Obwohl eine politische Mehrheit gegen das Wohnungsbauprojekt in Refrath steht will der Investor WvM weiter für die Siedlung „Benesfeld“ und die Kita „Benesbü“ kämpfen. Dabei setzt er immer noch auf die SPD und Bürgermeister Frank Stein – schließt aber juristische Schritte gegen einen Beschluss zur Beendigung des B-Planverfahrens nicht aus.

„Wir hoffen, dass insbesondere die SPD und Bürgermeister Stein aktiv für bezahlbaren Wohnraum und nachhaltige Stadtentwicklung eintreten“, sagte WvM-Geschäftsführerin Erika Werres auf Nachfrage. Eine Politik, die solche Chancen ignoriere, könnte an Zustimmung verlieren, daher sei es wichtig, „gemeinsam für eine zukunftsorientierte und verantwortungsvolle Politik“ einzutreten.

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Nach Grünen und FWG hatte am Montag auch die Fraktion der SPD beschlossen, gegen eine Fortführung des Verfahren für den Bebauungsplan Alte Marktstraße in Refrath zu stimmen. Auch wenn die Entscheidung gegen den Bau von 20 Einfamilienhäusern, acht Sozialwohnungen und einer Kita schwer gefallen sei.

Damit scheint klar, dass eine politische Mehrheit im Stadtplanungsausschuss der Empfehlung der Stadtverwaltung folgen wird, das Projekt ganz aus der verbindlichen Bauleitplanung zu streichen. Auch die SPD hatte dabei auf langfristig nicht geklärte Hochwassergefahren und ein Haftungsrisiko der Stadt verwiesen.

So hatte sich der Investor WvM die Aufteilung des Grundstücks vorgestellt, mit Einfamilienhäusern, einem Mehrfamilienhaus und einer Kita

Genau diese beiden Punkte werden von WvM jedoch zurückgewiesen, sowohl fachlich als auch juristisch. Ein eigens in Auftrag gegebene Gutachten eines renommierten Instituts beinhaltete „eine detaillierte Simulation eines Jahrhunderthochwassers von biblischen Ausmaßen“ und komme eindeutig zum Ergebnis, dass das Projekt „vollständig unbedenklich“ sei.

Einwände der Stadt, dass Mulden zur Rückhaltung von Starkregen nicht ausreichen oder nachträgliche Veränderungen des Geländes nicht ganz ausgeschlossen seien, hätte man einvernehmlich klären können.

Die Diskussion, so heißt es beim Investor weiter, sei von einigen Gegner:innen zu einer Kampfzone gemacht worden, in der sich ideologisch geprägte Haltungen zum Klimaschutz durchgesetzt hätten.

WvM und der persönlich engagierten Geschäftsführerin Werres sei es dagegen immer darum gegangen, mit einer ersten nachhaltigen Siedlung in Bergisch Gladbach Wohnraum zu schaffen, der auch für junge Familien bezahlbar sei. Gemessen an der Nachfrage sei das „Benesfeld“ das erfolgreichste Projekt der letzten Jahre gewesen. Eine knappe Million Euro habe das Unternehmen in die Planung investiert.

Insgesamt betrachte WvM die Beschlussempfehlung der Stadt gegen das Bauvorhaben als einen Fehler und behalte sich „das Recht vor, den Rechtsweg einzuschlagen“, sagte Werres. Das könne aber nicht im Interesse der Stadt sein. Nicht zuletzt, weil eine juristische Auseinandersetzung Auswirkungen auf das Investitionsklima haben könnte.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Die Bebauung dieses Bereiches war von Anfang an höchst umstritten. Dass die Planungen hierzu überhaupt weiter betrieben werden konnten war unter anderem der SPD geschuldet, die das Projekt in der vergangenen Ratsperiode mitgetragen hat und jetzt unter dem Druck der Fakten eine Kehrtwende vollzieht.

    Auffallend war, dass der Investor in den vergangenen Monaten eine aggressive und offensichtlich auf Konfrontation mit der Stadtverwaltung gerichtete Marketingkampagne betrieb, um Druck auszuüben. Es wurde auf ganzseitigen Plakatwänden für das Projekt geworden, wie immer in solchen Fällen mit einem computergenerierten Bildchen, wie dies in der Baubranche inzwischen üblich ist. Auch auf diesem Portal wurde in nahezu jedem Artikel eine entsprechende Werbung eingeschaltet (Ich weiß, Herr Wazlawek, dass Sie auf Werbeeinnahmen angewiesen sind).

    Die Bebauung von Grundstücken, die von einem hohen Grundwasserspiegel betroffen sind und dementsprechend bei Starkregenereignissen noch stärker beeinträchtigt werden, ist in dieser Stadt seit Jahrzehnten Tradition. Ich verweise diesbezüglich auf die unsägliche Geschichte im Bereich An den Weihern in Schildgen Anfang der 90ziger Jahre oder die Bebauung im neueren Teil der Königsberger Straße, wo sich früher eine Kleingartenanlage befand und direkt ein Naturschutzgebiet angrenzt. Wie viele Hauseigentümer in dieser Stadt müssen stets eine Pumpe bereithalten, um Ihre Grundstücke überhaupt trockenen Fußes bewohnen zu können?

    Die Kindertagesstätte und die Sozialwohnungen waren aus meiner Sicht nur ein Manöver des Investors, um ein bisschen Schönwetter für sein Projekt zu machen. Dass die Reihenhäuschen auf Handtuchgrundstücken für kleine oder mittlere Einkommen absolut unerschwinglich sein würden war von Anfang an klar. Wer kann bzw. möchte für so etwas fast 1 Million € ausgeben? Ein Indiz dafür, welche unfassbaren Summen man inzwischen ausgeben muß für das Privileg, im Speckgürtel von Köln zu wohnen.

    Warten wir mal ab, wie es weitergeht. Der angekündigten Klage des Investors kann man, sofern die SPD jetzt standhaft bleibt, sicher mit Gelassenheit entgegen sehen. Ob der Investor Schadensersatz für seine bisherigen Aufwendungen einklagen kann bleibt ebenfalls abzuwarten. Er hat schließlich vertrauend auf eine frühere Mehrheit Vabanque gespielt und bekommt jetzt die Quittung.

  2. Die von der SPD nunmehr für eine Beendigung des B´Planverfahrens genannte nicht auszuschließende Hochwassergefahr könnte im laufenden B`Planverfahren geklärt werden. Ein Gutachten gibt es ja offensichtlich. Die Ablehnung “schweren Herzens” in Anbetracht mangelnden Wohnraums und fehlender Sozialwohnungen sowie fehlender Kitaplätzen lässt mich als SPD-Wähler ein wenig ratlos zurück.

  3. Die Fläche darf nicht zugesagt werden. Refrath verliert dank derartigen Investoren den letzten noch verbliebenen Charme. Uniforme Bauweise zur Ertragsmaximierung der Investoren……Nein danke

    1. Das ist eine ehrliche Aussage, wenn auch leider nicht sehr hilfreich. Land ist nicht vermehrbar die Menschen schon. Es wird enger und wohnen will doch jeder. Gut, in Refrath ist wirklich viel gebaut worden. Anderswo ist noch mehr Raum. Aber wenn jeder der auf der seiner Terrasse in die Weite schauen will, werden wir die Wohnungsnot anheizen und nicht beseitigen.

  4. Die Diskussion um das Bauprojekt an der Alten Marktstraße wird meist auf die Frage der Starkregenproblematik beschränkt.

    Es sollte aber nicht vergessen werden, dass es sich um eine Grünfläche mit sehr hoher thermischer Ausgleichsfunktion handelt (Klimakarte Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen).

    Wir müssen mit zunehmenden Hitzeperioden rechnen und solche Flächen werden dringend benötigt, um das Stadtklima einigermaßen erträglich zu erhalten.

    1. der Freien WählerVereinigung sei GROSSER DANK, für UNS ALLE ETWAS Stadtökologie zu retten.
      Auch für Ihren (hoffentlich) langen Atem.
      Danke und größten Respekt für Ihr politisches Ehrenamt

    2. Genau richtig.
      Die thermische Ausgleichsfunktion könnte auch noch deutlich höher sein, hätte der ach so ökologische Investor nicht vor gut einem halben Jahr schon gut 800 qm Gehölz und Waldbestand auf der Fläche ohne Notwendigkeit und ohne Genehmigung roden lassen. Die Folgen kann man ganz aktuell vor Ort schon spüren…

  5. “[…] weil eine juristische Auseinandersetzung Auswirkungen auf das Investitionsklima haben könnte”
    Das erscheint mir unlogisch zu sein. Man will ggf. über den Rechtsweg noch zum Investieren kommen. Gleichzeitig soll das Beschreiten des Rechtsweges das Investitionsklima beinflussen? Positiv oder negativ beeinflussen?

    1. Hier wird, aufgrund eines Jahrhundertregens wieder einmal Ideologie gegen Sachverstand ausgespielt. Sämtliche Spekulationen über die Preise (Baukosten, wie auch Mietpreise) sind doch hier vorliegend weder durch Politik, noch durch die Verwaltung zu beurteilen. Es bietet ein Investor an, Wohnraum für junge Familien und auch sozial weniger gut gestellte Personen zu schaffen. Ebenso wird ein Kindergarten kostenlos der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. Die die bautechnische Ausführung und das Risiko liegt vollkommen im Haftungsbereich des Investors. Es gibt überall Grundwasser, an allen gewässernahen Gebieten. Ganz besonders betroffen ist der Innenstadt Bereich in Bergisch Gladbach. Hier laufen bei jedem Starkregen die Keller voll, und es wird trotzdem weiter gebaut.
      Die Vermutung liegt nahe, dass hier nur basierend auf ideologischen Gründen beurteilt wird.

      1. Die Haftung liegt im Wesentlichen bei der Stadt. Und der Investor realisiert die Arbeiten über eine dafür geschaffene GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung), welche bis max. 50.000€ haftet.
        Apropos Sachverstand: Lesen Sie doch einmal den sehr umfangreichen und detaillierten “Teilbericht Starkregen” des Klimaschutzkonzeptes welches die Stadt bzw. der Kreis in Auftrag gegeben hat. Alle darin identifizierten Problemfelder treffen auf das in Rede stehende Areal zu. Und eine Bebauung würde gegen alle dort ausgesprochenen Empfehlungen gehen. Genau solche Flächen werden gebraucht, um die Widerstandsfähigkeit gegen Starkregenereignisse zu erhöhen.
        Denn laut Studie und einhelligen Erkenntnissen, wird Starkregen uns in Zunkunft häufiger und intensiver treffen.

      2. Vergleichbare Häuser (qm Zahl und Lage/Doppelhaushälfte) finden Sie bei Immobilienscout für ca. 950.000€. Der geförderte Wohnraum betrifft 8 Wohnungen. Wer weiß, ob die nicht am Ende „zufällig“ gar nicht gebaut werden können. Ein Investor hat naturgemäß kein Interesse an günstigem Wohnraum. Fallen Sie doch bitte nicht auf so eine billige Greenwashing-Kampagne rein.

      3. Sehr geehrter dbach, es ist interessant, dass Sie die Argumente von Herrn Nuding zum Flächenverbrauch und zur thermischen Ausgleichsfunktion – sprich der allgemeinen Zersiedelung von Bergisch Gladbach als “ideologisch” abtun? Gehören Sie etwa auch zu denjenigen, die meinen, man müsse nichts gegen den Klimawandel auch vor Ort in Bergisch Gladbach tun?

      4. „Es gibt überall Grundwasser, an allen gewässernahen Gebieten.“ – Bevor Sie das alles über einen Kamm scheren, werfen Sie doch mal einen Blick ins Geoportal NRW und die dort auffindbaren Karten zu Starkregen- und Überflutungsrisiken. Dann wird Ihnen auch ohne Gutachten klar, dass die Risiken auf dem beabsichtigten Baugelände deutlich erhöht sind.

  6. hat denn jemand über die Preise geredet? Ich kann außer einer nicht nachprüfbaren Aussage des Investors nicht derartiges erkennen.

  7. Es ist nicht nachvollziehbar,dass der preiswerte
    Wohnungsbau so unmöglich gemacht wird

    1. Wie kommen Sie auf die Idee, dass die Wohnungen, die WvM dort plant preiswert sein könnten? Nach allem, was ich davon lese, würde genau das Gegenteil der Fall sein …

    2. Bitte doch nicht vergessen, dass ein Investor grundsätzlich Geld verdienen möchte. Damit der Eigentümer / die Eigentümerin nicht in Erscheinung tritt, wird dieser vorgeschaltet, oder erwirbt das Areal zuvor, jeweils in der Absicht, mit der betriebenen Entwicklung maximalen Profit zu erwirtschaften. Daher stehen hier doch zwei völlig verschiedene Interessen gegenüber.

      Was ist denn preiswerter Wohnungsbau? Wie teuer darf ein Einfamilienhaus nebst Grundstück denn sein, damit es noch als preiswert gilt? Welche Einkommensklasse kann sich bei aktueller Zinslage ein solches Objekt dann leisten? Welche Bevölkerungsschichten werden außen vor gelassen?
      Sind solche Einfamilienhäuser bei der aktuellen Lage aus ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten überhaupt sinnvoll? Daher die Frage, ob es überhaupt erstrebenswert ist, ein solches Objekt zu besitzen.

      Die Politik scheint mir gut daran zu tun, sich nicht einlullen zu lassen und der Verwaltung in den Rücken zu fallen, die dann später, wenn der Investor sein Geschäft abgewickelt hat, mit den Folgen leben muss. Mit denen auch letztlich alle in dieser Stadt Steuern und Abgaben zahlenden Bürger leben müssen. Natürlich führt das vom Investor beauftragte Gutachten zum gewünschten Ergebnis. Wohingegen ich der von der Verwaltung initiieren Bewertung eine gewisse Neutralität unterstellten möchte, da es ggfls. auch im Interesse der Stadt als solche sein sollte, attraktiven Wohnraum zu schaffen.

      Daher meine Meinung/Hoffnung, dass sich die “politische Mehrheit” nicht vom Investor erweichen lässt, dem Urteil der Verwaltung ihr Vertrauen schenkt, und entsprechend handelt.

    3. Ein Bauinvestor ist doch kein gemeinnütziger Verein, auch wenn dieser hier den Eindruck erweckt. An erster Stelle steht natürlich die Gewinnerzielungsabsicht und wenn ich eine Kita verschenke, dann muss das Geld woanders wieder eingenommen werden.
      Mal abgesehen von dem inakzeptablen Risiko für Neu- und vor allem Bestandsbauten, die Erschließungskosten für dieses kritische Gebiet wären allein schon so hoch, dass der “preiswerte Wohnungsbau” völlig unmöglich wäre.

      1. Was heißt überhaupt „Kita verschenken“? Kostet die dann auch im Betrieb nichts, fallen Erzieher einfach vom Himmel, müssen die Eltern keine Beiträge zahlen? Oder will WvM auch die gesamten laufenden Kosten tragen? Wohl kaum. Die Aussagen des Investors zur Kita scheinen eher eine Nebelkerze zu sein.