Der Ascheplatz an der Paffrather Straße wird künftig wieder für den Sport genutzt. Foto: Redaktion

Nach dem Sozialausschuss musste jetzt auch der Sportausschuss darüber befinden, ob mit dem ehemaligen Ascheplatz an der Paffrather Straße eine weitere Sportfläche geopfert werden soll. Da es um eine dringend benötigte Unterkunft für Flüchtlinge geht, fanden sich die Ausschussmitglieder in einem Dilemma wieder. Die (Vor-)Entscheidung fiel nach einer intensiven Debatte sehr knapp aus.

Die Ausgangslage: Konfrontiert mit erschöpften Kapazitäten und absehbaren weiteren Zuweisungen von Flüchtlingen hatte die Stadtverwaltung vorgeschlagen, den seit langem nicht mehr benutzten Sportplatz an der Paffrather Straße von Schadstoffen zu sanieren und mit einer großen Flüchtlingsunterkunft zu überbauen. Die Sportszene der Stadt protestierte heftig – weil es nicht sein könnte, dass die Flächen für den Sport bei einem wachsenden Bedarf immer weiter reduziert werden und in diesem Fall Parkplätze wegfallen.

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Die Position der Stadtverwaltung: Wie bereits in der Beschlussvorlage und im Sozialausschuss warb der zuständige Dezernent Stephan Dekker im Sportausschuss für die Unterkunft auf dem Ascheplatz: Er sehe den Bedarf des Sports, aber die Fläche sei schon seit vielen Jahren nur noch als Park- und nicht als Sportplatz genutzt worden. Die Kommunikation mit den Sportverbänden sei schlecht gelaufen, räumte Dekker ein.

Für eine sinnvolle Unterbringung von Flüchtlingen gebe es in der Stadt keine Alternative: 18 andere Flächen seien ernsthaft geprüft worden, am Ende seien nur ein (braurechtlich problematischer und weit abgelegener) Standort an der Overather Straße und eben die Paffrather Straße geblieben.

Das Plädoyer des Sports: Dettlef Rockenberg, der bis vor einem Jahr als Fachbereichsleiter für die Bereiche Schule, Sport und und Kultur intensiv bei der Suche nach Standorten für Flüchtlingsunterkünfte, neuen Kitas und Schulen eingebunden war, ist jetzt Vorsitzender des Stadtsportverbands.

Er erneuerte sein Plädoyer, die Sportflächen in der Stadt nicht immer weiter zu reduzieren, sondern zu sichern und angesichts der wachsenden Bevölkerung auszubauen – denn der Sport sei nicht nur für die Gesundheit, sondern auch für die Integration und Demokratie essentiell.

Die Debatte verlief so sachlich und intensiv, wie sie der Autor in den vergangenen 15 Jahren noch nicht erlebt hat. Ohne jede Parteipolitik und Polemik. Geprägt vom ausgeprägten Unbehagen, keinen echten Kompromiss zu finden.

Konsens herrschte in der Erkenntnis, dass sich der Ausschuss in einer eigentlich nicht auflösbaren Zwickmühle befindet. Einerseits müsse die Stadt für die Unterbringung und Integration der Flüchtlinge sorgen, andererseits dürfen die Sportflächen nicht noch weiter beschnitten werden.

Niemand wolle die Themen „Flüchtlinge“ und „Sport“ gegeneinander ausspielen. Eine Lösung des Problem sei nur auf Bundes- und Landesebene möglich, doch statt dessen würden die Kommunen von „denen da oben“ allein gelassen.

Für eine sportpolitische Positionierung plädierten die CDU und die Bergische Mitte. Die Aufgabe des Ausschusses sei es, die Interessen des Sports zu vertreten – und das könnte nur heißen, den Ascheplatz zu sanieren, ihn für den Sport zur Verfügung zu stellen und den zentralen Sport-Standort am Stadion zu stärken. Dazu gehöre es auch, für die Vereine und die Zuschauer:innen bei Veranstaltungen Parkplätze vorzuhalten. Die Flüchtlinge müssten untergebracht werden, aber nicht an diesem Standort.

Für die politische Gesamtverantwortung argumentierten Grüne und SPD. Sie stellten sich zwar an die Seite des Stadtsportverbands, unterstützten seine Forderungen und boten in einem Änderungsantrag eine (weitgehend substanzlose) „Kompensation“ (siehe unten, „Nebenschauplatz“) an.

Am Ende würden sie aber auf die Vorlage der Verwaltung vertrauen, dass es zum Flüchtlingsstandort auf dem Ascheplatz keine sinnvolle Alternative gebe. Daher müsse man diese Sportfläche noch einmal opfern, aber gleichzeitig dafür sorgen, dass es an anderen Stellen in der Stadt mehr Platz für Bewegung gebe.

Das Zünglein an der Waage bildete Willy Bartz, früher FDP, jetzt fraktionslos, der sich in der Debatte beiden Lagern zugehörig fühlte, am Ende aber mit Grünen und SPD für den Verwaltungsvorschlag stimmte, der damit eine sehr knappe Mehrheit von 9:8 Stimmen (gegen CDU, AfD und Bergische Mitte) erhielt.

Einen Nebenschauplatz hatten SPD und Grüne mit einem Änderungsantrag aufgemacht, der wie eine Stärkung der Sportflächen in der Stadt wirke, aber von Rockenberg und der CDU rasch entzaubert wurde – als Auflistung von Maßnahmen und Absprachen, die schon längst beschlossen sind. Wenn auch bislang nicht umgesetzt. Bei der Abstimmung enthielt sich Bartz, mit 8:8 stimmen verfehlte dieser Antrag daher die Mehrheit.

Der Sanierung des Aschenplatzes stimmte der Ausschuss einstimmig zu. Die CDU verstand das jedoch nicht als Vorentscheidung für die künftige Nutzung.

Der weitere Verlauf: Der Beschlussvorschlag der Verwaltung muss nun noch vom Stadtrat bestätigt werden. Auch dort haben Grüne und SPD keine Mehrheit, dort ist neben einem weiteren fraktionslosen Abgeordneten auch die FWG mit zwei Stimmen vertreten. Der Ausgang ist daher offen.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Guten Tag,
    von der Nutzung der Sportflächen für Flüchtlingsunterkünfte sollte die Gemeinde doch längst abgekommen sein. Um mich herum in der GLer City sind 2 leerstehende Häuser seit mindestens 4 und 1 Jahr. Derartiger Leerstand ist unzumutbar und anstatt die Kosten zu akzeptieren, einen Ascheplatz verwendbar zu machen, sollten leerstehende Häuser/Wohnungen konsequent vereinnahmt werden, um Menschen in der Gesellschaft unterzubringen. Was das fördert, muss ich ja nicht aufführen.

    1. Das ist grundsätzlich eine interessante Idee. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass dafür leerstehende Häuser und Wohnungen entweder “zwangsvermietet” oder mit einer extrem hohen Abgabe belegt werden müssten – was politisch umstritten wäre. Darüber nachzudenken, wie dauerhafter(!) Leerstand reduziert werden kann, ist dennoch richtig.

      Allerdings wäre das ein langwieriger, kleinteiliger Prozess – also kein Ersatz für die (relativ) zügige Schaffung von Wohnraum für 240 Personen. Das Eine tun, das Andere nicht lassen sollte die Devise sein.

      Zur Erinnerung: Es handelt sich um einen Parkplatz, der *möglicherweise* irgendwann (wieder) als Sportfläche genutzt werden *könnte*. Auch die Falschbehauptung, dass dafür Gelder herangezogen werden, die dann anderswo fehlen, wird durch mehrfaches Wiederholen nicht wahr.

      1. U. Kleinert – Gelder die dann anderswo fehlen, ist ja “vom Tisch”. Es sind aber dennoch Gelder, die den Haushalt belasten, auch wenn anders finanziert wird als zuerst angedacht. Bei den angedachten 14 Millionen wird es vermutlich auch nicht bleiben. Diese 14 (bzw. mehr) Millionen zahlt nun einmal auch der Bürger. Wie das Bürgerportal zum Haushalt 2025 schreibt, wächst das Minus und die Grundsteuer steigt 2026 und 5 Jahre später erneut. (“Das für 2025 geplante Minus erhöht sich um ebenfalls 3,5 Millionen Euro auf nunmehr 60,5 Millionen Euro – bei Ausgaben von insgesamt 467 Millionen Euro.”).

      2. Kein Widerspruch, aber darum ging es hier nicht. Es ging um die (bereits lang und breit diskutierte) Frage, ob durch die Umschichtung Geld für die Sanierung von Schulen fehle. Die Antwort ist klar: nein.

  2. Mit der Entscheidung, so schwierig sie auch gewesen sein mag, bieten wir weiteres Futter für die Kräfte, die solche Entscheidungen mit der Konsequenz weniger Sportmöglichkeiten für die Allgemeinheit, ein Flüchtlingsheim mehr und das alles finanziert von Geldern, die eigentlich für die dringend notwendige Renovierung der Schulen vorgesehen waren, natürlich genüßlich ausschlachten werden.

    Ich frage mich, wie lange unsere Demokratie das noch aushalten wird.
    In Frankreich haben sie schon die 1/3 Hürde geknackt, in Italien und den USA sind sie bereits bzw. in wenigen Wochen an der Regierung und bisher zeigt der Trendpfeil der demokratiefeindlichen Parteien auch bei uns stetig nach oben.
    Weil sich das Problem immer weiter verschärft statt gelöst zu werden.

    Was würde eigentlich passieren, wenn die Stadt Bergisch Gladbach einfach dem Land oder dem Bund meldet: Wir sind voll, es ist kein Platz mehr?

    Wir werden vermutlich auch das bald herausfinden, denn wie man auch an dieser Sitzung gesehen hat, ist halt nicht unendlich Platz vorhanden, um Menschen adäquat unterbringen zu können. Je länger wir damit warten, desto enger werden die Wahlergebnisse werden. Und irgendwann sind dann die Falschen an der Regierung.

    1. Da müsste sich aber noch einiges mehr “verschärfen” als einige Parkplätze herzugeben, bevor ich auf die Idee käme, der AfD meine Stimme zu geben, mit all deren, durch die Bank widerlichen, Anhängern wie bewaffnete, kriminelle, gewalttätige und -bereite Neonazis, Sächsischen Separatisten (SS), Höcke-Freunde, Klimaleugnern, Verschwörungstheoretikern, Reichsbürgern, angeblichen Putin-Verstehern, usw. usw.
      Keiner, der sich mit solchen Leuten auch nur einlässt, sollte hier einen Fuß in der Tür haben.

  3. –> Anmerkung zum Bedarf an Parkfläche von Menschen die sich sportlich betätigen:
    Wir wandern schonmal Sonntags durch das Schlader Tal hoch nach Romaney. Dort kann man vor der ersten scharfen Kurve, von unten kommend rechts, schon mal den Bogenschützen zuschauen. Ich erinnere mich, dass diese Fläche (qm?) früher zum Fußballspielen genutzt wurde.
    Einmal zählten wir 11 Schützen. Angereist waren die Leute mit 1 Fahrrad und 10 PKW!

  4. Der einleitende Satz irritiert mich: “ob … eine weitere Sportfläche geopfert werden soll”.
    Es handelt sich um einen Parkplatz, keine Sportfläche – und inwiefern “eine weitere”? Wo wurde in letzter Zeit bereits eine (oder mehrere) bebaut bzw. umgewidmet? Die letzte verlorene Sportfläche, die mir einfällt, ist das ehemalige Schwimmbad an der Saaler Mühle (heute ‘Mediterana’).

    In der Praxis geht es doch um die Parkmöglichkeit bei Heimspielen. Ein durchaus relevanter Punkt, für den sich aber Lösungen finden lassen. Bei Sonntagsspielen könnte es z.B. die Absprache geben, dass Parkplätze der umliegenden Unternehmen genutzt werden dürfen.

    1. Formal ist es eine Sportfläche, die in den vergangenen Jahren nicht oder nur indirekt (Parkplätze für Sportler:innen und Zuschauer:innen) als Sportfläche genutzt worden ist. Aber nach der beschlossenen Sanierung wieder eine Bewegungsfläche werden könnte.

      Weggefallen sind in den vergangenen Jahren insgesamt fast 40.000 qm, das hatte der Stadtsportverband in seinem Offenen Brief (im Artikel verlinkt) aufgelistet. U.a. der Sportplatz Katterbach, Grünplätze auf dem IGP-Gelände und Flächen auf dem Gelände der Otto-Hahn-Schulen.

      1. Danke für die Antwort. Den aktuellen Stand bzgl. Sportplatz Katterbach kenne ich nicht, die anderen beiden waren bzw. sind nur temporär “zweckentfremdet”. Auch ist die Grünfläche hinter der IGP genausowenig eine “Sportfläche” wie der Asche-Parkplatz (was sich in Zukunft ändern könnte, ja, aber darum ging es nicht).
        Ergo, die Flächenangabe ist schon *sehr* großzügig hochgerechnet.

      2. Da ist das Carport-Gelände eingerechnet, das nie Sportplatz geworden ist – und sich in Privat-Eigentum befindet – also sehr „großzügig“ gerechnet.
        Für den Sport muss was getan werden, unbestritten – aber mit der aktuellen Entscheidung wird dieser nicht weiter eingeschnürt.
        Wenn es um Parkplätze in erreichbarer Nähe geht: a) das Belmondo wird derzeit nicht bewirtschaftet (u ist in städtischer Hand — das sollte für die Turner etc reichen). B) man könnte / sollte die neue Köttgen-Alle nur für Fußgänger auf das Stadion-Gelände verlängern. Dann könnten die Zuschauer von (Fußball- oder Hockey-)Spielen im Parkhaus der Rhein-Berg-Passage parken, wenn sie nicht mit der S-Bahn oder zu Rad kommen wollen.

      3. Danke für die ergänzenden Links.
        Ich bin offenbar zu jung, um mich zu erinnern, dass die “Grünplätze” westlich der IGP mal als Sportflächen genutzt wurden. Aus dem Offenen Brief geht hervor, dass es größtenteils um Flächen geht, die potentiell zukünftig (irgendwann) Sportflächen *werden könnten*. Das als “verlorene Sportflächen” zu bezeichnen, ist schon ziemliche Augenwischerei.

  5. Die alte IKK Gebäude stehen leer. Zwischen den Gebäuden einige Container & Ein paar Trockenbau Wände in den beiden alten Gebäuden so einfach könnte es sein.

    1. Guten Tag,
      wem gehören die Gebäude? Falls nicht im städtischen Besitz nicht so einfach wie Sie es darstellen.

  6. Im Artikel „ Ascheplatz: Vereine kämpfen um Sport- und Parkfläche“ monierten die genannten Vereine hauptsächlich, dass mit der Bebauung des Ascheplatzes mit einem Flüchtlingsheim die Parkmöglichkeiten wegfallen.
    Wenn nun die CDU dafür plädiert den Platz zu sanieren und wieder sportlich zu nutzen, fallen diese Parkmöglichkeiten doch auch weg.
    Worum geht es denn dann hier eigentlich?
    Liebe Vereine: Wollt ihr Sportplätze? Wollt ihr Parkplätze? Oder wollt ihr nur einfach keine Flüchtlinge?

    1. Hallo Frau Schichtl,
      durch die Neunutzung als Sportfläche würde sich der Parkplatzbedarf sogar erhöhen. Es sei denn, alle Nutzer kämen mit Bus, Fahrrad oder zu Fuß.

      1. Der Sportausschuss entscheidet gegen den Sport, das muss man auch erstmal schaffen.

        Unfassbare Entscheidung.

    2. “Worum geht es denn dann hier eigentlich?” Das frage ich mich auch.
      Was den Leuten einmal gestattet wurde (fremdparken auf öffentlichem Grund) das gibt er nicht so einfach wieder her.
      Immerhin bleiben 40 Parkplätze erhalten, die können sich die Vorsitzenden etc. ja mit der Musikschule und den anderen “Fremdparkern” teilen. Ansonsten gibt es auch noch den großen Parkplatz an der Johann Wilhelm Lindlar Straße.