Foto: Thomas Merkenich

Für den zweiten Abschnitt von Schildgens Hauptverkehrsader hatte die Verwaltung in letzter Minute eine dritte Variante vorgelegt und als Kompromiss etikettiert. In allerletzter Minute in der Sitzung des Verkehrsausschusses zogen die Grünen eine weitere Variante aus der Tasche, die einem Kompromiss zwischen Rad- und Autofahrern auf der Altenberger-Dom-Straße näher kommt – und beschlossen wurde.

Um die Altenberger-Dom-Straße im unteren Teil, zwischen Leverkusener und Schlebuscher Straße, für Radfahrer komfortabler und sicherer zu machen, hatte die Stadtverwaltung zunächst vorgeschlagen, für einen Radschutzstreifen alle knapp 50 Parkplätze zu entfernen. Nach massiver Kritik der Bürger:innen vollzog sie eine Kehrtwende und bot den Erhalt von 22 Stellplätzen an, zu Lasten von Radfahrern und Fußgängern.

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Der Protest der Radlerverbände und auch der Grünen war absehbar. In der Sitzung des Ausschusses für Verkehrsflächen und Mobilität (AVM) am Dienstagabend präsentierten die Grünen einen brandneuen Vorschlag, der noch in der Nacht nach dem Koalitionsbruch entworfen worden war – und daher zunächst nicht einmal schriftlich vorlag.

Im Kern sieht dieser Kompromiss vor, nicht 22 Stellplätze zu erhalten, sondern deutlich weniger in zwei statt fünf Parkbuchten. Damit würde der Radschutzstreifen bergab in Richtung Odenthal zwar nicht mehr Platz bekommen, würde aber nicht so oft verschwenkt werden müssen.

Auf der gegenüberliegenden Seite schlagen die Grünen vor, zu prüfen, ob dort nicht ein gemeinsamer Geh- und Radweg als Hochbord möglich ist (statt eines Radschutzstreifens). Zudem soll die Verwaltung untersuchen lassen, wie man Ausweichverkehre und Parkdruck in den angrenzenden Seitenstraßen vermeiden kann.

Hinweis der Redaktion: Wir dokumentieren den ganzen Änderungsantrag unten

Damit, so die Grünen, reagiere man auf die nachvollziehbaren Wünsche der Anwohner, wenigstens einige Parkplätze zum Beispiel für Lieferdienste zu erhalten.

Im Prinzip handele es sich hier um eine Kombination der Varianten 2 und 3, ohne den von vielen Bürger:innen in Schildgen gewünschten, aber teuren Kreisverkehr.

Die CDU monierte, dass es nicht Sache des Ausschusses sei, sich so tief in die Arbeit der Verwaltung einzumischen und vorzuschreiben, welche Radwege als Hochbord angelegt werden und welche nicht.

Die FWG betonte, es müsse eine Lösung gefunden werden, die von einem großen Teil der Bevölkerung getragen werden könne. Der Vorschlag der Grünen komme einem solchen vernünftigen Kompromiss gleich.

Dem Vorschlag (Teil 1) stimmten Grüne, SPD, FWG und auch FDP zu – gegen CDU und AfD.

Dem zweiten Teil (Hochbord bergauf prüfen) stimmte dann auch die CDU zu.

Dokumentation: Der Antrag der Grünen

I. Der Ausschuss für Mobilität und Verkehrsflächen beauftragt die Verwaltung, für den 2. Abschnitt der Altenberger-Dom-Straße zwischen Leverkusener und Schlebuscher Straße die Variante 3 (beidseitige Schutzstreifen und halbseitiges Gehwegparken), allerdings mit nur 2 Parkbuchten mit wenigen Parkplätzen unter Vorbehalt der abgeschlossenen Prüfung durch die Ordnungsbehörde, Verkehrsflächen und der Polizei zur Entwurfsplanung auszuarbeiten.

II. Zusätzlich wird die Verwaltung beauftragt, zu prüfen, ob ein gemeinsamer Geh- und Radweg in Hochbordbauweise auf der westlichen Seite bis Ende 2024 herstellbar ist. In dem Fall sollen Fördermittel aus dem Landes-Programm Nahmobilität (80%) beantragt werden.

III. Falls ein gemeinsamer Geh- und Radweg in Hochbordbauweise nicht umsetzbar ist, beauftragt der Ausschuss für Mobilität und Verkehrsflächen die Verwaltung, die Variante 3 wie unter I beschrieben (Umbau im Bestand) zu verfolgen.

IV. Falls die Variante 3 weder mit noch ohne Hochbord umsetzbar ist, beauftragt der Ausschuss für Mobilität und Verkehrsflächen die Verwaltung, die Variante 1 (Umbau im Bestand) zu verfolgen.

V) Der Ausschuss für Mobilität und Verkehrsflächen beauftragt die Verwaltung, einen weiteren Auftrag zu vergeben, der sich mit Ausweichverkehren und Parkdruck in den Wohngebieten von Schildgen befasst und hierzu Lösungsvorschläge erarbeitet. 

Fraktion Die Grünen
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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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6 Kommentare

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  1. Auch ein Hochboardsteig für Fußgänger und Radfahrer funktioniert nur, wenn man Rücksicht aufeinander nimmt. Aber auch da sind die Fußgänger im NAchteil, weil, wenn es auch nicht alle sind, viele Radfahrer sich ihrem Durchsetzungvermögen sicher sind und es auch einsetzen. In Gladbachs Fußgängerzone jeden Tag zu sehen. Was wäre, wenn nun die Fahrradlobby samt den gleichnamigen Verbänden ihre Klientel statt dauernd von allen Vorwürfen freizu- und ihnen freie Fahrt überall zu ver-sprechen , nahelegen würden, dass sie sich nicht alleine auf der Straße befinden und gefälligts Rücksicht üben sollten?

  2. Die FDP hat den Änderungsantrag mitgetragen, da sie maßgeblich in Zusammenarbeit mit Grünen und SPD nach Kenntnisnahme von Variante III daran mitgewirkt hat. Unmittelbar im Vorfeld der Ausschußsitzung wurden noch 2 Änderungen ergänzt, die es auch der FWG ermöglichten, diese Kompromißlösung unter Berücksichtigung der vielen Vorschläge der Bürger und Interessensvertretungen, zuzustimmen. Ein gelungenes Beispiel für interfraktionelle Zusammenarbeit, die die FDP auch für die Zukunft anstrebt.

  3. Wir Grüne und SPD haben das Hochbord vorgeschlagen, weil nur so die SchülerInnen aus Nittum etc., die nach Odenthal zur Schule fahren, sicher nach Hause kommen. Gleiches gilt für die Jugendlichen, die im neuen Feuerwehrhaus eine Jugendfeuerwehr bilden werden. Zugleich ermöglicht diese Lösung den Bringdiensten, kurz am Straßenrand zu halten.

    Diese Argumente haben auch die CDU überzeugt – der Beschlußteil II wurde einstimmig verabschiedet!
    Wir freuen uns mit Augenmaß eine Lösung gefunden zu haben, die vielen VerkehrsteilnehmerInnen nützt.

  4. Auch hier zeigt sich einmal mehr, wie unglaublich ideologisch hier die Debatten geführt werden. „ Die FWG betonte, es müsse eine Lösung gefunden werden, der von einem großen Teil der Bevölkerung getragen werden.“ Hier wird aber nur für die NICHT VORHANDENEN RADFAHRER und GEGEN die ANLIEGER entschieden.

    1. Oh, ich bin nicht vorhanden? Das wusste ich noch gar nicht.
      Dutzende Schüler, die von Schildgen nach Odenthal zur Schule fahren, sind nicht vorhanden?
      Was für eine arrogante Weltsicht.
      Vielleicht sollten Sie mal in der Realität ankommen, Herr de Lamboy.

    2. Wo sehen Sie, dass der Beschluss GEGEN die Anlieger gefasst wurde? Die in einer Informationsveranstaltung monierten Haltemöglichkeiten (zB für Lieferverkehre) sind in der beschlossenen Variante enthalten.
      Die ABD ist eine wichtige Route zum Schulzentrum Odenthal. Auch wird in naher Zukunft die neue Feuerwache mit einer Kinder- und Jugendfeuerwehr eröffnet. Die Kinder und Jugendlichen sollten eine sichere Infrastruktur für ihre Wege bekommen!