Bei den Plänen für die Neugestaltung der Altenberger-Dom-Straße im zweiten, unteren Abschnitt hatte die Stadt bislang für eine preisgünstige Neuordnung des Verkehrsraums zugunsten der Radfahrer plädiert. Nun schlägt sie – trotz erheblicher eigener Bedenken – eine dritte Variante vor: 22 Parkplätze sollen bleiben, zu Lasten von Fußgängern und Radfahrern.

Nach wie vor ist die Umgestaltung der Altenberger-Dom-Straße im oberen, mit Geschäften belegten Abschnitt, heiß umstritten. Aber auch die Pläne für den unteren Teil, zwischen Leverkusener und Schlebuscher Straße, werden zunehmend unübersichtlich. Überraschend hat die Stadtverwaltung jetzt eine dritte Variante ins Ratsinformationssystem eingestellt – und plädiert für einen Auto-freundlichen Entwurf.

+ Anzeige +

Klar ist bislang nur, dass die Fahrbahn im kommenden Jahr für rund 1,5 Millionen Euro neu asphaltiert wird. Anschließend will die Stadtverwaltung die Verkehrsflächen neu markieren – und dabei den Straßenraum neu verteilen.

Variante 1: Mehr Platz für den Radverkehr

Für Radfahrer:innen sollten in der Variante 1 auf der einen Seite ein Schutzstreifen bergauf (darf von Autos überfahren werden) und ein echter Radfahrsteifen bergab (darf nicht überfahren werden) eingerichtet werden. Zwei Querungsstreifen sollten für mehr Barrierefreiheit sorgen.

Dafür sollten alle derzeit fast 50 Parkplätze in diesem Abschnitt wegfallen. Es wäre dann nicht einmal ein Halten mehr möglich, der ruhende Verkehr wurde auf die Privatgrundstücke verwiesen. Ein Vorschlag, der in einer Bürgerversammlung auf Widerstand traf – weil er für Paketdienste aber auch für Eltern, die ihre Kinder in die Kita bringen wollen, Probleme bringt.

Variante 2: Kreisverkehr

In der zweiten Variante (Vollausbau) würde die Kreuzung zur Schlebuscher Straße zusätzlich in einen Kreisverkehr umgebaut, für (nach aktuellem Stand) weitere rund 1,2 Millionen Euro. Dafür hatte es in der Bürgerversammlung viel Zuspruch gegeben.

Für die Radfahrer:innen soll es in dieser Variante (wie von den Fahrradverbänden empfohlen) einen gemeinsamen Geh- und Radweg bergauf und einem Radfahrstreifen bergab geben.

Diese zweite Variante ist nach Einschätzung der Stadt nicht wirtschaftlich, weil sehr teuer und die Kreuzung auch ohne Kreisverkehr gut funktioniert.

Überraschende Ergänzung

Daher hatte die Stadtverwaltung fristgerecht die Vorlage 0519/2022 ins Ratsinformationssystem eingestellt, in dem sie die Variante 1 zum Beschluss empfiehlt. In einer Pressemitteilung vom 16. November stellt sie die allerdings beide Varianten alternativ vor, verschweigt aber die eigene Empfehlung.

Am 17. November fügte die Stadtverwaltung dann (ohne weitere Mitteilung) einen „Nachtrag“ in der Tagesordnung im Ratsinformationssystem (siehe Dokumentation unten) ein, mit einer ganz neuen dritten Variante und einer neuen Beschlussempfehlung:

  1. Der Ausschuss für Mobilität und Verkehrsflächen beauftragt die Verwaltung, für den 2. Abschnitt zwischen Leverkusener und Schlebuscher Straße die Variante 3 (beidseitige Schutzstreifen und halbseitiges Gehwegparken) unter Vorbehalt der abgeschlossenen Prüfung durch die Ordnungsbehörde, Verkehrsflächen und der Polizei zur Entwurfsplanung auszuarbeiten.
  2. Falls die Variante 3 nach der Prüfung nicht umsetzbar ist, beauftragt der Ausschuss für Mobilität und Verkehrsflächen die Verwaltung, die Variante 1 (Umbau im Bestand) prioritär zu verfolgen.

Variante 2: halbseitiges Gehwegparken

Diese neue Variante 3 sieht vor, dass 22 Parkplätze erhalten bleiben: die Autos sollen in geeigneten Abschnitten zur Hälfte auf der Straße und zur Hälfte auf dem Gehweg stehen. (Eine Variante, die schon in der Laurentiusstraße zu einer überraschenden Lösung geführt hatte.)

Der notwendige Platz wird zum einen dem Fußweg weggenommen. Was rechtlich aber nur in Ausnahmefällen möglich sei, wie die Stadt selbst anführt.

Zum anderen reicht auch für den Radfahrstreifen der Platz dann nicht mehr aus, sondern auch bergab nur für einen Radschutzstreifen. Das, so die Stadt, „kann zu einem Gefährdungspotential für den Radverkehr führen“.

Dennoch ringt sich die Stadtverwaltung in der Vorlage zu einer Empfehlung für Variante 3 durch. Als Begründung wird die „kontroverse Diskussion um den Wegfall der Parkplätze“ angeführt.

Sie bekräftigt zwar ihre grundsätzliche Haltung: „Aus Sicht der Verwaltung sollten Parkflächen nach Möglichkeit nicht zu Lasten der schwächsten Verkehrsteilnehmenden gehen.“ Da auf dem Fußweg jedoch relativ wenige Leute unterwegs seien könne man in diesem Fall jedoch darüber hinweg sehen.

Auf die potenzielle Gefährdung der Radfahrer geht die Verwaltung in der Empfehlung nicht weiter ein.

Allerdings behält die Stadt eine Hintertür offen: Sollte Variante 3 doch nicht möglich sein, zum Beispiel aus rechtlichen oder baulichen Gründen, sollte doch Variante 1 weiter verfolgt werden.

Die Varianten werden nun im Ausschuss für Verkehrsflächen und Mobilität am 22. November diskutiert und in einem sogenannten „Maßnahmenbeschluss“ vorläufig entschieden. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Dokumentation

Die ursprüngliche Beschlussvorlage (für Variante 1)

Die neue Beschlussvorlage: Für Variante 3

image_pdfPDFimage_printDrucken

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

26 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. „Parkplätze zum Nachteil aller Verkehrsteilnehmenden“ – Sind mit dem Auto fahrende Menschen keine Verkehrsteilnehmenden?

    „ADFC empfiehlt eine Vertagung“ – Ist der ADFC ein Verband, der den gewählten Ratsmitgliedern Empfehlungen aussprechen kann bzw. ausspricht?

    „fauler Kompromiss“ -Ist ein Kompromiss faul, wenn er nicht alle Belange der Radfahrenden berücksichtigt?

    „ewig gestrigen“ – Obliegt Menschen, die sich für Radfahrer einsetzen die Beurteilung welche Maßnahmen modern sind oder wollen sie nur ihre eigenen Interessen durchsetzen?

    „indiskutabele Variante 3“ – Macht es Sinn, von vornherein Gespräche über etwaige Lösungen auszuschließen?

    „Drei Mal sind wir als Bündnis „Kidical Mass“ hier in Bergisch Gladbach mit insgesamt fast 1000 Teilnehmenden schon auf die Straße gegangen“ – Wer ist wir? Hat sich Frau Baierl vor Ihrem Post/Kommentar mit den von ihr angeführten 1000 Teilnehmenden oder mit sonst wem abgestimmt?

    „moralisches Unrecht“ – Kann es moralisches Unrecht sein, demokratisch über die Planung einer Verkehrsführung abzustimmen?

    „Zu Gunsten von parkenden Autos sollen hier RadfahrerInnen und FußgängerInnen zum Teil erheblichen Gefahren ausgesetzt werden.“ – Welchen gefahren werden die Radfahrer und Fußgänger ausgesetzt?

    „Die Führung des Radverkehrs auf der Fahrbahn kommt einer Abschussgenehmigung gleich.“ – Möchten man der Verwaltung unterstellen, dass sie vorsätzlich den Radverkehr gefährdet?

    „Die Stadt sollte schon mal den Rettungsdienst aufstocken!“ – Warum, verschlechtert sich durch Variante 3 der bisherige status Quo, so dass mit einer Zunahme von Unfällen zu rechnen ist?

    „Jedes Ausschussmitglied, das das durchwinkt, sollte zur Strafe diese Strecke dann auch täglich fahren müssen.“ – Wie kann man sich anmaßen, die Mitglieder des Rates für demokratischen Entscheidungen „bestrafen“ zu wollen?

    Alle diese Zitate zeigen, wie destruktiv und populistisch die Diskussion letztlich von den wenigen, aber wohl auf ihre eignen Interessen bedachten Protagonisten hier geführt wird. Ist das zielführend? – Sicherlich nicht. Sollten sich Politik und Verwaltung oder irgendjemand anderes hiervon beeindrucken lassen? -Wohl hoffentlich auch nicht.

    1. Ich versuche mal sachlich, so wie viele der Kommentare hier in meinen Augen, einige Antworten auf Ihre Fragen:

      * Autofahrer*innen sind auch Verkehrsteilnehmende
      * der ADFC Kreisverband (bzw. die Radverbände) spricht nicht nur Empfehlungen und Einschätzungen an die Ratsfraktionen aus, sondern wird von der Stadtverwaltung als Experte in Radinfrastruktur Themen aktiv eingebunden und erarbeitet proaktiv alternative Vorschläge z.B. https://in-gl.de/2022/10/17/schildgen-radverbaende-legen-kompromiss-vorschlag-vor/
      * „fauler Kompromiss“, weil er vollkommen unzureichend die Belange (s. auch Gefahren) der Radfahrenden, aber vor allem auch von Kindern und Jugendlichen auf ihrem Schulweg berücksichtigt und Fußgänger*innen durch massive Verengung von Gehwegen benachteiligt (vgl. auch Vorschlag ADFC – Link oben)
      * Kidical Mass, das bundesweite Bündnis teilt unter http://www.kinderaufsrad.org seine Forderungen. Diese sind u.a. in einer Petition an den Bürgermeister übermittelt worden (s. Link im entsprechenden Kommentar). Daher kann man davon ausgehen, dass Frau Beierl, die sich mit den Organisatoren der lokalen Initiative abgestimmt hat, in einem hohen Maße auch für die Teilnehmenden der vergangenen drei Veranstaltungen spricht.
      * Gefahren von Schutzstreifen und engen Gehwegen sind in weiteren Kommentaren mehrfach detailliert beschrieben

      Ich hoffe , ich konnte in diesen Punkten für Klärung sorgen.

    2. Sehr geehrte Elena, da ein großer Teil der Zitate von mir stammt, nehme ich gerne dazu Stellung (soweit möglich auch zu anderen Punkten)

      Der Einfachheit halber habe ich Ihren Kommentar kopiert und ergänze ihn an den jeweiligen Stellen:

      „Parkplätze zum Nachteil aller Verkehrsteilnehmenden“ – Sind mit dem Auto fahrende Menschen keine Verkehrsteilnehmenden?
      Doch, natürlich sind auch AutofahrerInnen Verkehrsteilnehmende. Finden Sie es vorteilhaft, wenn diese sich auf der Fahrbahn in Schlangenlinien um geparkte Autos herum bewegen müssen und sich den knappen Raum mit Radfahrenden teilen müssen, obwohl eine räumliche Trennung möglich wäre?

      „ADFC empfiehlt eine Vertagung“ – Ist der ADFC ein Verband, der den gewählten Ratsmitgliedern Empfehlungen aussprechen kann bzw. ausspricht?
      Ja, der ADFC wird sogar um Rat und Stellungnahme gebeten, da dort Expertenwissen vorhanden ist.

      „fauler Kompromiss“ -Ist ein Kompromiss faul, wenn er nicht alle Belange der Radfahrenden berücksichtigt?
      Nein, dieser Kompromiss ist faul, weil er nur die Interessen der AutoPARKENDEN berücksichtigt. Er berücksichtigt die Interessen von AutoFAHRENDEN nicht ausreichend (s. oben) geschweige denn die Interessen von Rad- und Fußverkehr.

      „ewig gestrigen“ – Obliegt Menschen, die sich für Radfahrer einsetzen die Beurteilung welche Maßnahmen modern sind oder wollen sie nur ihre eigenen Interessen durchsetzen?
      Dass die Mobilität der Zukunft anders aussehen muss als die der Vergangenheit und der Gegenwart, ist hoffentlich jedem klar. Leider sieht man davon in diesem Vorschlag nicht viel.

      „Zu Gunsten von parkenden Autos sollen hier RadfahrerInnen und FußgängerInnen zum Teil erheblichen Gefahren ausgesetzt werden.“ – Welchen gefahren werden die Radfahrer und Fußgänger ausgesetzt?
      Wenn Sie sich die Mühe machen und die Beschlussvorlage samt Zeichnung ansehen, werden Sie sicher sehen was ich meine.
      Der „Schutzstreifen“ wird im Verlauf des Straßenabschnitts viermal vom Fahrbahnrand um die halbseitig parkenden Autos herum zur Fahrbahnmitte hin verschwenkt. Das bedeutet, dass ich jedesmal wenn ich einem parkenden Auto ausweiche darauf hoffen muss, dass der/die Autofahrende hinter mit sich darüber bewusst ist, dass ich gleich ausschere und nicht genau dann zum Überholen ansetzt. Erfahrungsgemäß klappt das eher nicht so gut. Man muss dabei auch bedenken, dass auf dieser Strecke neben anderen vielleicht unsicheren RadfahrerInnen auch viele SchülerInnen unterwegs sind, die je nach Alter einfach noch nicht über die nötige Erfahrung verfügen. Auf den Gehweg dürfen Sie aber auf Grund ihres Alters nicht mehr. Ein gewisses Tempo wird auf der Fahrbahn (zumal bergab) allerdings auch erreicht und auch erwartet. Sonst ist wieder von „selbsternannten Stauführern“ die Rede.
      Für FußgängerInnen wird der Gehweg an den Parkbuchten deutlich schmaler. Das erhöht das Konfliktpotential mit den parkenden Autos (Türen) und auch mit den doch regelwidrig auf dem Gehweg fahrenden RadfahrerInnen. Denn die dürften bei dieser katastrophalen Verkehrsführung eher mehr als weniger werden.

      „Die Führung des Radverkehrs auf der Fahrbahn kommt einer Abschussgenehmigung gleich.“ – Möchten man der Verwaltung unterstellen, dass sie vorsätzlich den Radverkehr gefährdet?
      JA! Darauf läuft es hinaus. Die Verwaltung zeigt in ihrer Beschlussvorlage die Kritik- und Konfliktpunkte selbst deutlich auf, rät aber trotzdem zu dieser Variante. Das nenne ich vorsätzlich.

      „Die Stadt sollte schon mal den Rettungsdienst aufstocken!“ – Warum, verschlechtert sich durch Variante 3 der bisherige status Quo, so dass mit einer Zunahme von Unfällen zu rechnen ist?
      s. oben

      „Jedes Ausschussmitglied, das das durchwinkt, sollte zur Strafe diese Strecke dann auch täglich fahren müssen.“ – Wie kann man sich anmaßen, die Mitglieder des Rates für demokratischen Entscheidungen „bestrafen“ zu wollen?
      Ich finde es nur fair, wenn man die Konsequenzen seiner Entscheidungen auch tragen muss. Zu entscheiden, wenn es mich nicht selbst betrifft, ist manchmal einfach. Die Konsequenz in diesem Fall ist eine gefährliche Streckenführung. Vielleicht würde der/die ein oder andere anders entscheiden, wenn er/sie selbst betroffen wäre.

      Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiter helfen und Ihren Horizont erweitern.

      Und JA: Ich hoffe sehr, dass sich Politik oder Verwaltung hiervon beeindrucken lassen. Sie lassen sich ja auch regelmäßig von den Protesten der Autofahrenden und besonders der Autoparkenden beeindrucken.

  2. Könnte man nicht einfach versuchen, die Parkplätze an der Straße zu entfernen und dafür eine Parkpalette in Zentrumsnähe bauen?

    https://www.tim-online.nrw.de/tim-online2/

    Ausfahrt zwischen Herz Jesu und Hausnr. 132
    Entschädigung und Abriss der Hütten auf Flurstück 3251/3250

    2-3 stöckige Parkpalette zwischen Bolzplatz (2239) und Hausnummer 126 (2169/3252/3253)
    Einfahrt zwischen Hausnr. 128 und 130

    Somit schafft man Platz für den fließenden Verkehr, ermöglicht aber dennoch zentrumnahes Parken.

    1. Sie sind gedanklich im falschen Abschnitt der Altenberger-Dom-Straße. In der aktuellen Beschlussvorlage geht es um den Abschnitt Hausnummer 154-200.

    2. Die Ausfahrt zwischen Kirche und Hausnr. 132 ist im übrigen die Zuwegung zum dahinter liegenden Kindergarten (Hausnr. 136) sowie zu Hausnr. 138 mit Privatwohnungen, KÖB und Caritasberatungsbüro. Ich halte diese Situation nicht geeignet für eine Parkpaletten-Ausfahrt.

  3. Einschätzung des ADFC Rheinberg-Oberberg e.V.
    Quelle: Facebook

    „Die Stadtverwaltung sieht in ihrem neusten Vorschlag, der mehrfach verschwenkte Schutzstreifen und halbseitiges Gehwegparken vorsieht, eine „klare Kompromisslösung“. Sanierte barrierefreie Gehwege, bauliche Radwege oder geschützte Radfahrstreifen, wie durch den ADFC empfohlen und in Variante zwei inkludiert, scheinen für sie Geschichte. Parkplätze zum Nachteil aller Verkehrsteilnehmenden, aber vor allem zu Lasten des Rad- und Gehverkehrs, scheinen erneut von eigentlich längst vergangener Priorität.

    Der ADFC hat sich gestern in einem Schreiben an die Stadt und die politischen Fraktionen deutlich positioniert. Er empfiehlt eine Vertagung. Die zahlreichen Abweichungen der Variante 3 zu den geltenden Regelwerken (StVO und VwV der StVO, RAST, ERA und EVA) müssten vor Beschluss durch den zuständigen Ausschuss geprüft werden. Auch die Bewertung des technischen Aufwandes und der Kosten, sowie der zeitlichen Umsetzbarkeit der Prüfpunkte (Kreisverkehr, gem. Geh-u. Radweg, etc.) aus Variante 2 sei unzureichend.

    Letztere bewertet der Vorstand des Kreisverbandes erneut als Gewinn an Verkehrssicherheit und unterstreicht die damit zu erreichende nachhaltige Unterstützung der notwendigen Verkehrswende.“

  4. Herr Migenda nennt das einen „klaren Kompromiss“.

    „Kom•pro•miss
    Substantiv, maskulin oder Substantiv, Neutrum [der]

    Übereinkunft, Einigung durch gegenseitige Zugeständnisse“

    Die einzigen, die hier Zugeständnisse machen, sind der Fuß- und der Radverkehr.

    Das nennt man dann wohl einen „faulen Kompromiss“.

    „Ein „fauler Kompromiss“ ist eine Variante, bei der nur scheinbar ein Kompromiss erzielt wurde – in Wahrheit aber eine Partei den Kürzeren gezogen hat, und dies nicht gemerkt wurde bzw. unter den Tisch gekehrt wird.„

  5. Schade- ich hatte wirklich die Hoffnung, dass sich unsere Stadt vielleicht doch in eine moderne, aktuellen, zukunftsgewandten Verkehrskonzepten zugewandte Stadt entwickelt. Ich befürchte jedoch, die ‚ewig gestrigen‘ werden sich am Ende des Tages wieder durchsetzen. Am interessantesten finde ich die Begründung ‚für Eltern, die Ihre Kinder in die Kita bringen wollen‘. Ja, das habe ich vor 15 Jahren auch gemacht- per Rad, gefolgt von einer 20 km langen Radfahrt nach Köln zur Arbeit (letzteres heute immer noch).

  6. Der plötzliche Vorstoß mit der indiskutabelen Variante 3 erweckt den Anschein, dass die Stadt von der Variante 2 (die der Fahrradverbände) ablenken möchte. Die Diskussion soll sich um die Parkplätze drehen und weil es aufgrund von Sicherheitsabständen ohnehin nicht möglich ist, es letztendlich die erste (städtische) Variante wird. Dies darf aus Verkehrssicherheitsgründen nicht passieren!

    Beide städtischen Varianten (1 & 3) setzen auf die gefährlich engen Schutzstreifen. Gründe dagegen sind hier in den Kommentaren genügend genannt.

    Die Variante 2 benötigt keine Mehrkosten. Jeder weiß, dass die Gehwegoberfläche ohnehin erneuert und ebenfalls der westliche Gehweg verbreitert werden sollte. Somit ist die Variante kostenneutral! Ob es letztendlich ein Kreisverkehr wird oder nicht, ist nicht an diese Variante gekoppelt und muss unabhängig davon betrachtet werden.

  7. Den Begriff des „Schutzstreifens“ halte ich für einen üblen Euphemismus. Wie soll mich ein so schmaler Streifen schützen, der mich rechts eng an die parkenden Autos zwingt und links die überholenden Autos nicht auf Abstand bringt? Dann lieber ganz ohne!

  8. Drei Mal sind wir als Bündnis „Kidical Mass“ hier in Bergisch Gladbach mit insgesamt fast 1000 Teilnehmenden schon auf die Straße gegangen und setzten uns auch in anderen Bereichen für sichere Kita- und Schulwege ein.
    Von der Verwaltung gab es ermutigende Worte, z.B. von Herrn Stein bei der Übergabe von 560 Unterschriften für sichere Schulwege, der sich sehr zuversichtlich zeigte, dass auch in Schildgen bald mehr Sicherheit für Kinder und Jugendliche gewährt wird. (Quelle: https://in-gl.de/2022/05/30/560-unterschriften-fuer-ein-kinder-und-radfreundliches-gl/)

    Der hier beschriebene Vorschlag 3 der Stadtverwaltung hingegen ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die die Hoffnung hatten, dass in Schildgen sicheres Radfahren möglich wird:

    Der aufgemalte Schutzstreifen bringt keinerlei Sicherheit für Radler*innen. Dies ist nicht nur ein Gefühl, sondern von Langzeitstudien belegt. Überholabstände von 1,50m werden neben Schutzstreifen in den allerwenigsten Fällen eingehalten – wie Radler*innen im oberen Teil der ADS schon heute allzuoft erleben müssen.

    50 cm „Sicherheitstrennstreifen“ zwischen parkenden Autos und „Schutzstreifen“? Radverbände und -experten raten eher zu 1m-1,20m Abstand, um bei einer sich öffnenden Autotür unbeschadet zu bleiben. (Auch die Rechtssprechung sieht hier z.B. mehr als 90 cm vor: Thüringer OLG Jena, Az. 5 U 596/06)

    Um eine sichere Infrastruktur für Radfahrende zu schaffen, fordern wir BAULICH getrennte Radwege. Dort können Kinder selbständig zur Schule oder zu den Freizeitaktivitäten fahren (ab 11 dürfen sie nicht mehr auf dem Gehweg fahren) und auch andere Menschen trauen sich eher, das Auto stehenzulassen und das Rad zu nehmen – ein wichtiger Schritt zur Verkehrswende, an der ja auch die Stadt interessiert sein muss.

    Auch die Maßnahme, den Fußweg zu verengen sehen wir sehr kritisch: Im betroffenen Abschnitt liegt direkt die AWO-Kita, es ist der Weg zu diversen Kindertagespflegeeeinrichtungen und auch zahlreiche Schüler*innen der Concordia-Schule nutzen den Gehweg.

      1. Kein Problem, Melanie Baierl mein Name. Da ich für das Aktionsbündnis Kidical Mass geschrieben habe, auch so unterschrieben.
        Ich persönlich fahre den benannten Abschnitt mindestens zwei Mal am Tag mit dem Rad. Eine Veränderung nach Vorschlag 3 wird keineswegs dafür sorgen, dass ich dort sicherer fahren kann. Im Mischverkehr, selbst bei Tempo 30, würde ich mich auch nicht sicher fühlen, v.a. beim dem Verkehrsaufkommen und Schwerlastverkehr.

  9. Schutzstreifen sind als gefährdend einzuordnen, da u.a. gesetzlich vorgeschriebene und notwendige Überholabstände zu Radfahrenden oft unterschritten werden. Dies bestätigt eine aktuelle Studie, die vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) und den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern ausgezeichnet wurde, erneut.

    „Mit der StVO-Novelle im Jahr 2020 wird ein Mindestabstand beim innerörtlichen Überholen zwischen Kfz- und Radverkehr von 1,50 Metern gesetzlich festgelegt. Studien, die vor der StVO-Novelle durchgeführt wurden, zeigen, dass in der Regel mit geringeren Abständen überholt wird.“

    „Auf Strecken mit Schutzstreifen sind die ÜHA (Anm.: Überholabstände) dabei am geringsten [..] Insgesamt decken sich die Ergebnisse der vorliegenden Erhebung mit vorherigen Untersuchungen. Trotz der StVO-Novelle liegen die Abstände in der Praxis im Durchschnitt unter den geforderten 1,50 Metern.“

    https://www.uni-weimar.de/de/bauingenieurwesen/professuren/verkehrssystemplanung/aktuelles/titel/absolventin-wiebke-mros-mit-foerderpreis-des-deutschen-verkehrssicherheitsrats-ausgezeichnet

    Ganz Zurecht also hat die Ampelmehrheit im Koalitionsvertrag die grundsätzliche Forderung nach echten, bzw. am besten geschützten Radfahrstreifen s.g. „Protected Bike Lanes“ statt „Schutzstreifen“ verankert.

    https://www.gruene-bergischgladbach.de/koalitionsvertrag-2020-2025-mit-spd-fdp-im-stadtrat-bergisch-gladbach

    Auch die CDU Bergisch Gladbach und ihr Radbeauftragter Robert Martin Kraus hatte vor Jahresfrist erkannt, dass bauliche Radwege und geschützte Radfahrstreifen den Schutzstreifen vorzuziehen sind. Sie fordern, dass Radfahrstreifen zur „Regel-Lösung“ entwickelt werden sollen und wenn möglich über das vorgeschriebene Mindestmaß hinausgehen.

    https://in-gl.de/2021/10/08/cdu-geht-beim-radverkehr-in-die-offensive

    Allein unter Berücksichtigung dieser Thematik, dass weder ein eigentlich technisch möglicher Radfahrstreifen (Var. 1) noch ein gemeinsamer Geh-Radweg im geschützten Seitenraum (Var. 2) länger Berücksichtigung finden, sondern durch gleich mehrfach in die relativ schmale Kernfahrbahn verschwenkende Schutzstreifen ersetzt werden sollen, darf dieser Vorschlag wie unter Variante 3 beschrieben im Ausschuss keine Mehrheit finden und muss über alle Parteigrenzen hinweg kategorisch abgelehnt werden.

    Dabei sind die deutlichen Einschränkungen für Fußgänger*innen, fehlende Barrierefreiheit, die Gefährdung von Schulkindern und die auch von der Stadtverwaltung benannten Unterschreitungen der geforderten Restgehwegbreiten im Bereich des halbseitige Gehwegparkens noch nicht einmal bewertet. (vgl. Kapitel „Legales Gehwegparken“, Parken auf Gehwegen Problematik – Rechtslage – Handlungsbedarf Zweite, erweiterte Auflage)

    https://www.fuss-ev.de/images/Downloads/gehwegparken.pdf

  10. Man kann es nur endlos wiederholen: Eine allen Verkehrsteilnehmern gerecht werdende Lösung liegt einzig und allein in einer Umgehungsstraße.

    1. Die Planungen zu einer Umgehungsstraße sind seinerzeit auch am Widerstand der Anwohner gescheitert. Die Verwaltung hält die Realisierung eines solchen Projekts für unmöglich, da die entsprechenden Grundstücke mittlerweile bebaut sind. Und selbst wenn das möglich wäre, würden wir die Realisierung wahrscheinlich nicht mehr erleben.

  11. Sollte von den „wenigen Fußgängern“ mal jemand (möglicherweise tödlich) verunglücken, werden Verwaltung und Autofahrer fein raus sein. Es wird dann rein rechtlich heißen: „selbst schuld, ätschi-bätsch“. Allerdings sollte man zwischen formal-juristischem und moralischen Unrecht trennen.

    1. Auch für Radfahrende ist das sehr gefährlich bergab an parkenden Autos vorbei fahren zu müssen. Sollte das umgesetzt werden, werde ich auf jeden Fall mind. 1m Abstand zum ruhenden Verkehr halten

      1. Der Abstand zu parkenden Autos sollte sowieso immer zum Eigenschutz eingehalten werden. Und wenn die Verwaltung das Thema Tempo 30 in der notwendigen Art beschleunigen würde, wäre die gemeinsame Nutzung der Straße durch Radler und Autos schon bald erheblich sicherer.

  12. Zu Gunsten von parkenden Autos sollen hier RadfahrerInnen und FußgängerInnen zum Teil erheblichen Gefahren ausgesetzt werden. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
    Die Führung des Radverkehrs auf der Fahrbahn kommt einer Abschussgenehmigung gleich. Schutzstreifen? Dass ich nicht lache. Gleich vier Mal im Verlauf der Strecke wird der „Schutzstreifen“ zur Fahrbahnmitte verschwenkt.
    Schulkinder im Berufsverkehr da runter schicken?
    Die Stadt sollte schon mal den Rettungsdienst aufstocken!
    Wer hat sich diesen Wahnsinn einfallen lassen?
    Jedes Ausschussmitglied, das das durchwinkt, sollte zur Strafe diese Strecke dann auch täglich fahren müssen.