Marlinde Bärenz und Anand Seghal leben eine gleichberechtigte Elternschaft. Das heißt, sie teilen Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung und Haushalt gleichmäßig untereinander auf. Das Ziel: finanzielle Unabhängigkeit – und keine typischen Paarkonflikte aufgrund von unausgeprochenen Erwartungen und Alltagsstress. Im Interview erzählen sie, wie sie sich konkret organisieren und wie sie gelernt haben, die Stärken statt die Schwächen des anderen zu sehen.

Bürgerportal: Wann habt ihr angefangen, darüber zu sprechen, wie ihr eure Elternschaft aufteilen wollt?

Anand: Schon vor der Schwangerschaft.

Marlinde: Das war mir sehr wichtig. Ich habe ein eigenes Unternehmen, und ich konnte und wollte mich da nicht komplett rausziehen für ein Jahr Elternzeit. Wir haben auch schon vor der Geburt unserer Tochter eine gleichberechtigte Partnerschaft geführt.

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Anand: Wenn wir von Gleichberechtigung reden, geht es im Großen und Ganzen darum, dass jeder seine finanzielle Unabhängigkeit wahrt.

Marlinde: Damit im Falle der Trennung nicht eine Person in ein Loch fällt. Das bedeutet natürlich, dass beide arbeiten müssen. Und das bedeutet wiederum, dass wir uns auch die Care-Arbeit aufteilen müssen.

Anand: Ich glaube, in Bezug auf die Schwangerschaft hattest du Sorge, dass ich von dir erwarten würde, dass du in eine klassische Rolle gehst und von deiner beruflichen Karriere zurücktrittst. Dabei wollte ich selbst nie in diese klassische Versorgerrolle gehen.

Du hast dann nach der Geburt eurer Tochter ein Jahr Elternzeit genommen, darüber haben wir schon einmal für GL Familie gesprochen. Wie habt ihr es im Babyalter mit der Aufteilung gemacht – viele Menschen glauben, dass es in dieser Zeit schwer bis unmöglich ist, wirklich gleich aufzuteilen?

Anand: Was die Elternzeit angeht, hatten wir ja eher eine Umkehr. Ich hab das komplette Jahr gemacht, Marlinde hat nach dem Mutterschutz wieder angefangen zu arbeiten. Aber das hat für uns beide gepasst. Ich fand das toll.

Ich habe nicht erwartet, dass er in seiner Betreuungszeit nebenher noch den Haushalt macht.Marlinde

Marlinde: Wobei ich finde, dass ich mit der Schwangerschaft durchaus auch meinen Anteil geleistet habe. Meine Kapazitäten sind auf der Arbeit schlagartig zurückgegangen, als ich schwanger geworden bin.

(Anand nickt.)

Während der Elternzeit haben wir ganz klar gesagt: Ich arbeite 30 Stunden, Anand leistet 30 Stunden Kinderbetreuung. Alles, was außerhalb dieser 30 Stunden war, haben wir uns aufgeteilt. Ich habe nicht erwartet, dass er in seiner Betreuungszeit nebenher noch den Haushalt macht.

Das hat nicht immer funktioniert. Ich habe mich zwischendurch schon auch mal beschwert, wenn du mit Rani geschlafen hast und ich gearbeitet hab (lacht). Andererseits hat Anand zum größten Teil die Nachtschichten übernommen.

Ich glaube, ein zentraler Punkt ist: Wir sehen die Care-Arbeit als Arbeit.

Jetzt ist euer Kind gerade ein Jahr alt geworden und hat in der Betreuung angefangen. Wie hat das euer Modell verändert?

Anand. Ich habe im Juni nach einem Jahr Elternzeit wieder angefangen zu arbeiten, und die Kleine geht jetzt seit Anfang August zur Tagesmutter. Das heißt, wir hatten erst mal eine Betreuungslücke. Wir haben das so kompensiert, dass wir beide auf 25 Stunden reduziert haben. Damit hatten wir Anspruch auf Partnerschaftsbonus, und das hat uns ermöglicht, im Zweischichtsystem zu arbeiten. Der eine morgens, der andere nachmittags. Die Alltagsaufgaben und die Kinderbetreuung haben wir entsprechend aufgeteilt.

Marlinde: Ab Oktober werden wir beide auf die gleiche Anzahl an Stunden aufstocken. Dann müssen wir wieder gucken, wie wir den Rest verteilen.

In die gleichberechtigte Elternschaft starten

Wann und wie habt ihr damit begonnen, die Care- und Erwerbsarbeit gleichberechtigt aufzuteilen?

Marlinde: Als wir zusammengezogen sind, waren wir irgendwann wie so viele Paare an dem Punkt, dass ich gesagt habe, ich habe hier nur noch Mental Load. Ich mache jeden Scheiß, du denkst an dies nicht, an das nicht. Irgendwann hat Anand den Müll nicht runtergebracht, obwohl ich ihm gesagt hatte, er soll den Müll runterbringen. Und dann hatten wir diesen riesigen Streit.

Anand: Du hattest gewisse Erwartungen, was ich zu tun hätte. Die hast du aber nicht verbalisiert. Und das ist, glaube ich, ganz oft das Problem.

Marlinde: Genau. Dann muss man sich zusammen hinsetzen und erstmal überlegen, was machst du eigentlich so im Alltag, und was mache ich? Das wird alles runtergeschrieben. So haben wir gestartet. Seitdem treffen wir uns einmal die Woche, meistens Sonntag, und besprechen, was die Aufgaben sind im Laufe der kommenden Woche. Die teilen wir dann untereinander auf. Das dauert meistens so eine Stunde.

Am Anfang des Zusammenlebens haben wir eigentlich jeden Tag zwischendrin To-Dos besprochen.Marlinde

Wenn mit der Zeit neue Aufgaben auftauchen, muss man lernen, das nicht direkt bei sich reinzutun, sondern im Küchenmeeting zu besprechen, wer das übernimmt. Das finde ich wichtig, das gemeinsam zu besprechen. Es bringt nichts, wenn die eine Person der anderen sagt, jetzt machst du das mal bitte.

Dadurch lernt man auch, dass manche Sachen einfach nicht so dringend sind und bis Sonntag warten können. Am Anfang des Zusammenlebens haben wir eigentlich jeden Tag zwischendrin To-Dos besprochen. Auch unser Chatverlauf bestand fast nur aus Orga. Jetzt haben wir den Anand-und-Marlinde-Chat, wo wir uns nette Nachrichten hin und her schreiben. Und wir haben einen bilateralen Orga-Chat, wo der ganze Orga-Kram reinkommt, der zwischendurch aufkommt. Das tut unserer Beziehung total gut.

Foto: Thomas Merkenich

Die konkrete Organisation

Nutzt ihr weitere Tools, um die Aufgabenverteilung zu managen?

Anand: Anfangs haben wir Microsoft To Do benutzt. Aber mit der Ankunft unserer Tochter wurde klar, dass das Tool die Komplexität nicht mehr abbilden kann. Jetzt nutzen wir Trello, das ist mehr wie ein Projektmanagement-Tool. Zeig das doch mal, Marlinde.

Marlinde nimmt ihr Handy und öffnet die Trello-App.

Marlinde: Wir haben Listen zu unterschiedlichen Themen: unser Kind, Family and Friends, unser Alltag. In der Alltags-Liste stehen zum Beispiel Aufgaben wie „unterm Bett sauber machen“, „die Finanzen vom Monat checken“, „Backofen reinigen“, „Auto waschen“, „Küchenschrank sauber machen“, „Fenster putzen“.

Ich muss nach dem Interview erstmal ordentlich Punkmusik hören und wieder in eine anarchische Stimmung kommen.Anand

Anand: Die Aufgaben kann man Personen zuweisen und mit Fälligkeiten versehen.

Marlinde: Und man kann sie als „wiederkehrend“ markieren. Für die Aufgaben, die jede Woche anfallen, haben wir immer sonntags eine Deadline, weil wir ja dann unser Küchenmeeting haben. Dann besprechen wir, wer in der nächsten Woche was übernimmt. Und versuchen das gleichmäßig untereinander aufzuteilen.

Anand: Es ist schon sehr … verkopft. Verkopft und durchorganisiert. Ich muss nach dem Interview erstmal ordentlich Punkmusik hören und wieder in eine anarchische Stimmung kommen.

(Alle lachen.)

Foto: Thomas Merkenich

Würdest du es lieber anders machen?

Anand: Naja, ich weiß ja, was zu Beginn unserer Beziehung alles nicht funktioniert hat. Und auch bei anderen Leuten bekomme ich immer wieder mit, dass sie sich im Alltag nicht einig sind, dass Erwartungen unausgesprochen im Raum schweben. Das ist damit gelöst.

Man hat dann für den Rest der Woche absolute Ruhe. Anand

Also, auch wenn ich es oft befremdlich finde, mit einem Projektmanagement-Tool unseren Alltag zu organisieren, unterstütze ich das voll und ganz. Und auch wenn diese Stunde, die wir da einmal die Woche investieren, durchaus anstrengend und nervig sein kann. Man hat dann für den Rest der Woche absolute Ruhe. Es kommen nicht diese Konflikte im Alltag auf, weil unklar ist, wer kocht, wer das macht, wer dies macht.

Marlinde: Ja, das ist auch verteilt, wer an welchem Tag kocht. Oder wer an welchem Tag das Kind ins Bett bringt. Und was die andere Person in der Zeit macht, zum Beispiel die Spülmaschine ausräumen und den Müll rausbringen.

Wie ist es mit dem Thema Mental Load?

Anand: Auch das fangen wir mit unserem System auf. Anfangs haben wir die Verantwortung für bestimmte Aufgabenbereiche wöchentlich gewechselt, irgendwann haben wir gesagt, wir ändern das monatlich. Jetzt sind manche Sachen zur Dauerlösung geworden. Marlinde macht zum Beispiel immer die Wäsche, und ich gehe immer einkaufen.

Marlinde: Das heißt, selbst wenn ich zu Aldi gehe, weil ich irgendwas Spezielles kaufen will, fühle ich mich nicht dafür verantwortlich, den Kühlschrank zu füllen. Wenn ich nett bin, frage ich Anand, hey, gibt es irgendwas, was ich mitbringen soll? (lacht)

Was auch sehr gegen Mental Load hilft: Die erste Liste in unserem Trello-Board ist eine „Inbox“. Da kommen alle Themen rein, die über die Woche aufkommen. Wenn möglich, besprechen wir die dann gesammelt am Wochenende. Also wenn zum Beispiel eine Geburtstagseinladung für Oktober kommt. Dann sagen wir der Person, hey, wir besprechen es am Wochenende und sagen Bescheid. Die Inbox fülle vor allem ich.

Was steht da so drauf? Welche Themen kommen nächsten Sonntag bei euch auf den Tisch?

Marlinde (öffnet wieder die Trello-App und liest vor): Wir müssen unseren Urlaub für 2025 planen. Können wir die Staubsauger-Robotor nochmal reaktivieren?

Anand: Nein.

Beide lachen.

Foto: Thomas Merkenich

Marlinde (liest weiter): Wie sieht es eigentlich mit der Kommunikation während den Arbeitszeiten aus? Weil Anand ignoriert meine Signal-Nachrichten. Ich habe mir schon überlegt, ob ich ihn bei MS Teams terrorisiere (lacht).

Aber es ist genau das. Anstatt dann passiv-aggressiv zu sein, schreibe ich es hier drauf. Und dann besprechen wir das am Sonntag.

Anand: Ich glaube, am Ende ist ein grundsätzliches Wohlwollen da die allermeiste Zeit. Natürlich gibt es auch Momente, wo man denkt, ach nee, kannst du das nicht machen? Selten, weil wir es ja aufgeteilt haben. Aber es gibt häufiger Momente, wo ich sage: Kann ich dir was abnehmen? Es ist ein Wohlwollen da, etwas für den anderen möglich zu machen.

Foto: Thomas Merkenich

Marlinde: Da sind wir dann auch, trotz aller Strukturiertheit, flexibel. Wir haben zum Beispiel auch die Nachtschichten für unsere Tochter fest verteilt, aber die tauschen wir dann eben, wenn eine Person spontan was unternehmen will.

Plant ihr auch „Me-Time“ und „Us-Time“, also Zeit alleine und als Paar?

Anand: Ja, tun wir. Me-Time ergibt sich oft einfach dadurch, wie wir die Kinderbetreuungs-Schichten haben. Zumindest bei mir. Für mich ist Me-Time vor allem auf der Couch chillen, lesen, surfen. Marlinde hat eher eine aktiv gestaltete Me-Time. Wenn sie Sachen unternehmen möchte, muss das natürlich geplant werden mit Kinderbetreuung und so weiter.

Marlinde: Was allerdings zu kurz kommt, ist die Us-Time.

Anand: Weil wir das soziale Netzwerk, das wir haben, in der Betreuungslücke vor allem zum Arbeiten verwendet haben. Es war eher die Ausnahme, dass wir darauf zurückgegriffen haben, damit wir mal Zeit für uns haben. Aber das wird auch wieder kommen, da bin ich sehr zuversichtlich.

Wir sind in manchen Punkten einfach sehr gegensätzlich, aber wir haben es geschafft, das zu akzeptieren und die Vorteile am anderen zu sehen.Marlinde

Marlinde: Das war jetzt gerade ein Thema, wo unser System total hilfreich war: Ich war unzufrieden, dass wir nicht genügend Paarzeit haben. Letzte Woche Montag wollte Anand seine Me-Time auf der Couch haben, ich wollte Zeit mit ihm verbringen. Es war 11 Uhr abends, ich war müde, wir haben angefangen zu streiten.

Dann haben wir beide Stop gesagt, haben das in die Inbox gepackt und gesagt, wir besprechen das am Wochenende in Ruhe. Wir sind in manchen Punkten einfach sehr gegensätzlich, aber wir haben es geschafft, das zu akzeptieren und die Vorteile am anderen zu sehen.

Foto: Thomas Merkenich

Ich glaube, das ist auch ein Klassiker bei Paaren, eher die Schwächen der anderen Person zu sehen. Habt ihr Tipps, wie es gelingt, das zu überwinden?

Marlinde: Hm. Also wir hatte zum Beispiel das Thema Sauberkeits- und Ordnungssinn. Anand ist sehr penibel, was Sauberkeit anbelangt, und ich bin sehr penibel, was Ordnung anbelangt. Das hat uns gegenseitig richtig sauer aufeinander gemacht.

Anand: Das kocht immer noch hoch.

Marlinde: Aber wir haben da schon unser Mindset ein bisschen geändert. Ich denke mir, die fünf Prozent, die Anand fehlen in meinem Sauberkeitsverständnis, die fehlen mir bei ihm in der Ordnung. Das heißt, Anand putzt mir immer ein bisschen hinterher, und ich ordne immer ein bisschen hinter ihm her. Und dadurch ergibt sich etwas Komplimentäres. Dadurch ist das Haus sauber und ordentlich. Also heute Abend, wenn das Kind schläft, ist es hier wieder sauber und ordentlich.

Anand: Heute Abend ist es hier ordentlich, aber nicht sauber. Ich bringe heute den Wurm ins Bett.

Beide lachen.

Marlinde: Das hätte ich jetzt gar nicht gewusst, wer heute Abend dran ist. Ich hätte später in den Kalender gucken müssen, da ist das eingetragen.

Was nutzt ihr für einen Kalender?

Marlinde: Google-Kalender.

Anand: Der ist online, und beide können Termine einstellen, editieren und sehen.

Marlinde: Da stehen die Kinderbetreuungs-Schichten drin und unsere Arbeitszeiten. Die werden jede Woche neu definiert. Und da schreiben wir auch unsere privaten Termine rein, damit der andere Bescheid weiß. Jede Person hat eine eigene Farbe, damit man die Termine voneinander unterscheiden kann. Also da sind wir auch ein bisschen freaky (lacht).

Finanzen: ein aktuelles Thema

Wie macht ihr es mit den Finanzen?

Marlinde: Wir haben private Konten, auf die unsere Gehälter gehen. Und wir haben ein Gemeinschaftskonto, da kommt nur drauf, was wir uns errechnen, was wir brauchen. Mit dem restlichen Geld kann jede Person machen, was sie will.

Anand: Da bin ich mir nicht hundertprozentig sicher, ob das der Weisheit letzter Schluss ist.

Marlinde: Ja, Finanzen sind gerade ein Thema, über das wir nachdenken.

In der Elternzeit war es ein Solidaritätsmodell, da hat Marlinde mehr von den gemeinsamen Kosten getragen. Anand

Anand: Aktuell steuert jeder 50 Prozent zu den gemeinschaftlichen Kosten bei. In der Elternzeit war es ein Solidaritätsmodell, da hat Marlinde mehr von den gemeinsamen Kosten getragen. Insofern wurde auch ein Stück weit meine Care-Arbeit entlohnt. So würden wir es auch nochmal machen, wenn zum Beispiel jemand arbeitslos wird oder sagt, ich muss mich beruflich neu orientieren und habe dadurch erstmal einen Einkommensausfall.

Marlinde: Das ist halt eine Partnerschaft und nicht eine Zweckgemeinschaft. Wir haben auch diskutiert, wie das eigentlich wäre, wenn wir finanziell ein krasses Gefälle hätten. Dann könnten wir natürlich nicht gleich viel einzahlen. In dem Fall könnte zum Beispiel jede Person 75 Prozent ihres Gehaltes einzahlen.

Wenn ihr in die Zukunft blickt, seht ihr dort Herausforderungen für eure Aufteilung?

Marlinde: Eine Herausforderung ist, dass mein Beruf eigentlich darin besteht, dass ich ab und zu Geschäftsreisen mache. Das hatten wir schon vor der Schwangerschaft diskutiert. In der Zeit wird Anand definitiv zurückstecken. Dafür sind wir aber auch von der Kölner Innenstadt nach Bergisch Gladbach gezogen. Weil wir hier Familie haben, ein Zusatzsystem für die Kinderbetreuung, auf das wir zurückgreifen können.

Wie haben eure Eltern Care- und Erwerbsarbeit aufgeteilt, waren sie Vorbilder für euer Modell?

Anand: Meine Eltern haben im Großen und Ganzen klassisch aufgeteilt.

Marlinde: Meine auch eher. Wobei meine Mutter, als wir drei Kinder auf die weiterführende Schule gegangen sind, ihr eigenes Geschäft eröffnet hat. Mein Vater war sehr viel auf Geschäftsreise, meine Mutter hat sich um uns Kinder gekümmert und parallel ihr Geschäft betrieben. Von ihr habe ich schon das Bild einer sehr selbstständigen Frau mitgenommen, die viel geleistet und gelastet hat.

Mein Vater aber ja auch, er hat seinen 60-Stunden-Job gemacht und eine Geschäftsreise nach der anderen und die Familie finanziert. Von ihm habe ich mitgenommen: Think outside of the box, mach es anders als die anderen. Schwimm ein bisschen gegen den Strom.


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Tappt ihr selbst manchmal in Fallen der klassischen Rollenverteilung?

Beide überlegen.

Anand: Vielleicht eher zufällig. Du sagst immer, deine Brüder wurden von klein auf bei handwerklichen Sachen mit eingebunden, du aber nicht. Das mag definitiv sein, aber wenn ich versuche, dir mal Sachen zu zeigen, hast du am Ende keinen Bock drauf. Sobald es knifflig wird, verlierst du die Geduld.

Marlinde: Ja, am Anfang dachte ich auch, dass das eine Geschlechtersache ist mit diesem handwerklichen Kram. Aber ich habe einfach keinen Spaß dran (lacht). Ich organisiere dann eher die Handwerksstube bei uns in der Garage, damit Anand darin handwerken kann.

Wo holt ihr euch Informationen zum Thema gleichberechtigte Elternschaft?

Anand: Da hat Marlinde die Initiative.

Marlinde: Ja, das stimmt. Ich ziehe meine Infos zum einen aus Podcasts zum Thema gleichberechtigte Partnerschaft oder Elternschaft. Aber auch wirklich viel von Management-Modellen aus dem Arbeitsalltag.  Also, das ganze System und die ganze Organisation ist schon von mir getrieben. Definitiv.

So viel Struktur und Orga, wie ich habe, hat der Anand mir beigebracht, im Privatleben einfach ein bisschen gelassener zu sein. Marlinde

Und das ist aber für euch beide so okay?

Marlinde: Total. Weil der Anand eine andere Stärke hat: Er bringt eine gewisse Gelassenheit rein. Wir setzen zum Beispiel auch Ziele für den Monat. Die erreichen wir nie.

Anand: Das ist das Leben, das dazwischenfunkt. Ich glaube, man darf da nicht zu hart mit sich sein.

Marlinde: Das ist der krasse Unterschied zwischen Arbeit und Privatleben. Im Privatleben geht es ja auch noch um Entspannung. Wenn in der Arbeit Deadlines nicht eingehalten werden, ist das scheiße. So viel Struktur und Orga, wie ich habe, hat der Anand mir beigebracht, im Privatleben einfach ein bisschen gelassener zu sein. Das sind unsere unterschiedlichen Stärken.

Habt ihr in eurem Freundeskreis Paare, die so ein Modell leben wir ihr?

Marlinde: Nee. Wir kennen niemanden, der das so konsequent versucht, 50-50 aufzuteilen. Aber einige, die unzufrieden sind. Ich biete deshalb Coaching an und berate Paare, wie sie eine gleichberechtigte Elternschaft aufbauen können. Wer daran Interesse hat, kann mich gerne auf LinkedIn kontaktieren.

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ist freie Reporterin des Bürgerportals. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg. Nach einem Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro glücklich zurück in Schildgen.

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