Hasskommentare nehmen auch auf dem Facebook-Auftritt der Stadt Bergisch Gladbach zu. Nötig wäre aus Sicht des Bündnisses für Vielfalt und Chancengleichheit ein klarer Umgang mit rassistischen und diskriminierenden Inhalten und ein Moderationskonzept. Dafür fehlt der Stadt allerdings das Personal.

Die Stadt Bergisch Gladbach hat die Kommentar-Funktion unter ihren Facebook-Beiträgen stark eingeschränkt. Postings können weiterhin geteilt und geliked, also mit einem ausgestreckten Daumen, einem Herz oder einem anderen Emoji versehen werden. Sie können aber nicht mehr kommentiert werden. Die Stadt begründet diese Maßnahme mit fehlenden personellen Ressourcen für die Moderation.

Hintergrund ist ein Antrag des Bündnisses für Vielfalt und Chancengleichheit (BVC) im Ausschuss für Chancengerechtigkeit und Integration (ACI, ehemals Integrationsrat) zum Umgang mit Hassrede, Hetze und diskriminierenden Inhalten auf den Social-Media-Kanälen der Stadt. 

Wunsch nach Moderation

Ziel des Antrags war demnach ein verbindliches und einheitliches Moderationskonzept, „das diskriminierende und menschenverachtende Inhalte konsequent unterbindet und zugleich die Meinungsfreiheit wahrt“. 

Der Wunsch der Antragsteller: Die städtischen Kanäle sollten respektvolle und diskriminierungsfreie Räume für den öffentlichen Austausch bleiben. Dafür empfahl der Ausschuss dem Rat, die bereits bestehende „Social-Media-Netiquette“ der Stadt „konsequent anzuwenden und weiterzuentwickeln“, insbesondere im Hinblick auf rassistische, antisemitische, sexistische, behindertenfeindliche und andere menschenverachtende Inhalte.

Klare Regeln und Kriterien nötig

Zudem sollte für alle Social-Media-Kanäle auf dieser Grundlage ein verbindliches Moderationskonzept entwickeln. Unter anderem sollte es klare und nachvollziehbare Kriterien für das Löschen von Kommentaren enthalten sowie Maßnahmen bei Verstößen. „Eine aktive und konsequente Moderation ist ein zentraler Bestandteil einer verantwortungsvollen digitalen Kommunikation.“

Den Antragstellern zufolge treten auf städtischen Social-Media-Kanälen vermehrt Hassrede, Hetze und diskriminierende Kommentare auf. „Hass und Hetze im Netz gefährden den demokratischen Diskurs“, heißt es im Antrag.

Insbesondere Menschen mit internationaler Familiengeschichte sind demnach überproportional betroffen und ziehen sich häufiger aus öffentlichen Debatten zurück oder beteiligen sich gar nicht erst. „Dies beeinträchtigt die gleichberechtigte Teilhabe und das Vertrauen in kommunale Kommunikationsräume,“ heißt es weiter.

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Auf einem Spielplatz, mitten im Zentrum von Bergisch Gladbach und am helllichten Tag wurden Familien rassistisch beleidigt und mit Vernichtungsäußerungen beschimpft. Eine betroffene Mutter wendet sich gezielt an die Öffentlichkeit. Dieser Vorfall ist kein Einzelfall, wie sich erst jüngst bei der Gedenkveranstaltung an Patricia Wright zeigte.

Hass-Kommentare auf städtischer Facebook-Seite

Anlass für den Antrag waren „die unsäglichen Hass-Kommentare“ auf der Facebook-Seite der Stadt, sagt Redouan Tollih, ACI-Vorsitzender und Mitglied des BVC. 

Als Beispiel nennt er einen Facebook-Beitrag der Stadt vom 24. März 2026 über die Einbürgerungsfeier der Stadt im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus. Mehrere Nutzer:innen kommentierten den Post mit rassistischen Äußerungen, andere kritisierten das Social-Media-Team der Stadt dafür, nicht einzugreifen und die Seite „sich selbst zu überlassen“. 

Kommentarfunktion abgeschaltet

Die Stadt selbst kommentierte: „Wir erinnern an dieser Stelle an unsere Nettiquette, Hetze und Diffamierung gehören nicht hierhin. Wir behalten uns vor, wenn dies weiter geht, die Kommentarfunktion abzuschalten.“ 

Das ist mittlerweile geschehen. Zumindest größtenteils. Denn einzelne Beiträge der Stadt können weiterhin kommentiert werden, insbesondere wenn es sich um Fremdbeiträge wie der Feuerwehr handelt. Weiterhin sind auch die rassistischen Kommentare des genannten Beitrags zur Einbürgerungsfeier online.

Auf Nachfrage des Bürgerportals teilt die Stadt dazu mit, dass die Einstellung der Kommentarfunktion bei jedem einzelnen Beitrag manuell vorgenommen werden müsse. „In Einzelfällen ist dies versehentlich unterblieben, sodass Kommentare ausnahmsweise möglich waren.“

Bei geteilten oder übernommenen Beiträge etwa der Feuerwehr habe die Stadt „nicht in allen Fällen die technische Möglichkeit, die Kommentarfunktion zu steuern oder zu deaktivieren“.

Zu wenig Personal

In ihrer Stellungnahme zum Antrag betont die Stadtverwaltung, wie wichtig aus ihrer Sicht „Communitymanagement“ ist. Dieses setze aber voraus, dass es regelmäßig und kontinuierlich stattfinde. Über die dafür notwendigen personellen Ressourcen verfüge sie allerdings derzeit nicht. „Deshalb wurde entschieden, Facebook-Posts nur noch ohne Kommentarfunktion live gehen zu lassen“. 

Vor allem auf Facebook würden „wenige Menschen in diversen Diskussionsforen ihre immer gleichen Hasskommentare abgeben, unabhängig, was das Thema des Postings ist“, heißt es seitens der Verwaltung weiter. Das gelte sogar für positive Nachrichten wie etwa neue Spielplätze. Hinweise auf die vorhandene Netiquette oder das Sperren von Accounts zeigten keine Wirkung.

Kommentare auf Instagram bleiben

Aus Sicht der Verwaltung benötigt es kein neues Moderationskonzept, da inzwischen unter Facebook-Posts keine Kommentare mehr zugelassen werden. 

Diese Netiquette-Regeln finden sich weiterhin auf der Facebook-Seite der Stadt. Screenshot: Facebook-Seite der Stadt GL

Diese Entscheidung kommuniziert die Stadt auf ihrer Facebook-Seite allerdings nicht. Auch die „Netiquette-Regeln“ wurde nicht angepasst. Dort heißt es weiterhin etwa: „Wir freuen uns auf Ihre Beiträge und darauf, gemeinsam eine positive, unterstützende Gemeinschaft aufzubauen!“

Und unter dem Punkt „Moderation und Verstöße“: „Die Administratoren der Seite behalten sich das Recht vor, Inhalte zu entfernen und User bei Verstößen gegen diese Regeln auszuschließen. Bei Unsicherheiten oder Problemen wenden Sie sich bitte direkt an uns.“

Auf Nachfrage des Bürgerportals teilt die Stadt mit, dass auf Instagram Kommentare „zum aktuellen Zeitpunkt weiterhin vorgesehen“ seien.

Antrag im Ratsinformationssystem

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Warum zieht die Stadt nicht einfach ganz den Stecker und löscht ihre Facebook-Präsenz? Diese Datenkrake, die mit ihren Hetze und Spaltung verstärkenden Empfehlungsalgorithmen ihre Werbeumsätze zu steigern sucht, wirkt demokratiefeindlich. Sie fördert nicht die öffentliche Debatte, sondern sie polarisiert und verflacht sie zugleich.

    Wer sich in einen Sumpf begibt, muss sich nicht darüber wundern, dass es dort schlammig zugeht. Das gleiche gilt für Instagram, Tiktok, X und wie sie alle heißen.

  2. UNSERE Welt, UNSER Kontinent, UNSER Staat, UNSER Bundesland, UNSERE Kommune und UNSER Bergisch Gladbbach leben in durchaus schwierigen Zeiten. In allen Ecken lauern Besserwisser, Machtgeile und Angstgesteuerte.
    Die digitalen Medien erlauben so etwas wie Schwarmverhalten. Der Schwarm folgt intuitiv jedem, der ausbricht – aus welcher Motivation auch immer…
    Gott sei Dank gibt es jedoch so etwas ,wie ein kritisches Bewusstsein und soziales Abwehrverhalten. Durch das Abschalten von Medien, welche das Schwarmverhalten triggern, ist der wichtigste Schritt getan. Bleiben wir also beim Herdenverhalten – jedoch nicht unter der Führung eines Einzelnen. Obwohl diese Führergestalten ja ebenfalls probate Mittel kennen, nicht nur Schwarmverhalten zu unterbinden (s.Iran), sondern jegliche Hierarchie nur zum eigenem Vorteil umzukrempeln. Bestes Beispiel: “OUR America” existiert für ein Großteil der Amerikaner nicht mehr. Warum eigentlich nicht? Antwort s.o. zum Thema Schwarmverhalten.
    Daher gilt: Hüten wir UNSERE Meinungsprozesse wie einen Augapfel – Heute, Morgen, Übermorgen…

    1. Nachtrag: Es gibt jedoch auch ein “Danach”. Hat schon jeder mitbekommen, dass sich der Staatssender in Ungarn jetzt mit spektakulären “Nichtsendebeiträgen” für die Lügen Orbans entschuldigt? Soweit sollten wir es jedenfalls nicht kommen lassen…

  3. Ich persönlich sehe das Problem darin, dass menschenverachtende, rassistische oder diskriminierende Äußerungen, die beispielsweise in Kommentaren schwarz auf weiß festgehalten wurden, auch nach ihrer Löschung in den Köpfen der Menschen fortbestehen. Das bloße Entfernen solcher Kommentare ändert nichts an den zugrunde liegenden Einstellungen oder an dem Fehlverhalten der Verfasser. Vielmehr besteht die Gefahr, dass die Problematik lediglich aus dem öffentlichen Blickfeld verschwindet, anstatt sich mit ihren Ursachen auseinanderzusetzen.

    Meiner Ansicht nach sollten wir den Fokus stärker darauf legen, die Ursachen von Hass, Rassismus und Diskriminierung zu bekämpfen. Nur durch Aufklärung, Bildung, Dialog und konsequente Präventionsarbeit können langfristig Einstellungen verändert und menschenfeindliche Denkweisen überwunden werden. Das Löschen von Kommentaren kann im Einzelfall notwendig sein, ersetzt jedoch nicht die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den Ursachen solcher Haltungen.

  4. Ich würde es als Ehrenamt übernehmen, die Kommentare auf strafrechtliche Relevanz zu prüfen und die Faschos ggf anzuzeigen ‍☠️

    1. Private “ehrenamtliche” Bespitzelung und Diffamierung gab es schon zu DDR-zeiten und im Nationalsozialismus, liegt wohl bei einigen Mitbürgern vielleicht in den Genen.

      1. Inwiefern ist es Bespitzelung, öffentlich getätigte Kommentare, die gegen Strafgesetze verstoßen, zur Anzeige zu bringen?

        Man sieht an Ihrem Kommentar nur mal wieder, dass die Leute die am lautesten “DDR” und “NS” schreien meistens von beiden keine Ahnung haben.

      2. #H.O.Reuschenbach#Was hat das Herausfiltern von Hasskommentaren mit offizieller Beauftragung für einen demokratisch aktiven Mitbürger, der dies im Ehrenamt anbietet, mit Bespitzelung zu tun? Worauf wollen Sie überhaupt hinaus? Wollen Sie etwa den mit Hasskommentaren Kommentierenden, welche weder den geistigen, noch den sozialen Horizont aufweisen, in Augenhöhe sachlich zu argumentieren, das Wort reden? Ich hoffe nicht…
        MfG Dieter Richter (75, DDR-erfahren und Nachfolger von Menschen, welche den Faschismus in Echtzeit miterlitten hatten)

  5. Da sieht man es erneut. Die Wünsche und Stimme der Bürger und Bürgerinnen werden unterdrückt. Und eine Mini-Minderheit bestimmt was man möchte und sagen darf. Es wird böse ändern.

    1. Genau! Ihr Kommentar belegt eindrücklich, dass man seine Meinung nicht mehr äußern darf. Noch nicht einmal anonym.

    2. Ist das nun Ironie? Ich denke, die Mehrheit der Kommentare ist NICHT rassistisch, sexistisch oder strafrechtlich relevant, eine anonyme Minderheit, die allerdings sehr laut ist, hat ein inhumanes, negatives Menschenbild, m.M. bedingt durch eigene Minderwertigkeitskomplexe.

    3. Genau! Die laute Minderheit, die notorisch pöbelt und hetzt, hat bewirkt, dass die Kommentarfunktion abgeschaltet wird.