Kidical Mass Radverkehr

Bereits zum vierten Mal fand am Sonntag in Bergisch Gladbach eine „Kidical Mass“ statt – eine Kinder-Fahrrad-Demo, auf der über 150 Kinder, Eltern und Großeltern für eine fahrrad- und kinderfreundliche Gestaltung des Verkehrsraums demonstrierten. Dabei wurde deutlich, dass Fahrräder Menschen jeden Alters Mobilität ermöglichen – und dass mit etwas Gelassenheit auch ein harmonisches Miteinander mit dem Autoverkehrgelingen kann.

„Ihr dürft durch unsere Zieleinfahrt losfahren – das habt Ihr euch verdient!“ Mit diesen an die Kinder gerichteten Worten eröffnete der Veranstalter einer zeitgleich stattfindenden Oldtimer-Ausfahrt (!) am Konrad-Adenauer-Platz die Fahrrad-Demo.

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Zahlreiche Autoliebhaber hatten sich zu einer Fahrt ins Bergische Land verabredet und präsentierten am Sonntag ihre edlen Fahrzeuge aus dem vergangenen Jahrhundert vor dem Rathaus. Sie überließen ihren finalen Streckenabschnitt mit rotem Ziel-Torbogen für einige Minuten aber großzügig der jüngeren Generation.

Dass Mobilität heutzutage mehr als nur Autofahren bedeutet, wurde mit dem Start der Fahrrad-Demo deutlich. Vielfältige, klimafreundlich angetriebene Fahrzeuge rollten los zum Turbokreisel. Sie transportierten Kleinkinder per Lastenrad, Babys im Anhänger, Senioren in der Rikscha, und viele große und kleine Kinder, die stolz mit ihren eigenen Rädern über die Hauptstraße Richtung Gronau fahren konnten.

Die Polizei sicherte die Strecke und sorgte für einen reibungslosen Ablauf. Wartende Autos ließen die Kinder freundlich passieren.

Dass selbstständiges und sicheres Radfahren für Kinder in Bergisch Gladbach aber fast nur mit Polizeischutz möglich ist, war der Anlass für die Demonstration. „Wir fordern von Politik und Verwaltung in Bergisch Gladbach ein entschlosseneres Vorgehen im Sinne einer Mobilitätswende, beispielsweise bei den dringend notwendigen Umgestaltungen der Altenberger-Dom-Straße in Schildgen oder der Laurentiusstraße in der Stadtmitte,“ sagte Melanie Baierl, die die Demos zusammen mit weiteren Eltern seit letztem Jahr privat organisiert. „Aber auch in vielen anderen Straßen im Stadtgebiet muss dringend mehr für die Sicherheit von Kindern und Erwachsenen getan werden, die sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad fortbewegen.“

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Mit Fahrrädern und bunten Luftballons für die Verkehrswende: Am Sonntag, 7. Mai, fährt wieder die Kidical Mass durch Bergisch Gladbachs Straßen. Melanie Baierl ist eine der Organisatorinnen der Kinder-Fahrraddemo. Im Interview hat sie uns verraten, warum sie das macht, was sie sich von der Stadt wünscht – und wie man mitmachen kann.

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Die „Kidical Mass“-Bewegung wird immer größer: Die Veranstaltung in Bergisch Gladbach war Teil eines Aktions- Wochenendes, an dem sich in über 500 Orten weltweit etwa 150.000 Menschen beteiligten. Die nächsten Demos in Bergisch Gladbach finden am Wochenende vom 22. bis 24. September statt. Weitere Infos findet man auf www.kinderaufsrad.org.

Die Kidical Mass Bergisch Gladbach ist eine private Initiative mit Unterstützung des ADFC Rhein-Berg. Das deutsche Kidical Mass Aktionsbündnis besteht aus über 1000 lokalen Organisationen und Initiativen. Ein einzigartiges Netzwerk, dezentral, selbstorganisiert und gemeinsam stark.

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  1. 150 demonstrierende Menschen in Bergisch Gladbach, von denen ein Großteil auch Kinder waren sowie 150.000 Menschen weltweit scheint mir nicht darauf hinzudeuten, dass viele Menschen ein dringendes Bedürfnis einer Mobilitätswende sehen.

    Dass Fahrräder Menschen jeden Alters Mobilität ermöglichen ist eine Binsenwahrheit. Dennoch ist nicht jeder Mensch in der Lage, ein Fahrrad zu benutzen. Dass mit etwas Gelassenheit auch ein harmonisches Miteinander im Straßenverkehr möglich ist, unterschreiben ich sofort.

    Mit der aus der Luft gegriffenen Behauptung, sicheres Radfahren sei für Kinder in Bergisch Gladbach fast nur mit Polizeischutz möglich, diskreditieren sich die Veranstalter jedoch. Schade. Es fällt mir schwer hierfür Sympathie zu empfinden.

    1. “dringendes Bedürfnis (nach) einer Mobilitätswende”
      Hallo Elena, wir sind am Sonntag gegen Mittag mit den Rädern in die Stadt gefahren, dann mitten in dieser Oldtimer-Freunde-Veranstaltung auf dem Konrad-Adenauer-Platz gelandet. Von einer bald stattfindenden Fahrrad-Aktion nirgends eine Spur.
      Dem einen oder anderen in B-GL ist es vielleicht auch so ergangen. Schade.

    2. „Dennoch ist nicht jeder Mensch in der Lage, ein Fahrrad zu benutzen.“ – Richtig. Trotzdem dürfte das in 98% der Fälle nicht der Grund sein, warum darauf verzichtet wird.

    3. Aus der Anzahl von 150 Demonstranten kann man das nicht ableiten. Aber auch nichts Gegenteiliges.

      Es ist auch nicht jeder Mensch in der Lage, ein Auto zu benutzen. Was wird aus denen?

      Aus der Luft gegriffen erscheint die Behauptung eigentlich nicht. Kritische Stellen vor Schulen werden zur Bringzeit tatsächlich von Polizisten beaufsichtigt.

    4. Die Zahl 150 hat mich auch irritiert. Da vermutlich jeweils mehrere Familienmitglieder teilnahmen und es so vielleicht nur 50 (oder weniger) Teilnehmerfamilien gab, frage ich mich, ob die Situation von anderen Gladbacher Familien als gar nicht so schlimm empfunden wird.

      1. Da bei den zurückliegenden Veranstaltungen deutlich mehr Teilnehmende – ca. 1000 bei drei Terminen – zu verzeichnen waren, würde ich in erster Linie das Wetter bzw. die offizielle Gewitterwarnung für die Teilnehmeranzahl verantwortlich machen.

        Daraus jetzt eindeutige Ableitungen zur Einschätzung der Bürgerschaft zur Radinfrastruktur in unserer Stadt zu generieren wäre eher schwierig.

        Zusammen aber mit der (nicht repräsentative) Umfrage zum Fahrrad-Klimatests aus 2020 und 2022 des ADFC mit der aktuellen Bewertung von 4,5 (Schulnotensystem) oder auch der Petition der Kidical Mass Bergisch Gladbach aus dem letzten Jahr mit über 600 Unterschriften lassen sich eher tendenzielle Rückschlüsse ziehen.

      2. @Michael Funke Ich habe gerade mal in den Fragebogen des ADFC hineingesehen. Irritierende Fragen, Suggestivfragen, eben nur eine Befragung mit (für mich) wenig Aussagekraft.
        Selbst wenn in GL früher 1000 Menschen an einer Fahrraddemo teilgenommen haben, dann sind das immer noch “nur” rund 250-300 Teilnehmer-Haushalte (wenn man davon ausgeht, dass beide Elternteile und 1-2 Kinder teilgenommen haben). Bergisch Gladbach hat über 50000 Haushalte und über 18000 Einwohner unter 18.

  2. Toll, dass Sie diese Veranstaltung auf die Beine stellen. Das zeigt dass die Anzahl derer, die mit der Situation für Radfahrer sehr unzufrieden sind, groß ist und immer größer wird.
    Schade das durch die Verkehrspolitik in Gladbach so viele Menschen zum Autofahren genötigt werden. Schlicht und einfach weil Fahrradfahren viel zu gefährlich ist.

    1. Das ist sicher richtig.
      Da es immer mehr Radler gibt und die Gefährte immer grösser und schneller, wünsche ich mir auch mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer.
      Dazu gehört auch, dass auch Radler die Grundlagen der Strassenverkehrsordnung kennen und beachten. Das geht nur mit einem Führerschein anagog der Mofas und einem Kennzeichen.
      Erst gestern frug ich eine junge Dame, die grob verkehrswidrig fuhr, ob ihr bekannt sei, wie sie sich nach der Strassenverkehrsordnung verhalten sollte. Sie verneinte und kannte die StVO nicht einmal.
      Da muss etwas geschehen.

      1. Bitte schreiben Sie doch dazu, wie und wo die Radfahrerin sich “grob verkehrswidrig” falsch verhalten hat und wie alt in diesem Falle die junge Dame war. Dann kann man Ihr Erlebnis nachvollziehen und alle Verkehrsteilnehmer können noch etwas dazu lernen. So wie Sie das schildern ist das wie ein Witz ohne Pointe.
        Außerdem gibt es auch Vorschriften für Fußgänger. Sollen die auch den Führerschein machen und mit Kennzeichen herumlaufen?

      2. Ach Sie waren das!
        Wenn Sie nicht auf dem Radweg geparkt hätten, hätte ich nicht über den Gehweg ausweichen müssen!

      3. Bitte niemals auf den Gehweg ausweichen! Radverkehr gehört grundsätzlich auf die Fahrbahn, nur in Ausnahmefällen auf einen Radweg, wenn so (jede Kreuzung) beschildert.
        Wenn ein beschilderter Radweg (Benutzungspflicht) nicht befahren werden kann, müssen sie rechtzeitig auf die Fahrbahn ausweichen. Das Befahren des Gehwegs ist für Fahrzeuge aller Art verboten!

      4. Zum Thema “Radfahren auf dem Gehweg” bitte ich folgendes zu beachten:

        Kinder von acht bis zehn Jahren dürfen den Gehweg benutzen oder fahren auf Radwegen oder der Fahrbahn.

        Ab zehn Jahren müssen sie Radweg oder Fahrbahn nutzen.

        Ein Elternteil oder eine andere Aufsichtsperson ab 16 Jahren darf das Rad fahrende Kind unter acht Jahren auf dem Gehweg begleiten.

        Das Zusatzzeichen “Rad frei” erlaubt die optionale Benutzung des Gehwegs durch Radfahrende unter besonderer Rücksicht und Schritttempo.

        Darüber hinaus gibt es gemeinsame Geh-und Radwege mit oder ohne Benutzungspflicht.

        Mag kleinlich klingen ist aber wichtig und verdeutlicht das Dilemma der Radfahrenden, die sich ständig wechselnder Radverkehrsführung ausgesetzt finden.

        Im Grundsatz muss aber mit dem Rad als Fahrzeug die Fahrbahn genutzt werden. Andere Angebote wie oben optional oder verpflichtend (blaue Radwege Schilder) beschrieben.

        https://www.bussgeldkatalog.org/fahrradfahren-auf-dem-gehweg/#kinder_mit_fahrrad_auf_dem_gehweg

      5. @A. Wilden: „Das geht nur mit einem Führerschein anagog der Mofas und einem Kennzeichen.“ – Mit einer kurzen Suche im Netz finden Sie die Gründe, warum das Unsinn ist. Das wurde schon zigmal gefordert, zigmal widerlegt und erklärt … nur anscheinend noch nicht jedem.

      6. @Drucker Warum darf man erst mit 15 Jahren und Prüfbescheinigung ein Mofa fahren bzw. am Straßenverkehr teilnehmen, muss einen Helm tragen, das Fahrzeug versichern/ein gültiges Kennzeichen haben und nicht schneller als 25 fahren? Warum dürfen Kinder, die jünger sind, am Straßenverkehr teilnehmen ohne Prüfung der Straßenverkehrskenntnisse, ohne Helmpflicht, ohne Versicherunspflicht und warm dürfen sie schneller fahren als 25?

      7. @Mika:
        Weil es uns als Gesellschaft wichtig ist, dass auch junge Menschen
        (und alle anderen, die nicht Auto fahren möchten/können/dürfen) selbstbestimmt mobil sein können. DAS bedeutet nämlich Freiheit (unter anderem).

        PS: Es sind nicht Kinder und Jugendliche auf Fahrrädern, die für den Großteil der Verletzungen und Tötungen im Straßenverkehr verantwortlich sind.

      8. @Mika: Weil die Betriebsgefahr eines Mofas höher ist als die eines Fahrrads – nicht zuletzt, weil beim Mofa Tempo und Beschleunigung von der Konstitution des Fahrers unabhängig sind.

        Und Kinder dürfen schließlich auch als Fußgänger am Straßenverkehr teilnehmen, ohne eine formale Ausbildung zu absolvieren oder einen Helm zu tragen. Mit dem Fahrrad müssen sie zudem bis zum 8. Lebensjahr auf Gehwegen bleiben. Das funktioniert auch recht gut.

        Übrigens dürfen Kinder theoretisch mit dem Fahrrad schneller als 25 km/h fahren, aber in der Ebene wird das wohl kaum eins schaffen, höchstens bergab mit Anlauf. Für Mofas ist es hingegen kein Problem, die Höchstgeschwindigkeit dauerhaft zu halten.

      9. @Rita Warum sollte Elena den Vorfall genau schildern? Damit sie Antworten bekommt wie z.B. “Autofahrer halten sich auch nicht an die Straßenverkehrsordnung”, “von dem falschen Verhalten einer Person kann man nicht auf andere schließen” (stimmt, kann man nicht, kann man aber auch bei Autofahrern nicht) usw.?

      10. @Sebastian Aha… selbstbestimmt mobil bezieht sich dann hoffentlich auch auf Autofahrer? Denen möchte man das Recht zur selbstbestimmten Mobilität ja sehr gerne absprechen.
        Selbstbestimmt mobil sein können junge Menschen ab 15 Jahre auch mit einem Mofa. Damit sie sich damit im Straßenverkehr bewegen dürfen, müssen sie jedoch mindestens 6 Doppelstunden Theorie haben und danach eine Theorieprüfung ablegen, das theoretische Wissen (und die Überprüfung, ob das Wissen vorhanden ist) ist Voraussetzung für die Teilnahme am Straßenverkehr. Dazu kommen 1 bi 2 Doppelstunden Praxis in denen die Beherrschung des Mofas geübt wird.
        Hinzu kommt eine Helmpflicht, da die Vergangenheit zeigte, dass durch das Tragen eines Helms viele (schwere) Kopfverletzungen verhindert werden konnten. Schwere Kopfverletzungen entstehen aber auch durch Stürze und Kollisionen bei geringen Geschwindigkeiten. Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, dass das Tragen eines Helms bei Radfahrern nur freiwillig ist.
        Fahrradfahrer brauchen natürlich keine offizielle Praxisschulung, da Fahrradfahren leicht zu erlernen ist, bei einem Fahrrad mit Hilfsmotor ist das kurze Erlernen der Handhabung/Reaktion des Mofas sinnvolls. Ich sehe es jedoch so, dass jeder, der sich auf Reifen im Straßenverkehr, innerhalb des Gesamtverkehrs auf Straßen (nicht als Fußgänger auf Bürgersteigen) bewegt zwingend Kenntnisse der Straßenverkehrsordnung haben muss und diese auch nachprüfbar belegen muss. Ich sehe es sogar so, dass Kinder und sehr junge Jugendliche gar nicht in der Lage sind vollumfänglich umsichtig und vorausschauend am Straßenverkehr teilzunehmen. Dieses umsichtige Fahrverhalten gesteht man Mofafahrern z.B. erst ab einem Alter von 15 Jahren zu und das liegt nicht an der Beherrschung des Fahrzeugs durch die Motorisierung sondern zu sehr großem Teil durch die Vermittlung nachprüfbarer Kenntnisse der Straßenverkehrsordnung und der Vermittlung des richtigen Fahrverhaltens.
        Viele Kinder/junge Jugendliche fahren im Straßenverkehr unsicher und nicht vorausschauend (was altersgemäß logischerweise auch nicht zu erwarten ist) und gerade rund um Grundschulen sieht man sehr gut, dass auch jüngere Kinder oft nicht den Gehweg benutzen. Schulkinder fahren oft in Gruppen, abgelenkt durch Gespräche und Zurufe untereinander, oft in hohem Tempo und mit einem Fahrverhalten, dass einem als Beobachter oft Angst und Bange wird.
        Radfahrer brauchen kein Kennzeichen und es gibt keine Versicherungspflicht. Die Gründe, die gegen eine Versicherungspflicht genannt werden sind allerdings für mich haarsträubend, hier einige davon:
        – der Verwaltungsaufwand ist zu hoch (bei z.B. Mofas nicht?)
        – der Handel mit Gebrauchtfahrrädern wäre schwieriger (warum, geht doch auch mit z.B. Mofas/Weitergabe und Umschreiben der Versicherung?)
        – man befürchtet, dass dann weniger Menschen Fahrräder nutzen und will die Verkehrswende nicht negativ beeinflussen
        – man weiß nicht, wo man am Fahrrad ein gut lesbares Kennzeichen anbringen könnte, vergleichbar mit der Größe eines Mofa-Kennzeichens (ganz einfach – hinten am Sattel, am Schutzblech, am Gepäckträger usw.)
        – eine Versicherungspflicht wäre erst ab einem bestimmten Alter möglich, Voraussetzung wäre eine Prüfung vergleichbar mit der Mofa-Prüfung, die Kinder unter 15 nicht ablegen dürfen, Kinder unter 15 dürften also nicht mehr mit dem Rad am Straßenverkehr teilnehmen, da man damit die Verkehrswende negativ beeinflussen würde und das Radfahren einschränken würde, wird auch das nicht gewünscht
        – die meisten Menschen hätten sowieso eine private Haftpflichtversicherung (sehr, sehr viele Menschen haben keine private Haftpflichtversicherung und selbst wenn sie eine haben, kann man Radfahrer ohne Kennzeichen kaum identifizieren)
        Es geht also gar nicht darum, dass Radfahrer auch Schäden verursachen und für Fehlverhalten durch sichtbare Erkennung haftbar gemacht werden müssten sondern darum mehr Menschen auf das Rad zu bekommen. Nichtnachverfolgbarkeit nimmt man in Kauf um dieses Ziel weiter zu verfolgen.

        P.S. Es sind auch nicht die Mofafahrer, die für den Großteil der Verletzungen und Tötungen im Straßenverkehr verantwortlich sind, diese unterliegen aber Beschränkungen (Alter, Prüfbescheinigung, Versicherungspflicht, Helmpflicht) die im Vergleich zu nicht vorhandenen Radfahrerbeschränkungen für mich nicht nachvollziehbar sind. Sie erreichen ähnliche Geschwindigkeiten (Radfahrer sogar höhere Geschwindigkeiten) und sie nutzen die Straße.
        Laut Unfallstatistik sind die Risikogruppen der Radfahrer Kinder und Menschen über 75.
        Fast die Hälfte aller Fahrradunfälle geschehen durch Eigenverschulden (zusätzlich vermutet man eine hohen Dunkelziffer).

      11. @Drucker Das sind für mich Pseudoargumente. Die Betriebsgefahr eines Mofas ist grundsätzlich höher als die eines Fahrrads? Vermutlich geringfügig. Jedoch – das soll die offizielle Begründung für die Versicherungspflicht sein? Wo genau ist das nachzulesen? Ich gehe davon aus, dass die offizelle Begründung für die Einführung einer Versicherungspflicht (müsste Ende der 50er Jahre gewesen sein) die war, dass auch durch Mofas Schäden verursacht wurden bzw. Fehlverhalten vorlagen und dass bei Schäden/Fehlverhalten die Möglichkeit einer Nachverfolgung, Haftbarmachung und Schadensregulierung ermöglicht werden sollte.

        Kinder als Fußgänger bewegen sich in der Regel nicht auf der Straße innerhalb des Autoverkehrs. Es geht um die “rollende” Teilnahme auf Straßen im fließenden Verkehr.

        Kinder zwischen 8 und 10 Jahren dürfen auch die Straße nutzen und z.B. rund um Grundschulen oder in vielen Wohngebieten können Sie gut sehen, dass sie das auch machen, ebenso gut sieht man, dass Kinder in diesem Alter nur eingeschränkt in der Lage sind sicher zu fahren (d.h. sie beherrschen zwar das Fahrrad, aber sie fahren mit Schlenkern, “unbedacht” und “sorglos”, sie fahren nicht vorausschauend, überlegen nicht vorab, ob das Auto wirklich hält, ob der Autofahrer aus der Einfahrt kommend sie wirklich sieht, können Geschwindigkeiten anderer Verkehrsteilnehmer nicht einschätzen, haben Probleme mit Reaktion/Notbremsung, sie missachten Rechts vor Links, sie wechseln vom Bürgersteig einfach auf die Fahrbahn und zurück usw – alles ein völlig normales Verhalten von Kindern, die gar nicht so weitsichtig agieren können, wie Erwachsene).

        Viele Kinder fahren Geschwindigkeiten um die 25 km/h und wenn Sie darauf achten ist immer häufiger zu sehen, dass auch Kinder eBikes fahren, mit denen sie schnell hohe Geschwindigkeiten erreichen und halten. Allgemein ist es auch für Kinder/Jugendliche problemlos möglich mit einem Fahrrad Geschwindigkeiten von 25 km/h und mehr zu erreichen, auch auf ebener Strecke. Bergab sind diese Geschwindigkeiten überhaupt kein Problem.

        Schauen Sie mal rund um weiterführende Schulen (z.B. Reuterstraße/NCG, Kempener Straße und Hufer Weg/IGP) welche Geschwindigkeiten Schüler dort fahren und wie “halsbrecherisch” sie fahren, das ist erschreckend.

      12. @Mika
        Sie verwenden so viele Worte um zu begründen, wie und warum Sie junge Menschen ihrer Mobilität berauben wollen, nachdem Sie am Anfang behaupten, man wolle – ausgerechnet – Autobesitzer:innen ihre selbstbestimmte Mobilität nehmen. Das ist eine ganz besonders beeindruckende Projektionsleistung.

        Wo Sie Recht haben: Aus der Teilnahme am Straßenverkehr ergeben sich Gefahren. Diesen begegnet man am besten, in dem man eine sichere Verkehrsinfrastruktur für alle schafft, die Konflikte zwischen verschiedenen Verkehrsarten minimiert. Ihr Vorschlag ist dagegen, gerade den eh besonders dominanten Verkehren noch weitere Priorität einzuräumen und alle anderen von der Straße zu verbannen. Ich glaube, damit sind sie glücklicherweise etwas aus der Zeit gefallen.

      13. @Sebastian Viele Worte? Das ist ein kleiner Text und manchmal muss man scheinbar ausführlich begründen.
        Das hier ist finde ich jedenfalls sehr lustig und es zeigt, dass eigentlich noch ausführlichere Erklärungen notwendig (gewesen) wären, Ihre Schlussfolgerung passt jedenfalls nicht:
        “Sie verwenden so viele Worte um zu begründen, wie und warum Sie junge Menschen ihrer Mobilität berauben wollen, nachdem Sie am Anfang behaupten, man wolle – ausgerechnet – Autobesitzer:innen ihre selbstbestimmte Mobilität nehmen. Das ist eine ganz besonders beeindruckende Projektionsleistung.”
        Ich schrieb: “Aha… selbstbestimmt mobil bezieht sich dann hoffentlich auch auf Autofahrer? Denen möchte man das Recht zur selbstbestimmten Mobilität ja sehr gerne absprechen.” Natürlich möchte das nicht jeder, ich hätte hier differenzierter ausführen sollen, dass man (u.a. in Threads auf dieser Seite) immer wieder den Wunsch nach einem Verbot und/oder einer deutlichen Einschränkung des motorisierten Individualverkehrs liest, dies hat eine Bandbreite von “privater motorisierter Individualverkehr sollte verboten werden” über “Parkplätze müssen weg, Straßen für den Autoverkehr gesperrt werden” bis hin zu allgemeinem “Autofahren muss unangenehm und unbequem werden”. Ich sehe das Recht auf Mobilität für jeden, auch für Kinder und auch auf Fahrrädern. Dazu gehören für mich jedoch Änderungen – verpflichtende Theorie-Schulungen inkl. Prüfung, Verbot der Straßenbenutzung für junge Kinder verbunden mit Bürgersteigpflicht und Pflicht des Langsamfahrens und Straßenbenutzung erst nach Schulung oder (leider nicht vorhanden) flächendeckende Radwege mit Benutzungspflicht. Ebenso gehört für mich die Versicherungspflicht und Helmpflicht für Radfahrer jeden Alters. Natürlich wäre es blöd, wenn Kinder auf den Gehweg müssten und es wäre auch dort nicht sicher. Außer einigermaßen vernünftigen Radwegen sehe ich die Situation für Radfahrer, gerade für Kinder, jedoch als gefährlich an. Dies liegt sowohl an Autofahrern, als auch an Radfahrern, egal welchen Alters. Ich wünsche mir mehr Rücksicht auf beiden Seiten. Und deutlich, deutlich, deutlich mehr Schulung für radfahrende Kinder und Jugendliche. Nicht um sie “zu quälen” sondern um sie für den Straßenverkehr zu sensibilisieren.

        “Ihr Vorschlag ist dagegen, gerade den eh besonders dominanten Verkehren noch weitere Priorität einzuräumen und alle anderen von der Straße zu verbannen. Ich glaube, damit sind sie glücklicherweise etwas aus der Zeit gefallen.”
        Auch das ist eine ziemliche Verdrehung und Interpretation des Inhaltes meines Kommentars. Es geht in erster Linie darum, dass keine Verkehrssicherheit besteht. Wer nicht verkehrssicher ist, nicht geschult ist, gehört nicht in den Straßenverkehr. Dem könnte man mit Schulung entgegenwirken. Ursprünglich ging es allgmein darum, warum Mofafahrer Beschränkungen unterliegen und Fahrradfahrer nicht. Und dafür gibt es keine Begründung. Deswegen Helm- und Kennzeichenpflicht sowie Geschwindigkeitsbeschränkungen auf 25 km/h auch für Radfahrer jeden Alters. Gerade bei jungen/erwachsenen Fahrradfahrern könnte das dazu führen, risikoreiches Fahren zu minimieren. Ich fahre übrigens selber Rad.

      14. @Mika
        Angenommen, Sie dürften alle Ihre Forderungen in die Realität umsetzen, was glauben Sie würde passieren? Würden alle Kinder und Jugendlichen, die jetzt aktuell die Möglichkeit haben, sich frei und selbstbestimmt mit dem Fahrrad zu bewegen, das auch weiterhin tun, nur mit dem Unterschied, dass sie zuvor eine Schulung gemacht, eine Versicherung abgeschlossen und einen Helm aufgesetzt haben? Oder würden diese Hürden nicht eher dazu führen, dass deutlich weniger Menschen (junge und ältere) mit dem Fahrrad unterwegs wären? Und seien Sie ehrlich, ist es nicht das, was Sie sich eigentlich wünschen?

        Ganz davon abgesehen: Wer soll die Schulungen anbieten? Ab welchen Alter? (Meine Tochter ist 3 und fährt auch schon Rad, müsste die auch zur Schulung? Oder erst, wenn Sie alleine unterwegs ist? Wie weit darf sie vorfahren, bevor ihre Fahrt als Alleinfahrt gilt?) Müssen die Schulungen regelmäßig wiederholt werden? Gibt es dann einen Führerschein und wie viel soll der kosten? Oder bekommt man ein digitales Prüfungszertifikat? Wie viel Personal muss bei Polizei und Ordnungsamt aufgebaut werden, um die Fahrerlaubnisse zu kontrollieren? Welche Sanktionen soll es geben und gegen wen sollen die sich bei nicht geschäftsfähigen Personen richten? Undsoweiterundsofort

        Letzte Anmerkung: Mit einem Auto sind Sie auch selbstbestimmt unterwegs, wenn Ihnen die Allgemeinheit nicht überall und zu jeder Zeit einen Parkplatz auf öffentlichen Grund zur Verfügung stellt. Sie kommen auch frei und selbstbestimmt von A nach B, wenn Sie über C fahren müssen, weil zwischendurch nicht jeder Weg für Autos freigegeben ist. Das Sie solche basalen Einschränkungen von bisherigen Privilegien als “Verbot selbstbestimmter Mobilität” wahrnehmen zeigt nur, wie blind Sie gegenüber genau diesen Privilegien sind.

        Und ja, angesichts der Situation auf unseren Straßen, Wegen und Plätzen und angesichts der bereits stattfindenden Klimakatastrophe sollen wir uns als Gesellschaft sehr genau überlegen, welchen Verkehren Privilegien eingeräumt werden sollten und welchen nicht. Unter der Voraussetzung, dass alle die Möglichkeit haben, ihre Mobilitätsbedürfnisse zu erfüllen wäre sehr viel gewonnen, wenn Autobesitzer:innen endlich die realen Kosten, die Ihre freie Wahl der Mobilätsart generiert, auch tragen würden. Inklusive gesellschaftlicher Folgekosten versteht sich.

      15. @Sebastian Warum sollte es jemanden davon abhalten, sich mit dem Rad zu bewegen? Es ist doch kein Problem einen Helm aufzusetzen, eine Schulung und Prüfung zu machen? Die Schulung mit Prüfung und Bescheinigung könnte verpflichtet in den Schulen in Klasse 4 für jedes Kind stattfinden. Die Bescheinigung müsste mitgeführt werden, wie eine Mofa-Prüfbescheinigung, entweder digital und/oder als Karte bzw. in Papierform. Da jedes Kind die Schule besucht und Kinder bis 10 Jahre auf dem Bürgersteig fahren dürfen, müsste es nur verpflichtend werden, dass Kinder bis inkl. 10. Lebensjahr/Prüfung verpflichtend den Bürgersteig benutzen müssen.

        Dass es überhaupt eine große Anzahl Radfahrer gibt, die ohne Helm fahren, finde ich sehr schlimm. Warum nicht auch Radfahrer mit einem Ordnungsgeld belegen, wenn sie gegen die Helmpflicht verstoßen? Viele tödliche Unfälle wären mit Helm nicht tödlich gewesen und viele schwere Kopfverletzungen hätten sich mit Helm vermeiden lassen. Jede dieser vermeidbaren Verletzungen ist eine zuviel. In Spanien z.B. müssen Helme außerhalb geschlossener Ortschaften getragen werden und Jugendliche unter 16 müssen immer Helm tragen.

        Wer in Deutschland keinen Helm trägt und mit Rad in Spanien Urlaub macht, weiß, dass man dort bei Dunkelheit verpflichtend reflektierende Kleidung tragen muss (falls nicht, dann Bußgeld) und trägt dort auch problemlos den Helm und das einfach nur, weil es dort Vorschrift ist, mit dem Wissen “wenn ich dagegen verstoße, kostet es 200 Euro” – die Strafen für Radverkehrsverstöße sind dort allgemein hoch (je nachdem zwischen 80 und 200 Euro). Da beklagt wohl kaum ein Urlauber den Verlust der persönlichen Freiheit.

        Der Kopf eines Menschen ist sehr verletzlich – egal welches Alter und egal ob innerhalb oder außerhalb einer Ortschaft. Selbst langsam fahrend mit einem langsam fahrenden Auto oder einem stehenden Hindernis kollidierend oder durch Fahrfehler stürzend, riskiert man ohne Helm schwerste (möglichweise tödliche) Kopfverletzungen, die oft auch zu lebenslangen Einschränkungen führen. Um schwere, vermeidbare, Verletzungen zu reduzieren wurden Helmpflicht für Mofafahrer und Gurtpflicht für Autofahrer eingeführt, niemand würde das heute als unnötig bezeichnen. Bei Radfahrern bleibt es eine individuelle Entscheidung – für mich völlig unverständlich.

        Natürlich würde eine Helmpflicht gerade anfangs viele Bußgelder nach sich ziehen, das war bei der Einführung der Helmpflicht für Mofas oder der Gurtpflicht im Auto früher nicht anders, als unsinnig hat sich die Pflicht trotzdem nicht herausgestellt und beides sorgte auch damals nicht für Begeisterung, weil viele sich in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt fühlten. Persönliche Freiheit ist das Recht auf schwerste Verletzungen? Wie kann man etwas ablehnen, das nachweislich Schutz bietet?

        Es ist Sache der Eltern selber konsequent Helm zu tragen und ihrem Kind zu sagen “nicht ohne Helm” und da das nicht funktioniert sollte es zur Pflicht werden. Wenn es zur Verwarnung kommt, ist es Sache der Eltern, das mit dem Kind auszumachen (ich persönlich würde meine Kinder die Strafe vom Taschengeld zahlen lassen, damit es zukünftig den Helm auch trägt), damit es einen Lerneffekt gibt.

        Ebenso könnte man die Versicherungspflicht zum “Stichtag” Prüfung einführen, der Tag ab dem Kinder aktiv am Straßenverkehr teilnehmen dürfen und nicht mehr auf dem Bürgersteig fahren dürfen. Warum sollte das eine Hürde sein und vom Radfahren abhalten? Es sollte doch jeder daran interessiert sein, die Sicherheit zu erhöhen und Schäden abzuwenden bzw. im Schadensfall versichert zu sein?

        Und – nein – ich will keinesfalls, dass weniger Menschen mit dem Fahrrad unterwegs sind, wie kommen Sie auf diese seltsame Idee? Ich wünsche mir, dass Menschen sicherer unterwegs sind und dass Menschen aller Altersgruppen sensibilisiert sind für den Straßenverkehr, für auftretende Gefahrensituationen, dass sie Straßenverkehrsregeln kennen, dass sie ihren Kopf schützen und ich wünsche mir auch, dass sie versichert sind.

        Ich wünsche mir, dass die Radfahrer, die in einen Unfall verwickelt sind, problemlos abgesichert sind und ich wünsche mir, dass andere Unfallbeteiligte (z.B. Autofahrer, Fußgänger) im Schadensfall ebenfalls durch die Versicherung des Radfahrers abgesichert sind. Ich wünsche mir ebenso ein Kennzeichen, um Fehlverhalten leichter zu sanktionieren, egal ob es sich um Rotlichtverstöße, Geschwindigkeitsübertretungen, bewusst provoziert gefährliche Situationen usw. handelt.

        Wenn ein Radfahrer in eine durch einen Autofahrer ausgelöste gefährliche Situation gerät, können sich Radfahrer oder Zeugen das Autokennzeichen merken und den Autofahrer anzeigen. Kommt es durch einen Radfahrer zu einer gefährlichen Situation oder zu einem Schaden (und auch das ist nicht selten, z.B. weil ein Radfahrer plötzlich vor das Auto fuhr und der Autofahrer sich bei Notbremsung und Ausweichen Reifen und Felge beschädigt hat) ist der Radfahrer weg und es gibt keine Möglichkeit der Nachverfolgung. Zur Vorbeugung, falls Sie nun so „argumentieren“, nein Fußgänger brauchen kein Kennzeichen. Sie lösen auch Unfälle aus, können sich aber nicht innerhalb von Sekunden weit vom Unfallort entfernen. Ganz allgemein fände ich aber eine verpflichtende Privathaftpflichtversicherung für jeden Bürger sinnvoll.

        Wenn Sie all das für unnötig halten – was würden Sie denn von der Idee halten, die Prüfbescheinigung (also die Theorie mit Vermittlung des richtigen Fahrverhaltens inkl. Vermittlung von Verkehrsregeln usw) sowie die Versicherungspflicht und die Helmpflicht für Mofafahrer wieder abzuschaffen? Eine kurze, praktische Einweisung für die Handhabung/Fahreigenschaften eines Mofas würden reichen. Dann hätte man “Gleichstand” – Mofa und Fahrrad erreichen die gleichen Geschwindigkeiten (das Mofa sogar weniger), Helmtragen wäre eine persönliche Entscheidung und die Versicherung wäre unnötig, da ja (angeblich) sowieso fast alle Menschen privat haftpflichtversichert sind. Ich vermute, dass Sie das für unsinnig halten würden, schließlich sorgt ein Mofafahrer für Schäden, muss bei Fehlverhalten sanktioniert werden, nutzt den aktiven Straßenverkehr, hat ein Verletzungsrisiko usw…

        “Meine Tochter ist 3 und fährt auch schon Rad, müsste die auch zur Schulung? Oder erst, wenn Sie alleine unterwegs ist? Wie weit darf sie vorfahren, bevor ihre Fahrt als Alleinfahrt gilt?”

        Seltsame “Fragen”… Ich gehe doch davon aus, dass Ihre Tochter auf dem Gehweg und begleitet unterwegs ist und sie nicht alleine mit dem Rad auf dem Weg in die Kita ist. Ebenso gehe ich davon aus, dass sie ihr 3jähriges Kind nicht so weit vorfahren lassen, dass es außerhalb Ihres Ruf- und Sichtbereiches ist und nicht vereinbaren “warte zwei Straßen weiter an der Kreuzung auf mich”. Ja, sie müsste zur Schulung, in Klasse 4. Insofern sind das einfach völlig unnötige Einwände, die sich selbst erklären (Pflicht bis 8 Jahre auf dem Bürgersteig und in dem Alter logischerweise nicht unbegleitet), Ihnen ist nur an einer Bagatellisierung gelegen.

        Warum sollten die Schulungen wiederholt werden? Ebenso unsinnig. Müssen Mofa-, Motorrad- oder Autoführerscheine regelmäßig wiederholt werden? Was sie kosten sollten? Nichts – man könnte sie kostenfrei anbieten, es gibt ja derzeit auch Verkehrsschulungen in Kita und Schule, die müsste dann schulisch inhaltlich umstrukturiert werden und am letzten Tag eine Prüfung beinhalten, inkl. Nachweis. Ziemlich lustig finde ich die Frage “wieviel Personal muss bei Polizei und Ordnungsamt zur Kontrolle der Fahrerlaubnisse aufgebaut werden”. Gar keins. Fahrradfahrer würden einfach so mit kontrolliert, wie allgemein im Verkehr kontrolliert wird. Es wird ja auch nicht ständig jeder Autofahrer irgendwo angehalten. Es gibt im Bereich von weiterführenden Schulen immer wieder Mofa-Schwerpunktaktionen, warum da nicht ganz einfach auch Fahrradfahrer bzw. auffälligen Fahrstil mitkontrollieren oder allgemein bei auffälligem Fahrverhalten eben dann, wenn es vor Ort auffällt? Bei nicht geschäftsfähigen Personen sollten sich Sanktionen gegen Erziehungsberechtigte/Vertretungsberechtigte richten. Eltern haben allgemein eine Erziehungspflicht und Schäden wären durch die Versicherungspflicht gedeckt.

        Sie versuchen krampfhaft Argumente gegen Versicherung, Helm und Straßenverkehrsschulung zu finden.
        Zu Ihrer letzten Anmerkung. Natürlich bin ich auch ohne Parkplatz und mit Umwegen selbstbestimmt unterwegs. Allerdings mit Einschränkungen. Umwege empfinde ich als unnötig, nicht wegen eines möglicherweise mehr oder weniger geringen Zeitverlustes, den kann ich einplanen, sondern wegen unnötiger Umwelt- und Verkehrsbelastung. Ich nutze mein Fahrzeug mit Bedacht und vermeide unnötige Wege/Fahrten usw.

        Völlig selbstbestimmt bin ich dann nicht mehr unterwegs, wenn ich mich meinen hilfsbedürftigen Angehörigen kümmere, der durch seine Einschränkungen auf Fahrzeug und direkte Erreichbarkeit angewiesen ist. Das ist dann schon einschränkend, wenn man Adresse x oder y nicht mehr aufsuchen kann und sich andere, möglicherweise auch weit entfernte Anlaufstellen suchen muss.

        Ich verbitte mir Bemerkungen “wie blind ich gegenüber solchen Privilegien bin”. Bin ich nicht. Derartige Kommentare kommen gerne von Menschen, die im Alltag nicht mit Einschränkungen zu kämpfen haben und auch keinen Bezug dazu haben. Im Bereich meiner Tätigkeiten kann ich umfassend beurteilen, wie schwer auch kleine Wege durch notwendige Unternehmungen für Menschen mit Einschränkungen sind, die auf Autos/Fahrer und dementsprechende Halte- und Parkmöglichkeiten angewiesen sind. Auch eine frühere, persönliche Erfahrung durch eine Verletzung mit langer Immobilität/Genesungsphase, die mich dazu zwang notwendige Anlaufstellen tatsächlich nach der Erreichbarkeit (Parkmöglichkeit, Laufwege) auszuwählen, zeigte sehr gut, dass das ich ohne familiäre Hilfe mit Pkw-Mobilität über viele Wochen meine Wohnung nicht hätte verlassen können und notwendige Stellen nicht hätte aufsuchen können.

        Wir brauchen ein Miteinander im Verkehr. Es gibt Straßen, diese können durch Autofahrer und Radfahrer sowie Fußgänger und ÖPNV genutzt werden. Im Moment geht es oft eher darum, die Mobiltätswende umzusetzen, also Reduzierung des Autoverkehrs bzw. des motorisierten Individualverkehrs zugunsten des Radverkehrs und ÖPNV. Es ist wichtig, dass Menschen vermeidbare Autofahrten vermeiden oder wenn sie es können oder wollen auf ein Auto verzichten. Ich fände sinnvoll alle Straßen “zu öffnen” bzw. für alle Teilnehmer zu erhalten, anstatt den Verkehrsdruck durch den Wunsch des Aussperrens motorisierten Verkehrs in umliegenden Gebieten zu erhöhen und Fahrtstrecken zu verlängern, sowie eingeschränkten Personen das Leben zu erschweren.

        So, wie Sie mir unterstellen, dass ich für eine Reduzierung des Radfahreranteils bin, scheinen mir Ihre Kommentare zu verdeutlichen, dass es an der Zeit ist den Autofahrer “zu bestrafen” (reale Kosten, Folgekosten usw.) und dass Sie Autos im Individualverkehr ablehnen. Dann schlage ich vor, dass wir Radfahrer bestrafen, die ohne Helm gefahren sind und nun unter den Folgen einer schweren Kopfverletzung leiden – rauf mit den Krankenversicherungskosten für diese Fahrer und Leistungsausschluss bei privater Unfall- und Haftpflichtversicherung.

        Oder – keine Radwege und allgemein keine Straßenbenutzung für Radfahrer, Straßen und Erhalt sind teuer und der Autofahrer trägt zumindest einen Teil der Kosten. Radfahrer verschleißen keine Straßen, aber sie nutzen sie und sie möchten immer mehr Straßen ohne Autoverkehr nutzen und eine immer bessere Radinfrastruktur haben und das kostenfrei (abgesehen allgemeiner Steuern).

        Nein – schlage ich natürlich nicht vor, es ist genauso unsinnig wie ihr Vorschlag und genauso populistisch wie ihr Vorschlag. Wie ich schon schrieb, wir haben Straßen und die können und sollten wir alle nutzen dürfen und zwar mit Rücksicht aufeinander.

      16. @Sebastian Zur Erinnerung und vielleicht nun auch abschließend, mir ging es grundsätzlich darum, dass es keine nachvollziehbare Begründung dafür gibt, dass eine Gruppe (Mofafahrer) zur Teilnahme am Straßenverkehr einer Altersbeschränkung unterliegt, eine Befähigung (Schulungen, Prüfung) nachgewiesen werden muss, eine Versicherungspflicht und eine Helmpflicht besteht, während einer vergleichbaren Gruppe mit den gleichen Rechten (Teilnahme am Straßenverkehr) und gleichen Risiken keinerlei Beschränkungen (Alter, Schulungen/Prüfung, Helmpflicht, Versicherungspflicht) auferlegt werden.

      17. Hallo Mika, Sicherheit im Verkehr auch für Radfahrer scheint für Sie ja ein wichtiges Schutzziel zu sein.
        Dann befürworten Sie sicher auch diese Maßnahmen:
        1. Tempo 30 in geschlossenen Ortschaften
        2. Gesetzlich vorgeschriebene Rechtsabbbiege-Assistenzsysteme für LKW
        3. Regelmäßige Tests auf Fahrtüchtigkeit für Führerscheininhaber (PKW und dann Ihrem Wunsch gemäß auch Zweirad) im Seniorenalter

      18. @Christian-Andreas
        Warum sollte ich das nicht befürworten? Ich würde allerdings die Tests auf Fahrtüchtigkeit noch erweitern auf alle Altersgruppen mit vorgeschriebenen medizinischen Untersuchungen in regelmäßigem Zeitabstand und regelmäßige/kurzfristig angekündigte Drogentests hinzufügen. Ebenso verpflichtende Drogentest vor Führerscheinbeginn.
        Sehr wichtig fände ich auch ein Tempolimit auf Autobahnen, aus Umweltgründen und aus Sicherheitsgründen.

        Ebenso fände ich es sehr gut, wenn es bei Zulassungen von Pkws Begrenzungen der Leistungsklasse geben würde, ich finde es völlig unsinnig, wenn Pkws sehr viel PS/Hubraum haben.

        Schön wäre auch, wenn es Regulierungen für die Anschaffung völlig überdimensionierter Pkws für Privatpersonen gibt, in letzer Zeit sehe ich z.B. oft Pickups im Straßenverkehr oder auf Supermarktparkplätzen, die scheinbar privat genutzt werden und nicht ihre Begründung darin haben, dass sie z.B. durch Gewerbetriebe genutzt werden. Ein Verbot dieser extrem hohen/geraden Fronten/Kühlergrill wie bei z.B. vielen SUVs wäre auch toll, diese Bauweise führt oft zu schweren Verletzungen bei Fußgängerunfällen.

        Ich gehe davon aus, dass Sie mit Ihrem Kommentar an mich eher bezweckten, mich “vorzuführen” und lächerlich zu machen. Hat nicht funktioniert. Sicherheit und Teilnahme für alle Verkehrsteilnehmer finde ich tatsächlich wichtig.

      19. @Mika: Sie gehen ziemlich locker mit der Realität um. Dass Kinder in der Ebene ein Tempo von 25 km/h „oder mehr“ erreichen, gehört ins Reich der Fantasie – vielleicht abgesehen von sehr kurzen Episoden. Versuchen Sie das doch mal selbst, Sie werden sich wundern.

        Auch sollte man die Betriebsgefahr von Mofas nicht unterschätzen oder kleinreden, wie Sie es tun. Dass eine Motorisierung die Unfallzahlen hochschnellen lässt, zeigt die Verkehrsunfallstatistik schon bei E-Bikes, und bei denen muss man sogar noch ein wenig mittreten.

        Auch Ihr Lobgesang auf den Fahrradhelm ist reichlich übertrieben. Die Hannelore-Kohl-Stiftung hat schon vor Jahren untersucht, wie die Zahl der Kopfverletzungen in verschiedenen Fallgruppen verteilt ist. Seinerzeit entfielen eta 1% auf Radfahrer, jeweils deutlich mehr auf Menschen, die Treppen steigen oder in Autos fahren. Die Forderung nach Treppensteiger- oder Autofahrerhelme wurde trotzdem nie erhoben.

      20. @ Drucker Ich empfinde es als eher amüsant, wie vehement Sie (und andere) das Recht auf “helmfrei” verteidigen und immer wieder nicht vor Whataboutism zurückscheuen. Sollte es Ihnen noch nicht aufgefallen sein – es geht nicht um Fußgänger und auch nicht um Treppenstürze usw. Es geht um Kopfverletzungen durch Fahrradunfälle und diese könnten in großer Zahl vermieden werden, dazu gibt es viele Studien/Berichte.

        Fragen Sie mal Betroffene ohne Helm (falls das noch geht), ob sie es bereuen, zum Unfallzeitpunkt keinen Helm getragen zu haben. Ich kenne zwei – ein Unfall/Aufprall ohne Helm, mit schwersten Kopfverletzungen, Spezialklinik, OPs, seit dem Unfall schwerbehindert und ein Unfall mit Helm (selbstverschuldeter Aufprall auf Auto und Scheibe, Scheibe zerstört und keine! Verletzungen, Kopf unverletzt).

        Und nein, es gehört nicht ins Reich der Fantasie. Wie ich schrieb, schauen Sie gerade im Umfeld von Schulen. Ich musste einige Wochen morgens gegen 7.40/7.50 Uhr zu einer Adresse in Paffrath, bin dabei oft den Hufer Weg gefahren. Schüler rasten diese Straße entlang, überholten mich sogar (auch an sehr engen Stellen, 1,50 Abstand keinesfalls eingehalten), rasten auf die Kreuzung Kempener Straße zu, überquerten die Kreuzung Richtung IGP mit leider nur allzuoft wirklich sehr, sehr gefährlichen Situationen inkl. noch schnell über die “dunkelgrüne” Ampel, um dann in der Straße Richtung IGP ihr hohes Tempo beizubehalten (soweit ich weiß, eine “Spielstraße”).

        Ähnliches Tempo habe ich oft bergab auf der Altenberger-Dom-Straße (Richtung Dünnwald) gesehen oder auch am NCG. Immer mehr Menschen fahren eBikes, auch Kinder. Und – nein, ich werde mich nicht wundern. Ich bin früher (anderer Wohnort) täglich viele Kilometer mit dem Rad gefahren, 25 war ein normales Durchschnittstempo. Und mit einem eBike ist es überhaupt kein Problem auch über längere Strecken ein hohes Tempo zu fahren.

        Ich unterschätze übrigens in keinem meiner Beiträge die Betriebsgefahr eines motorisierten Gefährts. Sicherheit hängt jedoch eben nicht ausschließlich davon ab “Motor ja, Motor nein”.

        Damit dies nun nicht ins Uferlose führt, ist für mich diese Diskussion nun auch beendet. Ich persönlich kann es nicht nachvollziehen, dass für manche Menschen Schutz nicht an erster Stelle steht. Meinen Argumenten haben weder Sie noch andere Diskussionsteilnehmer etwas wirklich Ihnhaltliches entgegenzusetzen, stattdessen erfolgen höhnische oder zynische Kommentare mit vehementer Verteidigung warum Versicherungspflicht, Helmpflicht etc. nicht notwendig sind.

        Zum Glück dürfen Sie und ich jeweils unterschiedliche Meinungen haben. Dass was Sie/andere schreiben, bestätigt jedoch (leider!!!) das Bild, was viele Menschen von Fahrradfahrern haben (meist zu unrecht).

      21. „25 war ein normales Durchschnittstempo“ – Aha, jetzt wird also auch noch ein 25er Schnitt daraus. Ich glaube kein Wort davon.

        „ist für mich diese Diskussion nun auch beendet“ – Das wiederum glaube ich gerne, Sie haben viele gute Gründe dafür.