Neue Info-Tafel auf dem Beit-Jala-Platz (v.l.): Heinz-D. Haun, Marcel Kreutz, Axel Becker, Annerose Linden, Stephan Dekker, Jörg Bärschneider. Fotos: Beit Jala Verein

Vor dem Welttag der Partnerstädte ist in einer kleinen Feierstunde auf dem Beit-Jala-Platz eine neue Info-Tafel über die Partnerkommune bei Bethlehem enthüllt worden. Bürgermeister Marcel Kreutz legte in seiner Ansprache vor zahlreichen Gästen ein klares Bekenntnis zur Partnerschaft mit Beit Jala ab.

Wir veröffentlichen einen Beitrag des Beit Jala e.V. 

Wer in diesen schönen Frühlingswochen einen Stadtbummel unternimmt, dem sei ein Abstecher zum Beit-Jala-Platz empfohlen. Zehn Gehminuten vom Busbahnhof entfernt, zwischen Tannenbergstraße und Dechant-Müller-Straße im Gronau, ragt auf einem grünen Hügel wie ein Wahrzeichen die Stahlskulptur „Engel der Kulturen“ empor. Spielgeräte, Boule-Platz und Sitzbänke laden zum Verweilen ein.

+ Anzeige +

Und seit Kurzem zieht auch eine neue Info-Tafel der Stadt zur Partnerschaft mit Beit Jala die Blicke auf sich. In Deutsch, Englisch und Arabisch bekommen Passantinnen und Passanten allerhand Wissenswertes über Beit Jala im palästinensischen Westjordanland mit auf den Weg, finden es auf einer stilisierten Landkarte und können sich mittels aufgedrucktem QR-Code mit der Webseite des Vereins verbinden. In einem Schaukasten auf der Tafelrückseite haben künftig Infos des Vereins Platz.   

Bestes Wetter sorgte für gute Laune der Gäste, darunter die Ehrenbürger Roswitha und Erich Bethe, die stellv. Bürgermeisterin Anna Maria Scheerer, Klaus Waldschmidt, Fraktionsvorsitzender SPD, Alt-Bürgermeister Frank Stein, Theresia Meinhardt, Co-Fraktionsvorsitzende B90/Grüne, und Stadtgrafiker Mick Thomys, der die Tafel gestaltet hat. 

Enthüllung der neuen Info-Tafel (v.l.):  Bürgermeister Marcel Kreutz, Stephan Dekker, Jörg Bärschneider (beide Vorstand Beit-Jala-Verein)

Anwesend waren auch Vertreter der Städtepartnerschaften Ganey Tikva, Pszczyna, Luton und Runnymede, Willy Bartz, Klaus Farber und Angela Behrend. Außerdem Annerose Linden und Jana Lülf vom Bürgermeisterbüro und natürlich zahlreiche Freundinnen und Freunde des Beit Jala-Vereins sowie der Vorstand.  

So geriet das Treffen, das ursprünglich nur dem Ersatz der verblichenen, 2015 errichteten Info-Tafel durch eine neue gewidmet war, zu einer kleinen, feinen  Feierstunde im Vorfeld des Welttages der Partnerstädte: mit Redebeiträgen, Interviewvortrag, Poesie und Musik. 

Bijan Mahdjub, aus Köln angereist, umrahmte das Geschehen mit dem konzertanten Sound seines Dudelsacks. Schließlich spielen nicht nur Schotten, sondern auch die Pfadfinder Beit Jalas dieses Musikinstrument bei öffentlichen Anlässen. 

Bekenntnis zur Städtepartnerschaft

Bürgermeister Marcel Kreutz betonte in seiner Ansprache die Unterstützung für die Partnerschaft und schickte diese Botschaft auch in einem Grußvideo nach Beit Jala: „Mit dem Jubiläum 15 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Bergisch Gladbach und Beit Jala und der neuen Stellage mit Infotafel und Schaukasten erneuert die Stadt Bergisch Gladbach ihr Bekenntnis zu dieser Städtepartnerschaft.“

Im Wortlaut: Grußwort von Marcel Kreutz

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Bürgerinnen und Bürger,

lieber Vorstand und liebe Mitglieder des Vereins Städtepartnerschaft Bergisch Gladbach – Beit Jala,

liebe Eheleute Bethe, 

heute kommen wir zusammen, um ein sichtbares Zeichen unserer Verbundenheit zu Beit Jala in Palästina zu erneuern.

Die Stellage und die Tafel ersetzen die alte Info-Stele, die im Jahr 2015 mit der Einweihung des Platzes vom Verein Städtepartnerschaft Bergisch Gladbach – Beit Jala aufgestellt wurde. Sie war sehr in die Jahre gekommen und stand auch nicht so zentral und sichtbar auf diesem schönen Platz. 

Enthüllung der alten (jetzt abgebauten) Info-Tafel auf dem Beit-Jala-Platz, 2015. V.l.:  die Leiterin der Palästinensischen Vertretung Dr. Khouloud Daibes, Beit Jalas Bürgermeister Nicola Khamis, Bürgermeister Lutz Urbach  

Mit dem Jubiläum 15 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Bergisch Gladbach und Beit Jala und mit der neuen Stellage mit Infotafel und mit dem Schaukasten erneuert die Stadt Bergisch Gladbach ihr Bekenntnis zu dieser Städtepartnerschaft. Ich darf nun zusammen mit Stephan Dekker und Jörg Bärschneider, den beiden Vorsitzendes des Beit Jala-Vereins, das Schild enthüllen.

Ein Foto dieser Enthüllung werde ich an meinen Bürgermeisterkollegen Dr. Issa Janineh in Beit Jala senden: als Zeichen der Verbundenheit mit Beit Jala. Das Foto soll zeigen: Wir denken an euch. Wir stehen an eurer Seite. Und wir halten an unserer Freundschaft fest.

Liebe Gäste, dieses neue Schild steht nicht nur für 15 Jahre gelebte Partnerschaft, sondern vor allem für Freundschaft, gegenseitigen Respekt und die feste Überzeugung, dass Begegnung und Dialog Brücken bauen – auch und gerade in schwierigen Zeiten.

Die Lage im Nahen Osten erfüllt uns alle mit großer Sorge. Umso wichtiger ist es, dass wir an unseren gewachsenen Beziehungen festhalten und sie bewusst stärken. Unsere Städtepartnerschaft ist kein symbolischer Akt, sondern ein lebendiges Band zwischen Menschen, das Hoffnung trägt und Solidarität ausdrückt.

Mit der Erneuerung dieses Schildes setzt unsere Stadt ein klares Zeichen: Diese Partnerschaft ist uns wichtig – heute mehr denn je. Wir stehen an der Seite unserer Freundinnen und Freunde in Beit Jala. Wir denken an sie und fühlen uns mit ihnen verbunden.

Mein besonderer Dank gilt dem Verein Städtepartnerschaft Bergisch Gladbach – Beit Jala mit. Durch Ihr unermüdliches Engagement, Ihre Zeit, Ihre Ideen und Ihre persönliche Hingabe tragen Sie entscheidend dazu bei, diese Partnerschaft mit Leben zu füllen und weiterzuentwickeln. Ohne Sie wäre diese Verbindung nicht das, was sie heute ist.

Auch an der Gestaltung dieser neuen Tafel hat der Verein maßgebend mitgewirkt. Vielen Dank an dieser Stelle auch an unseren Stadtgrafiker Michael Thomys, der wieder einmal (zusammen mit meinem Büro) seine Professionalität hat sichtbar werden lassen. Ich finde jedenfalls, diese Tafel, auch mit der Integration des Schaukastens, ist sehr gut gelungen.

Lassen Sie unsere Partnerschaft weiterhin aktiv gestalten – mit Offenheit, Menschlichkeit und dem festen Willen, füreinander da zu sein.

Abschließend möchte ich ein paar Worte zu diesem Platz, dem Beit Jala-Platz sagen. Sie sehen, dass er – dank seiner ansprechenden Gestaltung – zum Verweilen und Plaudern, zum Spielen und Feiern einlädt.

Wissen Sie, warum die Stadt sich im Jahr 2015 gerade für diesen Platz entschieden hat? Es ist seine Lage innerhalb des Stadtgebietes. Er befindet sich im Stadtteil „Gronau“, dessen Name sich aus der Bezeichnung „Grüner Aue“ entwickelt hat. 

Und „Grüne Aue“ oder „Grüne Matte“ ist die deutsche Übersetzung des Arabischen „Beit Jala“.

Ich wünsche uns allen, dass der Beit Jala-Platz mit der neuen Stellage (und der neuen Fahne, die evtl. erst später installiert wird) ein lebendiger Treffpunkt für die Menschen unserer Stadt bleibt, ein guter Platz für Begegnungen!

Stephan Dekker und Jörg Bärschneider vom Vereinsvorstand lasen ein zuvor geführtes Interview mit einem Freund des Vereins aus Beit Jala zur Lage vor Ort vor. Die Angst vor massiver Siedlergewalt geht dort mit dem Wunsch einher, endlich wieder Besucher von der Strunde begrüßen zu können. „Ich hoffe sehr, dass ihr bald kommt und euch ein persönliches Bild macht“, hieß es. „Dann könnt ihr die Schwierigkeiten hier im Alltag erleben, aber auch, wie die Menschen versuchen, damit klarzukommen. Und worüber sie sich freuen.“ 

Im Wortlaut: Interview mit einem Freund der Städtepartnerschaft in Beit Jala  

Wir hatten Anfang der Woche Kontakt mit einem unserer Freunde in Beit Jala. Wir kennen ihn seit Jahren, viele von Euch kennen ihn auch. Er möchte aber nicht, dass sein Name genannt wird, weil er Angst vor Diffamierung hat. Hier ein paar Gedanken von ihm.

Frage: Lieber Freund, wie geht es Dir und Deiner Familie?

Antwort: Wir kommen zurecht, Gott sei Dank! Und nach einem Monat geschlossener Schulen ist der Unterricht jetzt wieder aufgenommen worden. Meine Kinder können wieder auf der Straße spielen. 

Frage: Welche Folgen hat der Krieg in Gaza und Iran für Euch in BJ?

Antwort: Der Krieg hat sehr negative Auswirkungen auf uns hier. Die Preise für Öl und Lebensmittel sind stark gestiegen. Der Tourismus liegt bei Null, die meisten Menschen haben ihre Arbeit verloren. Die Armut hat deutlich zugenommen.

Frage: Was merkt Ihr von den Siedlern?

Antwort: Die Menschen hier haben große Angst vor ihnen. Jeden Tag machen sie Probleme. Wir alle haben Angst, dass sie Häuser und Land stehlen und Palästinenser töten. Und die Besatzung geht immer weiter: Erst in diesen Tagen hat das israelische Militär einige Dörfer westlich von Bethlehem abgetrennt (betrifft Battir, Nahalin, Husan). Durch Betontore, Straßenposten und Stacheldraht.  

Frage: Was wünscht Du Dir von der Städtepartnerschaft mit GL?

Antwort 1: Wir sind ja so froh, dass es die Städtepartnerschaft zwischen GL und BJ gibt. Das stärkt die Beziehungen zwischen dem palästinensischen und dem deutschen Volk. Wir alle hier hoffen sehr, dass sie fortgesetzt wird und der Austausch weitergeht. 

Antwort 2: Ich hoffe sehr, dass ihr bald kommt und euch ein persönliches Bild macht. Dann könnt Ihr die Schwierigkeiten hier im Alltag erleben, aber auch, wie die Menschen versuchen, damit klarzukommen. Und worüber sie sich freuen. 

Frage: Wann kommst Du wieder nach GL?

Antwort: Ich wünschte mir sehr, mal wieder bei Euch zu sein. Aber ich habe noch keine Einladung bekommen. Könntet Ihr das mal angehen?

„Denk an die Anderen“

Auch die palästinensische Dichtkunst hatte ein Wörtchen mitzureden, einfühlsam deklamiert von Heinz-D. Haun vom Beit-Jala-Vorstand. Haun trug Gedichte des palästinensischen Nationaldichters Mahmoud Darwisch (1941-2008) vor. Der vielfach preisgekrönte Autor wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt, manche seine Verse wurden zu Sprichwörtern.

Gut vorstellbar, dass Darwisch nicht gezögert hätte, die Gäste auf dem Beit-Jala-Platz mit seiner gewaltigen Poesie in den Bann zu ziehen. Etwa mit dem von Haun verlesenen Gedicht „Denk an den Anderen“:

Wenn du dein Frühstück bereitest, denk an den Anderen
und vergiss nicht das Futter der Tauben.

Wenn du in deine Kriege ziehst, denk an den Anderen
und vergiss nicht jene, die Frieden fordern.

Wenn du deine Wasserrechnung begleichst, denk an die Anderen,
die ihr Wasser aus den Wolken saugen müssen.

Wenn du zu deinem Hause zurückkehrst, deinem Hause, 
denk an den Anderen und vergiss nicht das Volk in den Zelten.

Wenn du schlafen willst und die Sterne zählst, denk an den Anderen,
der keinen Raum hat zum Schlafen.

Wenn du dich mit Wortspielen befreist, denk an den Anderen
und denk an jene, die die Freiheit der Rede verloren haben.

Wenn du an die Anderen in der Ferne denkst, denke an dich,
und sage: Wäre ich doch eine Kerze im Dunkeln.

Bürgermeister Marcel Kreutz mit Gästen und Dudelsackspieler Bijan Mahdjub auf dem Beit-Jala-Platz in Gronau. Im Vordergrund die neue Flagge 

Musiker Bijan Mahdjub griff die nachdenkliche Stimmung auf, nahm sie in die heitere Klangwelt seines durchdringend aufspielenden Dudelsacks mit. Beim abschließenden Umtrunk schickten die plaudernden Gäste noch manche Gedanken auf dem Weg nach Beit Jala. Von dort trafen mittlerweile die ersten Glückwünsche zum neuen Wegweiser in die Partnerstadt ein. 

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.