Die Sanierung und Erweiterung von Schloss Lerbach ist für Heribert Landskron-Reißdorf nicht das erste Projekt im Denkmalschutz, aber das anspruchsvollste. Im Gespräch berichtet er über Fortschritte, Hemmnisse, Überraschungen und Anpassungen. Und begründet, warum die umfangreichen Baumfällungen im Lerbacher Wald schmerzhaft, aber notwendig waren.
Seit mehr als zehn Jahren ist das Hotel in Schloss Lerbach geschlossen – doch möglichst noch in 2026 sollte es wieder eröffnet werden. Von Grund auf saniert und durch einen neuen Trakt erheblich erweitert, hatten die neuen Eigentümer Ute Reißdorf und Heribert Landskron-Reißdorf bei der Vorstellung ihrer Pläne vor zwei Jahren gehofft. Das war dann doch deutlich zu optimistisch, räumt der Schlossherr jetzt ohne Zögern ein.

Zwar sei das Projekt von Beginn an gründlich vorbereitet worden. Auch blieben die sonst üblichen bösen Überraschungen aus. Und dennoch habe er den immensen Aufwand unterschätzt. Was bislang erreicht wurde und was noch zu tun ist, bevor zunächst der Park und dann auch das Schloss eröffnet werden können, erläuterte der erfahrene Investor jetzt vor Ort im Gespräch mit dem Bürgerportal.
Das alte Gebäude und auch das für den Neubau vorgesehene Gelände seien schon im Vorfeld genau untersucht worden, auch auf Schadstoffe. Das habe sich ausgezahlt und bilde jetzt eine gute Basis für alle weiteren Schritte, sagt Landskron-Reißdorf.

Eine Überraschung gab es dann allerdings doch: Im Gelände hinter dem Schloss, wo die Erweiterung mit Hotelzimmern, Konferenzräumen und Tiefgarage in den Hang gebaut werden soll, sei man auf eine Felsformation aus der Devon-Zeit (das ist gut 300 Millionen Jahre her) gestoßen. Doch zum Glück lägen diese Felsen so tief, dass darüber, in den Aufschüttungen aus der Zanders-Zeit, genug Raum für das Neubauprojekt und auch die Tiefgarage bleibe.
Der Denkmalschutz ist beim Altbau, dem 127 Jahre alten „Haus Lerbach“, immer wieder ein großes Thema. Es ist aber der Denkmalschutz, für den sich Landskron-Reißdorf und seine Frau stark machen. Daher rührt auch ihr Interesse für das ehemalige Zanders-Anwesen im Bergisch Gladbacher Stadtteil Sand. Mit den Denkmalschutz-Behörden, so der Investor, stehe man in einem engen Austausch, Konflikte gebe es nicht.
Was bleibt, was muss weg
Der Denkmalschutz verursacht jedoch einen enormen Aufwand, der alles übersteige, was er bei früheren Projekten erlebt habe. Vier Werkstudenten seien zwei Monate lang von früh bis spät im Schloss unterwegs gewesen, um die 80 Räume im Detail zu erfassen. Auf dieser Grundlage werde nun entschieden, was alt ist und bleibt, oder was in den vergangenen Jahrzehnten hinzugefügt wurde und weg muss.
Landskron-Reißdorf weist auf eine Stuck-Rosette, die irgendwann unter die Decke geklebt wurde und sich deutlich vom sehr viel schlichteren Orginal-Stuckschmuck unterscheidet.



Einige Rosetten wie die oben rechts wurden nachträglich angebracht, die schlichteten Ornamente überall im Erdgeschoss sind original. Fotos: Thomas Merkenich
Der Rückbau betrifft auch den Pavillon aus Stahl und Glas, der Anfang der 90er Jahren auf abenteuerliche Art und Weise auf eine Terrasse hinter dem Schloss gesetzt worden war – und das berühmte „Gourmet-Restaurant Dieter Müller“ beherbergte. Inzwischen ist die Konstruktion weitgehend entkernt und soll bald abgerissen werden.



Der Pavillon, in dem zunächst Dieter Müller und später Nils Henkel ihre Kochkunst auftischten, wird nun abgerissen, um den alten Zustand wieder herzustellen. Fotos: Thomas Merkenich
Der Denkmalschutz spielt nicht nur im Gebäude eine Rolle, sondern auch im Gelände. Die Denkmalschützer und auch die Eigentümer legen großen Wert darauf, dass auch die Ansicht auf das Schloss wieder so hergestellt wird, wie sie vor 100 Jahren einmal war – wo auch immer man sich im (ebenfalls denkmalgeschützten) Park befindet. Der neue Trakt soll daher optisch hinter dem Altbau verschwinden.
Dieser Anspruch habe inzwischen zu zwei größeren Veränderungen der Pläne geführt, erläutert Reißdorf. Zum einen sei der Neubau um 80 Zentimeter tiefer in das Gelände gelegt worden, womit er sich noch besser in den Hang einfügt.





Der Neubau wird in den Hang hinter dem Schloss gebaut und schließt sich an den sogenannten Ehrenhof (Foto rechts) an; die Visualisierung (unten rechts) ist nicht mehr aktuell.
Der zweite Punkt betrifft die Dächer des Neubaus. Sie griffen in einer ersten Visualisierung die Dachlandschaft des Schlosses auf, mit vielen Gauben. Sie sollen nun deutlich schlichter und zum Teil als Flachdach gestaltet werden.
Der Neubau müsse sich klarer vom Altbau absetzen, um ihm nicht die Schau zu stehlen, so die Forderung der Denkmalschützer. Genau das habe das Kölner Büro ASTOC, das den Neubau plant, inzwischen sehr gut umgesetzt, so der Bauherr. Insgesamt werde das Gebäude nun glatter und moderner gestaltet.
Behörden tun sich mit Solaranlagen schwer
Auf das Flachdach könne immerhin eine Photovoltaik-Anlage gebaut werden, sagt Landskron-Reißdorf, und damit einen Beitrag leisten, das gesamte Gebäude CO2-neutral zu betreiben. Von Anfang an soll weitestgehend ohne fossile Brennstoffe geheizt und gekühlt werden, aber dafür brauche man Strom.
Auf das Schloss könne man keine Photovoltaik setzen. Der Investor denkt daher über eine Freiflächen-Anlage nach – aber dafür eine Genehmigung zu erhalten sei „herausfordernd“. Mit Stadt und Kreis werde darüber gerade konstruktiv diskutiert.
Insgesamt, das betont Landskron-Reißdorf mehrfach, gebe es mit den kommunalen Behörden einen sehr guten Austausch. Mit der Bauaufsicht stehe man im ständigen Austausch, um mögliche Konflikte frühzeitig zu erkennen und auszuräumen.
Rücksicht auf die Fledermäuse
Dabei spielt neben dem Denkmal- auch der Tierschutz eine Rolle. Im Moment werde der Abbruchantrag für den „Dieter-Müller-Pavillon“ bearbeitet. Eigentlich ein relativ überschaubares Projekt, aber dennoch aufwendig. Zum Beispiel müsse geklärt werden, wie der Bagger, der für die Demontage benötigt wird, durch den Park fahren kann, ohne die dort lebenden Fledermäuse zu gefährden.
Erkunden Sie mit unserer Panoramatour Schloss Lerbach von innen und außen. Ein Doppelklick öffnet und schließt die volle Ansicht, mit der besten Wirkung auf einem größeren Bildschirm, auf dem Handy im Querformat. Sie können über die blauen Punkte und die Navigation oben verschiedene Perspektiven ansteuern. Sie können die Ansicht drehen, Details heranzoomen. Hinter den roten Symbolen finden Sie Texte, historische und aktuelle Fotos. Manche Infos sind ein wenig versteckt. Die Aufnahmen wurden im Frühjahr 2023 gemacht.
Der neue Zeitplan – Ende offen
Vor diesem Hintergrund versteht man, warum eine Fertigstellung des neuen Hotels schon in 2026 völlig unrealistisch ist. Im Moment gehen die Investoren davon aus, den Bauantrag für den Neubau bis Ende Oktober 2025 einreichen zu können.
Da alle Beteiligten bei Stadt und Kreis laufend informiert werden und damit grundsätzlich wissen, was auf sie zukommt, könnte die Baugenehmigung im besten Fall innerhalb von wenigen Monaten erteilt werden – also im Frühjahr 2026.
Die Stadt Bergisch Gladbach prüft das Vorhaben planungsrechtlich als teilprivilegiertes bzw. begünstigtes Vorhaben nach § 35 Abs. 4 BauGB. Ein eigener Bebauungsplan, wie er vom Rheinisch-Bergischen Naturschutzbund (RBN) verlangt wird, sei nicht erforderlich.
Wieviel Zeit nach Erteilung der Baugenehmigung für den Wiederaufbau des weitgehend entkernten Altbaus und für den Neubau benötigt wird, ist derzeit noch offen. Ein Datum will Landskron-Reißdorf vorerst nicht nennen. Er räumt aber ein, dass auch 2027 „ambitioniert“ sei. Also unrealistisch.
Dabei sei klar, dass die Wiederherstellung des Altbaus deutlich mehr Zeit als der Neubau benötige. Am Ende wollen die Investoren dem Pächter, der Hotelkette Dorint, ein „löffelfertiges Hotel“ übergeben. Soll heißen: Die Besteckschubladen sind gefüllt, der Betrieb kann sofort starten.
Warum die Bäume gefällt werden mussten
Sehr viel früher, in den kommenden Monaten, soll der Park geöffnet werden. Landskron-Reißdorf betont, dass er und seine Frau ganz und gar hinter der Zusage stehen, dass der Park und auch der Wald rund um Schloss Lerbach wieder für die Öffentlichkeit zugänglich werden.
Wie wichtig der Anwohnerschaft Schloss und Park sind, habe er in den vergangene Wochen noch einmal erfahren, sagt Landskron-Reißdorf. In der Debatte über die Baumfällungen, die von vielen als rücksichtsloser Kahlschlag empfunden wurden und von den Eigentümern mit ihrer Verkehrssicherungspflicht begründet worden war.



Wie groß die Gefahr war, habe sich gezeigt, als eine 30 Meter hohe Buche und eine 20 Meter hohe Eiche einfach umgekippt seien, erklärt der Schlossherr. Er sei erschrocken gewesen, als sich herausgestellt habe, wie schlecht der Zustand eines großen Teils der Bäume tatsächlich ist. Man habe der Einschätzung der Experten des Holzkontors Rhein-Berg-Siegerland vertraut – und die habe sich leider als richtig erwiesen.
Die gefällten Bäume seien im Kern faul und daher auch nicht als Holz zu verkaufen, sondern müssen geschreddert werden. Schon von daher sei der Verdacht, der massive Einschlag habe wirtschaftliche Hintergründe, nicht richtig.
Lerbacher Wald: Kreis widerspricht Kritik am „Kahlschlag“
Der (Rheinisch-)Bergische Naturschutzbund teilt das Entsetzen vieler Anwohner und kritisiert die umfangreichen Rodungen im Lerbacher Wald scharf. Doch der Kreis hält die rechtlichen Vorwürfe für nicht haltbar und auch der Investor von Schloss Lerbach argumentiert erneut mit der Sicherheit für eine Öffnung des Parks. Die Naturschützer beklagen einen immensen ökologischen Verlust.
Wie man nun wisse, waren der Wald und große Teile des Parks über 50 Jahre hinweg nicht gepflegt worden. Da keine Bäume nachgepflanzt wurden, gebe es nun einen Bestand, der durchweg 50 Jahre und älter ist, ohne Nachwuchs.
Im Herbst werde mit der Aufforstung begonnen, kündigt Landskron-Reißdorf an. Dafür seien bereits Baumarten ausgewählt worden, die mit dem veränderten Klima gut zurecht kommen.
Wo Wald war, bleibt Wald
Auch die Vermutung, dass der Park zu Lasten des Waldes ausgedehnt werden soll, weist der Eigentümer zurück. „Alles bleibt, wie es ist: Wo Park war, bleibt Park. Wo Wald war, bleibt Wald.“
Allerdings seien auch die meisten Bäume im Park in einem sehr schlechten Zustand; weitere Fällungen seien dort jedoch erst einmal ausgesetzt worden. Zusammen mit dem renommierten englischen Gartendesigner Pip Morrison arbeiten die Investoren daran, auch den Park in seinen historischen Zustand zurück zu versetzen, auch hier spielt der Denkmalschutz eine große Rolle.





Park soll im Sommer geöffnet werden
Bevor der Park geöffnet werden könne, müssten die Sicherheit der Besucher:innen gewährleistet und Versicherungsfragen geklärt werden. Zur Not, so Landskron-Reißdorf, müssten Schilder darauf hinweisen, dass das Betreten auf eigene Gefahr geschehe, einige Bereiche müssten wahrscheinlich abgesperrt werden.
Einen konkreten Zeitpunkt für die Öffnung nennt Landskron-Reißdorf nicht – wenn irgend möglich soll der Park aber noch in diesem Sommer freigegeben werden.
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Zum guten Schluss: Mehr Fotos
Unser Fotograf Thomas Merkenich war immer wieder rund um Schloss Lerbach unterwegs und gibt hier einen Einblick in sein Foto-Archiv:






















Vorbildliche Beispiele, denkmalwürdige Architekturen aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu überführen, finden wir vor allem in Polen und in Cornwall. Wer Ostpreußen, Masuren oder Schlesien einmal bereist hat, weiß das. Hier wurden bei Gutshäusern und Schlössern in der Nachwendezeit mit viel Engagement von Eigentümern, Besitzern und Behörden kleine und große Wunder vollbracht. Es wurde nicht nur Restauration betrieben, sondern Urzustände wieder hergestellt, wie man an Danzig sehen kann.
Für alle, die dieses Thema interessiert: Es gibt jetzt auch ausführliche Dokumentationen über die Wiederbelebung von vergessenen Gärten in Südengland, vor allem in Cornwall – Stichwort “Heligan”. Hier lässt sich leicht erkennen, dass Naturschutz nicht nur im “Verwildernlassen” stattfinden kann, sondern auch in deren bewussten Kultivierung. Gegenrechnungen halte ich daher für absolut verfehlt.
Nun in meinem heimischen Umfeld den Erhalt eines nicht nur architektonisch bewundernswerten kleinen Schlosses, sondern die Gestaltung der historisch bedeutsamen Parkanlage miterleben zu dürfen, ist ein ganz besonderes Ereignis. Solche Projekte brauchen neben Geld, vor allem Ruhe, Zeit und wohlwollende Aufmerksamkeit.
Die ausgezeichnet aufbereitete Fotodokumentation von Thomas Merkenich hilft uns, die Poesie der gesamten Anlage zu erfassen – großes Kompliment dafür. Mein Wunsch gilt jetzt der Eröffnung der Parkanlage für die Allgemeinheit, damit ich mir ein eigenes Bild (und Fotos) machen kann.
Dieter Richter, Bergisch Gladbach
“Wie man nun wisse, waren der Wald und große Teile des Parks über 50 Jahre hinweg nicht gepflegt worden.”
Wie schön, dass der Wald/Park nun endlich die “Pflege” bekommen hat, die er so lange hat vermissen müssen. #motorsaegengeraeusch
Nicht auszudenken, was mit Wäldern und der Natur passieren würde, wenn der Mensch nicht unentwegt “pflegend” eingreifen würde!
Wir wünschen dem Schlossherrn weiterihn so ein sicheres Händchen beim Umgang mit der Natur und dem Denkmal.
Das ist doch reine Polemik.