Das Café Grenzenlos liegt an der oberen Hauptstraße

Das Café GrenzenLos gilt als Vorzeigeprojekt der Inklusion, hier haben Erwachsene mit Behinderung eine Heimat und Teilhabe gefunden. Seit 2019 hat Sonja Schumacher als Leiterin den Begegnungsort mit geprägt, das Programm gestaltet und zuletzt für eine weitere Finanzierung gekämpft. Jetzt ist ihr gekündigt worden, fristlos und ohne Begründung.

Das Café GrenzenLos an der oberen Hauptstraße ist in der vergangenen Woche geschlossen geblieben. Aufgrund von Erkrankungen in der Mitarbeiterschaft und weil sie selbst im Urlaub gewesen sei, erklärt Andrea Kowalewski-Brüwer auf Anfrage. Sie ist die Vorstandsvorsitzende des Clubs Behinderter Menschen und ihrer Freund (CBF) sowie Geschäftsführerin der Tochtergesellschaft Inclusio Rhein-Berg gGmbH, die wiederum das GrenzenLos betreibt.

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Kowalewski-Brüwer sagt aber auch, dass Sonja Schumacher, die das GrenzenLos seit der Gründung 2019 geleitet und geprägt hat, seit Anfang der vergangenen Woche „nicht mehr bei der Inclusio Rhein-Berg gGmbH beschäftigt ist“. Gründe dafür nennt die Geschäftsführerin nicht, da Personalangelegenheiten nicht in die Öffentlichkeit gehörten.

Sonja Schumacher (M.) Ende 2020 mit zwei Mitstreiterinnen im GrenzenLos. Foto: Archiv

Schumacher steht offenbar noch unter Schock, will sich ebenfalls nicht äußern. Sie bestätigt lediglich, dass sie am Montag vergangener Woche ohne Vorankündigung eine fristlose Kündigung erhalten habe. Zudem sei ein Hausverbot ausgesprochen worden, sie habe sich weder vom Team noch von den Gästen des Cafés verabschieden können. Eine Begründung habe sie bislang nicht erhalten, ein Anwalt kläre ihre Rechte.

Wann und mit welchem Personal das GrenzenLos (das regulär von Mittwoch bis Samstag arbeitet) wieder geöffnet wird, ist derzeit nicht klar. Geschäftsführerin Kowalewski-Brüwer verweist auf weitere Erkrankungen und eine dünne Personaldecke. Zwar sei die Planung nicht ganz einfach, aber „solche Situationen haben wir bereits öfter gemeistert, so dass wir zuversichtlich sind, schnell  wieder in den Normalbetrieb gehen zu können.“

Aktualisierung: Am Mittwoch und Donnerstag dieser Woche ist das Café geschlossen. Am Freitag findet eine Karnevalsparty statt, von 16 bis 19 Uhr statt. Am Samstag läuft der offene Treff von 15 bis 18 Uhr.

Stadt will bei Finanzierung einspringen

Auch in der lokalen Politik sorgt die Entlassung für Fragezeichen. Nachdem die Startfinanzierung für das GrenzenLos durch die Aktion Mensch ausgelaufen war hatten sich viele Politiker:innen dafür eingesetzt, die hoch geschätzte Einrichtung zu retten.

Der Sozialausschuss der Stadt Bergisch Gladbach beschloss im Dezember, einen Teil der Finanzierung in Höhe von 70.000 Euro in diesem Jahr und 140.000 Euro im kommenden Jahr zu übernehmen. Die Entscheidung des Stadtrats im Rahmen des städtischen Haushaltes für 2024 und 2025 steht aber noch aus.

Hintergrund: Das Café Grenzenlos bietet Menschen ab 27 Jahren die Möglichkeit in vertrauter & gemütlicher Atmosphäre ihre Freizeit zu verbringen. Es versteht sich als  nachhaltiges, niedrigschwelliges und inklusives Angebot zur Förderung eines selbständigen, selbstbestimmten und gleichberechtigten Lebens in Öffentlichkeit und Gemeinschaft. Das Recht aller Menschen auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, der inklusive Gedanke des Miteinanders, des aufeinander Zugehens, sich Kennenlernens, der gemeinsamen Freizeitplanung- und Durchführung wird in dem Begegnungscafé gelebt.

Menschen mit und ohne Behinderung, unterschiedlichen Alters, Geschlechts, verschiedener sozialer und kultureller Herkunft, unabhängig ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Religionszugehörigkeit sollen sich spontan an einem vertrauten Ort treffen können und durch fachkundige Anleitung Raum, Zeit, Unterstützung und Orientierung für die Teilhabe am Gemeinschaftsleben und bei der individuellen Freizeitgestaltung finden. Wichtiger Bestandteil des Konzepts sind der „Offene Treff“ sowie „Studios“ und Projekte aus den Bereichen Kunst, Umwelt, Bewegung, Brauchtum und Fortbildung. Quelle: Website

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Guten Tag! In den veröffentlichten, anscheinend kontroversen Kommentaren ist für mich Vieles richtig.

    Es stimmt, dass wir von gelebter Inklusion weit entfernt sind, weil die, von Georg sogenannten “Normalos” es wenig attraktiv finden, am Rande des Stadtzentrums, abseits üblicher Aufenthaltswege, in einem Hinterhof gelegen, ein Café zu besuchen, von dessen Existenz sie mangels Werbung meist gar nichts wissen. Ich würde mir wünschen, einen solchen Ort z. B. im, neu zu gestaltenden Zanders-Areal zu finden.

    Trotzdem ist das Café Grenzenlos eine Chance und ein Anfang, das für die Gäste mit kleinem Geldbeutel und sozialen Befürchtungen aus den verschiedensten Gründen, einen Anreiz gibt, Kontakt zu suchen und sich öffentlich selbstbewusst zu zeigen und einzubringen. In der wertschätzenden Atmosphäre des Café Grenzenlos, die allen Menschen zusteht.

    Damit komme ich zu den MitarbeiterInnen, die diese Atmosphäre geschaffen haben. Nicht allein Sonja Schumacher, sondern ein Team hat das geschafft. Frau Schumacher hat überwiegend für die laute Präsenz gesorgt, die es im verschlafenen Bergisch Gladbach brauchte, um dieses wichtige Projekt mit großem Eifer und Erfolg voran zu bringen.

    Viele haben mit ihrer Kompetenz daran mitgewirkt. Die Vereinsmitglieder des CBF (der Name ist echt Retro) und Inclusio, und in der täglichen Umsetzung im Café, Marie und Angelika mit ihrer außergewöhnlich richtigen Mischung aus Kreativität und liebevoller Haltung in der Begegnung mit Menschen.

    Und in dieser Formulierung kann ich bewusst auf eine Unterscheidung von Menschen mit Behinderung und “Normalos” verzichten. Damit sehe ich das Ziel des Teams in der menschlichen Begegnung erreicht und finde es dennoch schade, dass so wenige Menschen davon wissen und die Atmosphäre genießen können.

    Ich möchte betonen, dass es ein Team mit unterschiedlichen Kompetenzen und den starken Fähigkeiten braucht, ein Café Grenzenlos für alle Menschen attraktiv zu machen. Dem im Café Grenzenlos wirkenden Team ist mit der Kündigung von Frau Schumacher großer Schaden zugefügt. Und damit der Bergisch Gladbacher Gesellschaft. Das macht mich traurig.

    Abgesehen von dem, vor Ort so erfolgreichen Team, fehlt es doch immer noch an dem notwendigen Einsatz finanzieller Ausstattung und Unterstützung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft der Stadt, dass sich alle Menschen “auf Augenhöhe” begegnen. Ich denke, dafür hat sich Sonja Schumacher und ihr Team stark gemacht, vielen, vielen Dank dafür.

  2. Dass fristlos gekündigt wurde, lässt natürlich aufhorchen. Das darf man nur aus wichtigem Grund, der in der Regel mit einem groben Fehlverhalten zu tun hat. Ob dieser wichtige Grund wirklich gegeben ist, wissen wir nicht, aber der Arbeitgeber scheint es entweder zu meinen oder er ist komplett unbedarft in Sachen Arbeitsrecht. So oder so wird da noch eine Nachricht folgen.

  3. Mal am Thema vorbei, weil ich dazu direkt mangels näherer Kenntnis nichts beizutragen habe:
    Was mir (negativ?) auffällt ist, dass im Anreißer an prominenter Stelle steht, dass Frau S. fristlos und ohne Begründung gekündigt worden ist. Aber für letzteres findet sich kein Beleg, außer ihrer Aussage.
    Muss man das so schreiben? Ist das journalistisch sauber? Von einer Seite gibt es (nachvollziehbarerweise) keine Aussage ggü. der Presse / Öffentlichkeit (bin kein Jurist, aber ich vermute, hier darf gar keine Aussage getätigt werden, so hoch wie in Deutschland die Ansprüche hinsichtlich Datenschutz sind) und dann wird die Aussage der anderen Seite bereits im Anreißer als Fakt präsentiert?
    Finde ich schräg… und damit schwingt im ganzen Artikel mit, dass sich die Redaktion doch unausgesprochen auf einer Seite stellt.

    1. Das ist journalistisch sauber. Wir haben den Arbeitgeber damit konfrontiert, der diesen Sachverhalt nicht bestreitet. Aus den genannten Gründen aber inhaltlich nicht Stellung beziehen darf.

  4. Ich finde es schade das wir immer noch in einer Zeit leben wo Menschen “Behinderte” sagen.

    Ich bin kein Fan von Sprachpolizei. Ich gendere nicht.
    Wenn ich sage Bürgermeisterwahl dann ist es so. Ich sage nicht Bürger*innenmeister*innen Wahl.
    Oder wenn ich schreibe “sehr geehrte Damen und Herren” statt “sehr geehrte Damen, Herren und adressierte Personen”. Aber da soll jeder es so machen wie er es möchte

    Bei manchen Dingen ist mir die Sprachliche sache aber wichtig.
    Der Begriff “Behinderte” ist per se eine Begrenzung des Menschen auf seine Behinderung.

    Natürlich haben sie eine behinderung. Aber sie verkörpern nicht die Behinderung.
    Jeder Jugendliche hat Pickel. Aber deshalb würde ich niemals zu nem Jugendlichen Pickel sagen.
    Selbst wenn er einen Pickel hat.

    Wolfgang Schäuble war kein Behinderter.
    Er war Politiker, Vater, Christ, Präsident, Ehrenamtler, Freund der Wissenschaft, Demokrat.
    Aber er war kein behinderter. Weil er eben so viel mehr war als das woran er eben ein wenig.

    Sie wollen vielleicht auch kein Mitleid oder permanente Betreuung.
    Jeder hat einfach mit irfendwas zu kämpfen. Will aber auf Augenhöhe begegnet werden.

    Auch beim Thema Finanzierung nur weil eben so wenige mitmachen.

    Mir hat mal jemand gesagt ,,Politik ist nichts anderes als wer bekommt wie viel vom Kuchen”.
    Bei einer Diktatur bekommt halt einer den Kuchen und die restlichen streiten sich um die Krümmel

    Der Kuchen ist Geld, Macht, Einfluss, Reichweite.
    Der Bergisch Gladbacher Haushalt ist öffentlich per Google zu finden. Auch der vom kreis.
    Man kann also mit ein bisschen Mathe Kenntnisse mit Zahlen spielen.

    Und dann guckt mal um welche Summen es geht macht euch das Bildlich. Wiegt einen kuchen und guckt wie groß ein Prozent des Etats ist. Wie viel 0,1% und wie viel diese Summen sind ist.

    100.000 Euro mögen viel klingen. Für einen einzelnen.
    Aber in Relation zum Haushalt des Kreises.

    Die Wahrheit ist doch die:
    Hier gibts ein Cafe und einen Ort wo menschen mit und ohne behinderung sich treffen können. Viele fühlen sich wohl.
    Der möchte finanziert werden. Und sucht Mittel. Finanzielle.
    Dafür braucht es kein Stück kuchen sondern ein paar Rosinen.

    Bei anderen Ausgaben der Stadt die ganze Brocken vom Kuchen sind und in meinen Augen verschwendet werden. Da sollte man sich drüber aufregen

    Soll man es doch lassen. Alles liebe Menschen die keinem was tun

  5. Lieber Georg,

    ich kann Ihnen nur zustimmen. Meine Schlußfolgerung ist aber eine andere.

    Natürlich sind durch die begrenzten Mittel des Cafe’s nur begrenzte Möglichkeiten vorhanden. Die Räumlichkeiten und Sitzplätze sind durchgehend über die Jahre hinweg gut genutzt. Sowohl innerhalb, als auch vor dem Cafe. Es treffen sich regelmäßig Menschen der unterschiedlichsten Nationen, Religionen und Anschauungen. Und über die Zeit haben sich persönliche Beziehungen und Freunschaften gebildet, die bis in das private Umfeld reichen. Manchmal auch bis hin zu den Bewohnern der anliegenden Wohnungen.

    Ob es um berufliche, soziale oder um Themen des täglichen Lebens geht – die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter haben immer ein offenes Ohr und stehen mit Rat und Tat zur Seite. Das Angebot ist vielfältig und es ist für jeden was dabei. In der Coronazeit hat das Team den Kontakt über SozialMedia zu den Gästen nicht abreißen lassen. Auch nach dem “Dienst”. Dafür bin ich sehr dankbar.

    Als ehemaliges Mitglied im Kompetenzteam eines sozialen Trägers hätte ich mir eben solches Engagement auch in den anderen Bereichen der Inklusion hier in der Stadt und im Kreis gewünscht, um genau diese Hemmschwelle abzubauen, von der Sie gesprochen haben. Aber wir beißen ja nicht. Und ich denke, wenn Sie Ihre Wünsche dem Team mitteilen, wird darauf eingegangen werden. Nur Mut.

    Beim Blick in die Zukunft hoffe ich, daß das Grenzenlos erhalten bleibt und gelebte Inklusion auch in Bergisch Gladbach zur Normalität werden wird. Der Grundstein ist dafür gelegt.

    Danke und weiter so.

  6. Was für ein Trauerspiel und Drama rund um das Café Grenzenlos! Nicht nur dass durch die Kündigung von Frau Schumacher den Menschen mit Behinderung der einzige Begegnungsort droht wegzubrechen.

    Nein, es wird hier im Kommentar von @Georg die volle Breitseite der Diskrimierungen von Menschen mit Behinderung deutlich, der u.a. von „BEHINDERTEN“ schreibt. Wenn Menschen mit Behinderung das lesen, würden sie sagen: zuerst bin ich Mensch, und ich bin behindert.

    Wenn Georg sich im Grenzenlos nicht wohl gefühlt hat, ist das ja ok. Unterschiedliche Personen brauchen unterschiedliche Orte! Aber dieser Ort, das Grenzenlos, ist schon besonders, weil Menschen mit Behinderung sich dort aufhalten können, ohne (!!) ständig betreut zu werden.

    Die Menschen mit Behinderung sind es nicht gewohnt, sich einfach mal so, ohne therapeutisches Ziel aufzuhalten. Sie sind es nicht gewohnt, Interessen zu entwickeln, die sich nicht zweckgebunden sind. Sie leben zum großen Teil in einer Parallelwelt, die von Anforderungen der „Normalisierungsbemühungen“ und Anpassungsleistungen an „unsere Welt“ besteht. Sie gehen zur Förderschule und sind dort genauso unter sich, wie später in den Werkstätten, wo sie für einen Apfel arbeiten (für das dazugehörige Ei reicht es nicht).

    Überall wissen andere, was für sie gut und richtig ist. Nur im Grenzenlos, da dürfen sie „einfach sein“, teilnehmen, wann und wie sie wollen. Interessen entwickeln, mitarbeiten und einen Freundeskreis haben, das alles ist Gold wert, für mich, für Georg und alle, die sich im Grenzenlos wohlfühlen. Inklusion beginnt genau da!

    Die Besucher*innen des Grenzenlos gehen gestärkt in ihre Parallelwelt und noch besser, sie trauen sich, diese zu verlassen. Sie engagieren sich beim Stadtentwicklungskonzept in Gronau, beim Klimarat, im Inklusionsbeirat der Stadt und auf Demos für Demokratie.

    So sieht gelebte Inklusion aus! So wird Inklusion in der Stadtgesellschaft sichtbar! So lernen wir alle, was wir tun müssen, um die Teilhabe und Teilnahme aller in Bergisch Gladbach zu sichern – und das nicht nur im Grenzenlos.

    Was mich zum nächsten Punkt des Trauerspiels führt: Hier schreibe ich als Mensch ohne Behinderung, genau wie Herr Vossebrecker. Wir schreiben als Verbündete, als Ally.

    Die Mitarbeiterinnen und besonders Frau Schumacher haben mit ihrer Arbeit schon soooo viel erreicht, doch leider braucht Inklusion noch viel Zeit. Aber ich bin sicher, dass sich das Medienstudio im Grenzenlos mit diesen Beiträgen befassen wird und dann bald Stimmen der Menschen mit Behinderung zu hören und zu lesen sind.

    Ich selbst bin mit den Besucher*innen des Grenzenlos in gutem Kontakt. Als ehemalige Leiterin des Jugendcafés, „Cafe Leichtsinn“ in Trägerschaft der Katholischen Jugendagentur, habe ich die Türen für Jugendliche mit und ohne Behinderung weit geöffnet. Die jetzigen Besucher*innen im Grenzenlos sind zum Teil ehemalige aus dem Leichtsinn.

    Als ich gestern in der GWK für den Inklusionsbeirat zu tun hatte, kamen, kaum das ich auf dem Gelände war, aus allen Richtungen Menschen auf mich zu und fragten besorgt und traurig, was denn jetzt im Grenzenlos werden solle, ohne Sonja (Schumacher). Deshalb schreibe ich hier als Verbündete der Menschen mit Behinderung, nicht über sie, sondern für sie, weil der Zugang für sie in diesem Format schwierig ist.

    Vielleicht mag Herr Watzlawek auch in die Werkstatt am Schlodderdicher Weg fahren und dort mit den betroffenen Menschen sprechen. Das wäre dann sicher der beste Beitrag unter dem Artikel.

    1. Anne Skribbe, sie können gerne versuchen die Sprachpolizei zu spielen, aber ich werde weiterhin “Behinderte” sagen; ich bin übrigens selber einer. Das Schwerbehinderte “zuerst bin ich Mensch, und [dann] bin [ich] behindert” auf die Bezeichnung “Behinderte” antworten würden, dass glauben sie doch selber nicht. Solche sprachlichen Subtilitäten zu verstehen, dass können nur die aller wenigsten (auch nur wenige Normalos). Wie sie aus solchen Banalitäten eine “Breitseite der Diskriminierungen” konstruieren wollen, bleibt ihrer Fantasie überlassen.

      Interessant fand ich auch den ad hominem Angriff der Unterstellung, dass ich mich im GrenzenLos nicht wohl gefühlt hätte und deshalb mir einen anderen Ort suchen solle. Erstens stimmt das nicht und zweitens finde ich die Andeutung, wenn es dir nicht passt, dann hau doch ab, wenig inklusiv. Das deutet auf eine völlige Unfähigkeit mit berechtigter Kritik umzugehen an.

      Daran, dass es Orte gibt, wo sich “Menschen mit Behinderung […] aufhalten können, ohne (!!) ständig betreut zu werden”, kann ich nichts besonders fördernswertes finden. Dass ist die fast ausschließliche Mehrheit aller Lokalitäten. Dafür braucht es nun wirklich kein GrenzenLos! Anne Skribbe offenbart hierdurch, dass sie die Mission des Cafés nicht verstanden hat und die Bedeutung von Inklusion nicht versteht. Völlig abseitig sind auch die Vorstellungen Frau Skribbes von dem Lebens eines “typischen Behinderten”, dass sie zu beschreiben meint. Ich will nicht weiter auf ihren Unfug eingehen.

  7. Ich kenne das GrenzenLos nun schon eine Weile. Es kommen nur wenige Gäste dort hin (vielleicht 15-20 Personen pro Nachmittag). Es sind immer die Gleichen. Außer Behinderten und Mitarbeitern ist niemand da; man ist unter sich. Eine nennenswerte individuelle Betreuung der Behinderten findet nicht statt; es wird lediglich ein behindertenspezifisches Zusatzprogramm z.B. “Studios” und “Exkursionen” angeboten. Also Inklusion findet nicht statt. Die Öffnungszeiten sind so knapp bemessen (typischerweise Mi, Do, Fr, Sa für wenige Stunden), dass normales Publikum nicht angesprochen wird. Tatsächlich wäre hierfür eine Nische, da in der weiteren Umgebung des GrenzenLos (in der Nähe des Evangelischen Krankenhauses) keine weiteren Cafés liegen. Wegen der versteckten Lage und der nicht vorhandenen Öffentlichkeitsarbeit (für Normale) wird jedoch kaum einer die Lokalität finden. Dazu ist der Geldaufwand für das Café von ca. € 140.000 im Jahr sehr hoch. Hiermit könnte man sehr viel mehr für die geringe Zahl an Behinderten, die das GrenzenLos (vielleicht 50 Personen) besuchen, erreichen. Eine Fortführung der Finanzierung ist somit Geldverschwendung.

    1. Ihre Verwendung des Wortes “normal” beweist schon, wie unqualifiziert und diskriminierend dieser Beitrag ist.

      Das GrenzenLos hat unter der alten Leitung Arbeit in viele verschiedene Richtungen gemacht: es war ein Begegnungsort für Menschen mit und ohne Behinderung, hat mit Studios und Exkursionen eine vielseitige (Weiter-)Bildungsarbeit gemacht und war vor allem ein Ort, an dem sich viele Menschen wohlfühlen konnten. Für Menschen mit Behinderung gibt es generell viel zu wenige Freizeitangebote und Orte, an denen sie sie selbst sein dürfen – oft wegen Leuten wie Ihnen, die sie als “nicht normal” ausschließen. Das GrenzenLos bietet genau das: einen sicheren Ort, an dem jede*r willkommen ist, egal, wer sie oder er ist.

      Eine bessere Lokalität wäre natürlich wünschenswert, genauso wie mehr Kapazitäten für Öffentlichkeitsarbeit (die keineswegs schlecht war) und noch mehr pädagogische Fachkräfte – aber die Arbeit, die das Team rund um Sonja Schumacher geleistet hat, war wirklich bemerkenswert und hat einen einzigartigen Ort geschaffen.

      Jetzt ist die Kündigung von Sonja Schumacher natürlich ein schockierender und schmerzhafter Verlust für die Inklusion in Bergisch Gladbach – und ich bin besorgt darum, dass das GrenzenLos ohne ihre pädagogische Expertise nicht das Leuchtturmprojekt in Bergisch Gladbach bleibt, das es bisher war.

      Aber dass es weiterhin Leute gibt, die die Unterstützung eines so offenen, inklusiven Begegnungsortes als “Geldverschwendung” diffamieren, zeigt, dass für Inklusion in Bergisch Gladbach noch viel getan werden muss.

      1. Eigenartig, wie ein Politiker “Joshua Vossebrecker (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Bergisch Gladbach)” — ohne vermutlich jemals im Café Grenzenlos gewesen zu sein — darüber zu urteilen sich anmaßt. Bestenfalls ist der Herr Vossebrecker einmal zu einem Tag der offenen Tür gekommen. Auch hat der Politiker Vossebrecker sicher kaum jemals eine der “Weiterbildungen” besucht oder sich an “Exkursionen” beteiligt. Stattdessen füllt er seine Antwort auf meinen Kommentar mit üblichen Phrasen “[f]ür Menschen mit Behinderung gibt es generell viel zu wenige Freizeitangebote und Orte” und wird sogar beleidigend “wegen Leuten wie Ihnen, die sie […] ausschließen”. So wird mein sorgfältig begründeter Kommentar von ihm auch als “diffamierend” bezeichnet. Es wird einem Himmelangst, wenn solch ein, in dieser Sache, völlig inkompetenter Politiker, wie Joshua Vossebrecker über die Verwendung unserer Steuergelder zu bestimmen hat.

      2. Die Empfehlung des Stadtrats, das GrenzenLos in dieser Höhe zu fördern, ist einstimmig gefasst worden. Einige der dort vertretenen (ehrenamtlichen) Politiker:innen kennen das Café gut, Joshua Vossebrecker ist dort regelmäßig. Hier finden Sie weitere Stimmen:

        https://in-gl.de/2023/12/01/cdu-grenzenloser-unterstuetzer-des-cafe-grenzenlos/
        https://in-gl.de/2023/11/02/gruene-und-spd-machen-sich-fuer-cafe-grenzenlos-stark/
        https://in-gl.de/2023/11/30/kommunal-kurz-und-knapp-sozialausschuss-fordert-finanzierung-von-cafe-grenzenlos/