Kinderärztin Dr. med Uta Römer. Foto: privat

Anfang des Jahres hat die Ständige Impfkommission (Stiko) die Impfung gegen Meningokokken B für Kinder bis fünf Jahre empfohlen. Kinderärztin Uta Römer erklärt, warum das wichtig ist, wann die Impfung in den Praxen verfügbar sein wird und was mit älteren Kindern zu tun ist.

Meningokokken sind Bakterien mit einer Schutzhülle. Sie leben im Mund- und Rachenraum gesunder Personen – man schätzt, dass circa zehn Prozent aller Menschen diese Bakterien unwissentlich in sich tragen, bei Jugendlichen liegt die Prävalenz sogar um die 20 Prozent.

Es gibt zwölf unterschiedliche Typen dieser Meningokokken. Die bekanntesten und wichtigsten sind A, C, W, Y und B – sie sind für die Hauptanzahl der Infektionen von Kindern und Jugendlichen verantwortlich. Erkrankungsgipfel sind das Säuglings -und Jugendalter.

Warum ist die Infektion so gefährlich?

Der Beginn der Erkrankung verläuft völlig unspezifisch, wie ein grippaler Infekt mit einer Inkubationszeit (Krankheitsbeginn ab Ansteckung) von drei bis vier Tagen. Vor allem bei Kindern sieht es anfangs aus wie ein harmloser Infekt.

Doch dann kommt innerhalb von Stunden hohes Fieber dazu, ein starkes Krankheitsgefühl mit z.B. Kopfschmerzen, Erbrechen, epileptischen Anfällen und/oder einer Infektion des gesamten Körpers mit Beteiligung aller Organe (Sepsis).

Zwei Drittel der Patienten entwickeln eine Meningitis (Hirnhautentzündung) mit der Gefahr bleibender neurologischer Schäden, z.B. geistige Behinderung, Lähmungen, Lernschwierigkeiten, Seh- und Hörstörungen, Angstzuständen etc.

Ein Drittel der Erkrankten – besonders Säuglinge – entwickelt eine Sepsis mit der Gefahr späterer Gewebsnekrosen (das Gewebe stirbt ab) und notwendiger Amputationen oder z.B. bleibenden Schäden an den Nieren.

Ein besonders hohes Risiko zu erkranken haben Personen mit einem unreifen Immunsystem (Säuglinge) oder einem geschwächten Immunsystem (z.B. chronisch Kranke) und Personen mit engen sozialen Kontakten wie Jugendliche.

Insgesamt leidet jeder fünfte Erkrankte an Spätfolgen. Die Sterblichkeit liegt bei acht Prozent.

Viele Infektionen durch Meningokokken B

Menschen sind die einzigen Träger für diese Bakterien. Wir kennen sie bereits durch die Einführung der Meningokokken-C-Impfung vor einigen Jahren. Aufgrund dieser Impfung sind die Infektionen mit Meningokokken C massiv zurückgegangen und spielen bei der Gesamtzahl der Infektionen nur noch eine geringe Rolle.

Laut RKI gab es 2019 circa 1422 Erkrankungen mit Meningokokken in Europa, davon in Deutschland allein 256 Fälle. Der häufigste Erreger – 62 Prozent – waren Meningokokken B, bei Säuglingen waren diese sogar für 87 Prozent der Fälle verantwortlich.

24 Prozent der Erkrankungen wurden durch Meningokokken Y und sechs Prozent durch Meningokokken W hervorgerufen.

In Zeiten von Corona wurden die Meningokokken-Infektionen deutlich seltener gesehen. Das Tragen von Masken und die Kontaktsperre haben die von Mensch zu Mensch übertragenen Infektionen verhindert.

Dieser Text ist zuerst im Newsletter „GL Familie“ erschienen. Er richtet sich an die Eltern (und Großeltern) jüngerer Kinder, hier können Sie ihn kostenlos bestellen.

Die Impfung: Wann und wie?

Nach Corona verzeichnen wir wieder deutliche Anstiege der Infektionszahlen, daher war es dringend Zeit, dass die Stiko die Impfung gegen Meningokokken B empfohlen hat. Leider nur für Kinder bis zum fünften Lebensjahr, aber es ist ein Anfang.

Wann impfen wir? Sobald der bürokratische Aufwand der Kostenabwicklung mit den gesetzlichen Krankenkassen beendet ist. Wir rechnen damit, dass ab Sommer 2024 der Meningokokken-B-Impfstoff in den Praxen bereitliegt.

Der Impfbeginn ist ab der achten Lebenswoche empfohlen. Die Meningokokken-B-Impfung „Bexero“ sollte so früh wie möglich zusammen mit der Sechsfach-, Pneumokokken- und Rotaviren-Impfung verabreicht werden.

Bei Kindern unter zwei Jahren werden insgesamt drei Impfungen verabreicht, ab zwei Jahre zwei Impfungen.

Wirkung und Nebenwirkungen

Da die Bexero-Impfung Fieber verursachen kann, empfiehlt die Stiko nach der Impfung eine frühzeitige Paracetamol-Gabe bis zu dreimal im Abstand von acht bis zwölf Stunden. Der Impferfolg wird dadurch nicht beeinträchtigt.

Der Schutz vor Erkrankungen durch Meningokokken B beträgt mit der Impfung circa 70 bis 80 Prozent (es gibt verschiedene Meningokokken-B-Stämme, nicht alle werden durch die Impfung abgedeckt).

Zu beachten ist, dass die Impfung nicht vor der Besiedlung des Mund- und Rachenraumes schützt. Geimpfte können also weiterhin Träger dieser Bakterien sein und andere anstecken. Wie lange die Impfung wirkt und ob nachgeimpft werden muss, ist bisher nicht bekannt.

Sinnvoll auch für Jugendliche

Natürlich dürfen auch Personen über fünf Jahren geimpft werden. Sinnvoll wäre das vor allem für Jugendliche. Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten dafür bereits seit Jahren. Für Personen ab zehn Jahren gibt es einen zweiten gut wirksamen Impfstoff namens „Trumemba“.

Im europäischen Ausland ist die Meningokokken-C-Impfung bereits durch die Impfung gegen Meningokokken A, C, W und Y ersetzt worden – eine sinnvolle Impfstrategie angesichts der Infektionszahlen.

Besonders die Meningokokken W sind auch für Infektionen im höheren Erwachsenenalter bekannt.

Als Reiseimpfung wird die ACWY-Impfung in Deutschland bereits von vielen Kassen übernommen. Lassen Sie sich in Ihrer Kinder-und Jugendarztpraxis beraten.

Bleiben Sie gesund !!

Ihre Uta Römer

Quellen: RKI, WHO, BVKJ. Mehr Informationen auf der Webseite meiner Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizin in Refrath.


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Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Sie hat eine Praxis in Refrath.

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