Foto: Dellanima

Der Tod eines nahestehenden Menschen verändert das Leben bei Hinterbliebenen drastisch. 31 trauernde Kinder und Jugendliche hatten im Projekt „Leben mit dem Tod“ wieder die Möglichkeit, Gefühle und Ängste in einer Graffiti-Aktion zu verarbeiten.

Nach einer zweijährigen Corona-Pause hatten jetzt wieder 31 trauernde Kinder und Jugendliche im Alter von 6-17 Jahren aus dem Projekt „Leben mit dem Tod – Trauernde Familien begleiten“ die Chance, an einem Graffiti-Projekt teilzunehmen. Unterteilt in zwei Gruppen lernten die Teilnehmer*innen, die einen nahestehenden Menschen durch Krankheit, Unfall oder Suizid verloren haben, unter der Anleitung des Künstlers und Pädagogen Ben Niklas die verschiedenen Spray-Techniken kennen und verwandelten die Leinwände in echte Kunstwerke. 

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Doch der künstlerische Aspekt stand an den zwei Tagen, gar nicht im Mittelpunkt der Arbeit. Vielmehr ging es darum, in den Bildern eigene Gefühle und Gedanken zum Ausdruck zu bringen. Zudem wurden Jenseitsvorstellungen und persönliche Bindungen zum Verstorbenen visualisiert. Wo ist der Verstorbene jetzt? Welche Verbindung habe ich noch zu dem Verstorbenen?

Neben zahlreichen Textpassagen wurden auch viele Symbole verwendet, die die Betroffenen an den Verstorbenen erinnern. Ein Mädchen malte ein Herz, da ihre Schwester an einem Herzfehler gestorben war; das gesprühte Fenster sollte den Übergang von dieser in eine andere Welt symbolisieren; und auch die Jenseitsvorstellungen eines Jungen, der seinen Bruder verloren hatte, fanden Platz auf der Leinwand. Auch das Thema Ukrainekrieg und die damit im Zusammenhang stehenden Ängste wurden immer wieder aufgegriffen.

Beim gemeinsamen Pizzaessen hatten die Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit, sich über ihre entstandenen Bilder auszutauschen und stellten dabei immer wieder fest, dass sich ihr Alltag und ihre Gefühle nach dem Tod der Mutter, des Vaters oder des Geschwisters doch sehr verändert haben. Begleitet wurden die beiden Tage von vier qualifizierten Trauerbegleiter* innen mit multiprofessionellem Hintergrund.

„Das Graffiti-Projekt zeigt mir immer wieder, wie wichtig die Gemeinschaft und der Austausch für die betroffenen Kinder und Jugendlichen ist“ so Stephanie Witt-Loers. „Zu erleben, dass auch andere Kinder und Jugendliche mit dem starken Vermissen oder Anpassungsprozessen während der Erkrankung und nach dem Tod eines nahestehenden Menschen zu kämpfen haben, kann entlastend wirken und die Betroffenen noch einmal näher zusammenführen.“

Dank der guten Kooperation mit dem Gymnasium Herkenrath konnte das Graffiti-Projekt nun bereits zum sechsten Mal in der geschützten Atmosphäre des Schulhofs stattfinden. Finanziert wurde das Projekt durch den Verein „Bürger für uns Pänz.“ 

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