Foto: Thomas Merkenich

Im zweiten Anlauf hat es geklappt: Das DBG gehört zu den Preisträgern des Schulentwicklungspreises der Unfallkasse NRW. Prämiert werden Schulen denen es besonders gut gelingt, Gesundheitsförderung und Prävention in die Schule zu integrieren. Dahinter steckt im Heidkamper Gymnasium ein Leitbild, das sich auf das ganze Schulleben auswirkt. Neue Projekte sind in Planung.

Der Schulpreis gehört mit insgesamt 500.000 Euro Prämie zu den höchst dotierten Schulpreisen Deutschlands. Das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium (DBG) zählt seit vergangenem Dienstag zu den 41 Preisträgern in NRW.

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Schulleiter Frank Bäcker und seine Stellvertreterin Sandra Altwicker freuen sich. „In unserer Schule soll man sich wohlfühlen, so finden die Schülerinnen und Schülern zu besseren Leistungen,“ sagt Bäcker. Und auch Lehrerinnen und Lehrer, die ihre Bedürfnisse und Wünsche berücksichtigt fänden, würden das Miteinander positiv prägen.

Sandra Altwicker und Frank Bäcker. Foto: Holger Crump

Gutes Schulklima

Das findet auch die Jury des Wettbewerbs. Sie hat die teilnehmenden Schulen in einem dreistufen Verfahren überprüft. „Hervorzuheben ist das gute Schulklima an Ihrer Schule. Das Wohlfühlen zieht sich wie ein roter Faden durch den Schulalltag“, schreiben die Juroren in ihrer Begründung an das DBG.

Ein Thema, das Bäcker und Altwicker am Herzen liegt. Die beiden übernahmen vor rund sechs Jahren die Schulleitung in einer Schule, „die damals nur verwaltet aber nicht entwickelt wurde, mit straffen Hierarchien.“

Das habe man geändert. Mit in einer Reihe von Projekten, welche nun zur Preisvergabe geführt haben:

Digialisierung habe man nicht als Selbstzweck eingeführt: „Wir schauen genau hin wie digitale Schule in ein pädagogisches Konzept münden kann“, erzählt Bäcker.

Zudem lege man Wert auf Partizipation. „DBG um die Welt“ sei so ein Projekt gewesen, bei dem die Schulgemeinschaft ihre gejoggten Kilometer aufaddierte und damit einmal den Globus umrundete.

Grünes Klassenzimmer

Mitwirkung gebe es auch in anderen Bereichen: So seien in den Reihen der Schülerinnen und Schüler Streitschlichter aktiv, es gebe Medien- und Mensa-Scouts. Die sechsten Klassen würden sich um die schuleigenen Hühner kümmern. Und die Cafeteria werde von Eltern betrieben, „ein Alleinstellungsmerkmal unserer Schule“, zeigt sich der Schulleiter sichtlich begeistert über das Engagement.

Als Gegenpol zur Digitalisierung habe man zudem das Grüne Klassenzimmer eingerichtet. Ein Bereich, direkt am Waldrand gelegen, der nicht nur zum Lernen genutzt wird sondern die Kommunikation insgesamt vorantreibt.

Und auch das eigens eingerichtete Meditationszimmer hat erfolgreich zum Schulklima beigetragen. Es werde so gut genutzt, das mittlerweile zwei Lehrer:innen für den nicht alltäglichen Ruhepol zuständig sind, ergänzt Sandra Altwicker.

Das grüne Klassenzimmer am DBG, Foto: Holger Crump

Die Tür ist immer auf

Das ist ein langer Weg, den das DBG in den vergangenen sechs Jahren zurückgelegt hat. Die Schule hatte bereits am Wettbewerb davor teilgenommen – ohne Erfolg. „Schon in der Bewerbungsphase haben wir gesehen, was alles im Argen liegt“, berichten die beiden Pädagogen.

Also wurden die Ärmel hochgekrempelt, und ein neues Leitbild für das DBG entwickelt. „Wohlfühlen geht doch über eine Bio-Mahlzeit hinaus“, beschreibt Bäcker ihre Visionen von damals. „Die Tür hier ist immer auf.“

„Es gibt keine Vorschriften in welche Richtung zu denken ist. Fehler sind keine Fehler. Und einen Tellerrand gibt es ohnehin nicht“, ergänzt Altwicker. Sie skizziert eine Denke, die einiges im DBG verändert hat.

So tickt das DBG
Frank Bäcker und Sandra Alwicker berichten im aktuellen Schulbrief vüber den Gewinn des Schulentwicklungspreises, skizzieren den schwierigen Weg dorthin, sowie den roten Faden der Schulentwicklung.

Ja, wir wollen digital sein, wir wollen Schüler:innen auf die digitale Gegenwart und Zukunft vorbereiten, aber gleichzeitig soziale Kompetenzen und Basisfähigkeiten im Blick behalten, und wir wollen auch Hühner im Innenhof.

Ja, wir wollen moderne Räume mit Monitoren, aber gleichzeitig nicht vergessen, dass unsere Schule am Waldrand unglaublich viele Möglichkeiten bietet und unseren Schulhof bauen wir einfach selbst.

Ja, wir sind Ganztagsschule, aber Elternmitarbeit wird bei uns groß geschrieben, gewollt und wertgeschätzt.

Ja, wir bereiten super auf das Abitur vor, aber gleichzeitig wollen wir mit den Schüler:innen meditieren und haben ihr Wohlergehen im Blick und wollen, dass sie selbstständig und mutig und bewusst in die Phase nach dem Schulabschluss treten.“

Gute Schule ausbauen

Nun gehört das DBG also zu den Schulen, die für ihr Engagement in punkto Gesundheitsförderung und Prävention ausgezeichnet wurden. Aber: Auf den Lorbeeren wolle man sich nicht ausruhen. Und das Thema weiter vorantreiben.

So werde man das Meditationszimmer weiter ausbauen. Und das Thema Klassenfahrten diskutieren. „Warum soll eine Schule nicht mal an der Aggertalsperre campen“, denkt Bäcker laut nach. Auch Selbstständigkeit und Herausforderungen sollen weiter gefördert werden. „DBG um die Welt“ sei ein schönes Beispiel gewesen.

Bei der Digitalisierung gebe es noch Luft nach oben, etwa bei den Prüfungsformaten. Warum nicht mal an Klassenarbeiten im Team denken? Die Zusammenarbeit in Unternehmen oder im Handwerksbetrieb gelte ja auch nicht als Täuschungsversuch, schmunzelt Bäcker.

Kleiner Zoo im Innenhof – die Hühner des DBG, Foto: Holger Crump

Mehr als nur ein Ort

Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken – da soll die Schulentwicklung nach Meinung von Bäcker und Altwicker hingehen.

Knapp 15.000 Euro sind nun in der Kasse, die es sinnvoll anzulegen gilt. „Das investieren wir gerne in die Gestaltung des Schulhofs“, so Bäcker zu den Planungen. Wenn möglich wolle man mit dem Preisgeld zudem die Pausenhalle ein wenig auf Vordermann bringen. Sitzgruppen seien zum Beispiel denkbar.

Schule sei eben mehr als nur ein Ort zum Lernen – das betonen die beiden immer wieder.

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Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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