Die zwei Ausstellungsräume im Partout sind ausschließlich mit blauen Bildern bestückt. Wer glaubt, das sei bloß eine ästhetische Spielerei, liegt nicht ganz falsch – und genau darin liegt der Knackpunkt. Die junge Ausstellungsreihe „Sideways“ lädt zur Vernissage der Künstlerin Jovita Majewski in die Herkenrather Galerie Partout.

Die junge Künstlerin Jovita Majewski hat für die Ausstellung in Herkenrath vor allem Ölmalerei und Zeichnungen ausgewählt – und das Besondere daran: Alles ist blau. Eine Installation in einer Ecke deutet an, dass sie auch andere Ausdrucksmittel nutzt. So arbeitet sie unter anderem mit Installation oder auch Fotografie oder Performance.

Die meisten der ausgestellten Arbeiten stammen aus den vergangenen drei bis vier Jahren. Ursprünglich hat sie Bildhauerei in der Fachklasse von Katharina Fritsch in Düsseldorf studiert.

Foto: Thomas Merkenich

Klimawandel – intensiv und dringlich

Nach dem Studium war sie auf der Suche: Wo gehts hin? „Man fällt in ein Loch“, sagt sie und erklärt: „Da fehlen Kommiliton:innen, das Feedback der Professor:innen, man hat kein Atelier. Man ist auf sich gestellt.“ 

Dann habe sie in sich hineingefühlt: Was ist das Thema, das sich am intensivsten anfühlt? Das sei der Klimawandel – „intensiv und dringlich“. Also begann sie zu recherchieren und Dokumentationen zu schauen. Mit dem Thema habe sie sich schon vor Greta Thunberg beschäftigt, sagt Majewski lachend. Dann kam der Hype, und nun gehe der Trend wieder zurück – schade, findet sie, denn trotz aller Kriege sei es das dringendste Thema.

Zur Person

Geboren 1987 in Marburg. 2009-2010 Studium der Kunstgeschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. 2010-2016 Studium der freien Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf bei Professorin Katharina Fritsch. 2016 bis heute Dozentin für klassische Kunstkurse und Workshops zum Thema Klimawandel & Kunst in der Kunstschule Monheim am Rhein, KIT (Kunst im Tunnel) Düsseldorf, Kunsthalle Düsseldorf. Seit 2020 Freischaffende Künstlerin. Lebt und arbeitet in Köln.

Auswahl von Einzel- und Gruppenausstellungen
  • 2026 Einzelausstellung „Jovita Majewski – Blaue Horizonte” im Partout® Kunstkabinett,
  • 2025 Auktion mit Galerie Jarmuschek + Partner in der Sankt Matthäus Kirche, Berlin
    „STATE OF MATTER” Gruppenausstellung Kunsthalle Lindenthal, Köln
    „men in the mirror” Soloausstellung Schaumburg, Bonn
  • 2024 „WASTA” Kunst im öffentlichen Raum, Installation am Museum Schnütgen, Köln
  • 2023 Gruppenausstellung „Editioon #2″ Galerie r8m, Köln
    Ausstellung „water & ashes” Kunstverein Wesseling (Galeriehaus)
    „Abstrakte Visuelle Referenzen in Malerei und Klang” Humboldt University, Berlin
  • 2022 Gruppenausstellung „Oberwasser” in der Galerie Wundersee in Düsseldorf
  • 2021 Gruppenausstellung „Blau: eine Liebeserklärung” im Kunstzentrum Wachsfabrik in Zusammenarbeit mit Rheincleanup Düsseldorf (als Kuratorin und Künstlerin)
  • Gruppenausstellung “THE SHOW” mit „roam” beim Gallery Weekend Berlin
  • Gruppenausstellung „Trash society” im bunkerK101 Köln

Ihre Bilder seien allerdings nicht nur als Appell zu verstehen, mit der Natur anders umzugehen. Sie seien auch ein Plädoyer dafür, dankbar zu sein für „die Schönheit der Welt, die wir haben“.

Ihre Kritik beginnt schon bei Begriffen. Der Ausdruck „die Umwelt“ etwa störe sie. „Als wäre das etwas, das uns nur umgibt und nicht etwas, das uns einschließt“, sagt sie ernst. Der Klimawandel sei auch ein Grund, warum sie nicht reise. Dennoch sehne sie sich nach bestimmten Orten; einen Gletscher wolle sie unbedingt einmal sehen und erleben.

In diesem ganzheitlichen Sinn malt sie nicht nur klassische Motive der „Umwelt“, etwa Natur- oder Landschaftsbilder, sondern auch ein menschliches Gehirn oder Herz. Diese Arbeiten gehören zu einer Reihe, in der es um den Klimawandel oder den Verlust natürlicher Rohstoffe geht, erzählt die gebürtige Marburgerin.

Die Farbe Blau

Blau sei die Farbe, die uns am meisten umgibt – als Himmel oder Meer. Übertrage man sie auf natürliche Strukturen, wirke sie abstrakt und bekomme etwas Künstliches. Genau das habe sie gereizt.

„Ich liebe diese Farbe in allen Facetten…“

… in allen „50 Shades of Blue“. Daraus entstand die Idee für eine Serie, in der sich Strukturen ähneln: ein Lavastrom, ein Sternennebel, die weiße Wüste von Ägypten, Gletscher.

Als Vorlagen sucht Majewski geeignete private Fotos oder Bilder aus dem Internet. Sobald sie das Gefühl habe, die Struktur verstanden zu haben, arbeite sie frei weiter. Dabei reduziert sie die Formen, um die Ähnlichkeiten deutlicher herauszuarbeiten. Das sei ein Lernprozess, sagt sie, denn sie wolle verstehen, wie die Strukturen beschaffen sind und was sie voneinander unterscheidet.

Für die gesamte Serie hat sie nur zwei Blautöne angemischt und konsequent verwendet. Manche Arbeiten besitzen gemeinsame Bildelemente und sind als Paare angelegt, andere funktionieren seriell, können aber auch für sich stehen. Es gibt Serien mit Eis, Wasser oder Holz.

Foto: Thomas Merkenich

Wie beispielsweise die Installation der Holzkette mit dem Titel „this is fine“. Der Titel bezieht sich auf das beliebte Meme eines Hundes, um den herum alles brennt – umgangssprachlich: „Wir sitzen im brennenden Haus und denken: Naja, gut. So ist es jetzt.“

Mit dem teils verkohlten Holz innerhalb der Kette greift Majewski das Waldsterben auf. „Die Kette steht für mich für Stabilität, und das verkohlte Glied verweist auf die Fragilität einzelner Glieder“, erklärt sie. „Der Wald ist ein System, in dem jedes Glied zusammengehört, in dem Kreisläufe wichtig sind.“

Wer aufmerksam schaut, wird merken: Die Kette ist ein wiederkehrendes Symbol in ihrer Arbeit – eine diskrete Erinnerung daran, wie verletzlich dieses System ist.

Ästhetik, Kritik – Gespräch

Auffällig sind auch die mit englischen Slogans bestickten, blauen Basecaps, die nicht zufällig an „Make America Great Again“ erinnern. Darauf stehen eigene, von Majewski erdachte Sprüche wie „MAKE OIL FOSSIL AGAIN“ – zweckmäßig aufgestickt mit weißem Garn. Sie sieht sich als „Antidote zu Trump“ und als „Advokatin der Natur“, nach dem Motto: zurück zur Natur und zur Verbundenheit.

Foto: Thomas Merkenich

„Ich angle die Menschen mit Ästhetik, und dann möchte ich mit ihnen darüber reden, worum es eigentlich geht.“

Regelmäßig lädt das Kunstzentrum Wachsfabrik in Köln-Rodenkirchen zum Kunstsonntag ein – eine gute Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen. Dabei habe sie die Erfahrung gemacht, dass die Leute zunächst von der Ästhetik der Kunst angezogen werden.

Erst wenn Majewski den Titel lesen, komme der „Knackpunkt“: Würde sie etwa einen Waldbrand in bedrohlichen Farben statt in Blau zeigen, würden sich viele damit nicht beschäftigen wollen, sagt die Künstlerin – es wäre ihnen zu hart. Das Blau verfremdet. „So bekomme ich einen Zugang zu den Leuten, weil sie sich darauf einlassen“, sagt die Künstlerin.

Wer sich zum Dialog verführen lassen will: Jovita Majewski wird während der Vernissage und auch während der Finissage anwesend sein.


Jovita Majewski– Blaue Horizonte
24.4. bis 30.5.. 2026
Vernissage: 24.4., 18 Uhr
Einführung Dr. Ursula Clemens-Schierbaum
Finissage: 30.5., 17 Uhr

Partout® Kunstgeschichte & Kunstkabinett
Strassen 85, 51429 Bergisch Gladbach
Öffnungszeiten: di, do, fr 16-19 h, sa 11-13 h
und nach Vereinbarung
02204 42 52 38
InstagramWebsiteKünstlerseite

Foto: Thomas Merkenich

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