Der Ascheplatz an der Paffrather Straße wird künftig wieder für den Sport genutzt. Foto: Redaktion

Die Stadt hat letzte Einwände gegen den Bau einer großen Unterkunft für Geflüchtete an der Paffrather Straße geprüft und die Ergebnisse jetzt im Sozialausschuss vorgestellt. Da der Bund einen alternativen Standort auf dem BASt-Gelände ablehnt soll das Gebäude auf dem Aschenplatz gebaut werden. Für den Sport gibt es eine ganze Reihe von Zugeständnissen.

Die Abstimmung über den Bau der umstrittenen, geplanten Flüchtlingsunterkunft für bis zu 240 Menschen auf dem Ascheplatz an der Paffrather Straße hatte die Stadt in der letzten Ratssitzung im Dezember vertagt. Die Zwischenzeit nutzte die Verwaltung intensiv und erarbeitete eine ergänzende Mitteilungsvorlage, in der Einwände geprüft und strittige Fragen geklärt werden. 

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Sie wurde nun im Ausschuss für Soziales, Wohnungswesen, Demografie und Gleichstellung (ASWDG) vorgelegt und ohne inhaltliche Diskussion zur Kenntnis genommen. Ratsinfosystem

Die CDU hatte gefordert, zu klären, ob das riesige Gelände der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) als alternativer Standort für eine Flüchtlingsunterkunft in Frage kommt. Die eindeutige Antwort lautet: nein. Zu diesem Schluss kommen das zuständige Bundesverkehrsministerium und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. 

Die schriftlichen Begründungen sind der Vorlage angefügt. Ebenso wie bereits schon zwei Schreiben aus dem Jahr 2015 an den damaligen Bürgermeister Lutz Urbach, als die Unterbringung von Flüchtlingen auf dem Bast-Gelände bereits schon einmal angefragt – und abgelehnt – worden war. 

Für Unmut und Kritik hatte das Bauvorhaben auf dem ehemaligen Sportplatz auch in der Sportszene gesorgt. Der Ascheplatz am Stadion wird zwar seit Jahren nicht mehr als Sportplatz, sondern als Parkplatz genutzt. Dennoch fürchteten Vereine und Verbände erhebliche Nachteile. 

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Die Qual der Entscheidung: Platz für Sport und Flüchtlinge

Nach dem Sozialausschuss musste jetzt auch der Sportausschuss darüber befinden, ob mit dem ehemaligen Ascheplatz an der Paffrather Straße eine weitere Sportfläche geopfert werden soll. Da es um eine dringend benötigte Unterkunft für Flüchtlinge geht, fanden sich die Ausschussmitglieder in einem Dilemma wieder. Die (Vor-)Entscheidung fiel nach einer intensiven Debatte sehr knapp aus.

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Sportverband lehnt Bebauung des Ascheplatzes ab

Bergisch Gladbachs Bevölkerung wächst, der für den Sport zur Verfügung stehende Platz schrumpft massiv. Vor diesem Hintergrund argumentiert der Stadtsportverband gegen die Pläne der Stadt, den alten Ascheplatz an der Paffrather Straße dauerhaft mit einer Unterkunft für Flüchtlinge zu bebauen – und kritisiert den Umgang mit dem Sport ganz grundsätzlich.

Nach Gesprächen zwischen Stadtsportverband und Verwaltung wartet die neue Mitteilungsvorlage mit einer Reihe konkreter Zugeständnisse an den Sport auf: Dazu gehören etwa der Bau eines Kunstrasenkleinspielfeldes auf dem Nebenplatz am Stadion, der Ausbau des Tennenplatzes an der Integrierten Gesamtschule Paffrath (IGP) und die Umsetzung der geplanten Freizeitsportanlage in Katterbach. 

Weitere öffentliche Plätze sollen für Bewegungsangebote genutzt werden. Die Sportverwaltung soll künftig in Stadtentwicklungsthemen eingebunden werden, damit sportliche Bedarfe berücksichtigt werden können. 

Zahl der Geflüchteten steigt

Die aktuellen Zahlen zu Geflüchteten in Bergisch Gladbach belegen den dringenden Bedarf zusätzlicher Unterbringungsmöglichkeiten. Die Zahl geflüchteten Menschen, die Bergisch Gladbach in den vergangenen Wochen und Monaten zugewiesen werden, steigt laut Verwaltung. Im gesamten Jahr 2024 waren es 348 Personen, im Januar diesen Jahres 48 und im Februar waren es bereits 31 (Stand: 5. Februar). 

Derzeit sind in städtischen Unterkünften 1424 Geflüchtete untergebracht (Mitte Dezember waren es 1394). 1596 Plätze gibt es in der Theorie für diese Menschen – tatsächlich sind Fachbereichsleiterin Claudia Werker zufolge einige Unterkünfte wegen Schimmelbildung oder Wasserschäden nicht belegbar. 

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Wie die Flüchtlinge in den Hermann-Löns-Hallen leben

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Eine positive Nachricht kann die Verwaltung allerdings verkünden: Seit Januar verfügt sie über eine neue, angemietete Unterkunft in der Stadtmitte mit 32 Plätzen. Aufgrund der Zuweisungsquoten, die Bergisch Gladbach derzeit nicht erfüllt, müsste die Stadt 570 weitere Geflüchtete unterbringen, wenn es nötig wäre. 

Der Beigeordnete und Kämmerer Thore Eggert bezeichnet die Unterbringung von Geflüchteten als Mammutaufgabe, weil man nie wisse, wie sich die Zahlen und Zuweisungen entwickeln. Und dabei gehe es auch um die Qualität der Unterbringung und darum, eine „halbwegs menschenwürdige Unterbringung“ zu garantieren.

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Der erste Seniorenbericht des Rheinisch-Bergischen Kreises, der sich mit den Lebenslagen von Menschen über 65 Jahren beschäftigt, wurde vorgestellt. Er enthält die Ergebnisse einer Befragung von Senior:innen und Handlungsempfehlungen für Stadt- und Kreisverwaltung. Der Wunsch nach dem Erhalt der Seniorenbegegnungsstätten kam dabei auch zur Sprache. Der gesamte Bericht ist online abrufbar

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ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Eventuell wird der Hund eingeschläfert oder die Mülltonne wird drastisch verkleinert, sowie wird nur noch ein mal die Woche gebadet.

  2. Damit und auch deswegen entziehen wir in Kürze der wohl eindeutig eingefärbten Stadtverwaltung unser sauer verdienten Steuergeld.
    Viel Glück !

  3. Optisch sieht das alles sehr gut aus. Aber ich bezweifle das sich Verkehrsmäßig noch etwas ändern wird. Man kann den Kfz-Verkehr nicht einfach so verschwinden lassen. Die Fahrradfahrenden sollten viel mehr in die Pflicht genommen werden. Da sind sehr viele unterwegs die sich nicht an die Regeln halten. Vor allem Muttis mit ihren Kindern auf Lastenrädern oder Anhängern. Ich beobachte das Tagtäglich. Handzeichen geben, aber warum denn? Ich habe doch ein Fahrrad unterm Hintern, mir gehört jetzt die Straße!