Auf der ehemaligen Pferdewiese wollte WvM Wohnhäuser und eine Kita bauen; die Stadt lehnte aufgrund von Hochwassergefahren ab. Foto: Thomas Merkenich

In der Kampagne für das Bauprojekt an der Alten Marktstraße legt der Investor WvM ein neues Angebot in die Waagschale: Beim Vorhaben „Benesfeld“ wolle er auf vier der zunächst 24 geplanten Einfamilienhäuser verzichten und statt dessen eine Kita für bis zu 32 Kinder bauen. Gleichzeitig setzt das Unternehmen seine Überzeugungsarbeit im Stadtrat und in der Verwaltung fort – und veröffentlicht neue Details zum Bauvorhaben.

Nach einem konfrontativen Vorstoß setzt die Immobiliengesellschaft WvM jetzt auf ein konstruktives Angebot, um Verwaltung und Stadtrat zu einer Zustimmung zum Fortgang des umstrittenen Bauprojektes „Benesfeld“ zu bewegen. Das Unternehmen wolle auf seinem Grundstück am Refrather Stadtrand auf mehrere Einfamilienhäuser verzichten – zugunsten einer modernen Kindertagesstätte, teilt die WvM Immobilien + Projektentwicklung GmbH jetzt mit.

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„Wir haben erkannt, dass die Stadt Bergisch Gladbach massive Probleme hatte und wir als privater Investor der Stadt gerne unter die Arme greifen und die städtischen Kosten senken möchten, weil wir die Kita der Stadt kostenlos und schlüsselfertig übergeben und somit keine Steuergelder benötigt werden“, erklärt WvM-Geschäftsführerin Erika Werres.

Tatsächlich werden in Bergisch Gladbach weitere Kita-Plätze dringend benötigt, der Stadt mangelt es vor allem an geeigneten Grundstücken.

Der ursprüngliche Plan des Projektträgers WvM sah vor, auf der ehemaligen Pferdewiese an der Alten Marktstraße in Refrath 24 Einfamilienhäuser und ein 8-Parteien-Wohnhaus zu bauen. Dagegen wehrt sich die Anwohnerschaft: Sie argumentiert gegen eine weitere Zersiedlung und beruft sich zudem auf den Hochwasserschutz.

Kritisch sehen auch die Grünen und die Freie Wähler Gemeinschaft das Vorhaben – ebenso wie der Beigeordnete Ragnar Migenda. Er hatte zuletzt dafür plädiert, den für das Projekt erforderliche Bebauungsplan ganz von der ohnehin überlangen Prioritätenliste der Stadtplanung zu streichen.

Die Investoren, mit Rückenwind bei FDP, CDU und zum Teil auch SPD, werben für die Schaffung des dringend benötigten Wohnraums, auch im geförderten Bereich – und hatten zuletzt in einer Kampagne eine nachhaltige Ausrichtung des geplanten Wohnviertels „Benesfeld“ herausgestrichen.

Ein Stück „Bullerbü“ für Bergisch Gladbach?

Jetzt legt WvM mit der Kita „Benebü“ nach. Der Name sei „eine Kombination aus dem Namen der ersten ökologischen Siedlung in Bergisch Gladbach Benesfeld und dem Sehnsuchtsort Büllerbü von Astrid Lindgren“, heißt es in einer Präsentation des Projektes.

Die zweizügige Kita für bis zu 32 Kindern werde nach den neuesten Erkenntnissen der Kindergartenarchitektur gestaltet: „Wir möchten, dass die Kita ein Ort ist, an dem die Kinder mit Freude lernen und entdecken können“, sagt Geschäftsführerin Werres, die als gebürtige Bergisch Gladbacherin und dreifache Mutter ein besonderes Interesse an dem Projekt habe.

In der Präsentation für die Kita legt WvM einen Lageplan vor; am nördlichen Ende des Areals direkt an der Alten Marktstraße liegen sowohl die Kita als auch das Mehrfamilienhaus.

Der Kindergarten werde als „rein private Initiative“ schlüsselfertig übergeben. Die Stadt könne ihn dann so betreiben, wie sie es für richtig halte, ohne Einflussnahme des Investors, betont WvM.

In diesem Zusammenhang wirbt Werres erneut für den ökologischen Charakter des Bauprojektes, das dazu beitrage solle, „dass Bergisch Gladbach eine grüne und nachhaltige Stadt wird, in der die Bedürfnisse der nächsten Generation berücksichtigt werden.“ Daher hoffe sie, dass das gesamte Projekt mit der Kita bald genehmigt werde.

Hintergrund: Die WvM Immobilien + Projektentwicklung ist nach eigenen Angaben mit 122 Mitarbeitenden „Kölns größter inhabergeführter Bauträger für Wohnimmobilien“. Das Unternehmen war 1992 von Wolfgang von Moers gegründet worden, der 2019 mit persönlichen Parteienspenden für CDU und AfD in die Schlagzeilen geraten war.

Projektträger des „Benesfeld“ ist die WFJ Immobilien + Projektentwicklung GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen der WvM und der Hamacher Immobilien Gruppe in Köln. WvM und Hamacher arbeiten auch bei der Entwicklung des Lindgens-Areal in Köln-Mülheim zusammen.

Neue Gespräche mit der Politik

Nach Informationen des Bürgerportals hat Werres in den vergangenen Wochen erneut Kontakt mit den Fraktionen aufgenommen und für das Projekt geworben. Dabei sei WvM „auf offene Türen“ gestoßen.

Auch ein Gespräch mit Bürgermeister Frank Stein ist aus Sicht des Investors positiv und konstruktiv verlaufen. Bei diesem Termin überreichte Werres knapp 1500 Unterschriften, die WvM mit einer öffentlichen Petition für das Projekt „Benesfeld“ gesammelt hatte. Die Petition der Anwohnerschaft gegen das Projekt verzeichnet derzeit 1223 Unterschriften.

Auf Instagram dokumentiert WvM das Gespräch zwischen Geschäftsführerin Werres (mit einem „Benesbü“-T-Shirt) und Bürgermeister Stein:

Wie hoch ist der Sozial-Anteil?

Auf Nachfrage des Bürgerportals im April hatten sich die CDU und die FDP bereits klar für das Bauprojekt ausgesprochen. FWG und Grüne lehnen die Bebauung der Pferdewiese bislang ab.

Die SPD steht dem Projekt positiv gegenüber, allerdings unter dem Vorbehalt, dass tatsächlich ein substanzieller Anteil sozialen Wohnungsbaus realisiert werden. Zunächst hatte WvM den Anteil des sozialen Wohnungsbaus mit 33 Prozent angegeben; dabei aber die Zahl der Wohneinheiten und nicht die Wohnfläche zugrunde gelegt.

Im Zusammenhang mit den Kita-Plänen nennt der Investor jetzt auf Nachfrage konkretere Zahlen: In der neuen Planung seien acht Wohnungen im geförderten Wohnungsbau mit einer durchschnittlichen Größe von 75 Quadratmeter (insgesamt 600) vorgesehen sowie 20 Einfamilienhäuser mit jeweils etwa 125 Quadratmetern (insgesamt 2500).

Daraus ergibt sich eine Sozialquote von rund 20 Prozent. Das Unternehmen selbst spricht jedoch von 24 Prozent.

Hinzu komme die Kita mit einer Fläche von 450 Quadratmetern, als Bestandteil der künftigen sozialen Infrastruktur.

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Der Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss tagt am 12. Juni. Es wird erwartet, dass die Stadtverwaltung bis dahin neue Gutachten des Investors zu den Problembereichen Grundwasser und Starkregen geprüft hat – und der Beigeordnete Migenda eine Empfehlung abgibt, wie mit dem vorhabensbezogenen Bebauungsplan weiter umgegangen werden soll.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Ich nehme an, dass WvM auch gleich die Erzieher:innen mitliefert? In Gummistiefeln!

  2. @Lingmann: Umstritten ist in Bergisch Gladbach aktuell jedes Projekt. Es ist doch ein gutes Angebot dort einen KIGA zu bauen, und die Stadt und die Eltern suchen doch dringend Flächen für Kindergärten etc. Und die benachbarte Pferdewiese und der Wald bieten sehr gute Möglichkeiten für Kinder die Natur zu genießen.
    Und allgemein: Wer Geld in die Hand nimmt und solche Angebote macht, darf doch keinesfalls nach der politischen Gesinnung des Investors beurteilt werden.?
    @Drucker: Das ist Sache des Investors bzw. des Architekten bzw. Statikers. Und da gibt es viele verschieden Möglichkeiten.
    @Frau Apicella: Er bietet an einen KIGA zu bauen, und darüber hinaus ist die Infrastruktur in dem vorhandenen gewachsenen Wohngebiet ja schon vorhanden. Ob die geplante Bebauungsdichte mit soviel Doppelhäusern tatsächlich sein muss, ist eine noch, durch die Baubehörde und den Planungsausschuss zu prüfen.

    1. Wenn ein Unternehmen Gutes für die Stadt tun will, soll es gerne eine Kita bauen. Wenn es nur dann eine Kita baut, wenn im Gegenzug ein Bauvorhaben genehmigt wird, darf man sich schon fragen, was hier im Vordergrund steht,

    1. Das wird wohl bei der heutigen Bautechnik kaum nötig sein. Da wird es schon Möglichkeiten geben. Da waren unsere Vorfahren 4300 vor Christus schon weiter. Sie erstellten am Bodensee die ersten Pfahlbauten.

  3. Ich bin schon der Meinung, daß Investoren, die Bauprojekte planen, sich auch an der notwendigen Infrastruktur beteiligen sollten. Das darf aber nicht dazu führen, durch “dieses Zückerchen” die Baugenehmigung zu bekommen.

  4. Wenn sich ein Investor versucht, durch die Finanzierung einer Kita die Zustimmung zu einem umstrittenen Bauprojekt zu erkaufen, dann wäre das, sollte es gelingen, eine Bankrotterklärung für die Stadt. Die Stadt muss so mit Steuernmitteln ausgestattet sein und sie muss so vernünftig mit ihnen wirtschaften, dass sie ihren Aufgaben für die Kinder der Stadt nachkommen kann, ohne dafür Kompromisse mit Investoren eingehen zu müssen.

  5. Frau Jakat, meinen Sie das im Ernst? Alle 30m eine Teilkita die ganze Schlossstraße entlang? Destruktive Vorschläge sollte man sich sparen!

  6. Mit dem Bauprojekt alte Marktstrasse geht viel grün verloren! Zum Widerspruch des Klimaschutzes! In Bensberg – Schloßstrasse stehen viele Geschäfte leer -warum nicht da eine Kita??

    1. Weil die Schlossstraße wohl ein sehr ungeeigneter Platz für eine Kita ist. Kinder gehören nicht in irgendeine Ecke geschoben. Warum sollen Kinder nicht in einem grünen Umfeld ihre Kindheit erleben.

    2. Süße Idee, dann können die Kleinen auch gelegentlich noch im Supermarkt an der Kasse aushelfen und den Fachkräftemangel reduzieren. Eine Win-Win-Situation. (Ironie Ende)