Der Touchscreen der Geldautomaten der Kreissparkasse kann sprechen. Foto: Redaktion

Der 6. Juni ist der Tag der Sehbehinderten – und ein Anlass, auf die Herausforderungen aufmerksam zu machen, mit denen blinde und sehbehinderte Menschen im Alltag konfrontiert sind. Etwa mit Touchscreens, die oft eine unüberwindbare Hürde darstellen. Davon gibt es auch in Bergisch Gladbach viele negative Beispiele – aber auch gute Lösungen.

In diesem Jahr steht am Tag der Sehbehinderten ein besonders aktuelles Thema im Fokus: Touchscreens – die allgegenwärtigen Oberflächen in Fahrkartenautomaten, Haushaltsgeräten, Bankterminals, Aufzügen oder modernen Kassensystemen.

Was für viele Menschen bequem und innovativ wirkt, ist für sehbehinderte und blinde Menschen oft eine unüberwindbare Hürde. Denn Touchscreens kommen meist ohne fühlbare Orientierung aus. Informationen erscheinen nur visuell – ohne akustische Rückmeldung oder taktile Alternativen. Für Menschen, die nicht oder nur eingeschränkt sehen, bedeutet das: kein Zugang, keine Bedienung, keine Teilhabe.

Besonders kritisch ist das bei öffentlich zugänglichen Geräten, die für alltägliche oder sogar lebenswichtige Aufgaben benötigt werden – wie das Eingeben einer PIN am Kartenlesegerät oder das Ziehen eines Tickets im Nahverkehr. Hier wird deutlich: Digitale Barrieren sind reale Ausschlüsse.

Einen bedienbaren Fahrkartenautomaten an Bahnhöfen habe ich noch nie entdeckt. Bergisch Gladbach bildet da keine Ausnahme. Bisweilen kann ich mir vorbestellte Tickets für das Ausland und den Kofferservice nur am Automaten abholen. Ohne sehende Begleitung komme ich hier nicht an meine Tickets. 

Rückgabeautomaten für Pfandflaschen sind ein rotes Tuch für mich. Die guten alten Druckknöpfe für die Bonausgabe sind passee und wurde durch ein nichts sagendes Display mit Touchscreen ersetzt. An diesem Automaten frage ich mich auch immer wie Rollstuhlfahrer und kleinwüchsige Menschen oder Kinder dieses Display bedienen können. Für Sie ist es einfach viel zu hoch angebracht.

Das unmöglichste sind Kartenzahlungsgeräte, auf denen ich meine Geheimzahl eingeben muss und die nur über ein Touchscreen verfügen. Hier bin ich komplett raus, denn ich werde keinem fremden Menschen, meine Geheimzahl anvertrauen. Auch dies ist mir schon in Bergisch Gladbach passiert. Wie gut, dass es sich hier um einen Einkauf von Artikeln gehandelt hat und nicht die Rechnung nach einem Essen; das wäre wirklich schwierig geworden.

Dabei gibt es längst Lösungen:

  • Screenreader-Kompatibilität
  • Sprachausgabe oder akustische Navigation
  • taktiles Feedback oder haptische Hilfsmittel
  • alternative Bedienmöglichkeiten über Tastaturen oder Apps

Bei der Kreissparkasse Köln in Bergisch Gladbach zum Beispiel befinden sich Geldautomaten mit einer Klinkenstecker Buchse. Ich stecke hier einen entsprechenden Kopfhörer ein und werde per Sprache durch das Menü geführt und angeleitet. So ist mir zum Beispiel das Geld abheben, als blinder Mensch, selbstständig möglich.

Allerdings stehe ich auch hier manchmal vor dem Terminal und komme nicht weiter. Mittlerweile sind andere Stecker oder öfter noch Bluetooth Kopfhörer die gängige Wahl. Ich muss also immer daran denken, aus dem alten Fundus einen Klinken-Stecker-Kopfhörer dabei zu haben; den ich ansonsten nirgendwo mehr gebrauchen kann.

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) fordert deshalb zum Sehbehindertentag 2025: Barrierefreiheit von Anfang an mitdenken! Touchscreens dürfen nicht zur Barriere werden. Öffentliche und private Anbieter müssen Verantwortung übernehmen und ihre Produkte und Services inklusiv gestalten.

Denn Berühren allein reicht nicht – echte Teilhabe entsteht erst, wenn alle bedienen können.

Ich bin in Bergisch Gladbach geboren und lebe bis heute in der Stadt. In der Grundschulzeit bekam ich eine chronische Augenentzündung. Sie verläuft progressiv und so verhielt es sich auch mit meinem Sehvermögen. Seit über 20 Jahren bin ich juristisch blind. Der Blindenlangstock ist nach einer weiteren...

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  1. ..,.soziales Denken und Handeln spielt anscheinend bei RotGrün keine Rolle.

      1. Natürlich keinen. Aber wenn man wieder mal einen „rant“ gegen Rot und Grün loswerden kann, lässt man sich die Gelegenheit nicht entgehen.

      2. Herr Kraus, lesen Sie sich mal den klugen Kommentar von Johannes W. Ditsche vom 7. Juni 2025 um 13:59 durch.
        Entschuldigung, aber solche Beiträge erwartet man eigentlich von Menschen, die sich politisch, angeblich für die Allgemeinheit betätigen.
        Eine solche Spezies von Politikmachenden, die nur jede Gelegenheit beim Schopfe nehmen, anderen, verzeihung, zwischen die Beine zu treten, haben wir, finde ich, immer mehr und bereits zur genüge und keinen weiteren Bedarf.