Christoph Gröner (Mitte) bei der Vorstellung des Projektes „An der Strunde“ im Mai 2022. Foto: Thomas Merkenich

Lange hatte sich die Gröner Group GmbH gegen Insolvenzanträge ihrer Gläubiger gewehrt, jetzt zieht der Bauunternehmer Christoph Gröner selbst die Reißleine. Zum Portfolio seiner tief verschachtelten Unternehmensgruppe gehört auch der Ausbau des Wachendorff-Areals zu einem neuen Wohnviertel. Gröners Sprecher betonen, operative Geschäfte seien von der Insolvenz nicht betroffen – aber vor Ort tut sich schon lange nichts mehr.

Auf dem Wachendorff-Gelände in Gronau sollten nach ursprünglicher Planung die ersten von 450 Wohnungen schon fast fertig sein, doch seit dem Abriss der nicht erhaltenswerten Hallen der ehemaligen Papierfabrik vor zwei Jahren hat sich dort nichts getan. Auf Nachfragen des Bürgerportals hatten Sprecher des Investors Christoph Gröner zwar Verzögerungen des Zeitplans eingeräumt, das aber mit den allgemeinen Problemen des Bausektors begründet.

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Die schlechte Marktlage hatte die weit und tief verschachtelte Gruppe von Gröner-Unternehmen offenbar in größere finanzielle Probleme gebracht. Zuletzt hatten immer wieder Gläubiger Anträge auf Insolvenz gestellt, die das Unternehmen zunächst abwehren konnte. Offenbar nicht zuletzt dadurch, dass Gröner Privatvermögen aufgelöst und so ausstehende Rechnungen bezahlt hat.

Nun hat die Gröner Group GmbH aber selbst einen Insolvenzantrag gestellt, heißt es in einer Erklärung des Unternehmens auf der eigenen Website. Verantwortlich macht Gröner dafür eine angeblich „negative und in Teilen grob falsche Berichterstattung sowohl etablierter wie auch eher boulevardesker Wirtschaftsmedien“. Das Vertrauen in das Unternehmen sei dadurch „nachhaltig zerstört“ worden.

Die Halle rund um das historische Fabrikgebäude sind bereits 2022 abgerissen worden, der Bauschutt liegt immer noch vor Ort. Quelle: Screenshot Projektbeschreibung der CG RE AG

Die nun insolvente Gröner Group GmbH habe jedoch nur die Rolle des Geldgebers bei den Bauprojekten eingenommen, sei (im Gegensatz zur fast gleichnamigen „CG Group GmbH) nicht am operativen Geschäft der Unternehmens-Gruppe beteiligt. Daher werde dieses operative Geschäft „unverändert fortgeführt“. „Laufende Bauprojekte“ seien „von der Insolvenz nicht betroffen“.

Aktualisierung: Auf Anfrage des Bürgerportals meldet sich die Sprecherin der CG Elementum AG. Sie betont, dass die Gröner Group GmbH einen Insolvenzantrag gestellt habe, nicht die CG Group oder die CG Elementum AG. Seit einer Umstrukturierung gebe es keinerlei Verbindung zwischen der Gröner Group GmbH einerseits und der CG Group bzw. CG Elementum AG. Laufende Projektentwicklungen wie „Wohnen an der Strunde“ seien von der Insolvenz nicht betroffen. Beim Projekt selbst habe sich zuletzt noch nichts geändert.

Zuletzt hatte die Pressestelle des Unternehmens im Juni auf eine Anfrage des Bürgerportals Stellung bezogen. Die Abstimmungsschritte über den Städtebaulichen Entwurf und die Fachgutachten seien in Arbeit, nach Abschluss des städtebaulichen Vertrags mit der Stadt könnten die nächsten Schritte der Projektentwicklung erfolgen. 

Auf der Projektseite nennt das Unternehmen CG RE AG, das als Projektentwickler auftritt, inzwischen neue Meilensteine für das Vorhaben in Bergisch Gladbach: Der Abschluss des städtebaulichen Vertrags sei nun im 1. Quartal 2025 geplant, die „Planreife gem. §33 BauGB“ werde voraussichtlich am 4. Mai 2025 erreicht.

Quelle: Screenshot Projektbeschreibung der CG RE AG

Die Stadtverwaltung hat im Moment jedoch keine konkreten Informationen, ob und wie sich der aktuelle Insolvenzantrag auf das Wachendorff-Projekt „An der Strunde“ auswirkt. Das wolle die Stadt nun in Gesprächen mit der Unternehmensgruppe klären, teilt die Pressestelle der Stadtverwaltung mit.

Die Stadt Bergisch Gladbach selbst halte an dem städtebaulichen Konzept für das Gelände fest (Bebauungsplan Nr. 2445 – An der Strunde –) und beabsichtige, das Bebauungsplan-Verfahren gemäß politischer Beschlusslage zum Satzungsbeschluss zu führen.


Hinweis der Redaktion: In einer ersten Fassung hatten wir von einer „CG Gröner Group GmbH“ gesprochen, korrekt ist jedoch „CG Group GmbH“. Wir haben die Passage geändert.

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Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Eine vertane Chance. Warum hat sich die Stadt dieses tolle Areal nicht frühzeitig gesichert? Zusammen mit der RBS wäre es möglich gewesen, dort architektonisch ansprechenden und bezahlbaren(!) Wohnraum entstehen zu lassen. Ein 30-prozentiger Anteil von “gefördertem” (d.h. staatlich subventioniertem) Wohnungsbau, dessen Preisbindung nach 20 Jahren ausläuft, ist kein adäquater Ersatz.

    1. Wie kommen Sie zu der Annahme, dass es zusammen mit der RBS möglich gewesen wäre, “dort architektonisch ansprechenden und bezahlbaren(!) Wohnraum entstehen zu lassen”? Bereits jetzt treibt die RBS ihr Bauprojekt an der Hauptstraße 310 nicht weiter; vielmehr steht die Baugrube seit Jahren offen, wuchert zu und entwickelt sich zur Müllhalde. Ob in absehbarer Zeit Kapazitäten zur Bewältigung eines zusätzlichen Entwicklungs- und Bauprojekt bestünden, wage ich daher zu bezweifeln.

      1. Das Bauprojekt an der Hauptstraße steht aufgrund einer Klage aus der Anwohnerschaft still.

      2. Seitens der RBS wird immer wieder gesagt, dass die Verfügbarkeit von geeigneten Grundstücken der Knackpunkt ist. An ihnen scheitert es nicht, und für ein so großes Projekt könnte externe Hilfe geholt werden.

    1. Sie haben Recht, das war nachlässig formuliert. Korrekt ist „CG Group GmbH“. Das „Gröner“ ist überflossig, weil „CG“ ja bereits für „Christoph Gröner“ steht.