Foto: Thomas Merkenich

Die Fraktionen von CDU, FDP und FWG wollen einen Kollaps der freien Träger und den Verlust von Kita-Plätzen verhindern sowie den Betrieb neuer Kitas sichern. Daher fordern die drei Fraktionen, dass die Stadt Bergisch Gladbach ein Jahr lang den Anteil an den Kosten für die Kinderbetreuung übernimmt, den die Träger bislang selbst leisten. Die Finanzierung dieser Entlastung lassen sie offen.

Seit Monaten warnen die Träger der Kitas und OGS vor der finanziellen Überlastung und einem drohenden Kollaps des Systems der Kinderbetreuung. Was in Bergisch Gladbach besonders große Folgen hätten, denn hier betreibt die Stadt keine eigenen Einrichtungen, sondern hat sie an Träger wie Caritas, AWO, DRK oder Elterninitiativen abgegeben.

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An diesem System wollen CDU, FDP und FWG ausdrücklich festhalten – aber sie fordern, die Träger für eine gewisse Zeit zu entlasten: „Die Stadt Bergisch Gladbach übernimmt für das Kindergartenjahr 2024/2025 bis zu 100 % der Trägeranteile der freien Träger“, heißt es in einem Antrag der drei Fraktionen zur Sitzung des Stadtrats am 12. Dezember (siehe Dokumentation unten).

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Wie die Maßnahme finanziert werden soll, bleibt in dem Antrag offen. Statt dessen heißt es im Antrag: „Die Gegenfinanzierung wird im Rahmen der Haushaltsberatungen für das Haushaltsjahr 2024 festgelegt.“ Bislang hatten CDU, FDP und FWG bei kostenträchtigen Anträgen auf die Selbstverpflichtung des Rats hingewiesen, eine Gegenfinanzierung vorzulegen. Die Kosten der Maßnahme werden nicht beziffert.

Kostenanteil zwischen 1 und 10 Prozent

Der Eigenanteil der Träger an den Kosten liege zwischen 1 und 10,3 Prozent, das seien für eine 3-gruppige Kita zwischen 6.000 Euro (Elterninitiative) und 60.000 Euro pro Jahr (Kirchlicher Träger), erläutern die drei Fraktionen. Die stark gestiegenen Energie- und Personalkosten belasteten die Träger stark. Auf der anderen Seite würden manchen Trägern Einnahmen zur Deckung der Kosten wegbrechen.

Diese Unterstützung sei auch notwendig, um weiterhin Träger zu finden, etwa für den Betrieb der Kitas, die zusätzlich geplant sind, so der Antrag.

Die Kita-Ausbaupläne im Detail

Sofortkita Innenstadt

An der Jakobstraße hinter dem Bahnhof in der Innenstadt ist die alten Flüchtlingsunterkünfte abgerissen worden Auf dem 3800 qm großen Grundstück wird eine vierzügige Kita mit rund 70 Plätzen gebaut, später ist dort auch ein Spielplatz vorgesehen. Fertigstellung ist für Juni 2025 geplant.

Sofortkita Schildgen „Nittumer Weg“

Am Nittumer Weg in Schildgen liegt ein städtisches Grundstück mit 940 qm, das zur Zeit als Parkplatz genutzt wird. Hier entsteht eine dreizügige Kita mit rund 50 Plätzen; die Parkplätze fallen weg, ein Teil der Fläche wird entsiegelt. Fertigstellung: 1. Quartal 2026

Sofortkita Sand

An der Schulstraße in Sand, neben dem Friedhof und hinter dem Schotterparkplatz, wird eine Wiese bebaut, die als Reservefläche für den Friedhof vorgesehen war. Das Grundstück mit 1700 qm reicht ebenfalls für eine vierzügige Kita mit weiteren 70 Plätzen. Geplante Fertigstellung: März 2025

Sofortkita Lena-Wiese / Am Fürstenbrünnchen

Für den Bau einer Kita am Rand der Bienen- und Blumenwiese am Lückerather Anger an der Straße „Am Fürstenbrünnchen“ hatte es schon 2020 einen Beschluss gegeben, der nach der Kommunalwahl zurückgestellt worden war. Im September 2023 setzte die CDU durch, diesen Standort ebenfalls im Sofort-Kita-Programm voran zu treiben. Derzeit geplante Fertigstellung: Herbst 2025

Weitere Sofortkita (noch offen)

Der Standort einer möglichen weiteren Sofortkita ist noch offen, ein Grundstück im Bereich Moitzfeld / Bensberg / Lückerath werde geprüft, hatte die Stadt im Juni 2023 erklärt.

AWO-Kita Mondsröttchen / Am Reiser (Bensberg/ Kaule)

Die vierzügigen Kita Mondsröttchen mit 90 Plätzen befindet sich bereits in Bau und soll laut Planung ab dem 1.8.2024 schrittweise in Betrieb gehen. 

Kita auf dem Carpark-Gelände (Lückerath)

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„Die Situation der Kitas verlangt aktives und unbürokratisches Handeln im Interesse junger Eltern. Gerade wegen der schwierigen Haushaltssituation wollen wir genau hier eine Priorität setzen. Wir erinnern aber auch an die Verantwortung des Landes, seinen Finanzierungsbeitrag weiter auszubauen“, erklärt Rainer Röhr, zweiter Vorsitzender der FWG-Fraktion. Mit einem entsprechenden Beschluss erhielten die Träger Planungssicherheit für das nächste Kindergartenjahr. Die genaue finanzielle Ausgestaltung werde von Politik und Stadtverwaltung Anfang 2024 im Rahmen der Haushaltsberatungen erfolgen, so Röhr.

Vielfalt erhalten – freie Träger stärken

CDU und FDP betonen ausdrücklich, dass sie am bisherigen Trägermodell festhalten und Forderungen nach der Übernahme der Trägerschaft durch die Stadt ablehnen. Bürgermeister Frank Stein darüber zwischenzeitlich nachgedacht, die Übernahme der Trägerschaft durch die Stadt zuletzt aber aufgrund des hohen Aufwands abgelehnt.

„Die Vielfalt muss unbedingt erhalten bleiben, wir wertschätzen diese Aufgabe sehr. Daher müssen wir gemeinsam der stark zunehmenden finanziellen Not der örtlichen Träger wirksam entgegenwirken“, sagt Brigitta Opiela, Jugendpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion.

„Im Ruf nach städtischen Kitas sehen wir keinen Lösungsansatz, da die so wichtige Vielfalt der Kitalandschaft wegbrechen und der finanzielle Aufwand durch den Aufbau von Fachbereichen und Kompetenz in der Verwaltung, sowie Einstellung von städtischem Betreuungspersonal im mehrstelligen Millionenbereich pro Jahr liegen würde. Es ist dringend erforderlich, die Kitas der freien Träger in unserer Stadt zu erhalten, zu stärken und auszubauen,“ bekräftigt Dorothee Wasmuth, Vorsitzende der FDP-Fraktion, die gemeinsame Forderung.

Dokumentation

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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  1. Kita-Unterstützung

    Fast alle Kitas, egal ob in freier oder städtischer Trägerschaft, leiden unter Personalmangel und hohen Energiekosten. Die Kitas in dieser Situation zu unterstützen, ist genau richtig.

    Aber der Vorschlag, dass die Stadt den Trägeranteil für ein Jahr übernimmt, ist ein Tropfen auf den heißen Stein. So löblich dieser Vorschlag, so kurzsichtig ist er auch.
    Außerdem ist es ein falsches Signal, es wird nur kurzzeitig „gepampert“, aber nicht nachhaltig geholfen.

    Viel sinnvoller wäre es, wenn die Stadt die freien Träger mit einem Zuschuss dabei unterstützt, dass die Betriebs-/Energiekosten langfristig gesenkt werden. Das gelingt, indem die Kitas mit PV-Anlagen ausgestattet werden, um den benötigten Strom auf dem Dach selbst zu erzeugen. Gerade bei Kitas ist die Eigenverbrauchs-Quote mit bis zu 70% sehr hoch. Die oftmals über 15 Jahre alten Gas- oder Ölheizungen können gegen eine Kombination von Luft-Wasser-Wärmepumpen (LWWP) und Luft-Luft-Wärmepumpen (LLWP) ausgetauscht werden. Das wird mit mindestens 35% der Kosten gefördert. Kommen noch Dämm-Maßnahmen des Gebäudes hinzu, lassen sich die Betriebs-/Energiekosten innerhalb eines Jahres leicht um bis zu 60% senken. Mit diesen Maßnahmen werden nicht nur die Träger deutlich unterstützt, sondern auch der städtische Haushalt wird langfristig und nachhaltig entlastet.

    Das wäre eine wirklich nachhaltige Unterstützung, die zudem zur schnellen Klimaneutralität führt. Die Kitas in evangelischer Trägerschaft müssen sowieso bis 2035 klimaneutral werden, so hat es die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) bereits im Januar 2022 beschlossen.

    Dafür habe ich ein fertiges Konzept (Sektoren-Kopplung) ausgearbeitet, das nicht nur theoretisch funktioniert, sondern auch praxiserprobt ist. So ist z.B. die Kita Köln-Brück mit Hilfe der o.g. Maßnahmen seit August 2023 klimaneutral geworden.
    Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.