Ein Priester erläutert Bürgermeister Frank Stein bei seinem Besuch in Butscha die Fotos, die das Massengrab hinter der Kirche zeigen. Foto: Stadt GL

Sehr kurzfristig hat die Stadt Bergisch Gladbach eine Foto-Dokumentation der Gräueltaten in Butscha organisiert, die parallel zum Stadt- und Kulturfest an diesem Wochenende startet. Sie macht auch auf eine Spendenaktion zugunsten der ukrainischen Partnerstadt aufmerksam – bei der mit Hilfe der Verdopplung durch zwei Stiftungen ein hoher Betrag zusammen kommen soll.

Butscha in der Ukraine ist Bergisch Gladbachs neue Partnerstadt – das ist beschlossen und besiegelt. Noch längst nicht wieder beseitigt sind hingegen die immensen Schäden, die die russische Invasion im Frühjahr 2022 in der Stadt hinterlassen hat. Um den neuen Freunden in Osteuropa schnell und effektiv helfen zu können, ihre Infrastruktur wiederaufzubauen, ruft Bürgermeister Frank Stein erneut die Bürgerinnen und Bürger von Bergisch Gladbach zu einer Spendenaktion auf.

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Die Bethe-Stiftung der Ehrenbürger Roswitha und Erich Bethe hat bereits zugesagt, die eigehende Spendensumme wieder bis zu einem Betrag von 25.000 Euro zu verdoppeln. Auch die Stiftung „CULTOPIA: Kunst hilft geben“ unter dem Vorsitz von Dirk Kästel wird sich an der Aktion mit einer Verdopplung in gleicher Höhe beteiligen, so dass optimalerweise 100.000 Euro (50.000 Euro von den Spenderinnen und Spendern sowie 50.000 Euro von beiden Stiftungen) gesammelt werden könnten.

Spendenkonto: Stadtverwaltung Bergisch Gladbach
IBAN: DE17370502990311584477
Stichwort: Hilfe für Butscha

Die Stiftungsverantwortlichen sind Bergisch Gladbacher und sind daher gegenüber der Aktion zugunsten der neuen Partnerstadt besonders aufgeschlossen.

„Butscha – Bilder des Krieges“

Rund 1.800 Kilometer von Bergisch Gladbach entfernt liegt die ukrainische Stadt Butscha. Das Massaker von Butscha erlangte weltweit traurige Berühmtheit für die mutmaßlichen Kriegsverbrechen der russischen Streitkräfte im aktuellen Ukraine-Krieg.

Ab Samstag, den 10. September 2022, erinnert eine Foto-Ausstellung im Rathaus auch in Bergisch Gladbach an die Verbrechen an der ukrainischen Zivilbevölkerung.

Die Ausstellung „Butscha Bilder des Krieges – Ausstellung zur Hilfsaktion zugunsten der Partnerstadt“ wird von Bürgermeister Frank Stein um 15 Uhr gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertetern der Stadt Butscha eröffnet und bleibt bis Mittwoch aufgebaut.

Der Eintritt ist kostenlos. Kinder und Jugendliche dürfen allerdings nur in Begleitung eines Erziehungsberechtigten die Ausstellung besuchen.

Die Öffnungszeiten lauten:

  • Samstag (10. September): 15 bis 18 Uhr
  • Sonntag (11. September): 10 bis 18 Uhr
  • Montag und Dienstag (12. und 13. September): jeweils 10 bis 17 Uhr
  • Mittwoch (14. September): 10 bis 15.30 Uhr

Delegation aus Butscha beim Stadtfest

Seit Juli 2022 sind Bergisch Gladbach und Butscha Städtepartner. Grund dafür ist, dass beide Kommunen mit Pszczyna in Polen eine gemeinsame Partnerstadt haben und so eine Ringpartnerschaft entstanden ist.

Traditionell werden die Vertreterinnen und Vertreter der Partnerstädte zum Stadtfest eingeladen, das am zweiten Septemberwochenende stattfindet. Auch eine Delegation aus Butscha hat sehr kurzfristig ihr Kommen zugesagt.

In mehreren Videokonferenzen zwischen den Bürgermeistern Frank Stein und Anatolii Fedoruk ist dann die Idee entstanden, den Besuch auch für eine Spendenaktion zu nutzen.

Der Hintergrund zur Foto-Ausstellung

Mit den offiziellen Fotos der Agentur Reuters wird dokumentiert, wie die Stadt im Nordwesten von Kiew bei der Schlacht um die Hauptstadt zerstört worden ist und welche Opfer der Angriff gekostet hat. In einem Massengrab waren 280 Leichen zunächst begraben worden. Insgesamt geht man von rund 480 Zivilisten aus, die durch Kugeln zu Tode gekommen sind.

„Die Stadt Butscha hat in einer Kirche, hinter der das Massengrab lag, ein provisorisches Mahnmal errichtet, indem sie 29 Fotos ausgestellt hat, die von der Agentur Reuters unmittelbar nach Abzug der russischen Besatzer aufgenommen wurden“, erläutert Bürgermeister Frank Stein, der vor zwei Wochen nach Butscha gereist war. Ein Reisebericht kann online auf der Homepage des Stadt Bergisch Gladbach gelesen werden.

„Ziel der Stadt Butscha ist es, den Besuchern die Situation unmittelbar nach dem Abzug mit der Zerstörung und den Verbrechen zu zeigen, damit die Gräueltaten niemals in Vergessenheit geraten“ ergänzt Feuerwehrchef Jörg Köhler, der ebenfalls vor Ort war.

„Diese Ausstellung werden wir 1:1 im Ratssaal aufbauen.“ Zusätzlich sollen die Impressionen auch als politische Bildung für interessierte Bürgerinnen und Bürger dienen. „Die Dokumentation belegt, welche Gewalt Menschen an anderen Menschen verübt haben“, erläutert Frank Stein, den die Eindrücke in Butscha nachhaltig beschäftigen.

„Die Ausstellung in der Kirche in Butscha ist ohne jegliche weitere Information; der Priester, der das Massengrab erst errichten und später wieder leeren musste, hat uns persönlich geführt“, beschreibt der Bürgermeister das Erlebte.

Bürgermeister Frank Stein (2.r.) und Feuerwehr-Chef Jörg Köhler (2.l.) mit Vertretern der Stadt Butscha und einem Priester der orthodoxen Kirche. Foto: Stadtverwaltung Butscha

Vereingründung wird vorbereitet

Die Verantwortlichen in Bergisch Gladbach möchten mit den Duplikaten eine Wanderausstellung gemeinsam mit Experten weiterentwickeln. Auch sollen Hintergrundinformationen und Erläuterungen ergänzt werden.

Eng verbunden mit der Wanderausstellung ist die Spendenaktion. Da die Städtepartnerschaft noch jung ist, findet diese unter der Leitung der Stadt Bergisch Gladbach statt. Zeitnah wird sich aber ein Verein gründen, um über einen längeren Zeitraum ehrenamtliche Aufbauhilfe für die Stadt Butscha zu leisten.

Spenden für Wiederaufbau von Schulen und ÖPNV

„Der aktuelle Hauptzweck ist die Unterstützung beim Aufbau der zerstörten Infrastruktur, mit Schwerpunkt auf Schulen und ÖPNV“, erläutert Jörg Köhler, der auch im Verein aktiv sein wird. Auf Initiative der Feuerwehr Bergisch Gladbach wurden bereits ausgediente Rettungswagen sowie mehrere Tonnen an Hilfsgütern in zwei Touren nach Butscha gebracht.

Jetzt soll in ehrenamtlichen Strukturen weiter gehandelt werden. Der Verein wird durch die Helferinnen und Helfer aus Stadtverwaltung und Stadtgesellschaft gegründet, die auch bereits intensiv an den beiden Hilfstransporten beteiligt waren.

So soll die Stadt Butscha bei ihren Aufbaubemühungen finanziell, materiell, aber auch fachlich unterstützt werden. „Parallel dazu sollen bilaterale Partnerschaften im Bereich Bildung, Kultur und Unternehmen aufgebaut werden“, ergänzt Frank Stein, der ebenfalls Vereinsmitglied sein wird.

Stein richtet einen konkreten Spendenappell an alle, die helfen möchten: „Benötigt werden in erster Linie Geldspenden, um damit verschiedene Hilfsaktionen zu finanzieren. Zum einen sollen Fahrzeuge für die städtische Infrastruktur angeschafft werden. Außerdem müssen schnellstmöglich die Gebäude wiederaufgebaut werden, damit die Bevölkerung Kapazitäten hat, um parallel andere Projekte voranzubringen.“

Die Bethe-Stiftung hatte bereits im Frühjahr für einen Hilfstransport der Stadt Bergisch Gladbach mit dringend benötigten Medikamenten für Butscha 50.000 Euro Spendengeld verdoppelt. „In kürzester Zeit gingen die Spenden ein. Am Ende waren es über 100.000 Euro, das war sehr beeindruckend“, beschreibt Erich Bethe die ersten Erfahrungen.

Beide Stiftungen, also „CULTOPIA: Kunst hilft geben“ und Bethe Stiftung, hoffen nun bei weiteren 50.000 Euro auf ein ähnlich hohes Spendenergebnis. Die Verdopplung bedeutet, dass jeder Euro aus dem Stiftungstopf zweifach Gutes tut. Wer also beispielsweise 20 Euro spendet, für den werden weitere 20 Euro auf das Spendenkonto überwiesen.

Zur Sammlung der Spenden steht das städtische Konto zur Verfügung:

Kontoinhaber: Stadtverwaltung Bergisch Gladbach
IBAN: DE17370502990311584477
Bank: Kreissparkasse Köln 
Stichwort: Hilfe für Butscha

Alle weiteren Informationen zur Spendenaktion gibt es auf der Website der Stadt, zudem mehr Infos zur Partnerstadt Butscha.

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Pressestelle Stadt BGL

Hier werden offizielle Pressemitteilungen der Stadtverwaltung veröffentlicht. Sie geben nicht die Meinung des unabhängigen Bürgerportals iGL wieder.

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6 Kommentare

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  1. Wieso spricht in-gl.de von MUTMASSLICHEN Kriegsverbrechen in Butscha ??? Bleibt das bis ein offizielles Gericht in Jahrzehnten die Kriegsverbrechen auch juristisch sanktioniert?

    1. Es handelt sich hier um einen Beitrag der Stadtverwaltung, es spricht also nicht das Bürgerportal. Und selbst hier gilt – wenn man es genau nimmt – die Unschuldsvermutung.

  2. Schön, dass Herr Stein sich so für Butscha engagiert.
    Noch schöner wäre es, wenn er sich in seiner Partei SPD dafür einsetzen würde, dass dieses unerträgliche Zögern und Zaudern bei den Lieferungen schwerer Waffen aufgegeben wird.
    Die SPD sollte sich schämen – und Herr Stein auch, solange er hier nicht ganz klar Farbe bekennt!
    Fotoausstellungen, Hilfstransporte und Städtepartnerschaft – all das ist leicht, weil es kein Konfliktpotenzial birgt.
    Eine klare Position zu Waffenlieferungen ist da schon anspruchsvoller! Eine KLARE Position! Kein Scholz-Herumgeschwurbel!

    1. Man kann da aber auch anderer Meinung sein: Die bisherigen Waffenlieferungen haben allem Anschein nach zwar für eine Offensive der ukrainischen Kämpfer (sind es wirklich nur Militärs?) gesorgt. Aber glaubt man denn tatsächlich , dass der „russische Bär“ schläft? Präsident Putin (das ist er nun mal) wird auch weiterhin Waffenlieferungen als Provokation des Westens, insbesondere der NATO, ansehen. Dass wiederum kann zur Folge haben, dass er nicht nur eine große Offensive startet, die vielleicht schon „hinter dem Ural“ (gab es schon mal) vorbereitet, sondern gleich weiter marschieren läßt. Eine erhebliche Skepsis beim Thema „Waffenlieferungen“ ist also m.E. angebracht. Und: Herrn Stein in die Verantwortung für Weltpolitik nehmen zu wollen, ist lächerlich.

    2. Herr Büscher, Sie irren: Hilfstransporte und Partnerschaft mit einer zerstörten Stadt sind alles andere als leicht. Chapeau für unseren Bürgermeister und die Verantwortlichen dieser Städtepartnerschaft !

  3. Es hat uns allen wohl die Sprache verschlagen angesichts der ungeheuren Kriegsverbrechen. Um so mehr Respekt für Mut und Tatkraft unseres Bürgermeisters (nebst dem Leiter der Feuerwehr)