GGS-Hebborn: Katrin Braun und Wiebke Grewe
Die sozialpädagogische Fachkraft Katrin Braun (links) und Konrektorin Wiebke Grewe (rechts) der GGS Hebborn präsentieren ihre Ideen.

Der Missbrauchsfall von 2019 hat in Bergisch Gladbach Folgen: Viele Grundschulen der Stadt schließen sich zusammen und positionieren sich klar gegen jede Form von Gewalt. Mit einem Projekttag wird diese Initiative nun durch die Schüler:innen in die Öffentlichkeit getragen.

Vor vier Jahren hatte ein massiver Missbrauchsskandal Bergisch Gladbach erschüttert, viele Bürgerinnen und Bürger schockiert. Eine von ihnen ist Wiebke Grewe, sie ist Mutter von vier Kindern – und der Fall hatte sich in ihrer direkten Nachbarschaft ereignet.

Grewe ist auch Konrektorin der Gemeinschaftsgrundschule Hebborn, arbeitet jeden Tag mit Kindern, die ebenfalls Missbrauchsopfer werden könnten. Aus diesem Wissen heraus hat sie die Initiative ergriffen und das Gemeinschaftsprojekt „Starke Kinder – starke Schulen“ entwickelt. „Die Öffentlichkeit muss auf dieses wichtige und ernste Thema aufmerksam gemacht werden. Es muss etwas gegen jegliche Form von Gewalt getan werden,“ fordert Grewe.

Entwicklung eines Schutzkonzeptes

Genau das hat sie gemacht: Seit 2019 hat sie – auch in Zusammenarbeit mit dem Kinderschutzbund – ein allgemeines Schutzkonzept entwickelt, damit Betroffene von (sexualisierter) Gewalt im schulischen Rahmen Hilfe finden können und die Würde jedes Einzelnen geschützt wird.   

„Wichtig ist dabei, dass sich alle Schulen in dem Konzept wiederfinden können“, betont Wiebke Grewe. Das allgemeine Schutzkonzept können die Schulen durch eigene Komponenten (u.a. Präventionsmaßnahmen, ein Verhaltenskodex oder ein gutes Beschwerdemanagement) ergänzen, die auf die individuellen Ziele und Ideen der jeweiligen Schule eingehen.

Begegnung auf Augenhöhe

In der Schule und im Unterricht gehe es vor allem darum, den Kindern zuzuhören und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Das bestehende Machtverhältnis zwischen Schüler:innen und Lehrkräften soll abgebaut werden.

„Die Kinder sollen wissen, dass sie gehört werden und dass man sie und ihre Anliegen ernst nimmt“, beschreibt Katrin Braun. Sie arbeitet als sozialpädagogische Fachkraft für die Schuleingangsphase an der Hebborner Schule und leitet eine Sprechstunde für die Kinder.

Hinweis der Redaktion: Diese Schulen sind bislang beteiligt: GGS Hebborn, GGS Heidkamp, KGS Hand, GGS Hand, Concordiaschule Schildgen, GGS Katterbach, GGS Paffrath, GGS Gronau, KGS Sand, GGS Moitzfeld, GGS Herkenrath und die OGS An der Strunde.

Aktionstag mit Demos Ende März

Die konkreten Ideen und Konzepte sollen bei einem Aktionstag am 29. März präsentiert werden. Geplant seien Demonstrationen durch Hebborn und Heidkamp und Kundgebungen auf den Schulhöfen verschiedener Schulen, die auf die Rechte von Kindern aufmerksam machen sollen.

Die Vorbereitungen dafür laufen an der GGS Hebborn bereits auf Hochtouren, zahlreiche Plakate, Transparente und Banner sind durch die Schüler:innen gestaltet worden. „Die Kinder arbeiten mit viel Herzblut und Engagement an diesem Projekt – sie brennen regelrecht dafür,“ erzählt Katrin Braun.

Kinderrat tagt im Rathaus

Auch eine Kinderratssitzung mit dem zuständigen Beigeordneten Ragnar Migenda sei im historischen Rathaus geplant. Dort sollen Schulsprecher:innen der Grundschulen ihre Anliegen präsentieren und diskutieren. Dadurch sollen die Schüler:innen lernen, wie Partizipation in der Gesellschaft funktioniert. Darüber hinaus sollen sie aber auch erkennen, dass sie mit ihren Worten etwas bewegen können.

Musikalisch begleitet wird der Aktionstag in Hebborn durch die Kinderbotschafter und Musiker Fug und Janina mit dem Lied „Wir sind Kinder mit Recht“.

Die KGS Sand wird am Aktionstag vor dem Edeka ein Kinderrechtslied singen, Plakate zeigen und Flyer verteilen. Auch ein Sponsorenlauf ist geplant, dessen Erlös den Kindern der KGS Sand und verschiedenen Kinderschutzprojekten zugute kommt.

Zur weiteren Information für die Eltern ist ein Elternabend in Hebborn in Planung. Dann soll Kriminalhauptkommissarin Susanne Krämer über Prävention von sexualisierter Gewalt sprechen. Auch Fortbildungen für Lehrkräfte werden initiiert, um auch zukünftig für mehr Achtsamkeit und Bewusstsein zu sorgen.

Das vollständige Schutzkonzept kann ab dem 29.03.2023 auf der Homepage der GGS Hebborn eingesehen werden.

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5 Kommentare

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  1. Solche Initiativen vermisse ich noch bei den kirchlichen Trägern. Vielleicht gibt es sie, sind mir jedoch nicht bekannt. Bekannt ist mir nur, dass die Ev. freikirchlichen Gemeinden bereits bevor Missbrauchsskandale öffentlich groß thematisiert wurden, ihre Kinder- und Jugendmitarbeiter verpflichten, an den Seminaren „Wege in die sichere Gemeinde“ der regionalen Gemeindejugendwerke teilzunehmen: https://www.gjw-nrw.de/freizeiten-events-schulungen/

    1. Lieber Herr Richter,
      zur evangelischen Landeskirche kann ich Ihnen Auskunft geben.
      Im Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch und den angegliederten Gemeinden und Einrichtungen gibt es seit 2019 Schutzkonzepte zur Prävention sexualisierter Gewalt, die laufend verbessert werden. Enthalten sind u.a. Risikoanalysen und Schulungen der Haupt- und Ehrenamtlichen. Falls es Sie interessiert, hier finden Sie das Schutzkonzept des Kirchenkreises: Schutzkonzept – Evangelischer Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch (kirchekoeln.de) In Verdachtsfällen gibt es mehrere Vertrauenspersonen – Frauen und Männer, Haupt- und Ehrenamtliche -, die man ansprechen kann. Ich bin eine dieser Vertrauenspersonen und stehe für Fragen gerne zur Verfügung.

      1. Liebe Frau Lonski,
        vielen Dank für die ausführliche Information und ganz besonders auch für Ihr Engagement und das der beteiligten Mitarbeiter.
        Herzlichen Gruß
        Dieter Richter