Der Sonderzug mit historischer Lok und Waggons am ehemaligen Hauptbahnhof in Gronau. Foto: Jörg Seidel

Seit knapp 60 Jahren werden auf dem alten Bahndamm zwischen Gladbach und Bensberg keine Personen mehr befördert. Mit seltenen Ausnahmen: Am Wochenende zog eine 70 Jahre alte Lok einige bis zu 100 Jahre alte Waggons über die Strecke bis zum ehemaligen Hauptbahnhof Bergisch Gladbach in Gronau.

Der Rheinische Industriebahn Museums e.V. hatte am Wochenende eine sogenannte Schienenkreuzfahrt veranstaltet und dabei verschiedene Güterbahnhöfe im rechtsrheinischen Köln angesteuert. Bei dieser „Studienfahrt“ habe der Verein auch im Güterbahnhof Bergisch Gladbach und im ehemaligen Bergischer Gladbacher „Hauptbahnhof“ in Gronau Station gemacht, berichtet Jörg Seidel, Museumsleiter und Organisator des Ausflugs.

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Der Zug wurde von einer Lok aus den 1950er Jahren über das noch intakte Gleis gezogen. Foto: Jörg Seidel

Güterbahnhof Bergisch Gladbach, Hauptbahnhof in Gronau? Auch wenn diese Begriffe heute in Bergisch Gladbach keine Rolle mehr spielen, so haben sie doch einen festen Platz in der Eisenbahngeschichte der Region, erläutert Seidel.

Unter dem Güterbahnhof Bergisch Gladbach versteht man die nicht elektrifizierten Gleisanlagen neben dem heutigen S-Bahnhof. Hier seien früher die Güterwagen für Zanders und Saint Gobain Isover sortiert und bereit gestellt worden, bevor sie die benachbarten Firmengelände anfuhren.

Bergisch Gladbachs Hauptbahnhof lag früher tatsächlich in Gronau, das denkmalgeschützte Empfangsgebäude beherbergt heute Teile der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW). Der alte Bahndamm, der am Bahnübergang Tannenbergstraße abzweigt und bis Bensberg führt, liegt hinter der FHDW, ist längst weitgehend zugewachsen und immer wieder Gegenstand politischer Pläne. Der Personenverkehr auf dieser Strecke war 1965 stillgelegt worden, das Gleis bis ins Gewerbegebiet Zinkhütte aber weiterhin genutzt worden.

Das Teilstück bis zu den ehemaligen Gleisen des Hauptbahnhofs ist jedoch nach wie vor befahrbar, wie die Schienenkreuzfahrt jetzt erneut bewies. Der Rheinische Industriebahn Museums e.V. hatte das mehrfach getestet, zuletzt 2019.

Auch früher schon war der Rheinische Industriebahn Museums e.V. in Bergisch Gladbach mit einem historischen Schienenbus unterwegs. Fotos: Jörg Seidel

Bei dieser Fahrt kam eine Rangierdiesellok aus den 1950er Jahren zum Einsatz, mit Waggontypen aus den 1920er und 1950er Jahren, berichtet Seidel weiter. Diese Fahrzeugtypen seien auch früher auf den Bahnstrecken Bergisch Gladbachs gefahren.

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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  1. Das diese alte Bahntrasse nicht für eine angemessene Straßen -Anbindung für Bergisch Gladbach genutzt wird ist völlig unverständlich.

  2. Ich stimme Sam Urai zu hundert Prozent zu. Die Nutzung des alten Bahndamms für eine Straßenbahn nach Bergisch Gladbach wäre m. E. auch eher zu realisieren als eine Verlängerung von Thielenbruch her. Hier dürfte Widerstand sowohl von der Stadt Köln als auch von Naturschützern kommen. Letztere warnen sicher nicht zu Unrecht vor negativen Auwirkungen auf die Naturschutzgebiete Thielenbruch und Thurner Wald.
    Ergänzend zu den Ausführungen von Sam Urai möchte ich noch auf die Überlegungen hinweisen, eine Gladbacher Straßenbahn dereinst im Zanders-Gelände enden zu lassen. In den letzten Wochen und Monaten ist davon aber überhaupt nicht mehr die Rede, wenn es um die Zukunft des alten Industrie-Areals geht. Haben die städtischen Kommunalpolitiker die Idee schon still und heimlich begraben?

  3. Schade, mein Kommentar von heute Morgen scheint nicht gespeichert worden zu sein. Daher nochmals.

    Eine KVB Linie über den Bahndamm könnte evtl. das zweite S-Bahngleis überflüssig machen und sogar mehr Menschen erreichen als 10 Min-Takt an der S-Bahn.

    Eine Haltestelle am Fahrraddepot des Bhf GL. Im 20-Minuten-Takt zwischen den S-Bahnen ergibt sich ein 10 Min. Takt nach Köln.
    Weitere Haltestellen:
    – FHDW/Polizei
    – Nelson-Mandela-Gesamtschule
    – Hüttenstraße (für die Arbeiter im Gewerbegebiet)
    – Saaler Mühle (mit P+R Parkdeck)

    und dann per Gleisdreieck Richtung Köln oder Bensberg.

    Ab Refrath fährt die Bahn morgens alle 4/6 Minuten, die dort drehende könnte auch bis GL fahren.

    Somit würde man GL-Zentrum besser an Bensberg, Refrath, Brück, Merheim (Klinik), Höhenberg (Bad + Sportpark) sowie an die FH Köln anschließen.

    Mir ist unverständlich, warum dieses Projekt in der Politik so wenig Anklang findet und man eher Straßen oder Radschnellwegen bauen möchte.

  4. Was ich sehr schade finde:
    Vor einigen Jahren hat man die Gleise ins Heidkamper Industriegebiet platt gemacht.
    Da wäre einiges möglich gewesen.
    Anlieferung von Paketen mit der Bahn, anschließend auf E-Transporter und E-Lastenfahrräder umverteilt und damit sowohl Gladbach als auch Bensberg beliefert.

    Das verstehe ich bis heute nicht: warum hatten die Politiker es so eilig diese Bahnstrecke unwiederbringbar zu vernichten?

    Dik Greinus

    1. [Es schreibt der Mensch, der dieses Pseudonym seit mehreren Jahren nutzt und dessen Name der Redaktion vorliegt…]

      Die Grundstücke, auf denen diese Schienen lagen, hat die Krüger-Gruppe gekauft und dann die Gleise direkt abgebaut. Das gleiche Unternehmen ist einer der größten Befürworter der innerstädischen Ortsumgehung, aka Autobahnzubringer über die Bahndammtrasse, da könnte man eine Motivation vermuten.

  5. Die alte Bahntrasse verläuft an einem der teuersten Golfplätze Deutschlands vorbei.
    Als wenn diese Strecke wieder für was unangenehmes reaktiviert würde was nachher noch beim putten stört.

  6. Warum hat man nicht erfahren das der alte Zug nochmal in Gladbach war , wären gerne hin gegangen !

    1. Der Verein hatte die Fahrt nicht öffentlich angekündigt, weil sie nur sehr kurzfristig genehmigt worden war.

  7. Guten Morgen
    Das wäre doch eigentlich eine gute Sache. Den Bahndamm als Schnellradweg?
    Zu nutzen bis Bensberg. Und dann könnte man auch Richtung Porz fahren.
    Sichers Fahrradfahren. Aber warum wird das nicht umgesetzt.? Eine Strecke die nicht genutzt wird. Schade finde das.

    1. Am Fuß des Dammes gibt es doch einen Weg. Ein Weg auf dem Damm verringert die Fahrzeit nur minimal, da wäre eine parallele Bahnnutzung besser.

      1. Stimmt, aber mit einem Radschnellweg auf dem Bahndamm wäre man auf dem Fußweg als Fußgänger endlich vor den Rasenden geschützter und sicherer unterwegs.

      2. Sehe ich genau so,
        vom Eisstadion bis Finanzamt kommt man eigentlich gut voran,
        eine Gefahrenstelle befindet sich im Wendehammer der Robert Schuman Strasse, unübersichtlich, aber auch Radfahrer müssen ihre Geschwindigkeit den Gegebenheiten anpassen.

      3. Sehe ich, als regelmäßiger Benutzer dieses Wegs, nicht so: Der Weg ist holprig (seit Jahrzehnten wurde nichts an der Oberfläche getan), hat schon vor dem Wendehammer Robert-Schuman-Straße bis hin zum Golfplatz mehrere (!) enge, unübersichtliche Stellen und geht anschließend mehrfach rauf und runter. Die Saaler Straße kann man nicht gefahrlos überqueren. Fazit: Auf dem Bahndamm mit seiner geraden Streckenführung und gleichmäßigen Steigung käme man deutlich bequemer voran. Als Radfahrer soll man zwar offensichtlich nicht so anspruchsvoll sein, aber träumen wird man wohl dürfen …

      4. An der Saaler Straße gibt es doch sogar eine Ampel zur Querung.
        Wie ist dann der Wahrheitsgehalt der anderen Aussagen?

        Träumen darf jeder. Eine Verbesserung des aktuellen Radweges sowie die Bahn, das wäre perfekt.

      5. [Es schreibt der Mensch, der dieses Pseudonym seit mehreren Jahren nutzt und dessen Name der Redaktion vorliegt…]

        Die Straßenquerung liegt nicht auf der Trasse, man muss einen Umweg fahren. Den Umweg plus die Wartezeit kann man in Kauf nehmen, attraktiv ist das aber nicht. Und direkt daneben steht eben die ungenutzte Brücke.

  8. …Schade, dass es nicht vorher bekannt war. Es wäre bestimmt ein tolles Fest geworden und vielleicht auch ein “Startschuss ” zur Belebung der Strecke. Es bieten sich soviele Möglichkeiten zur Nutzung als BAHNSTRECKE…!!! (Verlängerung / Erweiterung) Ich würde es super finden, wenn hier wieder Bahnverkehr stattfinden würde.

    1. Genau meine Gedanken. Wäre gern hingegangen, wenn ich es gewusst hätte…
      Und ja – nichts liegt näher als eine Reaktivierung des Bahndamms als Straßenbahnlinie!

      1. Eine Reaktivierung der Bahnstrecke als Strassenbahn oder S-Bahn ist m.E. in Bergisch Gladbach politisch nicht gewollt. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) sieht ein großes Fahrgastpotential für diese Strecke. Die Züge der Deutschen Bundesbahn waren 1965 in 3-4 Minuten von Bensberg nach Bergisch Gladbach unterwegs. Diese Fahrzeiten sind doch unschlagbar.

      2. Und wo soll die Straßenbahn hinfahren? Durch den Edeka-Markt und das Autohaus Gieraths etc.? Ein Abzweig nach Bensberg wäre wegen der Bebauung kaum möglich; ein Abzweig nach Köln würde wegen der zu fällenden Bäume die Naturschützer auf den Plan rufen. Die Stadtteile Lückerath und Heidkamp wäre ausgeschlossen und müssten weiterhin per Bus angeschlossen bleiben.

      3. Wo ist das Problem? Wer sagt, dass eine Bahnlinie bis zur Kölner Straße oder darüber hinaus führen müsste? Noch bevor er die Kölner Straße erreicht, trifft der Bahndamm auf die Linie 1. Stark vereinfachend: Ein paar Weichen, und fertig ist die Laube (und weniger vereinfachend wird es auch nicht so viel komplizierter). Da müsste sich Herr Feldmann nicht einmal Gedanken um seinen Parkplatz machen.

        Damit wären Bensberg und Bergisch Gladbach Mitte nur wenige Fahrminuten voneinander entfernt, die Einwohner Lückeraths hätten es auch nicht weiter zur Straßenbahn als ein Großteil der Refrather Bürger (die sie trotzdem intensiv nutzen), ebenso die Bewohner anderer Stadtteile westlich der Bensberger Straße.

        Darüber hinaus könnte man wieder mit der Straßenbahn von Bergisch Gladbach Mitte bis Köln fahren, und das wäre so unkomplizierter zu schaffen als mit der mehrfach diskutierten Wiederbelebung der Linie G von Thielenbruch aus.

      4. [Es schreibt der Mensch, der dieses Pseudonym seit mehreren Jahren nutzt und dessen Name der Redaktion vorliegt…]

        Offenbar sind die Kommentatoren mit der Topographie vor Ort nicht vertraut. An der Kreuzung von Bahndamm und Straßenbahn steht (selbstverständlich) eine Brücke. Wenn Straßenbahnen vom Bahndamm auf diese Ebene gelangen sollen, wird man ein großes Stück des Bahndamms abtragen müssen, um eine für die Straßenbahn geeignete Steigung zu erreichen. Dann denke man an die Altlasten im Baukörper (im Wesentlichen Schwermetalle in Schlacke), den logistischen Aufwand für den Abtransport und schon ist man weit weg von einem günstigen Projekt. Zudem ist die Strecke eingleisig, das ist auch nicht unbedingt der Stand der Technik für Straßenbahnstrecken. Da ist etwas Asphalt für einen Radweg günstiger und damit weitaus realistischer.

      5. Es sollte möglich sein, auf der Westseite eine Rampe parallel an den Bahndamm anzuschließen, dann müsste er nicht abgetragen werden. Und eingleisige Strecken sind zwar nicht ideal, es wäre aber nicht die einzige im VRS-Netz (Linie 4 Dünnwald bis Schlehbuch, Linie 7, Bahnhof Frechen bis Benzelrath etc.). Das würde natürlich Grenzen für erreichbare Taktzeiten setzen.

        Ach ja: Ein bisschen Asphalt reicht für einen Radweg nicht aus, da muss man schon den Untergrund passend aufbauen und dafür auf ganzer Strecke mindestens einen halben Meter tief ausschachten.