der Bergischen Heideterrasse über Schlebusch, Schildgen, Spitze, Immekeppel, Overath-Heiligenhaus, um bei Siegburg auf die A 3 zu stoßen -, ist immer wieder von einem großen interkommunalen Gewerbegebiet Spitze, verknüpft mit einer geplanten L 286 n vom Autobahnbahnkreuz Köln-Ost über Refrath, Heidkamp, Herrenstrunden nach Spitze, die Rede gewesen.

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Der (Rheinisch)-Bergische Naturschutzverein (RBN)  hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass er diese Planung komplett ablehnt; durch erheblichen Bürgerprotest entlang der Trasse der A 31 ist das Vorhaben Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre aufgegeben worden.

Eine L 286 n, die gleichfalls als Entlastung für Bergisch Gladbach immer wieder neu diskutiert wurde – insbesondere in Refrath mehrten sich die dafür werbenden Stimmen -, wird auch nicht mehr zu verwirklichen sein, da die Trasse inzwischen weitgehend insbesondere auf Kölner Gebiet zugebaut ist. 

Folglich entfallen die insbesondere verkehrlichen Aspekte, die ein interkommunales  Industrie- und Gewerbegebiet im Großraum Spitze seinerzeit hätten begründen können. 

Aus heutiger Sicht, und daran hat der RBN nie einen Zweifel gelassen, verbietet sich ein wie auch immer geartetes Gewerbegebiet. Spitze mit der Alleenstraße von Bensberg über Herkenrath weiter nach Bechen ist mit seinen weiten landwirtschaftlich genutzten Flächen und den ausgedehnten  Sichtbeziehungen ein herausragender Bestandteil des Naturparks Bergisches Land.

Die Allee ist gemäß des  Naturschutzgesetzes von Nordrhein-Westfalen grundsätzlich geschützt. Sie bildet ein optisches Alleinstellungsmerkmal und gilt als Trittsteinbiotop für Vögel und Insekten zwischen verschiedenen Naturschutzgebieten, etwa zwischen Strundetal und Dürschtal. 

Was weiterhin gegen Spitze spricht, ist die jetzt schon hohe Verkehrslastung auf der L 289, die als Zufahrt zur bzw. Abfahrt von der A4 –Anschlussstelle Bensberg-Moitzfeld von herausragender Bedeutung ist. 

Die Durchfahrten durch Moitzfeld bzw. insbesondere Herkenrath, die einen erheblichen Pendlerverkehr aus den oberbergischen Gemeinden Wipperfürth und Lindlar verzeichnen, führen bereits jetzt zu längeren Staus in den Stoßzeiten. Zusätzlicher gewerblicher Verkehr würde dieses Problem nur weiter verstärken und die Wohnstandorte Moitzfeld und Herkenrath erheblich in Mitleidenschaft ziehen. 

Hinweisen möchten wir schließlich darauf, dass Ende der 1990er Jahre die Diskussion um Spitze nicht zuletzt auf Vorschlag des RBN dazu führte, das Gewerbegebiet  Obereschbach in Betracht zu ziehen. Die verkehrliche Erschließung  an der Autobahn sowie die Vorbelastung der Fläche durch die Betonaufbereitungsanlage während des Autobahnbaus, schließlich die Insellage zwischen Autobahn und damaliger B 55 ließen Obereschbach als gangbare Alternative erscheinen.

Freilich hatten wir in der Überlegung, die Erschließung parallel zur Autobahn am AVEA-Gelände entlang zu gestalten, um im hinteren Bereich noch mehr Fläche gewinnen zu können. Das könnte auch jetzt noch einmal überprüft unter allerdings erschwerten Bedingungen – zumal erhebliche Teile der Grundstücke mit großflächigem Parkraum ausgestattet sind, der – überdacht – Platz für weitere Gewerbeeinheiten bieten könnte. 

Der RBN lehnt ein wie auch immer gestaltetes Gewerbegebiet Spitze sowohl auf Bergisch Gladbacher wie auf Kürtener Seite ab. 

GIB zwischen A4-Anschlusstelle Bensberg-Moitzfeld und Technologiepark

Im noch gültigen Regionalplan ist der Bereich zwischen der Autobahnauffahrt Moitzfeld und dem Technologiepark  südlich der Friedrich-Ebert-Straße bis zur Overather Straße als GIB (Gewerbe und Industrie Bereich) ausgewiesen.

Im neuen Regionalplan-Entwurf ist diese Ausweisung nicht mehr vorhanden, zumal sie auch im Flächennutzungsplan der Stadt Bergisch Gladbach nicht enthalten ist. Vielmehr werden entlang der A 4 Waldflächen zwischen Frankenforst und Lustheide für bauliche Maßnahmen  ausgewiesen, die im FNP nur begrenzt vorhanden  sind.  

Dass der noch gültige GIB-Bereich kein Tabu ist, beweist die Tatsache, dass die Stadt Bergisch Gladbach hier ein Bauleitplanverfahren für den Bau eines Mobilhofs für die Wasserstoffbusse der RVK eingeleitet hat. Daraus folgt, dass hier weitere Ausweisungen gemäß des noch gültigen GIB erfolgen könnten.

Das Gelände ist topographisch anspruchsvoll, befindet sich aber durch die Friedrich-Ebert-Straße und die Overather Straße trotz Bewaldung in einer Insellage, die durch die nahe A4 noch verstärkt wird.

Gerade die unmittelbar vorbeiführende A 4 hebt die Nähe zum FFH-Gebiet Königsforst auf, so dass im Sinne einer sinnvollen Verdichtung diese Flächen weiterhin ausgewiesen werden sollten. Die Hängigkeit erlaubt Geschossbauweise auf unterschiedlichen Ebenen für unterschiedliche Erfordernisse. 

Technologiepark

Im südlichen Bereich des Technologieparks befinden sich größere Flächen, die ausschließlich als offener Parkraum genutzt werden und bis zum Parkhaus von bauhaus reichen.

Eine Nutzung dieses Bereichs bis unmittelbar an die Landesstraße bei Obereschbach für gewerbliche Zwecke erscheint möglich – etwa durch Parkdecks unterirdisch mit gewerblicher Nutzung in den Stockwerken darüber oder auch umgekehrt. 

Herkenrath –Braunsberg

Wiederholt haben wir darauf hingewiesen, dass der Bereich zwischen den Straßen Unterheider Weg und Silberkauler Weg in Herkenrath-Braunsberg bzw. im Hinterland der Siedlung Oberheide als Relikt der klassischen bergischen Kulturlandschaft zu werten ist.

Der hier im FNP noch als weiße Fläche gekennzeichnete Bereich ist äußerst großzügig für Ansiedlungen ausgewiesen und muss, um die Kulturlandschaft mit ihrer Kleinteiligkeit zu retten, erheblich reduziert werden. Hier würde eine Siedlung unorganisch in die freie Landschaft vordringen.  

Eine Abrundung ließe sich nur durch eine maßvolle Bebauung mit einer Zuwegung über den Silberkauler Weg erreichen unter kompletter Aussparung des Bereichs Unterheide/Oberheide. 

Zanders

Sicherlich wird es noch etliche Zeit in Anspruch nehmen, das 37 ha große Zanders-Gelände seinen baulichen Möglichkeiten und Ansprüchen entsprechend zu entwickeln und umzusetzen. Die zentrale Lage aber erfordert höchste Anstrengungen, den Bedarf an Wohnraum zentrumsnah und ÖPNV-orientiert vorrangig hier abzubilden, um vor dem Hintergrund des Klimawandels die Freiflächen des Umlands als Temperatursenke und Luftaustauschgebiete zu schützen. 

Gleichzeitig aber kann im Zanders-Gelände auch dem in der Vergangenheit oft praktizierten Gedanken von Wohnen und Arbeiten an einem Standort nachgegangen werden – etwa wenn in randlicher Lage zum Parkplatz Heidetor/Bensberger Straße kleinere Gewerbeeinheiten wie Werkstätten mit darüber liegenden Wohnungen ausgewiesen werden für Betriebe, die sonst in Wohngebieten nicht unterkommen könnten.  

Solche Nutzungen sollten bei der Zanders-Entwicklung auf jeden Fall mitgedacht werden. 

Interkommunal/Interregional

Im Zusammenhang mit der Neuaufstellung des Flächennutzungsplans wurde seitens der Stadtverwaltung und des beauftragten Planungsbüros immer wieder auf die Not der Stadt Köln eingegangen, dem wachsenden Wohnungsbedarf nicht nachkommen zu können und deshalb Hilfe bei den Umlandgemeinden einzufordern. Folglich benannten die verschiedenen Szenarien selbst in der kleinsten Variante erheblichen Zuzug für Bergisch Gladbach unter Bereitstellung entsprechender Flächen. Zanders spielte dabei keine Rolle, was wir mehrfach kritisch anmerkten. 

Stattdessen sind wir in Diskussionsrunden auch darauf eingegangen, den Kölner Wunsch mit einen Gegenwunsch zu beantworten – nämlich über gewerbliche Flächen im Kölner Osten, etwa Gremberghoven, nachzudenken, die mit Bergisch Gladbachs Suche nach Gewerbestandorten „verrechnet“ werden könnten.

In Gesprächsrunden mit der Regionale 2010 wie der Regionale 2025 ist darüber wiederholt nachgedacht worden. Unseres Erachtens  ist es Aufgabe auch eines Regionalplans, diese Diskussion aufzugreifen und nach einer Lösung zu suchen.

Wenn die bevölkerungsreiche Rheinschiene in Klimaanpassungsplänen einfordert, dass aus den waldreicheren westlichen Gebieten Frisch- und Kaltluft nach Köln fließen muss, dann können etwa im Bergisch Gladbacher Bereich nicht Teile des Königsforsts für gewerbliche Ansiedlungen vorgesehen werden – völlig unabhängig von der Funktion des Waldes für Naherholung, Artenvielfalt und Holznutzung. 

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RBN

Der (Rheinisch-) Bergische Naturschutzverein ist seit 1975 die Stimme des Naturschutzes im Bergischen Land. Ursprünglich entstanden aus einer Bürgerinitiative engagieren sich Ehrenamtler quer durch das Bergische Land für den Schutz von Natur und Landschaft. Kontakt: info@bergischer-naturschutzverein.de

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